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„Sterben wie die Fliegen“: Ukrainer berichten von erheblichen Verlusten der Russen in Ost-Ukraine

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Von: Bedrettin Bölükbasi, Christoph Gschoßmann

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Wolodymyr Selenskyj hat sich zur Lage seines Landes im Krieg geäußert. Auch der Verteidigungsminister berichtet von einer schwierigen Situation. Der News-Ticker.

Update vom 10. Juni, 12.39 Uhr: In der Region Charkiw haben die russischen Truppen laut Kiew starke Verluste erlitten. Alle weiteren News zur militärischen Lage in der Ukraine im News-Ticker vom 10. Juni.

Russische Truppen rücken von Südosten auf Bachmut vor

Update vom 10. Juni, 7.04 Uhr: Bei anhaltend schweren Kämpfen im Donbass sind die russischen Truppen nach ukrainischen Angaben zuletzt auf den Verkehrsknotenpunkt Bachmut vorgerückt. Sie drohen damit, den Nachschub für das Verwaltungszentrum Sjewjerodonezk abzuschneiden. „Der Feind hat in Richtung Wosdwyschenka - Roty angegriffen, teilweise Erfolg gehabt und setzt sich an den eingenommenen Stellungen fest“, teilte der ukrainische Generalstab am Freitag in seinem Lagebericht mit. Die Ortschaften befinden sich nur rund zehn Kilometer südwestlich von Bachmut. Auch die Straße von Bachmut nach Sjewjerodonezk kann von dort mit schwerem Gerät beschossen werden.

Die Kämpfe um die einstige Großstadt Sjewjerodonezk verlaufen hingegen weiter ohne größere Veränderungen. Die russischen Truppen versuchten „weiter erfolglos“ die volle Kontrolle über das Verwaltungszentrum der Region Luhansk im Osten der Ukraine zu gewinnen, teilte der Generalstab weiter mit. Auch bei anderen Gefechten rund um die Stadt seien die Angreifer zurückgeworfen worden.

In Richtung Slowjansk, einem weiteren strategischen Hauptziel der russischen Militäroperation im Donbass, ist hingegen nach den schweren Kämpfen der Vortage vorläufig Ruhe eingekehrt. Aktive Kampfhandlungen hätten in der Nacht nicht stattgefunden, teilte der ukrainische Generalstab mit. Allerdings hätten die russischen Truppen nördlich der Stadt, im Raum Sloboschanske, bis zu 30 taktische Bataillone konzentriert.

Von anderen Frontabschnitten melden die Ukrainer vorwiegend Artilleriebeschuss ohne aktives Vorgehen der russischen Bodentruppen.

Krieg in der Ukraine: Selenskyj spricht von komplizierter Lage

Update vom 10. Juni, 6.11 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sieht die Lage seines Landes im Krieg gegen die russischen Angreifer weiter kompliziert. Auf dem Schlachtfeld im Osten des Landes stemme sich die ukrainische Armee mutig gegen den Feind, sagte er. Der Freitag ist für Kiew der 107. Tag des Krieges.

Laut dem ukrainischen Verteidigungsminister Olexij Resnikow ist die Lage an der Front schwierig. „Jeden Tag werden bis zu 100 unserer Soldaten getötet und bis zu 500 verwundet“, schrieb er bei Facebook. Russland erleide zwar große Verluste. „Aber es gibt immer noch Kräfte, die in einigen Teilen der Front vorrücken“, betonte er. Die Ukraine brauche dringend schwere Waffen. „Wir haben bewiesen, dass wir im Gegensatz zu vielen anderen den Kreml nicht fürchten. Aber als Land können wir es uns nicht leisten, unsere besten Söhne und Töchter zu verlieren.“ Präsidentenberater Mychajlo Podoljak sprach gar von 100 bis 200 Toten täglich.

Ukraine-Krieg - Kampf um Sjewjerodonezk: „Sie sterben wie die Fliegen“

Update vom 9. Juni, 22.00 Uhr: Die russischen Truppen erleiden ukrainischen Angaben zufolge beim Kampf um die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk erhebliche Verluste. „Die Russen haben wesentlich mehr Verluste als die Ukrainer“, teilte der Luhansker Gouverneur Serhij Hajdaj am Donnerstag bei Facebook mit. Das Verhältnis liege „bei eins zu zehn“. Zu ukrainischen Verlusten könne er keine Angaben machen.

Die russische Armee habe die Überreste von Einheiten aus der Teilrepublik Burjatien im Fernen Osten Russlands abgezogen, meinte Hajdaj. „Sie sterben wie die Fliegen.“ Die Angaben sind nicht unabhängig zu prüfen.

Russische Kräfte hatten in der vergangenen Woche den Großteil der Industriestadt erobert. Die Ukrainer mussten sich in das Industriegebiet und in die benachbarte Zwillingsstadt Lyssytschansk zurückziehen. In dem seit Ende Februar laufenden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine haben russische Truppen mittlerweile mehr als 90 Prozent des Gebiets Luhansk unter ihre Kontrolle gebracht.

Russland hat damit begonnen, Rentner in Mariupol in Rubel zu bezahlen

Update vom 9. Juni, 21.48 Uhr: Laut einem ukrainischen Beamten hat Russland damit begonnen, Rentner in Mariupol in Rubel zu bezahlen. Das berichtet CNN. Demnach haben russische Streitkräfte in Mariupol begonnen, Renten in russischem Rubel mit Bargeld zu zahlen, sagte ein Berater des ukrainischen Bürgermeisters dieser Stadt am Donnerstag.

„Es ist jetzt bekannt, dass die Besatzer bereits Lastwagen mit Bargeld geliefert haben“, sagte Petro Andrushchenko im nationalen Fernsehen. „Russische Renten werden Rentnern in russischem Rubel ausgehändigt – was sehr gut zeigt, wie es um die russische Wirtschaft steht, dass eine solche Geldsumme dummerweise in bar gebracht und ausgegeben werden kann.“ Es gebe „Riesige Schlangen, Schlägereien, Skandale, wegen der Hitze, weil es wirklich keine Organisation gibt. Das heißt, es wird kein Prozess organisiert“, sagte er.

Rund 46.000 Anträge auf Rentenzahlungen seien eingegangen, berichtete die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti, und die selbsternannte Volksrepublik Donezk habe mit der Auszahlung dieser Renten begonnen. Andrushchenko sagte, dass diesen Zahlen „mehr oder weniger“ vertraut werden kann.

Update vom 9. Juni, 19.29 Uhr: Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksiy Reznikov hat sich zur aktuellen Lage im militärischen Konflikt geäußert. „Der Kreml drückt weiterhin mit schierer Masse. Er stolpert und sieht sich einer starken Zurückweisung gegenüber. Er erleidet enorme Verluste“, sagte er. „Aber er hat immer noch Kräfte, um in einigen Teilen der Front vorzurücken.“ Rezinov sei unzufrieden mit dem „Tempo und der Menge“ der Waffen, die in der Ukraine eintreffen. „Die Situation an der Front ist schwierig“, so Reznikov in einer Erklärung auf Facebook.

In Anlehnung an die früheren Äußerungen von Präsident Wolodymyr Selenskyj sagte Reznikov, dass jeden Tag bis zu 100 ukrainische Soldaten getötet und bis zu 500 verletzt würden. Die Ukraine, sagte er, habe „bereits eine beträchtliche Anzahl von Waffen erhalten, auf dem Markt gekauft, hergestellt und an die Streitkräfte der Ukraine übergeben“.

Ukraine-Krieg: Drei ausländische Kämpfer zum Tode verurteilt

Update vom 9. Juni, 16.10 Uhr: Das Oberste Gericht der separatistischen Donezker Volksrepublik (DVR) hat drei ausländische Kämpfer in den Reihen der ukrainischen Streitkräfte als Söldner zum Tode verurteilt. Bei den Angeklagten handelt es sich um zwei Briten und einen Marokkaner. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Update vom 9. Juni, 14.18 Uhr: Im ostukrainischen Sjewjerodonezk befinden sich noch 10.000 Zivilisten, sagt der lokale Bürgermeister. An eine Evakuierung glaubt er nicht mehr. Der ukrainische Generalstab teilte am Donnerstag mit, die russische Armee greife mit Artillerie und Mehrfachraketenwerfern an und ziele in Sjewjerodonezk und anderen Orten auf die zivile Infrastruktur. Russland weist Vorwürfe zurück, nichtmilitärische Ziele anzugreifen.

Update vom 9. Juni, 13.45 Uhr: Die ukrainische Armee hat aus dem Westen bereits mehr als 150 schwere 155-Millimeter-Haubitzen aus Nato-Beständen bekommen. „Die Munitionsvorräte dieses Kalibers übersteigen bereits um zehn Prozent die Bestände großer sowjetischer Kaliber zum Stand 24. Februar 2022“, schrieb Verteidigungsminister Olexij Resnikow in einem Beitrag bei Facebook.

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Eine Sondereinheit von Soldaten geht in der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk an Gebäuden vorbei, die durch Beschuss beschädigt wurden (29. Mai). © IMAGO/Alexander Reka / ITAR-TASS

Dazu seien noch etwa 50 Geschütze anderen Kalibers eingetroffen, sagte Resnikow. Für diese lägen die Munitionsvorräte bei gut 75 Prozent des Bestands vom Kriegsbeginn. Geliefert worden seien auch Dutzende Raketenwerfer sowjetischen Typs und Hunderte Mörser mit entsprechender Munition. Resnikow berichtete zudem über den Erhalt von Hunderten Panzern und Schützenpanzern sowjetischen Typs und etwa 250 westlichen gepanzerten Fahrzeugen. Daneben wurden Tausende an tragbaren Flugabwehr- und Panzerabwehrsystemen und Granatwerfern und Hunderte Drohnen, darunter Dutzende Angriffsdrohnen, geliefert.

Die Küstenverteidigung sei durch „Harpoon“-Raketen entscheidend gestärkt worden. Trotzdem forderte Resnikow weitere und schnellere Lieferungen. „Ich kann nicht sagen, dass ich zufrieden bin mit der Geschwindigkeit und der Zahl der Waffenlieferungen“, fasste Resnikow zusammen. Ziel sei es, Raketenwerfer westlichen Typs mit Munition zu erhalten, sowjetische Artilleriesysteme komplett durch westliche zu ersetzen. Zudem seien für eine Gegenoffensive Hunderte schwere Panzer, Kampfflugzeuge und Flugabwehrsysteme nötig. 

Ukraine-Krieg: Russland greift Charkiw an - zwei Tote und vier Verletzte nach Beschuss

Update vom 9. Juni, 13.30 Uhr: Seit mehreren Wochen ging es in der nordostukrainischen Stadt Charkiw ruhig zu. Zuletzt brachte dort eine Gegenoffensive der russischen Streitkräfte Erfolge gegen Wladimir Putins Truppen. Nun hat das russische Militär Angriffe auf die Stadt und umliegende Siedlungen erneuert. Laut der US-Zeitung The Wall Street Journal warfen ukrainische Behörden in Charkiw dem russischen Militär dabei vor, Angriffe von Russland aus durchzuführen. Bei den nächtlichen Angriffen sei ein Cafe, ein Laden und eine Schulbibliothek getroffen worden, wobei zwei Menschen ums Leben gekommen und vier Menschen verletzt worden seien, berichtete die amerikanische Zeitung unter Berufung auf Behörden. Nach den nächtlichen Angriffen sei auch das TV-Signal temporär ausgefallen.

Ukraine-Krieg
Nach Raketenangriffen brannten in Charkiw in der Nacht offenbar mehrere Gebäude. (Screenshot) © Twitter/Nexta

Ukraine-Krieg: Schwere Verluste für Ukraine - offenbar täglich „bis zu hundert getötete Soldaten“

Update vom 9. Juni, 13 Uhr: Die Ukraine verzeichnet in den Kämpfen mit der russischen Armee Tag für Tag „bis zu hundert getötete Soldaten und bis zu 500 verwundete“ Soldaten. Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow erklärte, die Lage an den Frontlinien in der östlichen Donbass-Region sei schwierig. „Der Kreml übt weiter Druck mit schierer Masse aus, gerät ins Stolpern, stößt auf starken Widerstand und erleidet hohe Verluste“, hieß es in der in Onlinediensten veröffentlichten Erklärung Resnikows.

Inmitten Ukraine-Krieg: Russland startet Manöver in der Ostsee - Antwort auf Nato-Manöver?

Update vom 9. Juni, 12.50 Uhr: Russland hat parallel zu einem Nato-Manöver in der Ostsee eigene Militärübungen mit mehreren dutzend Kriegsschiffen abgehalten. An den Manövern waren nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums rund 60 Schiffe sowie 40 Flugzeuge und Hubschrauber der Baltischen Flotte beteiligt. Die Truppenübungen fanden auch an Land in der russischen Enklave Kaliningrad statt.

Bereits am Dienstag (7. Juni) hatten rund 20 russische Schiffe an einer Übung in diesem Gebiet teilgenommen. Die Nato hält in der Ostsee seit Sonntag ihre jährliche Militärübung „Baltops 22“ ab, die noch bis zum 17. Juni dauern soll. Die verstärkten militärischen Aktivitäten in der Ostsee finden vor dem Hintergrund der russischen Militäroffensive in der Ukraine statt.

Ukraine-Krieg: Briten sehen russischen Vorstoß nach Isjum

Update vom 9. Juni, 9.35 Uhr: Nach Einschätzung britischer Geheimdienste sind russische Truppen im Ukraine-Konflikt in den vergangenen Tagen in Richtung der ostukrainischen Stadt Isjum vorgerückt. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Die Truppen hätten ihre Anstrengungen dort wahrscheinlich verstärkt, hieß es in einer Mitteilung des Verteidigungsministeriums in London. Isjum liegt im Gebiet Charkiw, das an die mittlerweile fast vollständig von den Russen eingenommene Region Luhansk grenzt.

Ukraine-Krieg: Angriff auf Chemiefabrik in Sjewjerodonezk - offenbar vier Tote

Update vom 9. Juni, 9.20 Uhr: Im Osten der Ukraine setzen russische Truppen nach ukrainischen Angaben ihre Angriffe auf Wohn- und Industriegebiete in der schwer umkämpften Stadt Sjewjerodonezk fort. Durch den Beschuss der Chemiefabrik Azot seien vier Menschen getötet worden, schrieb der Gouverneur des Gebiets Luhansk, Serhij Hajdaj, im sozialen Netzwerk Telegram. Die Anlage wird nach ukrainischen Angaben von Hunderten Zivilisten als Luftschutzbunker genutzt.

Eine vergleichbare Einkesselung durch russische Truppen wie bis vor kurzem in der Hafenstadt Mariupol drohe derzeit jedoch nicht. Von russischer und prorussischer Seite wird immer wieder der Vorwurf geäußert, die Ukrainer hätten die Zivilisten in die Azot-Keller gelockt und das Gelände dann vermint. Belege dafür gibt es nicht. Mehr als 90 Prozent des Luhansker Gebiets, in dem Sjewjerodonezk liegt, ist von Russland bereits besetzt.

Ukraine-Krieg: US-Haubitzen in der Ukraine - Soldaten sprechen von Vorteil

Update vom 9. Juni, 8.20 Uhr: Der US-Sender CNN hat einen Bericht aus dem Süden der Ukraine veröffentlicht, wo ukrainische Truppen vom russischen Militär besetzte Gebiete mit Gegenoffensiven befreien wollen. In dem Bericht ging es dabei in erster Linie um die Nutzung der von den USA bereitgestellten M777-Haubitzen. CNN-Korrespondent Matthew Chance nahm an einer Übung der ukrainischen Armee teil, in der auch diese Haubitzen genutzt wurden. Bislang habe Washington rund 90 dieser modernen Haubitzen an die Ukraine geliefert, sagte Chance unter Berufung auf ukrainische Militärbeamte.

Die Waffe verschaffe ihnen einen Vorteil gegenüber den Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin, betonten ukrainische Soldaten, die sich gegenüber CNN äußerten. „Wir sind schneller und präziser geworden”, unterstrich der ukrainische Oberleutnant Ivan Surow im Gespräch mit dem US-Sender. Die russischen Soldaten, die alte Waffen aus der Zeit der Sowjetunion nutzen würden, könnten damit nicht mithalten. Die Sowjet-Waffen seien „schwerer, weniger präziser, langsamer und schwer zum Nutzen”.

Ukraine-Krieg: Westliche Waffen machen Unterschied für Ukraine - Gouverneur sieht „nur eine Frage der Zeit“ im Süden

Update vom 9. Juni, 7.30 Uhr: Der Gouverneur des ukrainischen Oblasts Mykolajiw, Witaliy Kim, hat in einem Interview die wichtige Rolle von westlichen Waffen im Kampf gegen Russland hervorgehoben. Die von westlichen Ländern gelieferten Waffen würden bereits einen Unterschied machen, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters: „Es passiert bereits und wir werden mehr Erfolg haben.“ Dabei gehe es um Artillerie, die in der Mykolajiw-Region schon zum Einsatz komme. Allerdings nannte der Gouverneur nicht, um welche spezifischen Artilleriesysteme es sich handelt.

Es „nur eine Frage der Zeit“, so Kim, bis ukrainische Truppen bedeutende Fortschritte im Süden des Landes erzielen würden. Um etwa die Region Cherson von russischen Truppen zu befreien, benötige die Ukraine aber mehr Soldaten. An dieser Stelle müsse man entweder den Weg für Truppen im Osten öffnen oder mit einer zusätzlichen Mobilisation Abhilfe schaffen.

Außerdem fürchte Kiew weiterhin russische Großoffensiven gegen Städte wie Mikolajiw und Saporischschja: „Ich denke, in den kommenden Wochen werden sie Gelegenheiten zum Angriff auf Saporischschja und Mikolajiw haben. Derzeit sehen wir aber keine Umgruppierung, keine großen Armeen für einen Angriff.“

Ukraine-Krieg: Selenskyj sieht „richtungsweisenden Kampf“ in Sjewjerodonezk - Großstadt im Ukraine-Krieg umkämpft

Update vom 9. Juni, 6.35 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Schlacht um Sjewjerodonezk als richtungsweisend für den Kampf im Osten des Landes bezeichnet. „Sjewjerodonezk bleibt das Epizentrum der Auseinandersetzungen im Donbass“, sagte er in einer Videobotschaft. Das ukrainische Militär füge dem Gegner dort spürbare Verluste zu. „Das ist eine sehr brutale und schwere Schlacht. Vielleicht eine der schwersten dieses Krieges (...) In vielem entscheidet sich dort das Schicksal unseres Donbass“, so der ukrainische Staatschef.

Ukraine-Krieg: Gouverneur: Russland kontrolliert Großteil der Stadt Sjewjerodonezk

Update vom 8. Juni, 22.03 Uhr: Nach schweren Kämpfen um das ostukrainische Sjewjerodonezk kontrolliert die russische Armee nach ukrainischen Angaben nun den größten Teil der strategisch wichtigen Stadt. Das teilte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, am Mittwoch in seinem Telegramkanal mit. Das Industriegebiet der Stadt werde aber noch von ukrainischen Kräften gehalten - ebenso wie das benachbarte Lyssytschansk, teilte Hajdaj mit. Dort gebe es durch russischen Beschuss jedoch enorme Zerstörungen in Wohngebieten.

„Was das Industriegebiet (von Sjewjerodonezk) anbelangt: Dort halten sich unsere Verteidiger. Aber die Kämpfe gehen nicht nur in der Industriezone weiter - die Kämpfe finden eben in der Stadt statt“, betonte Hajdaj. Die Lage im Industriegebiet sei jedoch nicht wie in der Stadt Mariupol, wo die Kämpfe direkt im Azovstal-Werk stattgefunden hatten.

Der Gouverneur hatte bereits am Montag eingeräumt, dass sich die ukrainischen Truppen in das Industriegebiet zurückgezogen haben. „Stand heute besteht keine Gefahr der Einkesselung. Es ist eine schwierige Lage, die aber komplett unter Kontrolle unserer Verteidiger ist“, meinte Hajdaj am Mittwoch. „Zum heutigen Tag sind leider über 90 Prozent des Luhansker Gebiets von Russland besetzt.“ Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Schlacht gegen die russische Armee um die strategisch wichtige Stadt Sjewjerodonezk als richtungsweisend für den Kampf im Osten seines Landes bezeichnet.

Ukraine-Krieg: Ukraine bestätigt Austausch von Toten mit Russland

Update vom 8. Juni, 18.04 Uhr: Die Ukraine hat den neuerlichen Austausch von Toten mit Russland bekanntgegeben. 50 „Helden“ seien von Russland zurückgegeben worden, teilte das ukrainische Ministerium für Wiedereingliederung am Mittwoch mit. Unter diesen 50 Getöteten seien 37, die sich als „Helden“ am Kampf um das ukrainische Stahlwerk Asowstahl beteiligt hätten.

Der Austausch der Toten fand nach diesen Angaben in der Region von Saporischschja im Süden der Ukraine statt. Dabei habe die Regel „50 gegen 50“ gegolten. In der vergangenen Woche war bereits ein Austausch von Soldaten bekanntgegeben worden. Bei dieser Gelegenheit wurden 160 Soldaten der beiden Seiten übergeben. Die Vereinigung der Familien der Verteidiger von Asowstahl teilte bereits am Dienstag mit, dass die Leichen in Kiew angekommen seien.

Von den Toten seien ein Drittel „Verteidiger von Asowstahl“, erklärte die Vereinigung auf Telegram. Die Angehörigen warteten nun darauf, zu einer Identifizierung vorgeladen zu werden. Die letzten ukrainischen Verteidiger des Stahlwerks Asowstahl hatten sich den russischen Truppen zwischen dem 16. und 20. Mai nach drei Monaten intensiven Kämpfen ergeben. Derzeit befinden sich fast 2500 Ukrainer in russischer Kriegsgefangenschaft. Russland will sie vor ein Kriegsgericht stellen.

Update vom 8. Juni, 11.10 Uhr: Die ukrainischen Streitkräfte verzeichnen nach russischen Angaben hohe Verluste bei den Kämpfen um die Region Donbass im Osten des Landes. Allein bei Gefechten um die Stadt Swjatohirsk habe die Ukraine innerhalb von drei Tagen mehr als 300 Kämpfer verloren, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Mittwoch in Moskau. Zudem seien 15 Kampffahrzeuge und 36 Waffensysteme zerstört worden. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

Ukraine-Krieg: Laut Militär-Sprecher stirbt „alle fünf Minunten“ ein russischer Soldat in der Ukraine

Update vom 8. Juni, 9.20 Uhr: Nicht nur im Osten der Ukraine wird derzeit gekämpft, auch im Süden des Landes herrscht Krieg. Derzeit im Fokus: Die strategisch wichtigte Hafenstadt Odessa. Laut dem Sprecher der Militärverwaltung, Serhiy Bratchuk, verschärfen sich die Kämpfe aktuell. „Alle fünf Minuten stirbt ein russischer Soldat in der Ukraine“, sagte Bratchuk laut einem Bericht des Nachrichtenportals Kyiv Independent. Er sagte zudem, dass die ukrainischen Streitkräfte in den letzten 24 Stunden mindestens vier Mal russische Stellungen im Süden angegriffen hätten. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.

Ukraine-Krieg: Sjewjerodonezk bleibt umkämpft - Selenskyj äußert sich

Update vom 8. Juni, 9 Uhr: Der umkämpften Ostukraine haben russische Truppen nach Darstellung des ukrainische Präsidenten Wolodymyr Selenskyj noch keinen Durchbruch erzielt. „Die Situation an der Front hat in den letzten 24 Stunden keine wesentlichen Änderungen erfahren“, sagte Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft am Dienstagabend.

Am heftigsten wird weiterhin um Sjewjerodonezk, Lyssytschansk und Popasna gekämpft. Am unklarsten ist die Lage in Sjewjerodonezk. In Russland kursieren Berichte, wonach russische Berichte, die Stadt bereits eingenommen haben oder zumindest ins Stadtzentrum vorgestoßen seien. „Sie kontrollieren die Stadt nicht“, konterte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, auf Telegram.

Ukraine-Krieg: Russland nennt Zahl der Kriegsgefangenen

Update vom 7. Juni, 15 Uhr: Russland hat nach Angaben von Moskaus Verteidigungsminister Sergej Schoigu fast 6500 ukrainische Soldaten in Gefangenschaft genommen. Die Zahl liege bei 6489, nachdem sich in den vergangenen Tagen 126 Angehörige der ukrainischen Streitkräfte ergeben hätten, sagte Schoigu zu den vorläufigen Ergebnissen der militärischen Spezial-Operation, wie der Krieg in Moskau offiziell genannt wird.

Nach Darstellung des Ministers wurden in den vergangenen zehn Tagen auch rund 50 Einheiten ausländischer Militärtechnik zerstört, darunter gepanzerte Fahrzeuge und Haubitzen. Überprüfbar von unabhängiger Seite waren die Angaben nicht. Zur Lage in der umkämpften Großstadt Sjewjerodonezk im Osten der Ukraine sagte Schoigu, dass dort alle Wohngebiete unter russischer Kontrolle seien. Nun gehe es um die Einnahme der Industriezone in der Stadt sowie der umliegenden Ortschaften, meinte der Minister. Insgesamt seien inzwischen 97 Prozent des Gebiets Luhansk unter russischer Kontrolle, sagte Schoigu. In der Region Donezk seien die Städte Swjatohirsk und Lyman sowie weitere 15 Ortschaften eingenommen worden, sagte Schoigu.

Russland übergibt ukrainische Leichen - tote Asowstal-Kämpfer werden nach Kiew gebracht

Update vom 7. Juni, 12.40 Uhr: Nach Angaben des nationalistischen Asow-Regiments hat Russland nun angefangen, die Leichen der im Asowstal-Stahlwerk in der ukrainischen Hafenstadt Mariupol verstorbenen ukrainischen Kämpfer an die Ukraine zu übergeben. Dutzende Tote sind bereits in die ukrainische Hauptstadt Kiew gebracht worden, wo DNA-Tests zur Identifizierung durchgeführt werden, wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) unter Berufung auf eine Asow-Sprecherin und einen Militärführer berichtete.

Am Samstag (4. Juni) meldete die Ukraine den ersten offiziellen Austausch von Leichen toter Kämpfer beziehungsweise Soldaten mit der russischen Seite. Bei dem Austausch am vergangenen Donnerstag (2. Juni) seien insgesamt 320 Leichen ausgetauscht worden, wobei jede Seite 160 Leichen zurückgegeben habe. Dabei würden alle ukrainischen Leichen aus dem Asowstal-Werk stammen, betonte ein Sprecherin des Asow-Regiments, Anna Holowko.

Neuer Rückschlag für Putins Flotte im Ukraine-Krieg - russische Marine im Schwarzen Meer zurückgedrängt

Erstmeldung vom 7. Juni: Cherson - Im Ukraine-Konflikt werden die Kämpfe zwischen ukrainischen und russischen Truppen vor allem im Osten der Ukraine ausgetragen. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Doch das Militär des russischen Machthabers Wladimir Putin greift das Nachbarland nicht nur im Donbass an, sondern versucht auch im Schwarzen Meer durch ihre Marine Erfolge zu erzielen.

Der erste schwere Rückschlag für die russische Schwarzmeerflotte war dabei der Abschuss und Untergang des Kreuzers Moskwa im April. Nun hat die Ukraine einen neuen Erfolg gegen Putins Flotte gemeldet.

Putins Flotte im Schwarzen Meer zurückgedrängt - Kiew meldet neuen Erfolg im Ukraine-Krieg

Nach Angaben der ukrainischen Marine wurde eine Gruppe von russischen Kriegsschiffen auf mehr als 100 Kilometer von der ukrainischen Küste vertrieben. Nach einer wochenlangen Blockade seien die russischen Schiffe nun gezwungen, „ihre Taktik zu ändern“, zitierte die britische Zeitung The Guardian die ukrainischen Seestreitkräfte. Im Kampf über die Kontrolle des nordwestlichen Teils des Schwarzen Meers hätten russische Truppen Küstenverteidigungssysteme der Typen „Bal“ und „Bastion“ in Cherson und auf der Krim stationiert. Zudem habe die russische Armee zusätzliche Truppen zur Schlangeninsel geschickt.

Allerdings räumte die ukrainische Marine auch ein, dass eine Gruppe von rund 30 russischen Schiffen und U-Booten weiterhin eine Blockade durchführen würden. Die Situation im nordwestlichen Schwarzen Meer bleibe „schwierig“. Doch die russische Marine habe nun keine vollständige Kontrolle mehr über das Gebiet. Stattdessen handle es sich nun um eine „Grauzone“. Die Angaben können nicht unabhängig verifiziert werden.

Luftangriffe auf russische Soldaten im Süden - schwierige Situation für Ukraine im Osten

Indes flog das ukrainische Militär nach eigenen Angaben im Süden des Landes mehrere Luftangriffe auf russische Stellungen. „Ukrainische Hubschrauber haben Schläge gegen Ansammlungen feindlicher Truppen im Gebiet Cherson geführt - und Flugzeuge gegen Munitionsdepots im Gebiet Mykolajiw“, teilte der Generalstab mit. An der Grenze der Schwarzmeer-Gebiete Mykolajiw und Cherson hatten die ukrainischen Truppen zuletzt mehrere Ortschaften zurückerobert. Eine russische Gegenoffensive in Richtung Losowe - Bila Krynyzja sei trotz Artillerie- und Luftwaffenunterstützung erfolglos gewesen, hieß es im Bericht des Generalstabs.

An der Ostfront ist die Lage für das ukrainische Militär hingegen nach wie vor schwierig. Die Russen setzten ihren Sturm auf die einstige Großstadt Sjewjerodonezk fort. Russische Angriffe in der Umgebung - im Raum Bachmut - seien abgewehrt worden, teilte der Generalstab mit. Weiter westlich rückten die russischen Truppen Richtung Slowjansk vor, ein weiteres strategisches Ziel im Ukraine-Krieg. In dem Ballungsraum ist das Hauptquartier der ukrainischen Streitkräfte stationiert. (bb mit dpa)

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