Der Berufseinstieg

Mittelstand, Startup oder Industrieriese: Was eignet sich besser für den Karrierestart?

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Je nachdem, in welcher Branche man seine Karriere beginnt, unterscheidet sich die Erfahrung in den ersten Jahren des Berufslebens schon ungemein. Welche Unternehmensgröße ist die richtige?

Der Karrierestart 

Schon die gleiche Berufsbezeichnung kann in der Realität sehr unterschiedlich aussehen: Je nachdem, in welchem Umfeld man arbeitet. 

Je nach Unternehmensgröße und Position am Markt gibt es große Differenzen zwischen den möglichen Arbeitgebern. Jeder Weg ins Berufsleben hat spezielle Eigenschaften und somit seine Vor- und Nachteile. Je nachdem, wie die eigenen Vorstellungen für den Alltag im Job ausfallen, kann eine bestimmte Unternehmensform die bessere Wahl sein.

Die Frage nach dem Einstiegsgehalt 

Viele Absolventen und Berufseinsteiger interessiert insbesondere das Einstiegsgehalt, mit dem sie in ihrer Branche rechnen können. Doch nur mit der Angabe der Berufsbezeichnung lässt sich hiermit kaum eine klare Aussage treffen, denn die finale Zahl ist noch von vielen anderen Faktoren abhängig. 

Zuerst einmal gibt es je nach Bundesland und Ort noch größere Unterschiede, die teilweise stark ins Gewicht fallen können. Insbesondere in Berlin sind Löhne häufig niedriger als im Bundesdurchschnitt, was für eine Hauptstadt sehr ungewöhnlich ist. 

Zusätzlich muss man noch beachten, dass der reine Lohn nicht direkt für den Lebensstandard verantwortlich ist. Die Unterschiede in Lebenshaltungskosten, insbesondere durch stark unterschiedliche Mietpreise, können hier die Verhältnisse umdrehen. Ein gleich bezahlter Job in München, wo man in einer größeren WG leben müsste, kann in Pirmasens in der Pfalz locker eine größere Wohnung mit mehreren Zimmern finanzieren. Heidelberg liegt bei Wohnkosten spürbar über dem Bundesdurchschnitt. 

Dann kann es auch weitere Abweichungen geben, je nachdem, für welches Unternehmen man arbeitet. Die Größe und Marktposition machen am meisten aus. Große, stabile Konzerne wie Bosch können mit sehr attraktiven Gehältern locken. Aber selbst zwischen Unternehmen von ähnlicher Ausprägung kann es Unterschiede geben, der Einzelhandel ist hierfür ein gutes Beispiel. 

Zwei Discounter mit sehr ähnlichem Angebot und fast gleichem Arbeitsalltag, die direkt nebeneinander stehen, können im Einstiegsgehalt Unterschiede von bis zu 30 Prozent aufweisen. 

Die unterschiedlichen Chancen für die Zukunft 

Doch nicht nur im durchschnittlichen Gehalt unterscheiden sich die verschiedenen Unternehmen innerhalb einer Branche. Eine Karriere beginnt und endet nicht mit dem Einstiegsgehalt, sondern entwickelt sich normalerweise im Laufe der Zeit. 

Auch die Voraussetzungen hierfür sind keineswegs überall gleich. Aufstiegschancen innerhalb des Betriebes, die Möglichkeiten für Fortbildungen oder sogar den Wechsel auf ein duales Studium innerhalb des gleichen Unternehmens nach einigen Jahren Berufserfahrung. All dies können Chancen sein, die je nach Arbeitsstelle zum gewohnten Bild gehören oder gar nicht erst möglich sind. 

Gleiches gilt für die Perspektiven, die man beim Jobwechsel hat, nachdem eine bestimmte Zeit in einem Betrieb gearbeitet wurde, sowohl die Pflichten, die man im Rahmen der Tätigkeiten übernommen hat, die wertvolle Erfahrungen eingebracht haben, als auch der Name des Unternehmens selbst können bei einer erneuten Bewerbung eine große Rolle spielen. Also hat die Wahl einer Stelle auch großen Einfluss darauf, wie der Lebenslauf in der Folge wirkt.

Klein anfangen im Startup 

Eine gute Chance bietet sich für Berufseinsteiger, die für ihren Karrierebeginn auch einen Arbeitgeber wählen, der ebenfalls am Anfang seiner Laufbahn steht. Natürlich hat das Ganze sowohl Vor- als auch Nachteile, denn die Arbeit in einem Startup ist nicht unbedingt für Jedermann geeignet. 

Die Nachteile sind schnell aufgezählt und nicht besonders überraschend. Für kleine Unternehmen kurz nach ihrer Gründung ist die Belegschaft häufig noch recht klein, so dass der Tätigkeitsbereich häufig noch nicht klar definiert sein kann. Von den Mitarbeitern wird daher oft viel Flexibilität gefordert, sowohl, was die Verteilung der Aufgaben angeht, aber auch bezüglich der Arbeitszeit.

Zusätzlich ist in den meisten Fällen das durchschnittliche Einstiegsgehalt zumindest zu Beginn eher niedrig angesiedelt, da üblicherweise Startups nur wenig Kapital zur Verfügung haben. Bevor in der Wachstums- oder Reifephase eine solide Marktposition mit viel Umsatz erreicht wird, ist bei vielen Startups die Zahlungsfähigkeit in der Schwebe, weshalb auch Gehälter vergleichsweise niedrig sein können. 

Außerdem sind die Arbeitsbedingungen häufig eher durchschnittlich, da mit einer möglichst kleinen Belegschaft viel Arbeit erledigt werden muss, sind nicht nur Arbeitszeiten am höheren Ende angesiedelt, sondern auch die Urlaubstage beschränkt, gerne auch auf das gesetzliche Minimum. 

Doch wer in diesen Aspekten keine wirklichen Probleme sieht, kann große Vorteile für den Verlauf der Karriere daraus gewinnen. Zwar ist der Name eines Startups im Lebenslauf nur selten direkt ein Blickfang, da nur die wenigsten innerhalb kurzer Zeit zu Stars ihrer Branche werden. Doch aufgrund der kurzen Entscheidungswege und üblicherweise kleinen Belegschaft sind die Aufstiegschancen innerhalb eines jungen Unternehmens häufig unvergleichlich gut. 

Erst nach vielen Jahren im Beruf und einer Weiterbildung kann man in großen Unternehmen mit einer leitenden Position rechnen, während in Startups im Wachstum häufig Stellen intern von erfahrenen Mitarbeitern besetzt werden, wenn sich die Notwendigkeit auftut. Da man häufig mehr als nur ein Teil des Teams ist, kann das eigene Tätigkeitsfeld gemeinsam mit dem Unternehmen wachsen. 

So kann man höhere Stellungen innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit erreichen, was die Bezahlung deutlich aufbessert. Diese Position wiederum macht sich außerdem im Lebenslauf äußerst gut und kann im weiteren Verlauf der Karriere viele Türen öffnen.

Der typische Start im Mittelstand 

Der Einstieg in den Beruf in einem mittelständischen Unternehmen ist nicht ganz so polarisierend. Im Arbeitsalltag ähnelt es häufig dem Arbeitsklima in einem Startup, die Belegschaft ist überschaubar. Die Aufgabenbereiche sind jedoch im Normalfall klarer verteilt, sodass es kaum mehr zu spontanen Umstrukturierungen kommt. 

Ein Aspekt, der speziell für den Mittelstand gilt, kann sowohl als Vor- als auch ein Nachteil interpretiert werden: Die Konstanz. Es ist durchaus denkbar, dass man in einem solchen Betrieb die gleiche Tätigkeit für viele Jahre durchführt. Je nach den eigenen Vorstellungen und den Vorlieben für die Karriere kann dies gewünscht sein, für Überflieger jedoch vielleicht nicht die richtige Wahl. 

Bei der Bewerbung gilt es, genauer aufzupassen, denn nichts ist garantiert. Die Entlohnung kann sich je nach Unternehmen im unteren, aber auch oberen Durchschnitt bewegen. Ähnliches gilt für die Konditionen, doch da der Mittelstand üblicherweise solider aufgestellt ist, als ein frisches Startup, sind insbesondere Urlaubszeiten oft recht ordentlich. 

Wer gerne eine konstante Arbeitsstelle mit wenig Überraschungen hat, oder für ein paar Jahre ohne allzu großen Stress Arbeitserfahrung sammeln möchte, trifft hier möglicherweise die richtige Wahl. Außerdem sind im Mittelstand in vielen Fällen die Bewerberzahlen nicht zu groß, so dass der Einstieg wahrscheinlicher ist. 

Direkt zum Marktführer: Einstieg beim Branchenriesen 

Die größten Arbeitgeber sind riesige Konzerne, die börsennotiert sind und bundesweit oder sogar international sehr viele Menschen beschäftigen. Es gibt viele Gründe, die für einen Marktführer als erste Arbeitsstelle sprechen. 

Gehalt, Konditionen und Arbeitsumfeld sind üblicherweise auf dem höchsten Niveau. Auch zusätzliche Bestrebungen, das Arbeitsklima mit verschiedenen Angeboten zu verbessern, wie etwa individuellen Zusatzleistungen, sind häufig charakteristisch für erfolgreiche Unternehmen. In erfolgreichen Unternehmen der boomenden Branchen wie der IT gehört es zum Lifestyle dazu, in der Industrie hat man hierzulande mit Gewerkschaften starke Partner, die sehr faire Löhne und Bedingungen durchsetzen konnten und immer weiter daran arbeiten. 

Außerdem sind die Unternehmensstrukturen für gewöhnlich so breit aufgestellt, dass es viele Möglichkeiten gibt, sich zu entfalten. Zumeist jedoch an interne Bewerbungen gebunden. Weiterbildungen, Zertifikate, oder der Wechsel auf einen dualen Studienplatz im Betrieb sind zumeist auf große Unternehmen limitiert. 

Ein Nachteil, der viele betrifft: Trotz der Größe des Unternehmens sind die Ausbildungs- und Arbeitsplätze begrenzt, während die Bewerberzahlen üblicherweise riesig sind. Dadurch kommt es vielerorts zu einem harten Auswahlverfahren oder Eignungstests, aus denen nur die wenigsten Bewerber mit einem Arbeitsvertrag hervorgehen. 

Für viele ist es auch nicht unbedingt das Richtige, nur ein kleines Zahnrad in solch einem riesigen, unüberschaubaren Konzern zu sein. Persönliche Werte können dort leider schnell unter den Tisch fallen und das Mitspracherecht, wenn es um Prozesse geht, ist meistens gleich Null. Dadurch sind auch die Aufstiegschancen mit den genannten Weiterbildungen zwar vorhanden, jedoch daran gebunden und meistens nur nach einiger Zeit eine Option.

Das Fazit 

Es gibt also kein richtig oder falsch, wenn es um die Wahl des Arbeitgebers geht. Je nach der eigenen Persönlichkeit und den Vorstellungen für die nächsten fünf bis zehn Jahre kann sowohl ein Startup, als auch ein Megakonzern die absolut richtige Wahl sein. Wichtig ist nur, sich darüber im Klaren zu sein, was einen wo erwarten kann. 

Wer gerne von Anfang an Verantwortung übernimmt und flexibel in den Tätigkeiten sein möchte, kann sich so einige Zeit in einem Startup durchbeißen und so zu einem wichtigen Teil des Unternehmens werden, was zu einem schnellen Aufstieg führen kann. 

Wer eine hohe Jobsicherheit ohne große Turbulenz möchte, ist im Mittelstand perfekt aufgehoben und Karriere-Überflieger, die einen großen Wert auf Titel und formale Weiterbildung legen, sind wie geschaffen für einen Konzern.

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