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USA: Trump verharmloste Corona-Gefahr: Jetzt redet er sich mit gewagtem Vergleich heraus - „Als Hitler...“

US-Präsident Donald Trump gestikuliert vor Journalisten im Weißen Haus
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In Erklärungsnot: Die Audio-Mitschnitte eines Interviews aus den Frühjahr bringen US-Präsident Donald Trump in Bedrängnis.

Donald Trump vergleicht das neuartige Coronavirus öffentlich immer mit der Grippe. Nun sind Audio-Mitschnitte aus dem Frühjahr aufgetaucht, wonach der US-Präsident die eigentliche Gefahr absichtlich heruntergespielt hat.

  • Laut Donald Trump ist das neuartige Coronavirus keinesfalls tödlicher als eine Grippe.
  • Nun offenbaren Audio-Mitschnitte eines Interviews aus dem Frühjahr, dass der US-Präsident die Gefahr absichtlich herunterspielt.
  • Das ruft Joe Biden auf den Plan. Unterdessen wehrt sich Trump gegen Lügenvorwürfe - und bemüht einen gewagten Vergleich.

Update vom 11. September, 9.19 Uhr: Nach Vorwürfen gegen Donald Trump, er habe bezüglich der Gefahren durch das Coronavirus nicht die Wahrheit gesagt, wehrt sich der US-Präsident nun vehement. Auf eine entsprechende Journalisten-Frage bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus antwortete Trump: „Ich habe nicht gelogen. Ich habe gesagt, wir müssen ruhig bleiben, wir dürfen nicht in Panik geraten.“

Den Pressevertreter griff er an, die gestellte Frage sei „eine Schande“. Doch auch Kollegen des besagten Journalisten stellten Trump kritische Fragen zur Verharmlosung der Corona-Pandemie. Diesen wich der Präsident wiederholt aus, erwähnte dafür lieber das nach eigener Auffassung erfolgreiche Krisenmanagement der US-Regierung in Corona-Zeiten: „Wir haben phänomenale Arbeit geleistet.“

Aus dem gleichen Interview werden jetzt pikante Details über die enge Freundschaft Trumps zu Kim Jong Un bekannt. Ein weiteres Enthüllungsbuch beschäftigt sich unter anderem mit der Ehe von Trump - und einer Aussage Trumps über seine Frau Melania.

Corona-Verharmlosung: US-Präsident Donald Trump vergleicht sich mit Winston Churchill

Seine eigene Leistung verglich Trump unterdessen mit den politischen Errungenschaften des legendären britischen Premierministers Winston Churchill. „Als Hitler London bombardierte, ging Churchill, ein großer Anführer, oft auf ein Dach in London und sprach. Und er sprach immer mit Gelassenheit. Er sagte, wir müssen Gelassenheit zeigen. Nein, wir haben es richtig gemacht, und wir haben eine Arbeit geleistet wie niemand sonst.“

Dabei hielt es Trump mit der Wahrheit nicht ganz genau. Denn von Churchill ist zwar bekannt, dass er die Bombenangriffe der deutschen Wehrmacht auf London von einem Dach aus beobachtete. Dabei hielt er allerdings nie eine Rede an das Volk. Lediglich nach Kriegsende im Juni 1945 sprach Churchill im britischen Wahlkampf von einem Vordach aus, wie Fotos belegen.

Erstmeldung vom 10. September, 15.27 Uhr: Washington - Donald Trump* hat sich mitten in der Corona-Krise, aber auch im heißen Wahlkampf, zu einem aufsehenerregenden Geständnis hinreißen lassen. Nach eigenen Worten habe der US-Präsident die Gefahr durch Sars-CoV-2* absichtlich heruntergespielt, um keine Panik auszulösen. Zugleich geht aus am Mittwoch veröffentlichten Auszügen eines Interviews mit dem Journalisten Bob Woodward hervor, dass Trump bereits Anfang Februar informiert war, dass das Virus sich über Luft überträgt und eine höhere Sterberate als eine Grippe aufweist. Öffentlich verwies er in dieser Zeit dagegen auf niedrige Fallzahlen in den USA und behauptete mehrfach, das Virus werde mit der Zeit einfach verschwinden.

In den USA starben rund 190.000 Menschen nach einer Ansteckung mit dem Coronavirus - zum Teil auch weil sie Warnungen von Experten und Vorsichtsmaßnahmen wie Masken nicht ernst nahmen. Indes kann man nach fast neun Monaten eine erste Corona-Bilanz ziehen. So tödlich ist das Coronavirus in Deutschland, Europa und weltweit. Auch die WHO schlägt aufgrund aktueller Corona-Zahlen Alarm.

Trump über Corona-Gefahr: US-Präsident mit ehrlichen Worten gegenüber Watergate-Journalist

Woodward genießt im US-Journalismus den Status einer Legende, seit er und sein Kollege Carl Bernstein eine entscheidende Rolle im Watergate-Skandal spielten, der Präsident Richard Nixon 1974 den Job kostete. Sein neues Buch „Rage“ (etwa: Wut) erscheint erst kommende Woche. Der Sender CNN berichtete aber über das Buch vorab und veröffentlichte auch kurze Audio-Mitschnitte aus den Interviews.

Darauf ist unter anderem zu hören, wie Trump am 19. März nach der Einleitung „Um ehrlich mit Ihnen zu sein, Bob“ sagt: „Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will.“

Trump über Corona-Gefahr: Aussagen passen nicht zu öffentlichen Anweisungen

In einem Gespräch am 7. Februar sagte Trump den Aufnahmen zufolge: „Das ist tödliches Zeug.“ Menschen müssten nicht erst Kontaktflächen anfassen, um sich anzustecken: „Man atmet einfach Luft ein, und das ist, wie es sich überträgt.“ Die Krankheit sei auch „tödlicher“ als die Grippe, die pro Jahr 25.000 bis 30.000 Amerikaner das Leben koste. „Wer hätte das jemals gedacht, richtig?“, bemerkte der Präsident dazu. Ende Februar sprach Trump unterdessen bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus davon, wie wichtig es sei, sich oft die Hände zu waschen und nicht jeden Griff anzufassen - und dass man sich der Krankheit gegenüber genauso wie bei einer Grippe verhalten sollte.

Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany bestritt nicht die Echtheit der Aufnahmen. Sie sagte wenige Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen* aber zugleich: „Der Präsident hat die amerikanische Öffentlichkeit nie über Covid belogen.“ Es gehöre aber zu seinen Aufgaben, dafür zu sorgen, dass die Bevölkerung die Ruhe behalte. „Der Präsident hat das Virus nie heruntergespielt. Der Präsident hat Ruhe ausgestrahlt. Er war hoffnungsvoll“, sagte McEnany. Zugleich habe er frühzeitig Maßnahmen wie eine Einschränkung der Einreise aus China ergriffen.

Gibt Donald Trump Schuld an Zehntausenden Toten: Joe Biden gibt im Wahlkampf Gas.

Trump und die Corona-Gefahr: Biden gibt US-Präsident Schuld an Zehntausenden Toten

Trumps Herausforderer im Rennen ums Weiße Haus, Joe Biden*, griff den Präsidenten unterdessen scharf an. „Er wusste, wie tödlich es ist und hat es gezielt heruntergespielt. Schlimmer noch, er hat das amerikanische Volk angelogen.“ Zehntausende Menschenleben hätten gerettet werden können, wenn Trump schneller gehandelt hätte, sagte Biden. (dpa) *merkur.de ist Teil des Ippen-Netzwerks

Derweil wird Trump von einem europäischen Politiker für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen - dabei bekommt auch Barack Obama sei Fett weg. Auf einer Pressekonferenz geriet der US-Präsident mit einem Journalisten aneinander - weil dieser eine Maske trug.

Noch kurz zuvor hatte Trump die Demokraten öffentlich wegen Panikmache angegriffen.

In einem Auffanglager in den USA sollen brutale und katastrophale Zustände herrschen - die Rede ist sogar von Zwangssterilisation. Eine Mitarbeiterin von Vizepräsident Mike Pence erhebt jetzt schwere Vorwürfe gegen Trump - es geht um seine Haltung zur Coronapandemie.

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