„Ich finde es empörend ...“

Anne Will: Linken-Politikerin stellt Mutmaßungen im Fall Nawalny an und entsetzt damit die Runde

Linken-Abgeordnete Dagdelen in der TV-Sendung Anne Will
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Linken-Abgeordnete Dagdelen ist gegen eine Vorverurteilung Russlands im Fall Nawalny.

Bei „Anne Will“ ging es am Sonntag hoch her. Der Fall Nawalny spaltete die Gäste, eine Linken-Abgeordnete brachte die Runde mit ihren Mutmaßungen gegen sich auf.

  • In der Talkshow von ARD-Moderatorin Anne Will wird der Fall Nawalny diskutiert.
  • Der Großteil der Gäste sieht Russland in der Verantwortung.
  • Eine Linken-Politikerin sorgt mit ihrer Theorie zu dem Giftanschlag für Aufregung.

Berlin - Der Giftanschlag auf den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny* belastet derzeit die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau zutiefst. Der Kritiker von Russlands Präsident Wladimir Putin wurde nachweislich mit der Substanz Nowitschok vergiftet, wie ein Bundeswehr-Labor nach Untersuchungen feststellen konnte.

Unter deutschen Politikern herrscht größtenteils Empörung über die Tat. Viele sind sicher, dass der russische Geheimdienst hinter dem Anschlag auf den bekanntesten Putin-Gegner steckt.

Auch bei der Talksendung*Anne Will“* wurde der Fall am Sonntagabend im TV diskutiert. „Giftanschlag auf Nawalny - ändert Deutschland jetzt seine Russland-Politik?“, lautete der Titel der Sendung, in der CDU*-Politiker Norbert Röttgen*, Jürgen Trittin von Bündnis 90/Die Grünen*, der Ex-Staatssekretär im Auswärtigen Amt und Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger und die Linken*-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen zu Gast waren.

Anne Will (ARD): CDU-Politiker Norbert Röttgen sieht Fall Nawalny als Teil „einer Serie“

Der erfahrene Diplomat Ischinger wollte sich zwar nicht auf Russland als Auftraggeber der Tat festlegen, ergänzte aber: „Der Mann ist in Russland ins Koma gefallen. Dies ist ein Vorgang, der sich um Russland dreht.“ Zudem sprach er vergleichbare Fälle an, bei denen Verbindungen zum russischen Regime bestehen.

Trittin sieht Russland klar in der Verantwortung. „Seit 1996 gilt das Verbot chemischer Waffen. Und wir haben es erneut erlebt, dass diese unter russischer Verantwortung eingesetzt wurden“, sagte er und bekam Zustimmung von Röttgen.

Die Erklärung der Bundesregierung, Russland müsse sich erklären, unterstützt der Christdemokrat, zeigte sich aber auch desillusioniert. „Ich habe eine klare Erwartung, was jetzt passiert: nämlich nichts!“, prognostizierte Röttgen.

Es sei nicht das erste Mal, dass Russland mit einem Giftanschlag in Verbindung* gebracht werde, meinte er weiter: „Das ist ein Fall in einer Serie. Das Muster des Verhaltens von Russland ist immer das gleiche. Es wird alles bestritten – und gleichzeitig werden die Vergiftungen und Ermordungen so gemacht, dass jedermann weiß und wissen soll: Das ist der Machtapparat, der zugeschlagen hat. Der Fall ist eindeutig, das weiß auch jeder.“

Anne Will: Trittin kontert Thesen zum Fall Nawalny von Linken-Abgeordneter trocken

Das wollte Dagdelen nicht so stehen lassen. „Im Gegensatz zu Herrn Röttgen war ich nicht bei der Tat dabei und kenne den Täter nicht“, äußerte die Linken-Abgeordnete auf Nachfrage von ARD-Moderatorin Anne Will* schnippisch. Dagdelen wollte Russland nicht vorschnell verurteilen und brachte mögliche andere Täter ins Spiel.

„Wir wissen nichts über die Herkunft des Nowitschok. Auch westliche Geheimdienste könnten das haben. Wir wissen nichts über die Täter“, analysierte sie: „Solange man keine Beweise hat, soll man nicht spekulieren!“

Trittin konterte Dagdelens Ausführungen unbeeindruckt. „Man soll sich nicht dümmer stellen als man ist“, antwortete der frühere Bundesumweltminister. Auch Außenexperte Ischinger kritisierte Dagedelens These scharf. „Ich finde es empörend, wie Sie hier Verschwörungstheorien Vorschub leisten“, warf er der Linken-Politikerin vor.

Letztlich stand Dagdelen mit ihrer Einordnung des Falls Nawalny alleine da. Während die Fronten in der Frage der Täterschaft verhärtet blieb, herrschte in der Runde zumindest Einigkeit darüber, dass es als Reaktion auf den Giftanschlag eine gemeinsame europäische Linie geben müsse. Deutschland dürfe keinen Alleingang vollziehen und mit eigenen Sanktionen drohen, sondern müsse das weitere Vorgehen mit der EU abstimmen. (kh) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Video: Maas erhöht Druck auf Moskau im Fall Nawalny

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