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Quarantäne-Einigung beim Gipfel: Drastische Änderungen beschlossen - Teufel steckt im Detail

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Von: Cindy Boden

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Die bislang geltenden Quarantäne-Regeln trieben die Politik um. Beim Corona-Gipfel wurden wegen Omikron schließlich neue beschlossen. Es lohnt sich, genau hinzusehen.

Update vom 7. Januar, 19.22 Uhr: Die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder haben wegen der zu erwartenden hohen Infektionszahlen durch Omikron beschlossen, Quarantäne und Isolation zu verkürzen. Das sind die neuen Regeln:

Kontaktpersonen, die eine Booster-Impfung haben, frisch doppelt geimpft, geimpft und genesen oder frisch genesen sind, müssen sich nicht mehr in Isolation begeben. Als „frisch“ gilt ein Zeitraum von bis zu drei Monaten.

Für alle Übrigen soll die Quarantäne in der Regel nach zehn Tagen enden. Allerdings kann man sich nach sieben Tagen per PCR- oder Antigentest freitesten. Für Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern gilt: Infizierte können die Isolation nach sieben Tagen mit verpflichtendem negativen PCR-Test beenden, wenn sie mindestens 48 Stunden symptomfrei sind.

Kontaktpersonen brauchen zur Beendigung der Quarantäne nach sieben Tagen einen durch einen PCR- oder Schnelltest bescheinigten Negativbescheid.

Kinder und Jugendliche, die Kontaktpersonen sind, können nach fünf Tagen mit negativem PCR- oder Schnelltest entlassen werden. Infizierte Kinder und Jugendliche erst nach sieben Tagen.

Quarantäne-Einigung beim Gipfel: Drastische Änderungen kommen - das müssen Sie wissen

Update vom 7. Januar, 16.30 Uhr: In der Pressekonferenz nach dem Corona-Gipfel hat Kanzler Olaf Scholz (SPD) die neuen Quarantäne-Regeln verkündet - dabei gibt es offenbar doch noch einmal Abweichungen zu den vorab durchgesickerten Informationen. „Wer geboostert ist, muss als Kontaktperson nicht mehr in Quarantäne“, sagte Scholz.

Alle anderen könnten bei Symptomfreiheit nach zehn Tagen die Isolation verlassen - mit negativem PCR-Test oder Schnelltest auch nach sieben Tagen. Bei Beschäftigten im Gesundheitsbereich sei ein PCR-Test nötig, um im Falle einer Infektion nach sieben Tagen die Quarantäne zu verlassen; hier war zwischenzeitlich von fünf Tagen die Rede gewesen. Schüler können aber bei negativem Test tatsächlich nach fünf Tagen wieder zum Unterricht.

Quarantäne-Einigung beim Gipfel wohl fix - Änderungen kommen

Update vom 7. Januar, 15.55 Uhr: Nach weiteren Informationen aus der Bund-Länder-Runde sind die neuen Quarantäne-Regeln weitgehend wie vorgeschlagen beschlossen worden. Laut einem Bericht des Spiegel werden Quarantäne-Pflichten für vollständig geimpfte und geboosterte Kontaktpersonen von Omikron-Infizierten entfallen.

Für alle anderen soll die Isolation nach zehn statt vierzehn Tagen enden, schon nach sieben Tagen sollte ein „Freitesten“ möglich sein. Ein kleines Nachjustieren gab es demnach für Beschäftigte in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe: Sie sollen offenbar sogar bereits nach fünf Tagen aus der Isolation entlassen werden können - wenn sie negativ getestet wurden und zuvor 48 Stunden symptomfrei waren. In der Beschlussvorlage war auch hier von sieben Tagen die Rede.

Mit der Neuregelung soll auch die Arbeitsfähigkeit in der kritischen Infrastruktur gesichert werden, also etwa im Gesundheitswesen, bei Polizei oder Feuerwehr.

Update vom 7. Januar, 15.45 Uhr: Bund und Länder sind sich beim Corona-Gipfel offenbar einig geworden: Angesichts der neuen Omikron-Variante sollen die Quarantänezeiten verkürzt werden, das berichtet die ARD -„Tagesschau“. Genauere Informationen waren zunächst allerdings noch nicht bekannt.

Quarantäne-Lösung beim Corona-Gipfel? Experte warnt vor „Brechstange“ - SPD-Frau vor Regel-Chaos

Update vom 7. Januar, 9.35 Uhr: Kurz vor dem Corona-Gipfel hat die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dagmar Schmidt vor komplizierten Quarantäneregeln gewarnt. „Die Quarantäneregeln müssen einfach, klar und verständlich sein. Sie müssen für alle handhabbar sein“, sagte die Gesundheitsexpertin der dpa. Wenn die Bevölkerung die Handlungsanweisungen im Falle eines Verdachts auf eine Corona-Infektion nicht mehr nachvollziehen könne, sinke auch die Akzeptanz für diese Regeln, warnte sie. „Die Akzeptanz steigt, wenn die Menschen die Regeln verstehen.“ Klare Ansagen an die Bevölkerung könnten auch helfen, Gesundheitsämter bei ihrer Arbeit zu entlasten.

Ein Hauptthema sind mögliche Quarantäneverkürzungen - gerade für Mitarbeiter in der kritischen Infrastruktur. Der Intensivmediziner Christian Karagiannidis hat sich für ein bedachtsames Vorgehen ausgesprochen. Daten insbesondere aus Dänemark legten nahe, „dass man die Quarantänezeit schon verkürzen kann“, sagte Karagiannidis am Freitag dem Radiosender WDR 5.

„Wir sollten aber auf der anderen Seite nicht ganz vergessen, dass Omikron sehr infektiös ist. Wir haben in Dänemark gesehen, dann man über sieben Tage hinweg auch noch andere Menschen anstecken kann.“ Man spreche dabei von der sogenannten „secondary attack rate“, also der Frage, wie viele man in seinem Umkreis noch anstecken könne. Und diese Rate habe in Dänemark bei 30 Prozent gelegen. Führe man sich nun die hohen Todeszahlen in Alten- und Pflegeheimen in der Pandemie vor Augen, dann sei es wichtig, bei einer Quarantäneverkürzung nicht mit der „Brechstange“ vorzugehen.

Quarantäne-Regeln: Corona-Gipfel berät über gravierende Änderung - Lauterbach nennt entscheidende Bereiche

Vorbericht: Berlin - Es wird der erste Corona-Gipfel des Jahres* und ein wichtiges Gesprächsthema polarisiert schon vorab: mögliche neue Quarantäne-Regeln. Die Omikron-Variante macht die Diskussion nötig. Denn das Virus scheint sich rasend schnell auszubreiten. Bei vielen Infizierten wird es auch viele Kontaktpersonen geben. Müssen sie dann alle für zwei Wochen in Quarantäne?

Manche befürchten, dass dann das öffentliche Leben und vor allem die kritische Infrastruktur kaum aufrecht erhalten werden kann. Gesundheitsminister Karl Lauterbach* (SPD) nannte insbesondere Krankenhäuser, Altenpflege, Polizei, Feuerwehr sowie die Wasser- und Stromversorgung. Auch die Bereiche Schule und Reisen müssten bedacht werden. Also sollen neue, angepasste Regeln her - eine Verkürzung der Quarantäne-Dauer. Schon Anfang der Woche tauschten Politiker und Experten öffentliche Argumente dafür und dagegen* aus. Andere Länder passten ihre Zeiten bereits an.

Bund-Länder-Treffen auch zur Quarantäne: Beschließen die Regierungen neue Corona-Maßnahmen?

Die Omikron-Variante des Coronavirus* dürfte nach Einschätzung der Bundesregierung in wenigen Tagen zur dominierenden Variante in Deutschland werden, hieß es am Mittwoch. „Zurzeit gehen wir von einem Omikron-Anteil von 25 Prozent deutschlandweit aus“, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. In einigen Bundesländern insbesondere im Norden Deutschlands sei Omikron bereits dominierend. „Insofern müssen wir eigentlich davon ausgehen, dass in kurzer Zeit, in wenigen Tagen Omikron eigentlich auch bundesweit die dominierende Variante sein wird.“ Das Thema zur verkürzten Quarantänezeit drängt also.

Quarantänezeitverkürzung: Entscheiden sich Bund und Länder bei Treffen am Freitag dafür?

Beispielsweise der Bundesverband der Energie- und Wasserversorger (BDEW) forderte für das Personal in der sogenannten kritischen Infrastruktur flexible Quarantäne-Regelungen. „Die aktuell diskutierte, generelle Quarantänezeitverkürzung für betriebsnotwendiges Personal ist eine sinnvolle Unterstützung, um mögliche Personalengpässe zu verhindern“, sagte BDEW-Chefin Kerstin Andreae dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Derzeit sei die Lage in den Unternehmen „noch entspannt“, doch die Omikron-Variante könne zu einer „schlagartigen Erhöhung“ der Quarantänefälle führen. Wenn die Maßnahmen aus den Pandemieplänen nicht mehr ausreichten, müsse die Quarantäne für Schlüsselpersonal aufgehoben werden können, forderte Andreae demnach. „Im Bedarfsfall halten wir ein Aussetzen der Quarantäne für die Wahrnehmung des Dienstes für notwendig, sofern das Personal arbeitsfähig ist.“

Gegner stark verkürzter Quarantäne-Regeln für alle befürchten, dass Personen weiterhin andere anstecken könnten. Der Grünen-Politiker Janosch Dahmen sagte in der ARD: „Ich bin bei der Verkürzung der Quarantäne ganz pauschal sehr vorsichtig.“ Vorstellen kann er sich es bei spezialisierten technischen Berufen. „Aber die Krankenschwester, die sich jetzt um den Herzinfarkt oder Schlaganfall kümmert, jetzt aus Quarantäneregeln auszunehmen, die dann möglicherweise weitere Patienten ansteckt, das öffnet für Omikron zu viele Türen.“

Quarantäne-Regeln: Was kommt? Kanzler Scholz berät mit den Ministerpräsidenten offene Fragen

Unkonkret sind vor dem Bund-Länder-Treffen noch mehrere Punkte: Für wen kommen verkürzte Quarantänezeiten in Frage - nur für Geboosterte? Nur für Personen aus der kritischen Infrastruktur? Wie lang soll die Isolation noch dauern? Muss man sich „freitesten“? Am Freitag wollen Kanzler Olaf Scholz* (SPD) und die Ministerpräsidenten auch das ausführlich beraten.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat inzwischen bei der Neuregelung der Quarantänezeiten mehr Verständlichkeit angemahnt. „Auch bei Omikron bleibt die Quarantäne ein wichtiges Werkzeug, um Infektionszahlen zu senken“, sagte Wüst der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung. Es dürfe „kein Chaos bei der Quarantäne geben“. Zudem müsse es einen Unterschied machen, ob eine Kontaktperson bereits geboostert sei oder nicht. „Wenn wir die Regeln nun geordnet anpassen, müssen sie klar und für alle verständlich sein“, betonte Wüst. Die Regeln müssten sich daran orientieren, „was infektiologisch und epidemiologisch notwendig“ sei. (cibo/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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