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„Rezession“ - Stimmung in der deutschen Wirtschaft trübt sich massiv ein

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Von: Thomas Schmidtutz

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Clemens Fuest: Der Chef des Münchner ifo Instituts sieht Deutschland auf dem Weg in eine Rezession.
Prof. Clemens Fuest: Der Chef des Münchner ifo Instituts sieht Deutschland auf dem Weg in eine Rezession. © Imago/Jürgen Heinrich

Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft trüben sich weiter ein – und ein Ende ist nicht Sicht.  

München – Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich wegen der Energiekrise und der Nachwirkungen der Corona-Pandemie im September massiv verschlechtert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner ifo Instituts brach gegenüber August um 4,3 Punkte auf 84,3 Zähler ein. Volkswirte hatten lediglich mit einem Rückgang auf 87,0 Punkte gerechnet.

Damit notierte der wichtigste Frühindikator für die deutsche Wirtschaft auf dem tiefsten Niveau seit Mai 2020. „Die deutsche Wirtschaft rutscht in eine Rezession“, kommentierte ifo-Chef Clemens Fuest die Daten am Montag. Auch der Chef-Volkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, sieht die Daten als Warnsignal: Deutschland stehe „vor einem schwierigen Winter“, erklärte Krämer.

ifo Geschäftsklima: Unternehmen werden deutlich vorsichtiger

Am stärksten fiel die Erwartungskomponente des ifo Index für die kommenden sechs Monate. Der entsprechende Werte sackte auf 75,2 Zähler ab nach 80,5 zuvor. Zugleich beurteilten die Unternehmen aber auch ihre aktuelle Lage im September mit 94,5 (August: 97,5) Punkte erheblich schlechter ein als noch im Vormonat.

Der Rückgang zieht sich durch alle Sektoren. Im Verarbeitenden Gewerbe sei der Index spürbar gefallen, im Dienstleistungssektor „abgestürzt“, hieß es. Insbesondere das Gastgewerbe befürchte schwere Zeiten. Auch im Handel habe sich das Geschäftsklima „nochmals verschlechtert“. Im Bauhauptgewerbe seien die Erwartungen ebenfalls pessimistischer als noch vor Monatsfrist.

ifo Geschäftsklimaindex: Schwieriges Umfeld

Die deutsche Wirtschaft leidet derzeit massiv unter den steigenden Energiepreisen. Zudem drückt die Zinswende der EZB und damit höhere Refinanzierungskosten auf die Stimmung. Außerdem ist die Pandemie noch immer nicht überwunden: Vor allem Chinas Anti-Corona-Politik sorgt immer wieder für Belastungen im Welthandel, etwa weil der Betrieb in Häfen oder Fabriken wegen Eindämmungsmaßnahmen gestört ist.

Für den Geschäftsklimaindex antworten monatlich rund 9000 Unternehmen auf Fragen des ifo Instituts. Sie werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen („gut“, „befriedigend“, „schlecht“) und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate („günstiger“, „gleichbleibend“, „ungünstiger“) abzugeben.

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