Aktuelle Lage sei „immer noch nicht gut“

Corona-Talk im ZDF: Lanz hat „ein großes Problem mit dieser Kurve“ - Virologin erteilt ihm Lehrstunde

Markus Lanz und die Virologin Melanie Brinkmann im ZDF
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Mit der Grafik im Hintergrund habe Markus Lanz „ein großes Problem.“ Virologin Melanie Brinkmann steuert dagegen.

Die Corona-Zahlen in Deutschland steigen. Bei all der Information ist es manchmal schwierig, den Durchblick zu wahren. Auch Markus Lanz hatte offene Fragen.

Hamburg - Am Dienstagabend ging es im ZDF-Polittalk „Markus Lanz“ um - wie konnte es aktuell auch anders sein - Corona. Lanz diskutierte dabei mit dem früheren Bundesligatrainer Christoph Daum, Hotelier Alexander Borchard, Lungenfacharzt Dr. Martin Ehlers, Journalist Elmar Theveßen sowie der Virologin Melanie Brinkmann. Letztere nahm im Laufe des Gesprächs ordentlich Fahrt auf und erteilte dem Moderator eine Lehrstunde.

Corona: Markus Lanz (ZDF) hat „großes Problem mit dieser Kurve“ - Virologin steuert dagegen

Brinkmann erkennt beim Blick auf die Infektionslage einen „beunruhigenden Trend.“ Dass immer mehr Stadt- und Landkreise die kritische Marke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschreiten, müsse klar als Alarmsignal verstanden werden - auch wenn die Situation noch nicht so bedrohlich wie im Frühjahr sei. Man müsse die Zahlen „sehr genau beobachten.“

Aber wie genau ist die Lage im Land denn? Am Mittwoch meldete das Robert-Koch-Institut* mehr als 5.000 Neuinfektionen, was Werten aus dem April entspricht. Doch solche Vergleiche stören Lanz*, er habe „ein großes Problem mit dieser Kurve, mit der Grafik Neuinfektionen in Deutschland.“ Der Moderator fragte die Virologin, ob die tatsächliche Lage „wirklich so schlimm ist, wie es die Kurve suggeriert.“

Wie aussagekräftig ist diese Grafik, wollte Lanz von Brinkmann wissen.

Markus Lanz (ZDF): Virologin Brinkmann macht ernst - „jetzt handeln, ansonsten entwickelt sich Kurve weiter nach oben“

Die klare Antwort von der Expertin vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung: Ja! Es sei mittlerweile nicht mehr fünf vor zwölf, wie CSU-Chef Markus Söder zuletzt sagte, sondern zwölf: „Jetzt ist der Zeitpunkt, zu handeln, ansonsten entwickelt sich diese Kurve weiter nach oben.“

Lanz nickte, hakte allerdings noch einmal nach. Der 51-Jährige referierte über die im Vergleich zum Frühjahr niedrige Sterberate. Brinkmann erklärte, die Zahlen seien zwar noch niedrig, aber auch hier gebe es einen Trend nach oben: „Diese Zahlen werden ansteigen.“ Deutschland bewege sich in puncto Pandemiegeschehen etwas zeitversetzt hinter seinen Nachbarländern, wo wie in Frankreich oder Tschechien zuletzt Rekordwerte an Neuinfektionen gemeldet wurden.

Markus Lanz (ZDF): Virologin erklärt - aktuelle Lage „immer noch nicht gut“, aber „besser“

Die aktuell niedrige Zahl an Todesfällen lasse sich dadurch erklären, dass sich vermehrt jüngere Menschen mit dem Virus infizieren. Dies sei in anderen europäischen Ländern auch so gewesen, doch letztlich hätte es dann doch die ältere Risikogruppe getroffen, denn „ab einer gewissen Zahl an Neuinfektionen kann man es nicht mehr verhindern, dass sich auch die Älteren infizieren.“ Tritt dieser Fall ein, würden auch die Todeszahlen steigen.

Hoffnung mache derzeit jedoch noch die vergleichsweise niedrige Reproduktionszahl*, die angibt, wie viele Menschen ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Nachdem der R-Wert im Frühjahr teils bei 2 bis 3 gelegen hatte, pendelte er sich in der Vergangenheit bei 1,1 bis 1,4 ein (Stand 14. Oktober, 0 Uhr liegt er bei 1,16). Das sei „immer noch nicht gut“, doch dadurch hätten wir „einen deutlich besseren Ausgangspunkt.“

Darüber hinaus diskutierte die Runde über „Deutschlands neues Reizwort“, dem Beherbergungsverbot, das die Bundesrepublik zu spalten scheint. . Wie in der Runde gab es am Mittwoch auch beim Bund-Länder-Treffen in Berlin keine wirkliche Einigung. Die Fronten zwischen den Ministerpräsidenten scheinen bei der Thematik sogar so sehr gespalten zu sein, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entscheidung vertagen musste. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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