„Wäre ihm nie in den Sinn gekommen“

FDP-Politiker postet Trauerbekundung für verstorbene SPD-Legende Vogel - und kassiert Shitstorm

Nach dem Tod von Hans-Jochen Vogel kondoliert auch das politische Gegenlager. FDP-Vertreter Marco Buschmann erntet mit einem Vergleich im Netz heftigen Aufschrei.

  • Ex-SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel ist verstorben - auch das politische Gegenlager kondoliert.
  • FDP-Mann Marco Buschmann ist dabei für den Geschmack vieler über das Ziel hinausgeschossen.
  • Nach einem Tweet fühlen sich besonders Sozialdemokraten auf den Schlips getreten.

München/Berlin - Nach dem Tod des früheren SPD-Politikers Hans-Jochen Vogel, der jahrelang als Oberbürgermeister die Geschicke der bayerischen Landeshauptstadt München leitete, haben zahlreiche Prominente und politische Weggefährten Beileidsbekundungen geäußert.

Buschmann kondoliert nach Vogel-Tod: „Wäre ihm nie in den Sinn gekommen“

Marco Buschmann, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, ist mit seiner Trauermitteilung für den Geschmack vieler Menschen über das Ziel hinausgeschossen. Der 42-Jährige postete bei Twitter einen Beitrag, in dem er zwar einerseits die Verdienste des mit 94 Jahren verstorbenen Vogel hervorgehoben hat. Abgeschlossen wird der Tweet allerdings mit einer bittersüßen Botschaft, gerichtet an bekannte Sozialdemokraten:

Wen meint der als enger Vertrauter von FDP-Chef Christian Lindner geltende Buschmann? Entsprechende Beispiele aus der Gegenwart sind relativ schnell ausgemacht: der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder oder auch "Vize" Sigmar Gabriel, die nach ihrer ranghohen politischen Karriere bei der SPD zügig in der privaten Wirtschaft ihr Glück versuchten und dort lukrative Jobs ausüben.

Buschmann-Tweet nimmt Ex-SPD-Größen Schröder und Gabriel ins Visier

Prinzipiell ist eine gut dotierte Erwerbstätigkeit vielleicht nicht das Hauptproblem für Buschmann. Was das Bundestagsmitglied wohl hauptsächlich meint ist, dass bei Schröder und Gabriel das politische Amt als „Sprungbrett“ für die Karriere in der Wirtschaft* genutzt wurde: Während Schröder (76) seit dem Ende der Kanzlerschaft u. a. als Aufsichtsratsvorsitzender für den Ölkonzern Rosneft und die Nord Stream AG fungiert, ist auch Ex-Parteikollege Gabriel fleißig:

Der 60-Jährige ist seit wenigen Monaten im Aufsichtsrat der Deutschen Bank tätig, in gleicher Funktion auch bei einer Sparte des Industrieriesen Siemens. Für die wegen Corona* unter Beschuss geratene Tönnies Holding war der frühere SPD-Mann ebenfalls als Berater tätig und erntete deswegen heftige Kritik.

FDP-Mann Marco Buschmann verknüpft Trauerbekundung und Seitenhieb - anschließend rudert er zurück.

Buschmann-Tweet: Viele reagieren mit Unverständnis

Auf den Tweet von Marco Buschmann reagierten viele Personen mit Unverständnis. Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert platzierte als Antwort ein „Unverständnis“, andere nannten die Bemerkung „unangebracht und unangemessen“, „geschmacklos“ oder „echt daneben“. „Kondolenzschreiben sind nicht der richtige Ort für Polemik gegen politische Konkurrenten“, wird dem FDP-Politiker ebenfalls angeraten.

Nach der breitgefächerten Kritik versuchte der gebürtige Gelsenkirchener, die Wogen zu glätten: In einem weiteren Tweet schrieb er, Vogel sei es immer wichtig gewesen, seiner Partei Bescheidenheit nicht nur zu predigen, sondern auch bis zum Schluss vorzuleben. „Wenn mein Tweet bei einigen den Eindruck eines anderen Schwerpunktes erweckt haben sollte, dann war das nicht meine Absicht“, ruderte er zurück.

Gerhard Schröder meldet sich mittlerweile auch via Podcast zu Wort. Angela Merkel wird sich über sein Lob nicht beklagen - dafür erzürnt der Altkanzler einen Diplomaten.

Der Stuttgarter Stadtrat Aytekin Celik ist tot. Seine Beerdigung steht im Zeichen der „Star Wars“-Filme. Als glühender Fan des Science-Fiction-Epos lässt er sich im Kostüm eines seiner Helden beisetzen. Seine DNA lässt er ins Weltall schießen.

Kevin Kühnert gibt seinen Juso-Vorsitz vorzeitig ab und verfolgt ein anderes politische Ziel.

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Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa

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