Zocken für Olympia

Der lange Weg nach Olympia: Wenn Computerspielen zum Sport wird

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Die Frage, ob Gamer gleichzeitig Sportler sein können, hat viel Anlass zu Diskussionen gegeben. Doch der eSport möchte diese Brücke schlagen und beweisen, dass der disziplinierte Kampf um Höchstleistungen am PC Anerkennung verdient. 

ESport ist mehr als Zocken

ESport ist seit einigen Jahren ein heiß diskutiertes Thema. Er schlägt die Brücke zwischen freizeitgemäßem Computerspielen, das nicht selten kritisch betrachtet wird, und Hochleistungssport. Besser wäre es wahrscheinlich, zu sagen, eSport möchte diese Brücke schlagen. Denn bislang kämpfen Profispieler, Veranstalter und Verbände noch hart um die Anerkennung ihrer Tätigkeit als Sport.

Um den Begriff eSport korrekt und vollumfänglich zu erläutern, lässt sich am besten die offizielle Definition heranziehen, die der eSport-Bund Deutschland e.V. auf seiner Mitgliederversammlung vom 26.10.2018 in Hamburg verabschiedet hat:

eSport ist der unmittelbare Wettkampf zwischen menschlichen Spieler/innen unter Nutzung von geeigneten Video- und Computerspielen an verschiedenen Geräten und auf digitalen Plattformen unter festgelegten Regeln. Der Vergleich der sportlichen Leistung im eSport bestimmt sich aus dem Zusammenwirken einer zielgerichteten Bedienung der Eingabegeräte in direkter Reaktion auf den dargestellten Spielablauf bei gleichzeitiger taktischer Beherrschung des übergreifenden Spielgeschehens. Bezugsobjekt der sportlichen Tätigkeit sind Videospiele, die in ihrem Aufbau und ihrer Wirkungsweise den Anforderungen an die sportliche Leistungsermittlung genügen, den Spielerfolg nicht überwiegend dem Zufall überlassen und einen reproduzierbaren Spielrahmen zum Vergleich der Leistung zwischen den Spieler/innen bieten.

(Quelle: https://esportbund.de/esport/was-ist-esport/)

Damit geht eSport weit über das Computerspielen in einem freizeitlichen Rahmen hinaus. Und zwar nicht nur im Hinblick auf die erbrachte Leistung, sondern auch auf den Anspruch, den die gesamte Branche an sich selbst, die Spieler, die sportliche Leistungsermittlung und an sportliche Veranstaltungen in diesem Bereich stellt.

Das Interesse und die Begeisterung haben im Laufe der Jahre stetig zugenommen. Die Fangemeinde wächst, ebenso wie das Aufgebot an professionellen Spielern, Sponsoren und Events. Inzwischen zieht eSport weite Kreise und hat sich zumindest in der Unterhaltungsbranche einen festen Platz erobert. In den Rängen der olympischen Disziplinen sucht man ihn bislang allerdings vergeblich.

ESport erobert die Wettbüros

Auch wenn eSport bislang noch keine olympische Disziplin ist, hat er doch längst die Wettbüros erobert. Bei renommierten Wettanbietern ist es möglich, Wetten auf die angesagten Events in diesem Bereich zu platzieren. Bet-at-home ist einer der bekanntesten Anbieter für Sportwetten im deutschsprachigen Raum. Natürlich hat es sich der Traditionsanbieter nicht nehmen lassen, selbst in das brandaktuelle Thema eSports einzusteigen und bietet seinen Kunden jetzt einen exklusiven Bereich dafür an.

Die Fans können auf eine recht umfangreiche Auswahl an beliebten Spielen wetten. Zu den Publikumslieblingen gehören Counter-Strike, League of Legends, Dota 2, Overwatch, StarCraft II und Hearthstone. Weitere Spiele und Veranstaltungen sollen folgen. Besonders interessant dürfte es werden, wenn auch große Akteure wie die FIFA künftig häufiger auf Turniere im eSport-Bereich setzen.

Wer sich für den elektronischen Sport interessiert, aber noch nicht den nötigen Überblick gewonnen hat, um eine Wette mit guten Gewinnaussichten zu platzieren, kann direkt über das Wettportal auf eine eSport-Schule zugreifen. Die erläutern dem Laien die unterschiedlichen Spielmechanismen, Besonderheiten und Anforderungen der im Wettkampf vertretenen Computerspiele. Künftig möchte sich der Anbieter zusätzlich einen Markt erschließen, indem er die großen eSport-Events über eine Art Livestream anbietet.

Bislang ist das Interesse an eSports-Wetten noch verhalten. Es fehlt die Bekanntheit in der breiten Öffentlichkeit. Trotzdem zeigt der Trend, dass eSport weit mehr ist als eine Nische und sich in den kommenden Jahren weiter in die Reihen der anerkannten Sportarten vorkämpfen wird.

Der harte Kampf um die Anerkennung als Sport

Beliebt ist eSport, aber leider nicht anerkannt. Die Debatte darum, ob professionelles Computerspielen als Sport bezeichnet werden darf und vielleicht sogar zu den offiziellen olympischen Disziplinen zählen sollte, wogt seit Jahren hin und her. Die Argumente sind auf beiden Seiten vielfältig. Es gehe um einen sportlichen Wettkampf, um die disziplinierte Erbringung von koordinativen Höchstleistungen, sagen die Befürworter der Anerkennung von eSport als Sport. Auf der Gegenseite treffen sie damit auf Skepsis und Kritik.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich eingehend mit der Frage beschäftigt, ob eSport als Sport anerkannt werden sollte. Mit der Beantwortung dieser Frage tut man sich schwer, denn die sogenannten elektronischen Sportartensimulationen lassen sich in einer immer stärker digitalisierten Welt nicht mehr klar von anderen Formen des Sportes abgrenzen. Zumindest hier gibt es also eine Schnittmenge, die sich nicht ignorieren lässt. Problematisch wird die Anerkennung durch die ungemein breit gefächerte Palette an Spielen, die in den Wettbewerben im Zentrum stehen. Der Schwerpunkt liegt bei den großen Events eben eher auf den beliebten Shootern und MMO’s und weniger auf Sportsimulationen.

2019 gab der DOSB sogar ein Gutachten in Auftrag, das die Zuordnung von eSport juristisch klären sollte. Das Rechtsgutachten kam zu dem Schluss, dass eine Anerkennung als Sport nicht möglich sei. Der Begriff Sport sei „durch die langjährige Rechtsprechung im traditionellen Sinne der Anforderungen an die Körperlichkeit konkretisiert", so die Argumentation. Der eSport-Bund reagierte verstimmt und warf zu Recht die Frage in den Raum, auf welcher Basis dann Sportarten wie Dart oder Tischfußball Anerkennung finden könnten, da es dabei ebenfalls vor allem um Präzision und Koordination gehe und weniger um eine reine Körperlichkeit.

Für den Augenblick erteilt das Rechtsgutachten im Auftrag des DOSB eSport also eine klare Absage. Die Gemeinnützigkeit von eSport als Sport sei nicht gegeben. Auch die Unterscheidung in elektronische Sportsimulationen und das klassische eGaming, die der DOSB als eine Art Kompromiss formuliert hatte, ist aus juristischer Sicht nicht belastbar. Außerdem passen Videospiele nicht zu den Werten, die die Olympischen Spiele definieren, so die Aussage des Internationalen Olympischen Komitees. Damit dürfte der Kampf um Anerkennung, dem sich eSport seit Jahren stellt, wieder einmal auf die medial so gerne ausgeschlachtete Killerspiel-Debatte reduziert worden sein.

ESport als Beruf: Nicht nur Zocker haben eine Chance

Wenn sich Computerspielen jetzt auch professionell betreiben lässt, dürften viele Freizeitgamer einen neuen Berufswunsch für sich definieren. Mit dem Lieblingsspiel Geld verdienen, das klingt nach einer traumhaften Perspektive. Dabei sollten sich Freizeitzocker allerdings nicht zu früh freuen. Die Hürden für professionelle eSportler liegen hoch. Es geht um weit mehr als Spielspaß und schnelle Finger an der Konsole. Wer es in die obere Liga schaffen und bei den angesagten Events eine Chance auf die attraktiven Preisgelder haben möchte, muss über eine exzellente Hand-Auge-Koordination verfügen, schnelle Reflexe haben und sich über einen langen Zeitraum hinweg auch in der Öffentlichkeit perfekt konzentrieren können.

Glücklicherweise ist Profispieler nicht die einzige Möglichkeit, um beruflich in diesen Bereich einzusteigen. Auch hinter den Kulissen gibt es zahlreiche Berufsbilder, die für Fans der Gamingszene interessant sein könnten und für die Freizeitspieler wichtige Qualifikationen mitbringen. Sogar ein Studium oder eine Karriere als Quereinsteiger sind möglich, um hier Fuß zu fassen. In der aktuellen eSportschau finden Interessierte Anregungen und Tipps rund um den Traumberuf im Bereich eSport.

Und vielleicht glückt ja irgendwann sogar die Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee. Dann wäre der lang ersehnten Gipfel des Olymp erreicht.

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