BAMF testet zehn deutsche Modellkommunen

Neue Willkommenskultur: Ausländerbehörden sollen freundlicher werden 

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Ann-Kristin Schlösser, Sachgebietsleiterin der Ausländerbehörde Bietigheim-Bissingen (Baden-Württemberg), führt ein Beratungsgespräch in ihrem Büro. Als einzige Stadt Baden-Württembergs ist die Kommune für ein bundesweites Modellprojekt ausgewählt. Aus der Ausländerbehörde soll eine Willkommensbehörde werden.

Bietigheim-Bissingen - Die Ausländerbehörden sollen freundlicher werden - und besser. Willkommenskultur heißt das Zauberwort. Ein Beispiel aus Baden-Württemberg.

Steigende Flüchtlingszahlen, mehr Zuwanderung und die dringliche Suche nach Fachkräften aus anderen Staaten - die Aufgaben für Deutschlands Ausländerbehörden werden immer komplexer. Trotz zunehmender Belastung für die Mitarbeiter soll ihr Service besser und freundlicher werden: Von der Ausländer- zur Willkommensbehörde. Wie das gehen soll, testet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in zehn deutschen Modellkommunen. Eine davon ist Bietigheim-Bissingen in Baden-Württemberg.

„Wir haben gemerkt, wir müssen da was tun“, sagt der zuständige Bürgermeister Joachim Kölz. Was sich bei dem 2013 gestarteten Projekt getan hat, spielt sich vor allem in den Köpfen der fünf Mitarbeiter ab: Bei interkulturellen Trainings lernten sie den Umgang mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, speziell mit Muslimen. In Sprachkursen verbesserten sie ihr Englisch.

Ein Beratungsunternehmen habe die internen Abläufe überprüft, erzählt Kölz weiter. Bei einem Treffen mit der Industrie- und Handelskammer, mit Firmen aus der Region, Wohlfahrtsverbänden und der örtlichen Arbeitsagentur spannten die Kollegen Netzwerke.

„Die Rückmeldungen sind durchweg positiv“, sagt Kölz. „Wir haben es geschafft, die Ausländerbehörde als mehr zu sehen als eine Behörde, die viele rechtliche Fragen abhandelt. Zu uns kommen Menschen mit einem Bündel an Fragen und Sorgen.“ Die Mitarbeiter der Behörde helfen jetzt auch bei der Suche nach einer Kinderbetreuung oder der Jobvermittlung. „Früher mussten sich unsere Kunden durchfragen, waren frustriert.“ Das neue Modell koste zwar beim ersten Kontakt mehr Zeit, die werde aber an anderen Stellen gespart.

Personalentwicklung und Organisationsstruktur auf dem Prüfstand

In diesem Jahr läuft das Bamf-Projekt aus. Zu den Teilnehmern zählen kleinere Kommunen wie Bietigheim-Bissingen, aber auch Landeshauptstädte wie Mainz, Kiel und Potsdam. Bei der Auswahl sei auf einen repräsentativen Querschnitt der Ausländerbehörden geachtet worden, erläutert ein Bamf-Sprecher.

Die Personalentwicklung und die Organisationsstruktur sollten auf den Prüfstand. Der dritte Bereich, in dem sich was tun sollte: Vernetzung und Zusammenarbeit. Die Maßnahmen in den Städten waren den Angaben zufolge je nach Bedarf ganz unterschiedlich: von Coachings bis Servicepunkten. „Die beteiligten Ausländerbehörden haben das Vorhaben zu „ihrem Projekt“ gemacht“, sagt Bamf-Präsident Manfred Schmidt.

Tipps auch für andere Städte

Mit 39,6 Prozent ist der Migrantenanteil in Bietigheim-Bissingen im Vergleich der Modellkommunen recht hoch. Mit rund 41 500 Einwohnern ist die Stadt im Kreis Ludwigsburg hingegen eher klein. Entsprechend schwierig ist laut Kölz die Umsetzung: „In einem kleinen Team kann man sich nicht so sehr spezialisieren, jeder muss alles können.“

Das Bamf will die Erfahrungen bündeln und anderen Städten Tipps geben. In Baden-Württemberg plant das Integrationsministerium ein Projekt zur interkulturellen Öffnung und nachhaltigen Strukturverbesserung in Ausländerbehörden, aufbauend auf dem Bamf-Projekt. Bietigheim-Bissingen kann also als Beispiel dienen.

Der Druck durch steigende Flüchtlingszahlen wächst auch hier. Dafür soll eine Integrationsfachkraft eingestellt werden. Eine englischsprachige Webseite ist noch in Planung. Viele Antragsformulare sind aber inzwischen online abrufbar, was laut Kölz den Bearbeitern viel Zeit spart.

Ausländerbehörde bald Willkommensbehörde?  

Zudem will die Behörde 2016 einen Neubau beziehen. Dort soll auch eine Infostelle im Eingangsbereich installiert werden, damit die Menschen zum richtigen Sachbearbeiter vermittelt werden. Deren Arbeitsplätze werden den Plänen zufolge heller, die Atmosphäre - so die Hoffnung - freundlicher.

Ob die Ausländerbehörde, von der Kölz nach wie vor spricht, dann auch Willkommensbehörde heißen wird, ist allerdings noch nicht klar: „Wir müssen uns noch entscheiden, was auf dem Türschild steht.“

dpa

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