Türkei will hoch hinaus

Neuer Mega-Flughafen in der Türkei forderte zahlreiche Tote

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Die prunkvolle Halle des Megaflughafens in Istanbul. 

Für Erdogan und seine AKP ist der neue Flughafen in Istanbul ein Zeichen ökonomischer und politischer Stärke. Doch die Bevölkerung ist gespalten.   

Istanbul - Am 6. April um 14.30 Uhr war es soweit: die erste Turkish Airlines-Maschine hob vom neuen Istanbuler Flughafen in Richtung Ankara ab und eröffnete offiziell den Betrieb des Megaprojekts.

Bald größter Flughafen der Welt: 10,3 Milliarden schweres Megaprojekt in Istanbul 

Nur 42 Monate hatte es gedauert den dritten Flughafen Istanbuls zu bauen, der mit sechs Landebahnen und einer Kapazität von 200 Millionen Fluggästen pro Jahr spätestens 2028 der größte der Welt sein soll - und ein Denkmal der Ära Erdogan. 10,3 Milliarden hat er bislang gekostet und erstreckt sich über eine gigantische Fläche von 76,5 Millionen Quadratmeter. Feierlich eröffnet hatte der Präsident den Flughafen schon am 29. Oktober 2018, dem Tag der Republik, doch wegen des Umzugs vom Atatürk-Flughafen auf das neue Gelände nahm der Flughafen Istanbul erst am 6. April den Betrieb auf.

Erdogan schafft mit diesem Flughafen der Superlative gegenüber seiner Partei und den AKP-Anhängern ein trügerisches Symbol für wirtschaftlichen Aufschwung und Stärke, das ihm angesichts wirtschaftlicher Rezession und politischem Legitimationsdruck gerade recht kommt. Erst vor Kurzem hatte die AKP die Kommunalwahlen in den wichtigen Zentren des Landes Ankara und Istanbul verloren. Doch das Prestigeprojekt des türkischen Staatsoberhauptes forderte viele Opfer.

55 Tote bei Bauarbeiten - Bevölkerung trägt finanzielles Risiko 

Nicht vieles, was an diesem Flughafen glänzt, ist auch Gold. Der Zeitdruck, den Flughafen in weniger als zwei Jahren zu erbauen und der Konkurrenzdruck durch viele Subunternehmer, führte zu unsicheren Arbeitsbedingungen. Insgesamt kamen bei den Bauarbeiten 55 Arbeiter bei Unfällen ums Leben. Bauarbeiter, die gegen die Verhältnisse auf der Baustelle protestierten, wurden verhaftet. Gegen 61 von ihnen wird nun ein Prozess geführt. Gegner des Flughafens kritisierten zudem, dass für das Megaprojekt ein riesiges Waldgebiet zerstört und dabei der Betonkoloss direkt innerhalb einer Route von Zugvögeln gebaut wurde. 

News-Ticker: Alle News und Hintergründe über Erdogan und die Türkei

Auch ökonomisch könnte der Flughafen in Istanbul in Zukunft negative Folgen für die Bevölkerung haben. Denn bei dem öffentlich-privaten Betreibermodell, mit welchem der Flughafen finanziert wird, liegt das finanzielle Risiko in öffentlicher Hand. Falls die kalkulierten Passagierzahlen also nicht erreicht werden, wird der Flughafen aus Steuergeldern weiter finanziert. 

spz

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