Das Kräftemessen geht weiter

Atomkonflikt mit dem Iran: EU und USA fordern bessere und rasche Kooperation

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Benjamin Netanjahu ruft zu Sanktionen gegen den Iran auf. 

Nachdem Benjamin Netanjahu von einem geheimen iranischen Atom-Lagerhaus wissen wollte, fordern die EU und die USA den Iran nun dazu auf, rasch besser zu kooperieren. 

Update vom 10. September 2019, 19.02 Uhr: Nachdem sich auch Israel in dem Atomstreit mit dem Iran gemischt hat (s. unten), haben sich nun die USA und die EU erneut zu Wort gemeldet und die Islamische Republik dazu aufgerufen, „sofort voll und ganz“ mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) zu kooperieren. So forderte die US-Botschafterin der IAEA, Jackie Wolcott, den Iran dazu auf, ihrer Behörde sämtliche relevante Informationen vorzulegen. Außerdem betonten die EU-Staaten in einem gemeinsamen Statement, diese Kooperation müsse rasch erfolgen. 

Zuvor hatte der israelische Ministerpräsindent Benjamin Netanjahu behauptet, Spuren von Uran in einem „geheimen Atom-Lagerhaus“ im Iran entdeckt zu haben. 

Atomkonflikt mit dem Iran: Israel will Beweise für geheime Forschungsstätte haben

Originalartikel vom 09. September 2019:

Teheran/Tel Aviv - Weitere globale Mächte mischen sich in das gefährliche Kräftemessen zwischen der Trump-Regierung und dem Iran. Nach Angaben des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu soll der Iran bereits seit einem Jahr massiv gegen das Atomabkommen verstoßen haben. Israels Regierungschef präsentierte die Informationen acht Tage vor der Parlamentswahl am 17. September.

Man habe weitere geheime Entwicklungsstätten für Atomwaffen im Iran entdeckt, teilte Netanjahu am Montag mit und präsentierte Satellitenaufnahmen, die eine Stätte nahe der Stadt Abadeh zeigen sollen. Inzwischen soll der Iran die Stätte aber zerstört haben, da klar geworden sei, dass Israel über den Vertragsbruch Bescheid wisse. Netanjahu forderte die internationale Gemeinschaft auf, sich den Sanktionen der USA anzuschließen.

Iran im Atomstreit: Israel ruft zu Sanktionen gegen den Erzfeind auf

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif wies die Anschuldigen zurück. „Der Besitzer von Atomwaffen schlägt blinden Alarm wegen einer angeblich zerstörten Atomanlage im Iran“, schrieb er mit Blick auf die Atommacht Israel auf Twitter und warf Netanjahu Kriegstreiberei vor.

Netanjahu gilt als einer der schärfsten Kritiker des Atomabkommens mit dem Iran. Israel gilt als der Erzfeind Nummer eins des Irans und der Zerfall Israels und die „Befreiung Palästinas“ gehören seit 40 Jahren zur außenpolitischen Doktrin des Iran.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) meldet bisher lediglich, dass sich der Iran in letzter Zeit weiter von den Einschränkungen des Atomabkommens gelöst habe. Erst nach dem Austritt der USA soll der Iran in Natanz weitere Zentrifugen installiert haben, die zur schnelleren und leistungsstärkeren Urananreicherung genutzt werden könnten. Noch seinen diese Zentrifugen aber nicht in Betrieb. 

Atomstreit mit den USA und Israel: Iran hat bricht drei Punkte des Atomabkommens

Aus Sicht des russischen Außenministeriums geht von den neuen Zentrifugen keine Gefahr aus. Eine Eskalation rund um das Atomabkommen sei demnach nicht nötig. Es sei aber wichtig, dass die Arbeiten iranischer Experten unter „ständiger Aufsicht“ der Atomenergiebehörde erfolgen. Der Iran halte das Abkommen uneingeschränkt ein und wende lediglich ein Zusatzabkommen an, heißt es in einer Mitteilung.

Die iranische Atomorganisation (AEOI) will an moderneren und schnelleren Zentrifugen arbeiten, um die Urananreicherung schneller und effektiver zu machen. Der Iran hat das 2015 in Wien ausgehandelte Atomabkommen damit in einem dritten Punkt gebrochen und setzt die europäischen Vertragspartner Frankreich, Großbritannien und Deutschland weiter unter Druck. Sie sollen aus Sicht der Islamischen Republik einen Weg finden, wie im Handel mit dem Iran die US-Sanktionen umgangen werden können.

Iran-Atomkonflikt: Trumps internationales Militärbündnis findet kaum Anhänger - Maas will EU-Mission

In den vergangenen Monaten hatten die USA für ein internationales Militärbündnis gegen den Iran in der Straße von Hormus geworben. Bundesaußenminister Heiko Maas plädiert für eine EU-Mission. Doch die Union reagiert zurückhaltend.

dpa/AFP/nai

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