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Gas-Embargo gegen Russland? Deutschland droht „schwerste Krise seit Zweitem Weltkrieg“

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Von: Christoph Klaucke

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Der Konzern BASF befürchtet bei einem Gas-Importstopp aus Russland für die deutsche Volkswirtschaft „ihre schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs“.
Der Konzern BASF befürchtet bei einem Gas-Importstopp aus Russland für die deutsche Volkswirtschaft „ihre schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs“. © Uwe Anspach/dpa

Viele Unternehmen in Deutschland sind für ein Rohstoff-Embargo gegen Russland. Firmen warnen aber auch vor einem Boykott russischer Gas-Importe.

Mannheim – Erst die Corona-Krise und jetzt der Ukraine-Krieg*. Die deutsche Wirtschaft schien bereits wieder im Aufschwung zu sein, doch der Ukraine-Konflikt* mindert die Zuversicht auf Besserung. Auslöser ist das Rohstoff-Embargo Deutschlands gegen Russland*.

Kann Deutschland wirklich auf Energie wie Gas, Öl und Kohle aus dem Osten verzichten? Die Gas-Debatte scheint die Unternehmen hierzulande zu spalten, wie die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf die Umfrage des German Business Panel der Universität Mannheim berichtet. Mehr als 40 Prozent der Firmen in Deutschland unterstützen der repräsentativen Umfrage zufolge die Forderung nach einem Rohstoff-Embargo gegen Russland. Auf der anderen Seite sehen demnach 36 Prozent der Firmen einen Importstopp für russisches Gas negativ.

Ukraine-Krieg : Gas-Embargo gegen Russland? „Schwerste Krise seit Zweitem Weltkrieg“ droht

Vor einem Boykott russischer Energie hatten Anfang des Monats die Konzerne BASF und Siemens Energy gewarnt. BASF-Chef Martin Brudermüller sagte, ein Stopp oder längerer Ausfall russischer Gas- und Ölimporte „könnte die deutsche Volkswirtschaft in ihre schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs bringen“.

Insgesamt hat sich dem Bericht zufolge die Stimmung in den deutschen Unternehmen seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine* dramatisch verschlechtert. Vier von fünf Firmen sehen sich demnach erheblich vom Krieg betroffen. Der Krieg in der Ukraine beeinträchtigt die betriebswirtschaftlichen Erwartungen von rund 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland erheblich“, sagt Philipp Dörrenberg, BWL-Professor an der Universität Mannheim, der an dem Panel beteiligt ist. 

Deutsche Firmen befürchten wegen Ukraine-Krieg finanzielle Einbußen

Nach der Corona-Pandemie* herrschte bei den Unternehmen wieder so etwas wie Optimismus, für 2022 wurden mehr Gewinne und Investitionen erwartet. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs gehen beide Werte nun rapide zurück, liegen im Durchschnitt bei minus vier Prozent, zeigt das German Business Panel. Das laufende Jahr könnte also wegen eines Russland-Schocks schlechter werden als das Pandemie-Jahr 2021.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die 40 Dax-Konzerne im vergangenen Jahr Rekordzahlen erreichten. Der Gesamtumsatz kletterte 2021 um 14 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern wurde sogar mehr als verdoppelt, er stieg nach jüngsten Berechnungen der Wirtschaftsprüfer- und Beraterfirma Ernst & Young (EY) in Summe um 122 Prozent auf fast 170 Milliarden Euro. Das sind durchschnittlich 46 Millionen Euro pro Tag. Die Ausgangslage scheint also recht komfortabel, trotzdem ist die Unsicherheit groß.

Rohstoff-Embargo gegen Russland: Deutschen Firmen droht Kurzarbeit

Der Rohstoffmangel und unterbrochene Lieferketten könnten für manches Unternehmen dramatische Folgen haben. Ein Kunststoffhersteller mit Jahresumsatz von zwei Millionen Euro hofft beispielsweise, dass sich die Preise für Rohstoffe wieder normalisieren. „Falls nicht, müssen 70 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit“, sagte ein Firmenvertreter laut German Business Panel. Das könne die Firma aber erst in einigen Wochen abschätzen. Diese Ungewissheit verspüren aktuell viele Unternehmen. (ck) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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