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Bundestagswahl: Jan Böhmermann macht FDP und CDU schwere Vorwürfe

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Von: Daniel Dillmann

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Jan Böhermann wirft in ZDF Magazin Royale der FDP und der CDU miese Tricks im Online-Wahlkampf vor der Bundestagswahl vor.
Böhermann Screenshot.JPG © Screenshot ZDF

Der Wahlkampf für die Bundestagswahl 2021 findet auch im Netz statt - mit teils verwerflichen Mitteln, sagt Jan Böhmermann im ZDF.

Frankfurt - Der Wahlkampf der Bundestagswahl 2021* geht auf die Zielgerade. Die Parteien kämpfen in den letzten Stunden vor Beginn der Wahl um die Wählergunst - zum Teil mit unmoralischen Mitteln. Das zumindest behauptet Jan Böhmermann* in seiner ZDF-Show Magazin Royale*.

Vor allem die FDP* bekommt dabei ihr Fett weg. „Eine echte Power-Recherche“ kündigt Jan Böhmermann zum Wahlkampf der Bundestagswahl 2021 an. Es geht um „Micro Targeting“, also die Strategie, Wählerinnen und Wähler ganz gezielt mit zugeschnittenen Kampagnen via Social Media anzusprechen. Besonders Facebook verdient sein Geld mit diesem Geschäftsmodell. Der Internet-Riese aus den USA* sammelt Unmengen an Daten über seine Nutzerinnen und Nutzer und verwendet die so gewonnen Erkenntnisse, um seine Werbung ganz gezielt und mit größtmöglicher Wirkung an den Mann und die Frau zu bringen. „Überwachungswerbung“ nennt Simon Kruschinski, Medienforscher der Universität Mainz, diese Kampagnen im Magazin Royale im ZDF*.

Bundestagswahl 2021: Jan Böhmermann nimmt Online Werbung der Parteien auseinander

Auch die Parteien, die bei der Bundestagswahl 2021 antreten*, machen sich dieses Angebot zunutze. Weil klassische „Wahlwerbung in Deutschland streng geregelt ist“, bei Facebook aber „auf Regeln geschissen wird“ (Jan Böhmermann), ist digitales Micro Targeting im Wahlkampf besonders attraktiv.

Mithilfe von mehr als 17.000 Zuschauerinnen und Zuschauern habe man Daten zum digitalen Wahlkampf der Parteien gesammelt und diese mithilfe der Transparenz-Initiative „Who targets me?“ ausgewertet. So wolle man die „schmutzigen Facebook-Tricks der Parteien“ aufdecken, sagt Jan Böhmermann.

Der ZDF-Moderator spielt dazu in seiner Show einen Clip der FDP ein, in der Parteichef Christian Lindner* um Stimmen für die Liberalen wirbt. Doch dabei bleibt es nicht. Die FDP würde gezielt Leute ansprechen, die sich für Immobilieneinlagen und Finanzen interessieren. Auch das ist längst nicht alles. Man würde „jeder Wählerin genau das versprechen, was sie hören will“, so Böhmermann, „auch wenn man sich dabei widerspricht“. Wer sich für das Klima interessiert, der bekäme von der FDP Slogans gezeigt, in dem die Liberalen ihrer potenziellen Wählerschaft Klimaschutz verspricht. Wer aber davon nichts hält, der bekomme das genaue Gegenteil versprochen. Das einzige, was die beiden Anzeigen verbindet, sei folgendes: „Christian Lindner sieht auf beiden Anzeigen aus wie ein Alpha.“

CDU beauftragt umstrittene PR-Firma für Wahlwerbung in Mecklenburg-Vorpommern

Auch die CDU* kommt alles andere als gut weg bei Jan Böhmermann. Der Landesverband der Union in Mecklenburg-Vorpommern habe „nicht nur Daten Facebooks verwendet“, sondern mit „Campaigning Bureau - we love Campaigning“ extra eine PR-Firma für das Micro Targeting engagiert. In Mecklenburg-Vorpommern findet nicht nur die Bundestagswahl 2021 statt, sondern auch die Landtagswahlen. Diese PR-Firma habe laut Medienberichten in der Vergangenheit bereits Interesse an den Daten der umstrittenen Analysefirma Cambridge Analytica bekundet.

Das wiederum bestreiten die Chefs der PR-Firma. Cambridge Analytica war vor allem nach der US-Wahl 2016 in Verruf geraten, weil Donald Trump* einen Teil seines Wahlsiegs wohl der gezielten Angst-Kampagnen aus Großbritannien verdankte.

Micro Targeting vor Bundestagswahl 2021 - Facebook weist Kritik zurück

Facebook selbst weist die Kritik von Jan Böhmermann an der Werbe-Praxis des Micro Targeting zurück. „Die Werbemöglichkeiten auf Facebook sind vergleichbar mit jenen anderer Online-Plattformen und Online-Medien. Im Unterschied dazu bietet Facebook mit der öffentlichen Werbebibliothek eine Transparenz, die online wie offline ihresgleichen sucht. Kein System ist perfekt und wir verbessern die Werbebibliothek – auch auf Basis von Feedback von Expert:innen – stetig weiter“, so ein Facebook-Sprecher gegenüber unserer Redaktion.

Wozu übrigens Jan Böhermann selbst mithilfe der besagten „Power-Recherche“ nichts sagen kann, das sind die Social Media Kampagnen der AfD*. Dafür gebe es laut dem ZDF-Moderator einfache Erklärung. „Unsere Daten stammen von Zuschauerinnen von Magazin Royale. Und die sind nun mal keine Nazis.“ (Daniel Dillmann)

In unserem Live-Ticker* können Sie alle neuen Entwicklungen zur Bundestagswahl 2021 lesen. *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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