1. Heidelberg24
  2. Politik & Wirtschaft

Laschet wird im ZDF hart angegangen - „16 Jahre CDU sind 16 Jahre Versagen in der Klimapolitik“

Erstellt:

Von: Clara Marie Tietze, Jonas Raab

Kommentare

Die Union steht in aktuellen Umfragen so schlecht da wie noch nie. Im ZDF-Format „Klartext, Herr Laschet!“ stellte sich der CDU-Kanzlerkandidat unangenehmen Fragen. Aber sprach er auch Klartext?

Update vom 9. September, 21.48 Uhr: Das war’s von „Klartext, Herr Laschet!“. Es war ein Faustritt durch alles, was Deutschland aktuell bewegt: Von Afghanistan über Corona* bis hin zum Klimaschutz. Armin Laschet hat sich verschiedensten Fragen aus dem Publikum gestellt. Aber ist er dem Titel der ZDF-Sendung auch gerecht geworden? An vielen Stellen schon – beispielsweise, als er einem AfD-Sympathisanten „klipp und klar“ erklärte, dass eine rechtsradikale Partei in Deutschland nichts zu suchen habe.

An anderer Stelle – es ging um die Rechte von gleichgeschlechtlichen Paaren – kam der Kanzlerkandidat der CDU ins Schwimmen. Auch beim Thema Mindestlohn monierte der Fragensteller, dass Laschets Antwort „vage und unbefriedigend“ sei. Dabei war sie das nicht wirklich: Laschet meinte, dass das Thema eines von Gewerkschaften sei und es nur kontraproduktiv wäre, wenn sich die Politik einmische.

Alle Standpunkte des CDU-Kanzlerkandidaten – unter anderem zu Corona, zur Klimakrise oder zur Pflegesituation – lesen Sie in den folgenden Updates:

„Klartext, Herr Laschet!“ im ZDF: Eine Impfpflicht lehnt Laschet „zum heutigen Zeitpunkt“ ab

Update vom 9. September, 21.48 Uhr: Zum Abschluss geht es um die Impfpflicht. „Warum sind sie dagegen?“, will ein Mann wissen. Laschet will beim Impfen lieber auf Überzeugungsarbeit setzen. „Eine Impfpflicht ist verfassungsrechtlich nicht durchzusetzen“, sagt Laschet. Das stimme so nicht, kontert der Mann. Bei Masern hätte es ja auch funktioniert. „Das war ein anderer Impfstoff“, sagt Laschet. Eine Impfpflicht gegen Corona würde er zum heutigen Zeitpunkt nicht empfehlen.

Update vom 9. September, 21.45 Uhr: In den letzten 15 Minuten der Sendung geht es um Corona. Zu Gast ist eine Frau, die sich mit Virus infizierte und seitdem an Long-Covid leidet. „Das hat mein Leben zerschossen.“ Sie will zurück ins Berufsleben und wieder an der Gesellschaft teilhaben. Was macht Kanzler Laschet für ein Long-Covid-Medikament?

Man müsse sich der Krankheit noch mehr bewusstwerden und die Wissenschaft unterstützen, sagt Laschet. Ein Medikament müsse aber erst noch gefunden werden. „Das gibt es schon“, erwidert die Frau. Wieder gehe es aus bürokratischen Gründen so langsam. „Ich wünsche mir kurze Wege. Das war bei der Impfung auch möglich.“ Laschet gibt zu, das Medikament nicht zu kennen. Er sei ja kein Arzt. Er werde dem nachgehen und das prüfen, verspricht Laschet der Frau persönlich.

CDU-Kanzlerkandidat zu Gast im ZDF: „Was werden Sie für den Mittelstand tun, Herr Laschet?“

Update vom 9. September, 21.35 Uhr: Ein Unternehmer aus Berlin meldet sich zu Wort und moniert überbordende Bürokratie. „Sollen wir so weitermachen, oder sollen wir unser Geld in Innovationen stecken?“, fragt er und konkretisiert dann, was er von Laschet wissen möchte: „Was werden Sie für den Mittelstand tun?“

Da dürfe man ruhig klatschen, der Mann habe recht, meint Laschet. Im Studio bleibt es ruhig. Laschet schildert absurde Regelungen in Deutschland und will Entfesslungspakete für die Wirtschaft. „Es wird immer, immer schlimmer mit den Vorschriften“, sagt Laschet. Er fordert, viele Verordnungen abzuschaffen. Alles dauere in Deutschland zu lange. „So werden wir weder die Energiewende schaffen noch konkurrenzfähig bleiben.“

Update vom 9. September, 21.28 Uhr: Es wird persönlich. „Warum bekommende pflegende Familienmitglieder so wenig Unterstützung?“, will die Frau eines an Demenz erkrankten Mannes wissen. Laschet zeigt sich berührt. Die Pflegeversicherung sei eine riesige Hilfe, reiche oft aber nicht ganz aus – insbesondere, weil die Zahl der Pflegebedürftigen stark angestiegen ist. „Die Versicherung gehört reformiert“, sagt nicht Laschet, sondern die Frau. „Ja“, meint der CDU-Kanzlerkandidat.

„Klartext, Herr Laschet!“ im ZDF: Beim Mindestlohn will sich Laschet nicht einmischen

Update vom 9. September, 21.23 Uhr: „9,60 Euro. Das ist nicht ausreichend“, sagt ein Callcenter-Mitarbeiter. „Der Mindestlohn muss erhöht werden“, fordert er. Seine Fragen: Warum fehlt der Mindestlohn im CDU-Wahlprogramm? Und warum soll ich Sie dann wählen? Linke Wahlprogramme wischt Laschet mit den finanziellen Belastungen Deutschlands seit der Corona-Pandemie weg. „Der Mindestlohn reicht nicht für eine auskömmliche Rente“, gibt Laschet zu. Er soll demnächst auf 10,45 Euro steigen. Doch das Thema sei kein politisches, sondern eines von Gewerkschaften. Die müssten die Vorschläge machen. Das soll auch so bleiben: „Wenn wir im Bundestag Löhne aushandeln, wird das am Ende die Gewerkschaften schwächen.“

Update vom 9. September, 21.13 Uhr: An der Reihe ist eine ehemalige afghanische Ortskraft. „Viele sind vor Ort geblieben. Die mussten ihre Häuser verlassen und sich verstecken. Was machen die jetzt?“ Der Mann will wissen, was Laschet als Kanzler in Afghanistan machen würde. Laschet gibt zu, dass man viel zu spät damit begonnen habe, Ortskräfte auszufliegen. Er als Kanzler würde den Druck auf die Regierung in Kabul erhöhen, sagt Laschet. Anerkennen will er die Regierung nicht, aber mit ihr reden.

Laschet im ZDF über die AfD: „Ich tue alles, dass die aus den Parlamenten verschwinden“

Update vom 9. September, 21.04 Uhr: Ein ehemaliges CDU-Mitglied will wissen, ob Laschet dabei bleibe, auch weiterhin keine Gespräche mit der AfD aufzunehmen. „Das kann ich klipp und klar beantworten. Ich tue alles, dass die aus den Parlamenten verschwinden.“ Eine rechtsradikale Partei habe in Deutschland nichts zu suchen.

Der Zuschauer setzt sich für die AfD ein, wirft Laschet „Spaltung der Gesellschaft“ vor und fragt nach: Er will wissen, wie Laschet eben diese Spaltung entgegenwirken will. Man müsse jedem zuhören. „Jeder darf alles sagen“, erklärt Laschet.

Update vom 9. September, 20.52 Uhr: Eine Zuschauerin beschwert sich über feiernde und dabei randalierende Jugendliche. „Es wird immer schlimmer. Was können Sie dagegen tun?“ Laschet nimmt die Jugendlichen in Schutz. „Die konnten seit eineinhalb Jahren gar nichts machen“, meint er. Für die Polizei sei so ein Einsatz immer ein schmaler Grat. Bei Übergriffen müsse sie aber auf jeden Fall eingreifen, sagt Laschet.

Update vom 9. September, 20.49 Uhr: Nächstes Thema: Hetze im Internet. Eine FDP-Lokalpolitikerin berichtet von den zahlreichen Anfeindungen, denen sie seit ihrem Amt als Bürgermeisterin ausgesetzt ist. „Was tun Sie, damit Facebook und Twitter kein rechtsfreier Raum bleibt?“, fragt sie im Studio. Das sei kein rechtsfreier Raum, erwidert Laschet. Dennoch kenne er als Politiker natürlich die Hetze in Sozialen Medien. „Bei strafrechtlich relevanten Beleidigungen muss man den finden, der es geschrieben hat“, fordert Laschet. Er rät der Frau, Hetze immer zur Anzeige zu bringen. Davon hatte der Frau nämlich die Polizei noch abgeraten.

Auch ein Polizist schildert die zahlreichen Anfeindungen, denen er und seine Kollegen ausgesetzt sind. „Die Politik muss sich hinter die Beamten stellen“, fordert Laschet, daneben brauche es auch bessere Ausrüstung für die Polizisten. Laschet will dafür „Geld in die Hand nehmen“.

Laschet wird im ZDF hart angegangen - „16 Jahre CDU sind 16 Jahre Versagen in der Klimapolitik“

Update vom 9. September, 20.39 Uhr: Es geht weiter ums Thema Klimaschutz. Eine Pädagogin aus Berlin und Fridays-for-Future-Aktivistin sieht im CDU-Wahlprogramm die Klimaziele nicht abgedeckt. Die Frau hat Angst um die Zukunft ihrer Kinder. „Haben Sie dafür Verständnis?“, fragt sie.

Laschet verweist auf den Kohleausstieg und rückt erneut die Industrie in den Klima-Fokus. Da er selbst drei Kinder habe, beunruhige ihn das Thema natürlich auch. Fridays for Future lobt er. „Die Kinder und Jugendlichen haben viel bewegt.“

Update vom 9. September, 20.29 Uhr: Die erste Frage kommt von einem jungen Mann, einem Opfer der Flutkatastrophe. „16 Jahre CDU sind 16 Jahre Versagen in der Klimapolitik“, beginnt er seinen Beitrag. Er habe die Folgen jetzt am eigenen Leib spüren können. „Was genau wollen Sie jetzt für das Klima tun?“ Laschet räumt Fehler in der Vergangenheit ein. „Wir müssen unsere gesamte Industrie Klimaneutral machen.“ Dafür werde er sich sehr stark engagieren, verspricht der CDU-Kanzlerkandidat.

Eine Frau im Studio darf nachhaken und kommt nochmal auf die Flut in Deutschland zu sprechen: „Können wir ihnen vertrauen?“, fragt sie und spielt damit auf Laschets Lacher beim Katastrophen-Termin in Ahrweiler an. „Das war ein Fehler“, gesteht Laschet. Ein Nebenmann habe einen lustigen Kommentar fallen lassen. Trotzdem habe ihn das Thema natürlich mitgenommen.

Update vom 9. September, 20.15 Uhr: „Klartext, Herr Laschet!“ Es geht los. 90 Minuten, 70 Zuschauer, viele Fragen an den Kanzlerkandidaten der CDU.

Laschet unter Druck: Kann er das Umfrage-Ruder mit ZDF-Auftritt noch herumreißen?

Erstmeldung vom 9. September: Berlin - Das nächste Kanzlerkandidaten-Triell steht kurz bevor. Am Sonntag versammeln sich die drei Kontrahenten Annalena Baerbock*, Olaf Scholz* und Armin Laschet* erneut zu einer hitzigen Gesprächsrunde über Themen zur Bundestagswahl*. Nun macht deshalb der ehemalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt Druck auf den Kanzlerkandidaten der Union.

Dobrindt macht Laschet Druck vor Triell: „Chance, den Trend zu brechen“

„Das wird von einem Millionenpublikum beobachtet werden“, erklärt er beim Radiosender Bayern 2. „Und da besteht die Chance, den Trend zu brechen. Armin Laschet muss die Möglichkeit nutzen, seine Persönlichkeitswerte deutlich zu verbessern.“ Denn da ist der CDU*-Kanzlerkandidat in den Umfragen oft einsames Schlusslicht.

Vielleicht muss Dobrindt nicht auf eine Glanzleistung von Laschet bis Sonntag warten. Denn der zeigt sich bereits heute Abend ab 20.15 Uhr im ZDF bei einem Wahlforum des Senders. Der Titel „Klartext, Herr Laschet!“ scheint Programm zu sein, denn in dem Format wird der Ministerpräsident von NRW den Wählern Rede und Antwort stehen, so der Sender auf seiner Webseite.

Umfragewerte im Keller: Kann Laschet die Union noch retten?

Neben seinen eindringlichen Forderungen sichert Dobrindt Laschet die volle Unterstützung der CSU* zu. Denn die Union habe sich für Laschet als Kanzlerkandidaten entschieden. „Wir unterstützen das jetzt. Jetzt ist der Auftrag da, das Kanzleramt muss erreicht werden für die CDU. Eine andere Variante gibt es nicht. Und dabei hat Armin Laschet unsere Unterstützung“, erklärt Dobrindt.

Doch selbst in der CDU stehen anscheinend nicht alle Politiker hinter ihrem Frontmann Laschet. Denn erst kürzlich forderten ihn mehrere Parteikollegen zum Rücktritt* auf - und stellten gleichzeitig ein Ultimatum. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Auch interessant

Kommentare