Studium

BAföG, Stipendien & Co: Wovon leben die Heidelberger Studierenden?

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Ein Studium, auch wenn man nicht viel Geld hat? Auf verschiedenen Wegen ist dies trotzdem möglich.

Studieren ist teuer, trotz Abschaffung der Studiengebühren und staatlicher Förderung, beispielsweise durch Steuervorteile oder BAföG. Wovon leben die Heidelberger Studierenden?

Eigentlich soll in Deutschland Gleichberechtigung herrschen, auch was den Bildungsweg betrifft. Auf gut Deutsch bedeutet das: Jeder Bürger sollte gleichermaßen die Möglichkeit bekommen, ein Studium aufzunehmen und dadurch die berufliche Laufbahn seiner Wahl einzuschlagen. Tatsächlich haben entsprechende Maßnahmen in den vergangenen Jahren wie die Abschaffung der Studiengebühren für ein Erststudium durchaus Erfolge gezeigt. Ganz unabhängig vom sozialen Background ist Bildung in Deutschland dennoch nicht – zumindest bislang. Gerade ärmeren Familien ist ein Studium oft schlichtweg zu teuer. Für sie ist es lohnenswerter, wenn die Kinder schnellstmöglich die Schule beenden und eine Berufsausbildung aufnehmen. Obwohl ein Studium vielleicht durch BAföG & Co gefördert wird, fehlen während dieser Zeit nämlich Einnahmen, wie sie bei einer Berufsausbildung bereits generiert werden können. Einzige Ausnahme stellt der Sonderfall eines dualen Studiums dar. Studieren ist somit im Vergleich zu früher zwar günstiger geworden, bleibt für viele Menschen aber immer noch sehr oder sogar zu teuer. Weshalb?

Lebenshaltungskosten für Studenten steigen stetig

Einerseits fehlt es also an zusätzlichen Einnahmen im Studium, sodass durch BAföG & Co zwar die Grundkosten gedeckt sind – mehr aber auch nicht. Andererseits steigen die Lebenshaltungskosten auch für Studierende immer weiter an, sodass viele Betroffene nicht mehr ohne Nebenjob, Stipendien oder Kredite auskommen. Ein Hauptgrund hierfür sind die explodierenden Mietpreise, welche deutlich schneller in die Höhe klettern als das BAföG oder andere Finanzierungsmöglichkeiten für Studenten angehoben werden. Die aktuellen Niedrigzinszeiten haben nämlich die bundesweiten Immobilienmärkte befeuert. Immer mehr Menschen möchten ihr Geld in einem Eigenheim anlegen und zeitgleich herrscht in zahlreichen deutschen Städten Wohnungsnot. Die Folge: Steigende Kauf- sowie Mietpreise für Immobilien gemäß dem Gesetz von viel Nachfrage und wenig Angebot. Das ist auch im Großraum Heidelberg der Fall. Obwohl München nach wie vor Spitzenreiter im Mietpreisspiegel ist, findet die Verteuerung vor allem in Städten statt, welche bislang noch als vergleichsweise günstig galten – zumindest für eine Metropole. In Berlin wurden Immobilien allein im Jahr 2017 durchschnittlich um 15,6 Prozent teurer. In Stuttgart waren es 11,3 Prozent und im bundesweiten Schnitt immerhin sieben Prozent. Zwar werden sich diese Werte vermutlich in naher Zukunft verlangsamen, ein Ende der kletternden Mietpreise ist aber trotz staatlicher Mietpreisbremse vorerst nicht in Sicht.

Auch WG-Zimmer werden immer teurer

Viele Studierende suchen nach der günstigsten Lösung für eine Unterkunft im Studienort. Studentenwohnheime sind so beliebt wie nie zuvor und in Heidelberg steigt die Zahl an WGs, also Wohngemeinschaften mehrerer Studierender in einer Wohnung, stetig an. Der Vorteil: Die Bewohner teilen sich Bad, Küche sowie Gemeinschaftsräume und damit auch die Miet- sowie Nebenkosten. Ein Konzept, welches sogar bei älteren und berufstätigen Menschen oder Rentnern mittlerweile sehr beliebt ist – sei es aus finanziellen Gründen oder, um der Einsamkeit entgegenzuwirken. Dennoch sind auch solche WGs von den steigenden Mietpreisen betroffen. Rund 410 Euro warm zahlt ein Student in Heidelberg für sein WG-Zimmer im Durchschnitt, abhängig von dessen Lage sowie Größe. Preise, wie sie auch in Hamburg zu finden sind. Das macht deutlich: Wer in Heidelberg studieren möchte, hat sich nicht die günstigste Gegend ausgesucht. Wie also finanzieren die Studentinnen und Studenten ihre Zeit an der Heidelberger Universität oder an den regionalen Hochschulen?

Finanzierungsmöglichkeiten im Studium

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, ein Studium zu finanzieren.

Eine Frage, welche sich Studierende nicht nur in Heidelberg, sondern in der gesamten Bundesrepublik stellen müssen, bevor sie ihr Studium aufnehmen – denn die monatlichen Kosten liegen als Student beziehungsweise Studentin bei durchschnittlich 570 bis 1.100 Euro im Monat. Möglichkeiten zur Studienfinanzierung gibt es prinzipiell viele. Dennoch kommt nicht jede Finanzierungsform für alle Studenten infrage:

1. Unterstützung durch das Elternhaus

So zum Beispiel bei der finanziellen Unterstützung durch die Eltern. Gerade für Studierende aus intakten Familien und mit wohlhabendem Elternhaus stellt das Studium in der Regel kein Problem dar. Viele Eltern sparen sogar schon Jahre zuvor oder ab dem Zeitpunkt der Geburt des Kindes für dessen späteres Studium. Sei es als Ergänzung zum BAföG oder als Komplettfinanzierung: Eltern sind per Gesetz sogar in der Pflicht, ihr Kind bis zur Beendigung eines ersten berufsqualifizierenden Abschlusses innerhalb ihrer Möglichkeiten finanziell zu unterstützen. Als Gegenleistung erhalten sie einen Steuerfreibetrag sowie das Kindergeld vom Staat. Dennoch halten sich viele Eltern nicht an diese Regelungen oder haben schlichtweg nicht ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Aber keine Sorge: Es gibt auch für Studentinnen und Studenten, die keine Unterstützung aus dem Elternhaus erhalten, zahlreiche weitere Finanzierungsmöglichkeiten für das Studium.

2. (Elternunabhängiges) BAföG

Ein beliebtes Finanzierungsmittel neben oder anstelle der Unterstützung durch die Eltern stellt das BAföG (Bundesausbildungsförderungsgesetz) dar. Es steht all jenen Studierenden zu, deren Studium nicht – vollständig – durch das Elternhaus finanziert werden kann oder wo sich die Eltern schlichtweg querstellen. Für letzteren Sonderfall gibt es ein spezielles elternunabhängiges BAföG, welches unabhängig vom Einkommen und Vermögen der Eltern beantragt werden kann. Denn wie viel BAföG gezahlt wird, hängt von den finanziellen Verhältnissen des Elternhauses ab. Der Höchstsatz liegt derzeit bei 735 Euro im Monat für selbstversicherte Studierende. Nicht alle Studentinnen sowie Studenten haben also Anspruch auf BAföG beziehungsweise reicht der gezahlte Monatssatz nicht immer für die komplette Studienfinanzierung aus. Es braucht also unter Umständen Alternativen oder Möglichkeiten zur Aufstockung der eigenen Geldmittel.

3. Studienrelevanter oder -unabhängiger Nebenjob

Ein klassischer Weg, um an mehr Geld zu kommen, ist natürlich ein Nebenjob. Viele Studierende arbeiten zwischen den Vorlesungen, Prüfungen & Co. Besonders gut geeignet, da sie auch ein Plus für den Lebenslauf darstellen, sind dafür Jobs als Werkstudent oder Praktika, welche direkt mit den Studieninhalten zusammenhängen und damit einen Einstieg in das spätere Berufsleben darstellen. Jedoch sind vor allem Praktika oft nicht gut genug bezahlt, die Nebenjobs sind rar oder der Betroffene hat vor seinem Studium bereits eine Berufsausbildung absolviert und arbeitet in dem ehemaligen Betrieb stundenweise weiter. Es gibt also eine große Bandbreite an Nebenjobs und viele Gründe, weshalb ein Nebenverdienst für die jeweilige Person geeignet ist – oder eben nicht. Der eine arbeitet lieber als Babysitter, der andere als Werkstudent und der Dritte als Auto-Mechatroniker. Die Möglichkeiten sind vielfältig, jedoch gibt es beim Nebenjob als Student häufig dasselbe Problem: Es mangelt schlichtweg an Zeit. Ein Studium ist schließlich kein Zuckerschlecken. Zwischen Vorlesungen, Prüfungen, Semesterarbeiten und Pflichtpraktika bleibt nicht immer Puffer – und Energie – um nebenbei auch noch ausreichend zu arbeiten, damit das Geld für die Studienfinanzierung reicht.

4. Stipendien

Das Stipendium als Möglichkeit zur Studienfinanzierung ist in Deutschland noch relativ wenig verbreitet. Nur jeder vierte Student erhält aktuell ein Stipendium, dabei sind 41 Prozent der Bewerbungen auf solche Angebote erfolgreich. Es gibt also eine Menge Angebote und – beispielsweise im Gegensatz zu den USA – noch vergleichsweise wenig Nachfrage. Wer kann, sollte daher seine Chance ergreifen und ein Voll- oder Teilstipendium für sein Studium beantragen. Der Vorteil: Im Gegensatz zu BAföG oder einem Kredit, ist das Geld bei einem Stipendium zu 100 Prozent geschenkt. Alles, was es dafür braucht, ist in der Regel eine Bewerbung mit Motivationsschreiben und Lebenslauf.

5. Kredite mit oder ohne Schufa

Wem es trotz aller aufgeführten Möglichkeiten nach wie vor an ausreichend Geld für das eigene Studium fehlt, kann auf Kredite zur Studienfinanzierung zurückgreifen. Infrage kommen dafür einerseits spezielle Studienkredite mit vergünstigten Konditionen. Oft sind diese jedoch abhängig vom Einkommen sowie der Bürgschaft der Eltern. Andererseits können auch klassische Kredite dabei helfen, finanzielle Engpässe zu überbrücken. Ein Kleinkredit stellt beispielsweise eine schnelle sowie simple Möglichkeit dar, um ausreichend Geld für die Einrichtung des WG-Zimmers oder den Kauf des Semestertickets zu generieren und anschließend monatlich wieder abzustottern. Ob Kredite gewährt werden, zu welchen Konditionen sowie in welcher Höhe, hängt aber natürlich vom Schufa Score der betreffenden Person ab – auch bei Studierenden.

Schlussendlich sollte für alle Studentinnen sowie Studenten also eine passende Möglichkeit zur Finanzierung ihres Studiums dabei sein. Zudem ist natürlich auch stets eine Kombination mehrerer Einnahmequellen sinnvoll.

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