Kult-Musiker

„Wie schön, dass du geboren bist“ - Rolf Zuckowski wird 70

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Rolf Zuckowski

Hamburg - Von der Schallplatte über Kassette und CD bis hin zum Stream - viele sind mit seinen Songs groß geworden: Rolf Zuckowskis Lieder sind seit Jahrzehnten Hits in Kinderzimmern und Kitas. Heute wird er 70 Jahre alt.

Rolf Zuckowski steht mit dem Auto im Stau, man möge in der Bäckerei gegenüber seinem Büro auf ihn und das Interview zum Geburtstag warten. Eine kleine Bitte, die gleich an drei seiner großen Hits denken lässt - an „In der Weihnachtsbäckerei“ und an das Geburtstagslied „Wie schön, dass du geboren bist“ sowieso, und auf seinem Klassiker „Rolfs Schulweg-Hitparade“ hat er doch empfohlen: „Heute bleibt das Auto stehen“. Trotz der Geduldsprobe im Hamburger Straßenverkehr wirkt er wenig später entspannt. Freundlich lächelnd, wie man ihn seit Jahrzehnten von der Bühne kennt. Seit 40 Jahren macht er Musik für Kinder.

Vom großen Tourneebetrieb hat sich Zuckowski verabschiedet, lieber reist er jetzt allein mit der Gitarre oder gar nur der Ukulele als „Grußwortsänger“ zu Auftritten. Das Singen seiner Lieder übernehmen auch auf der aktuellen Tour zum Jubiläum „40 Jahre Rolfmusik“ vor allem andere, ob Kindergartengruppen oder Erwachsenenchöre. „Es gab Jahre, in denen ich viel dafür getan habe, dass meine Lieder bekannt werden“, sagt er. „Früher wurde extrem viel von mir im Radio gespielt, heute ist das kaum noch der Fall. Aber wenn sich dann das Repertoire selber trägt, kann man über andere Dinge nachdenken.“

40 Jahre ist es her, dass für ihn mit einer Hochzeit alles begann: „Die Vogelhochzeit“

Das Singspiel wurde zu seinem ersten Erfolg als Kindermusiker und zu einem seiner größten überhaupt. Die Leidenschaft für Gesang und Gitarre hatte ihn schon als Mitglied der Schulband The Beathovens gepackt. Sein Vater, ein Seemann, schenkte ihm die erste Gitarre. Zunächst war er mit Pop, Schlager und Folk unterwegs. Doch nachdem er mit der Band Peter, Sue & Marc beim Grand Prix dabei war - als Texter und Produzent - und für zahlreiche Künstler geschrieben hatte, entdeckte er die Kindermusik für sich. Schließlich ist er seit 1971 selbst Vater.

Von den Jüngsten begeistert in Endlosschleife gehört, macht sich Zuckowski bei Älteren deswegen bisweilen unbeliebt. Als „singende Nervensäge“ und „unsäglicher Heile-Welt-Poet“ wurde er kritisiert. Der Direktor der Staatlichen Jugendmusikschule Hamburg, Guido Müller, ist hingegen voll des Lobes: „Die Texte sind kindgemäß, aber nicht trivial, sie sind vielschichtig, trotzdem gut verständlich, oft lustig, augenzwinkernd, und sie transportieren Inhalte, die äußerst bedeutsam für Kinder sind.“ Liebe- und fantasievoll singe er über wichtige Themen wie das Alleinsein, das Anderssein, Größerwerden oder Träumen.

Aus der Mode kommen könnten diese Lieder gar nicht, findet Müller. Wie die Jugendmusikschule arbeitete auch die Hamburger Kita-Vereinigung Elbkinder jüngst wieder mit Zuckowski zusammen. „Die Melodien sind eingängig, und die Texte greifen Alltagssituationen auf, die die Kinder kennen“, sagt Franziska Larrá von der Geschäftsführung. „Das Geburtstagslied, die „Weihnachtsbäckerei“ und die „Vogelhochzeit“ sind die absoluten Renner in jeder Kita, die kennt jedes Kind.“ Auf diese Weise verbreiteten sich seine Lieder auch jenseits von Radio und TV weiter, sagt Zuckowski.

Die Liste seiner eigenen Hits ist lang

Seine Glückwünsche an den Jubilar sendet auch der private Hörfunksender Radio Teddy. „Rolf Zuckowski ist bei Radio Teddy seit zwölf Jahren jeden Tag unter den Top 3 der Hörerwünsche“, erklärte Programmchef Roland Lehmann vor kurzem. Als Radio-Moderator arbeitete auch Zuckowski, Anfang der 80er Jahre landete er mit Rolf und seine Freunde Hits wie „Du da im Radio“ oder „...und ganz doll mich“, mit Peter Maffay und Gregor Rottschalk erschuf er den Drachen „Tabaluga“. Die Liste seiner eigenen Hits ist lang: „Stups, der kleine Osterhase“, „Oma liebt Opapa“ oder „Kommt, wir woll'n Laterne laufen“ stehen weit oben.

„Die „Weihnachtsbäckerei“ ist sicherlich mein Erkennungszeichen, aber direkt dahinter kommt „Wie schön, dass du geboren bist“ - ich vermute, dass es in Deutschland das meistgesungene Lied unserer Zeit ist“, sagt er. „Es wird bestimmt jeden Tag viele Tausend Mal irgendwo zum Geburtstag angestimmt. Viele wissen gar nicht, dass es von mir ist, es ist eine Art Volkslied geworden.“ Zum eigenen Geburtstag dürfte er sein Lied mehrfach hören. Drei erwachsene Kinder und vier Enkelkinder hat das im Stadtteil Blankenese lebende Ehepaar Zuckowski, darunter Sohn Alexander, den es als Komponist, Autor und Produzent in die Popbranche zog.

Für sein Lebenswerk erhielt Zuckowski bereits 2008 den Echo - dass es in Zukunft lebendig bleibt, darum kümmert er sich auch am Geburtstag. „Es gibt mehrere Mini-Geburtstagsfeiern“, erzählt er. Bei einer davon hole er den Verlag und die Schallplattenfirma an einen Tisch - „damit wir gemeinsam überlegen, wie mit meinen Liedern umgegangenen wird“. Das sei ihm sehr wichtig, „denn ich werde 70 und hoffe, ich werde 80 oder 90“.

Die „Rolf Zuckopfnicks“ wollte sich das Erfolgstrio Deine Freunde nennen, für sie gründete der Altmeister das Label „noch mal!!!“. Dass er weiterhin eher einen „Unruhestand“ pflege, störe seine Frau nicht, sagt Zuckowski, sie wolle ihn gar nicht anders haben. Eine Unruhe mit Geduld: „Mein Grundnaturell ist, dass ich ein geduldiger Mensch bin. Sonst hätte ich es nicht so lange ausgehalten, mit all dem, was rund ums Kind passiert“, sagt er. „Vielleicht bin ich in der eigenen Familie manchmal nicht ganz so geduldig, aber wenn mir das auf der Bühne schwer gefallen wäre, hätte ich die Kurve genommen und gesagt: Das ist nicht meine Welt.“

dpa

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