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Trump trifft Antisemiten und schweigt sich im Nachgang aus

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Von: Daniel Dillmann

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Donald Trump empfängt den bekennenden Antisemiten Nick Fuentes und erntet dafür Entrüstung aus den eigenen Reihen.

Mar-a-Lago (USA) – Ein Dinner mit Folgen: Donald Trump empfing den bekennenden Ultranationalisten und Holocaust-Leugner Nick Fuentes in seiner Residenz Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida. Fuentes kam als Begleitung von Kanye West, ehemaliger Freund von Donald Trump und wie Fuentes überzeugter Antisemit. Doch kaum war das Essen verdaut, da hagelte es Kritik an Trumps Gästeliste.

Allen voran Mike Pence zeigte sich entsetzt. Der ehemalige Vizepräsident der USA hat längst mit seinem Ex-Chef Donald Trump gebrochen. Nun distanzierte sich Pence noch weiter. Es sei falsch von dem ehemaligen Präsidenten gewesen, „einem weißen Nationalisten, Antisemiten und einem Holocaustleugner einen Platz am Tisch anzubieten. Ich denke, er sollte sich dafür entschuldigen“, so Pence gegenüber dem Nachrichtensender NewsNation. Fuentes nannte Pence eine „Person mit hasserfüllter Rhetorik“. Von Trump forderte er, sich klar zu distanzieren.

Donald Trump trifft Kanye West und Nick Fuentes - Mike Pence fordert Entschuldigung

Gleichzeitig verteidigte Mike Pence seine vierjährige Arbeit an der Seite von Donald Trump. „Ich glaube nicht, dass er ein Rassist oder ein Fanatiker ist. Ich wäre nicht sein Vizepräsident gewesen, wenn er es gewesen wäre“, so Pence in dem Interview. Der ehemalige Vizepräsident wies ebenfalls darauf hin, dass Donalds Tochter Ivanka Trump zum Judentum konvertiert sei und deren Kinder, Trumps Enkelkinder, ebenfalls jüdischen Glaubens seien.

Neben Mike Pence gibt es weitere einstige Wegbegleiter Donald Trumps, die dessen Treffen mit Nick Fuentes kritisieren. Überraschenderweise gehört der Gruppe der Kritiker auch Steve Bannon an. Bannon ist ultrarechter Podcast-Kommentator und Anhänger der rassistischen Theorie des großen Austauschs. Er gilt mindestens als ehemaliger Berater, anderen sogar als Erfinder der politischen Figur Donald Trumps. In seinem Podcast War Room machte Bannon dem aktuellen Beraterstab, dem er selbstredend nicht mehr angehört, schwere Vorwürfe. Sie hätten Trump vor Fuentes warnen sollen und das Treffen letztendlich verhindern.

Donald Trump: Dinner mit Kanye West und Nick Fuentes errregt die Gemüter

Selbst Marco Rubio, Senator der Republikaner, bezeichnete Nick Fuentes als „eine böse, ekelhaft Person“, und verlangte von Trump, auf Distanz zu gehen. Dabei verteidigte der Senator aus Florida den ehemaligen Präsidenten aus New York. „Ich weiß, dass Donald Trump kein Antisemit ist“, so Rubio.

Donald Trump in Mar-a-Lago, wo der Ex-Präsident gleich zwei Antisemiten als Gäste empfangen hatte.
Donald Trump in Mar-a-Lago, wo der Ex-Präsident gleich zwei Antisemiten als Gäste empfangen hatte. © ALON SKUY/AFP

Doch nicht alle Vertreterinnen und Vertreter der Republikaner reagierten derart geschockt auf das Treffen zwischen Donald Trump und Nick Fuentes. Die Kongressabgeordnete Marjorie Taylor Greene verurteilte weder Fuentes noch Kanye West oder gar Trump. Stattdessen stellte Greene ihren Followern in Aussicht, Trump würde die verurteilten Randalierer des 6. Januar wieder freilassen - ein Aspekt, den Kanye West Tage zuvor in seinem angeblichen Wahlwerbevideo gefordert hatte. Laut dem US-Nachrichtenportal Huffington Post handelt es sich dabei um einen klaren Verweis auf die Forderung Wests.

Donald Trump schweigt sich nach Treffen in Mar-a-Lago aus

Donald Trump äußerte sich ebenfalls zu dem Treffen, allerdings nicht so, wie es Mike Pence und weite Teile der Republikaner gefordert hatten. Auf seiner eigenen Social-Media-Plattform Truth Social verteidigte der Ex-Präsident dagegen sein Dinner mit zwei Antisemiten. Er habe damit Kanye West helfen wollen, einem „ernsthaft beunruhigten Mann, der zufälligerweise schwarz ist“. Außerdem habe ihm gefallen, was vom Rapper über ihn gesagt wurde, im Interview auf Fox News mit Moderator Tucker Carlson. Laut Trump erschien West zu dem Treffen mit zwei Personen, von denen er den ersten (Nick Fuentes) gar nicht kennen und den zweiten seit Jahren nicht gesehen hätte.

Ob das stimmt, das weiß nur Donald Trump. Der 24 Jahre alte Nick Fuentes jedenfalls ist seit 2016 politisch aktiv. 2017 nahm er an der Neonazi-Demonstration in Charlottesville teil. Am 6. Januar 2021 beteiligte sich Fuentes an dem Aufstand in Washington DC. (dil)

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