“KEIN HINKNIEN!“

Anti-Rassismus-Geste „respektlos“? Trump droht mit Football-Boykott

Nicht erst seit dem Fall George Floyd drückt eine bestimmte Geste, auch im Sport, Protest gegen Polizeigewalt aus. US-Präsident Donald Trump ist von ihr nicht angetan.

  • Auch den amerikanischen Sport haben die Proteste gegen Polizeigewalt erreicht.
  • Die National Football League (NFL) erlaubt seit Kurzem wieder das Hinknien während der Nationalhymne.
  • US-Präsident Donald Trump* beschwert sich deshalb aktuell auf Twitter.

Washington - Bekannt gemacht hat die Protestform der Afroamerikaner Colin Kaepernick. Der damalige Quarterback der San Francisco 49ers begann 2016 damit, vor NFL-Spielen bei der US-Nationalhymne - bei der alle aufstehen - als Zeichen gegen Polizeigewalt ein Knie auf dem Boden abzulegen - zahlreiche Spieler übernahmen die Geste.

Die NFL hat nun Anfang Juni ein entsprechendes Protestverbot für seine Spielerinnen und Spieler gekippt - und das bringt US-Präsident Donald Trump* auf die Palme. Der NFL-Beauftragte Roger Goodell sagte dem Guardian zufolge: „Es war ein Fehler, nicht auf sie zu hören, und wir ermuntern sie nun, friedlich zu protestieren.“ Das Verbot galt seit 2017, nachdem Megan Rapinoe aus Solidarität mit Kaepernick bei der Hymne auch gekniet hatte.

Trump zu Anti-Polizeigewalt-Kniefall: „Dann schaue ich ihnen nicht mehr zu!“

Trump* hatte das bereits zuvor als respektlos kritisiert (Tweet: „Es gibt andere Dinge, gegen die ihr protestieren könnt, aber nicht unsere großartige amerikanische Flagge - KEIN HINKNIEN!“) Nun nahm Trump am Samstag Bezug auf einen Tweet über US-Fußballspieler, die diese Protestgeste nutzen wollten und twitterte: „Und es sieht so aus, als würde die NFL die gleiche Richtung einschlagen, aber dann schaue ich ihnen nicht mehr zu!“

Cleveland-Quarterback Baker Mayfield erklärte am gleichen Tag in einem vielbeachteten Kommentar auf Instagram, dass er dieses Jahr während der Nationalhymne „auf jeden Fall“ knien würden. Später erläuterte er USA Today zufolge: „Jeder, der sich über meinen Kommentar aufregt, versteht die Absicht hinter dem Hinknien nicht. Ich habe den größten Respekt für unser Militär, Polizei und Menschen, die sich für unser Land engagieren. Es geht aber um Gleichberechtigung, denn wir sind alle Menschen. Das wurde zu lange ignoriert, und das ist zum Teil auch meine Schuld, weil ich mich nicht früher informierte und schwieg.“ 

Instagram @tsn_official

Geste gegen Polizeigewalt im Sport: Trump-Scharmützel auf Twitter

In den USA kommt es nach dem gewaltsamen Tod des Schwarzen George Floyd* aktuell landesweit zu Anti-Rassismus-Protesten unter dem Motto „Black Lives Matter“* (“Schwarze Leben zählen“) Nicht nur der Guardian weist in dem Zusammenhang nun darauf hin, dass Trump die Protestgeste des Hinkniens schon früher verächtlich machte. So lobte er vor gut zwei Jahren, als ihr Verbot noch galt, die NFL: „Ihr sollte während der Nationalhymne stolz gerade stehen. Oder ihr solltet gar nicht spielen, gar nicht da sein. Vielleicht nicht einmal im Land sein“, schrieb er damals in einem Tweet, der inzwischen nicht mehr verfügbar ist. Ähnlich schockierend wie der Rassismus gegen George Floyd ist die dreifache Vergewaltigung, die dem US-Schauspieler Danny Masterson vorgeworfen wird.

Mit der bereits erwähnten US-Fußballspielerin Rapinoe lieferte sich Trump ebenfalls schon ein Scharmützel auf Twitter. Rap in the past. In 2019 twitterte er wegen ihrer Kniefall-Offenheit, dass sie nicht das Weiße Haus besuchen dürfe, falls ihr Team die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen würde, heißt es in dem Bericht

Trump selbst muss unterdessen nach einem skurrilen Auftritt mit Spott leben. Ein neues Buch soll unbekannte Geschichte über die Ehe von Melania und Donald Trump erzählen. Melania Trump soll den Ehevertrag neu verhandelt haben.

frs

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