1. Heidelberg24
  2. Politik & Wirtschaft

Britischer Geheimdienst: Russland mit Ausbildung neuer Rekruten komplett überfordert

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrick Freiwah, Bedrettin Bölükbasi

Kommentare

Russland hat offenbar Schwierigkeiten beim Training von Rekruten. Gleichzeitig erwartet der Kreml einen Angriff auf Cherson. Der News-Ticker.

Update vom 5. November, 11.35 Uhr: Das russische Militär ist nach Ansicht britischer Experten durch den Angriffskrieg in der Ukraine mit der Ausbildung neuer Rekruten überfordert. Das geht aus dem täglichen Geheimdienst-Update des Verteidigungsministeriums in London hervor. Demnach hatte Moskau bereits Schwierigkeiten, Training für die etwa 300.000 bei der Teilmobilisierung eingezogenen Reservisten zu organisieren. Das Problem dürfte sich den Briten zufolge für die regelmäßig im Herbst eingezogenen etwa 120.000 Wehrpflichtigen noch verschärfen.

„Neu verpflichtete Rekruten erhalten wahrscheinlich eine minimale Ausbildung oder überhaupt keine Ausbildung“, so die Einschätzung der britischen Experten. Erfahrene Offiziere und Ausbilder seien in den Kriegseinsatz in die Ukraine geschickt und wahrscheinlich zum Teil getötet worden. Der Einsatz unausgebildeter Kräfte trage jedoch kaum oder überhaupt nicht zur Kampfkraft bei.

Angriffe auf Nikopol — zwei Großbrände nach Beschuss mit Artillerie

Update vom 5. November, 9.30 Uhr: Russische Truppen haben die ukrainische Stadt Nikopol im Oblast Dnipropetrowsk mit 40 Raketen und Artilleriegeschossen ins Visier genommen. Dies berichtete die ukrainische Nachrichtenagentur Unian unter Berufung auf den Chef der militärischen Leitung der Region, Valentin Resnitschenko. Ihm zufolge kam es nach dem Beschuss zu zwei Großbränden. Tote und Verletzte habe es aber nicht gegeben.

Ukraine-Krieg: Verwirrung in Cherson — Ausgangssperre oder Evakuierung?

Update vom 4. November, 19.15 Uhr: In der von Russland besetzten Metropole Cherson herrschte am Freitag nach Ankündigungen der Besatzungsverwalter Verwirrung. Während die Besatzer einerseits eine Ausgangssperre für die nächsten 24 Stunden anordneten (siehe letztes Update), forderte unter anderem Präsident Putin die Bewohner der Stadt zur Flucht auf. Der Vize-Chef der Besatzungsverwaltung, Kirill Stremoussow, hat seinen Aussagen deshalb nun korrigiert.

Die Sperrstunde gelte rund um die Uhr für „Nazis und Helfer des Faschismus“, sagte Stremoussow am Freitagabend in einer Videobotschaft in seinem Telegram-Kanal. Zuvor hatte auch die russische staatliche Nachrichtenagentur Tass über eine Videobotschaft Stremoussows berichtet, wonach die Sperrstunde für alle Bewohner gelte. Er löschte das Video dann aber offenbar wieder.

Für die Bürger selbst in der Stadt gäbe es demnach keine Einschränkungen. Zugleich forderte Stremoussow die Einwohner von Cherson erneut mehrfach dringend auf, die Stadt zu verlassen.

Russland erwartet Angriff auf Cherson: Ausgangssperre eingeführt – Putin ruft Bewohner zur Flucht auf

Update vom 4. November, 18.20 Uhr: Der von Russland eingesetzte Vize-Chef der Besatzungsverwaltung von Cherson, Kirill Stremoussow, hat eine 24-stündige Ausgangssperre für die gleichnamige Metropole angeordnet. „In der Stadt Cherson wurde eine Sperrstunde verhängt, sie dauert 24 Stunden – nur dafür, dass wir unsere Stadt verteidigen können“, sagte Stemoussow in einer Videobotschaft am Freitag. Darüber hinaus rief er die Bewohner erneut dazu auf, die Stadt zu evakuieren.

Als Begründung für die Maßnahmen nannte er einen bevorstehenden Angriff ukrainischer Truppen. Nach Angaben der russischen Besatzer, die eine Rückeroberung der Stadt durch ukrainische Truppen verhindern wollen, wächst in der umkämpften Region die Gefahr. „Möglich sind Terroranschläge und Provokationen“, sagte Stremoussow. „Deshalb bitten wir noch einmal die Einwohner von Cherson, die Stadt zu verlassen (...) und den Militärs die Möglichkeit zu geben, ihre Sache ohne Zivilisten zu erledigen.“

Auch Kremlchef Wladimir Putin sagte in Moskau, die Evakuierung der Stadt sei notwendig, damit die Menschen nicht durch Kampfhandlungen gefährdet würden. „Natürlich sollten jetzt jene, die in Cherson leben, sich aus der Zone der gefährlichen Handlungen entfernen“, sagte Putin bei einem Treffen mit Freiwilligen, die Flüchtlingen aus der Ukraine helfen.

Mitglieder der ukrainischen Artillerie agieren in der Region Cherson.
Mitglieder der ukrainischen Artillerie agieren in der Region Cherson. © BULENT KILIC/AFP

Ukraine-News: Schwere Kämpfe im Donbass – Raketen auf Saporischschja

Update vom 4. November, 16.10 Uhr: Die Armee der Ukraine berichtet von schweren Kämpfen mit russischen Truppen im Donbass. Schwerpunkte seien die Städte Bachmut und Awdijiwka, sagte Serhij Tscherewatyj, Sprecher der Armeegruppe im Osten des Landes, im ukrainischen Fernsehen. „Der Feind setzt seine Sturmangriffe fort und schießt mit allen Arten von Rohrartillerie, Mehrfachraketenwerfern, Panzern und Mörsern“, erklärte der Offizier.

Unabhängig zu prüfen sind die Militärangaben im Ukraine-Krieg nicht. Oberbefehlshaber Walerij Saluschnyj berichtete dem Nato-Oberbefehlshaber Christopher Cavoli am Telefon, Russland habe seine Angriffe verdreifacht. Die Lage an der Front sei „angespannt, aber unter Kontrolle“, teilte Saluschnyj auf Telegram mit.

Die Großstadt Saporischschja wurde nach Angaben der Gebietsverwaltung in der Nacht mit russischen Raketen aus dem Flugabwehrsystem S-300 beschossen. Über dem Gebiet Dnipropetrowsk gelang es den Ukrainern nach eigenen Angaben, acht russische Drohnen iranischer Bauart abzuschießen. Eine solche Drohne wurde auch über dem Gebiet Lwiw im Westen des Landes abgefangen.

Putin lässt Flieger nach Belarus verlegen – um Lukaschenko eine Kriegsschuld zu geben?

Update vom 4. November, 13.10 Uhr: Russland hat angeblich zwei MiG-31K-Überschallabfangflugzeuge auf dem belarussischen Flugplatz Machulishchy stationiert. Wie das britische Verteidigungsministerium erklärt, sind die Jets wahrscheinlich in der Lage, luftgestützte ballistische Kinzhal-Raketen zu tragen.

Die Stationierung der Flugzeuge im Nachbarland habe zwar keine unmittelbare Wirkung, allerdings verfolge Russland damit ein bestimmtes Ziel, heißt es aus London: Belarus als „zunehmend mitschuldig am Krieg darzustellen“. Bereits am 16. Oktober seien drei der MiG-31K-Jets sowie drei Iljuschin IL-76-Flugzeuge nach Weißrussland gebracht worden. Auch abseits der Jet-Verlagerung von Russland dorthin arbeiten die verbündeten Länder militärisch zusammen:

Ende Oktober unterzeichnete Belarus‘ Staatspräsident Alexander Lukaschenko ein Dekret für ein Ausbildungs- und Kampfzentren für Militärangehörige der befreundeten Nationen. Ein Abkommen über Kampfausbildungszentren war bereits 2021 auf den Weg gebracht woren. Seit einigen Wochen sei das gemeinsame Militärkommando in Weißrussland im Einsatz. Dem Bericht zufolge sollen bis zu 9000 russische Truppen in Weißrussland eintreffen.

Zwar gebe es derzeit keine Hinweise auf einen bevorstehenden Angriff seitens Weißrussland, jedoch habe die Ukraine verstärkt Streitkräfte an der Grenze zu Weißrussland stationiert, erklärte Oleksiy Hromov, stellvertretender Leiter des Kiewer Generalstabs.

Ukraine bekommt 60 gepanzerte Transporter – per Millionen-Euro-Spendenaktion

Update vom 4. November, 11.09 Uhr: Dank einer internationalen Spendenaktion bekommt die ukrainische Armee 60 gepanzerte Mannschaftstransporter aus alten britischen Beständen. Das teilte die Stiftung des prominenten ukrainischen TV-Moderators Serhij Prytula mit. Die Aktion hatte seit Mittwoch zum Ziel, umgerechnet 5,4 Millionen Euro für 50 Kettenfahrzeuge vom Typ FV103 Spartan zu sammeln. Am Donnerstagabend berichtete Prytula auf Twitter, das Ziel sei übertroffen. „Niemand wird unsere Nation besiegen, denn wir sind Ukrainer!“, schrieb der Mann.

Das ukrainische Militär erhält weiterhin Unterstützung aus dem Westen - auch anhand von Spendenaktionen
Das ukrainische Militär erhält weiterhin Unterstützung aus dem Westen - auch anhand von Spendenaktionen. © IMAGO/Stian Lysberg Solum

Die kleinen Panzer sollen der ukrainischen Infanterie helfen, sich geschützt auf den Gefechtsfeldern im Donbass und im Süden bei Cherson zu bewegen. Die Transporter wurden von der britischen Armee ausgemustert. Sie sollen bis zum Jahresende in den betroffenen Regionen eintreffen. Die Stiftung hat schon mehrere Spendenaktionen für die ukrainische Armee organisiert. So wurden türkische Bayraktar-Kampfdrohnen gekauft und die Nutzung eines Radarsatelliten organisiert.

Heftige russische Attacken auf Ukraine: „Bis zu 80 Angriffe täglich“ - Selenskyj verurteilt „Energieterror“

Update vom 4. November, 6.50 Uhr: Die ukrainische Armee hat von heftigen russischen Attacken in einigen Regionen berichtet. „Der Gegner hat die Intensität der Kämpfe an einzelnen Frontabschnitten verdreifacht – bis zu 80 Angriffe täglich“, teilte der Oberkommandierende der ukrainischen Streitkräfte, Walerij Saluschnyj, am Donnerstag in seinem Telegram-Kanal mit, ohne Details zu nennen. Bei einem Telefonat mit Nato-Oberbefehlshaber Christopher Cavoli habe er die Lage an der Front besprochen. „Die Situation ist angespannt, aber unter Kontrolle“, meinte Saluschnyj. Die ukrainische Armee halte die Verteidigung „durch Mut und Geschicklichkeit“ aufrecht.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Bevölkerung angesichts der massiven russischen Angriffe auf die Energie-Infrastruktur des Landes zum Durchhalten aufgerufen. „Den russischen Energieterror auszuhalten, ist jetzt unsere nationale Aufgabe“, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Donnerstag. Er sprach von rund 4,5 Millionen Menschen, die insbesondere in Kiew und zehn weiteren Gebieten immer wieder von Notabschaltungen betroffen seien.

Dass Russland zuletzt verstärkt Heizkraftwerke und Stromanlagen attackiere, sei „ein Zeichen von Schwäche“, sagte Selenskyj. Die russische Armee könne auf dem Schlachtfeld keine Erfolge erzielen und versuche nun, die Ukrainer auf diesem Weg zu „brechen“. Dies werde aber nicht gelingen.

Update vom 3. November, 21.00 Uhr: US-Verteidigungsminister Lloyd Austin hat sich zuversichtlich gezeigt, dass die Ukrainer noch von russischen Truppen besetzte Gebiete auf der Westseite des Flusses Dnipro und rund um die Stadt Cherson zurückerobern können. „Ich glaube, dass sie dazu in der Lage sind“, sagte Austin in Washington. „Am wichtigsten aber ist, dass die Ukrainer selbst glauben, dass sie dazu fähig sind“, fügte er hinzu.

Aus westlichen Sicherheitskreisen verlautete am Donnerstag bereits, dass Russland den Rückzug aus dem südukrainischen Cherson vorbereite. Die strategisch wichtige Stadt wurde als eine der ersten von russischen Truppen besetzt und gehört zu den vier Gebieten, die Kremlchef Wladimir Putin jüngst völkerrechtswidrig zu einem Teil Russlands erklärt hatte. 

Ukraine-Krieg: Putins Truppen planen wohl Rückzug aus Cherson

Update vom 3. November, 16.40 Uhr: Westliche Kreisen zufolge bereitet die russische Militärführung aktuell einen Rückzug der Truppen aus der Stadt Cherson vor. Die Russen hätten wohl entschieden, dass „die Stadt den Kampf nicht wert“ sei, sagte ein hochrangiger Beamter einer westlichen Regierung am Donnerstag in einem Hintergrundbriefing vor Journalisten. Allerdings sei es immer möglich, dass sich die Militärführung kurzfristig umentscheide, auch wenn derzeit alles auf einen Rückzug hindeute, schränkte er ein.

Die Metropole am Ufer des Fluss Dnjepr gilt als strategisch wichtiger Knotenpunkt. Die gleichnamige Region wurde Ende September vom russischen Präsidenten Wladimir Putin als annektiert erklärt. Vor kurzem hatten ukrainische Offizielle noch mit einem erbitterten Kampf um die Stadt gerechnet.

„Schmutzige Bombe“? IAEA gibt Update aus der Ukraine – nach Inspektion an drei Orten

Update vom 3. November, 15.45 Uhr: Die Beobachter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) konnten bei ihren Untersuchungen in der Ukraine bislang keine Hinweise auf die Herstellung einer sogenannten „schmutzige Bombe“ finden. Das erklärte IAEA-Direktor Rafael Grossi am Donnerstag. Zuvor hatte die Delegation Inspektionen an drei Standorten in der Ukraine durchgeführt. „Unsere bisher vorliegende technische und wissenschaftliche Auswertung der Ergebnisse ergab an diesen drei Standorten keine Hinweise auf nicht deklarierte nukleare Aktivitäten und Materialien.“

Die Fachleute der IAEA hätten in den vergangenen Tagen alle geplanten Aktivitäten durchführen können und uneingeschränkten Zugang erhalten, teilte die Organisation weiter mit. Anlass dafür war die wiederholte Behauptung russischer Politiker, Kiew plane den Bau und Einsatz einer „schmutzigen Bombe“ im Ukraine-Krieg. Bei einer solchen Waffe handelt es sich um einen konventionellen Sprengkörper, bei dessen Detonation zusätzlich radioaktives Material freigesetzt wird. Anders als bei einer Atombombe kommt es jedoch nicht zu einer nuklearen Kettenreaktion.

Beobachter der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA untersuchen Anfang September das Atomkraftwerk Saporischschja.
Beobachter der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA untersuchen Anfang September das Atomkraftwerk Saporischschja (Archivbild). © D. Candano Laris/dpa

Ukraine-News: AKW Saporischschja erneut ohne externe Stromzufuhr

Update vom 3. November, 11.10 Uhr: Das von Russland besetzte AKW Saporischschja ist laut dem Kraftwerksbetreiber erneut ohne Strom von außen. Durch russischen Beschuss seien die zwei letzten Hochspannungsleitungen ausgefallen, die das AKW mit dem ukrainischen Energienetz verbinden. Die Reaktoren fünf und sechs seien vollständig abgeschaltet worden. Zur Stromversorgung und Kühlung sei das Werk auf seine 20 Dieselgeneratoren angewiesen, deren Treibstoff etwa für 15 Tage reiche.

Enerhoatom wertete die Zerstörung der Leitungen als weiteren Moskauer Versuch, das AKW vom ukrainischen Netz abzukoppeln und an das russisch kontrollierte Stromnetz im Donbass und auf der Krim anzuschließen. Ein Vertreter des russischen Atomkonzerns Rosenergoatom wiederum warf der Ukraine vor, die zwei Leitungen zerstört und damit Gefahr für das Werk heraufbeschworen zu haben. Saporischschja in der Südukraine ist die größte Atomanlage Europas. Die Internationale Atomenergiebehörde bemüht sich seit Monaten, um das Werk eine Schutzzone einzurichten.

Russland mit „Aluminiumdosen“ in der Ukraine unterwegs? Putin sucht offenbar Abhilfe in Belarus

Update vom 3. November, 9.45 Uhr: Putins Truppen fehlen im Ukraine-Krieg moderne Kampffahrzeuge, berichten britische Geheimdienste. Viele hätten sie in den Gefechten bereits verloren. Nun seien die Soldaten mutmaßlich frustriert, dass sie alte, „Aluminiumdosen“ genannte Infanterie-Fahrzeuge nutzen müssten, heißt es im jüngsten Kurzbericht zum Ukraine-Krieg des Verteidigungsministeriums in London.

Mitte Oktober hätten die russischen Einheiten mehr als 40 Fahrzeuge pro Tag verloren, was den Briten zufolge etwa der Ausrüstung eines gesamten Bataillons entspricht. In den vergangenen Woche habe Moskau mindestens 100 zusätzliche Panzer und Infanterie-Kampffahrzeuge aus belarussischen Beständen gekauft.

Mutmaßlich sei es jedoch schwierig für die russischen Einheiten, ausreichend geeigneten Ersatz für das beschädigte Material zu beschaffen, was der Offensive Probleme bereite.

Ukraine-Krieg: Ein beschädigter russischer Panzer auf einem Feld mit ungeernteten Sonnenblumen in Kamjanka.
Ein russischer Panzer, der bei den jüngsten Kämpfen beschädigt wurde. © Efrem Lukatsky/dpa

UN-Hilfswerk: Putins Krieg gegen die Ukraine hat 14 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen

Update vom 3. November, 7.35 Uhr: Russlands Einmarsch in die Ukraine hat nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zur größten Vertreibung von Personen seit Jahrzehnten geführt. „Etwa 14 Millionen Menschen wurden seit dem 24. Februar aus ihren Häusern vertrieben“, sagte UNHCR-Chef Filippo Grandi am Vortag in New York. Die Situation verbessere sich vor einem mutmaßlich harten Winter nicht. Die humanitäre Hilfe müsse weiter ausgeweitet, der „sinnlose“ Krieg beendet werden.

Wegen der Kriegsschäden an Strom- und Wärmeversorgung hatte die ukrainische Regierung ins Ausland Geflüchtete zuletzt dazu aufgefordert, erst im kommenden Frühjahr zurückzukehren. Dem UNHCR zufolge haben mehr als sieben Millionen Menschen aus der Ukraine im Ausland Schutz gesucht – davon etwa eine Million in Deutschland.

Kiew meldet Erfolg: Ukraine schlägt „dutzende Angriffe“ im Donbass zurück

Update vom 2. November, 21.48 Uhr: Die Ukraine hat von intensiven Kämpfen mit russischen Einheiten im Donbass besonders um die Städte Bachmut und Soledar berichtet. „Dutzende Angriffe an einem Tag“ seien zurückgeschlagen worden, sagte die stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maljar am Mittwoch im ukrainischen Fernsehen. Rücke die russische Armee vor, antworte die Ukraine umgehend mit einer Gegenattacke.

Russland setzte nach Angaben des ukrainischen Generalstabs Angriffe mit Raketen und iranischen Drohnen auf Infrastruktur in mehreren Regionen des Landes fort. Den Behörden im Raum Charkiw zufolge wurden bei Attacken fünf Frauen und zwei Männer verletzt. Die Angreifer hätten mit Schüssen aus Artillerie vier Privathäuser, zwei Hochhäuser und ein Geschäft beschädigt, hieß es. Die Ukraine berichtete ihrerseits von der Zerstörung unter anderem eines Munitionslagers. Unabhängig bestätigen ließen sich die Angaben aus dem Kampfgebiet nicht.

Ukraine: Regierung geht von rund 7000 Vermissten im Krieg gegen Russland aus

Update vom 2. November, 21.11 Uhr: Nach Schätzungen der ukrainischen Regierung beläuft sich die Zahl der Vermissten im Krieg gegen Russland auf knapp 7000. Wegen der laufenden Kampfhandlungen seien genaue Angaben aber unmöglich, teilte die stellvertretende Verteidigungsministerin Hanna Maljar der Agentur Unian zufolge mit. Demnach würden die Zahlen meist spät und ungenau übermittelt.

Maljar rief die Bevölkerung zudem auf, keine persönlichen Angaben über vermisste Angehörige im Internet zu verbreiten. Erst recht nicht, wenn es sich um Soldaten handele. „Der Feind nutzt diese Information. Veröffentlichen Sie kein Foto eines Vermissten in Uniform und mit persönlichen Daten. Diese Person könnte sich in den vorübergehend besetzten Gebieten in Zivil verstecken, und das könnte ihn entlarven. Es könnte auch den Gefangenenaustausch erschweren.“ Die Vize-Verteidigungsministerin appellierte, sich im Bedarfsfall an spezielle Koordinierungsstellen zu wenden.

Ukrainische Militärführung berät mit Präsident Selenskyj über Lage der Flugabwehr

Update vom 2. November, 16.25 Uhr: Angesichts russischer Luftangriffe mit Raketen, Drohnen und Marschflugkörpern hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit der Militärspitze über die Lage der Flugabwehr beraten. Der Präsident habe die Notwendigkeit betont, schnell ein effektives Flugabwehrsystem aufzubauen, teilte das Präsidialamt am Mittwoch mit. Es seien aber auch Erfolge der Luftverteidigung zur Kenntnis genommen worden, wie der Abschuss mehrerer Kampfdrohnen in der Nacht zuvor.

Neben der Lage an der Front sei auch der Wiederaufbau der von Russland zerstörten Energie-Infrastruktur besprochen worden. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, in der Nacht seien zwölf von 13 anfliegenden Kampfdrohnen vom Typ Schahed-136 iranischer Bauart abgefangen worden. Nach Darstellung der Ukrainer setzt Russland seit einigen Wochen verstärkt solche Drohnen ein. Sechs Drohnen seien im Anflug auf Kiew abgeschossen worden, teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch mit. Die sechs anderen Drohnen wurden nach regionalen Angaben über dem Gebiet Dnipropetrowsk abgefangen. Über dem Gebiet Odessa im Süden wurden nach Behördenangaben drei Marschflugkörper Ch-59 abgeschossen, die von russischen Flugzeugen über dem Schwarzen Meer gestartet worden waren. Die ukrainischen Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen. 

Russen fliehen wegen Teilmobilisierung – 400.000 Menschen haben das Land verlassen

Update vom 2. November, 15 Uhr: Laut westlichen Regierungsquellen sind infolge der teilweisen Mobilmachung schätzungsweise 400.000 Russen aus ihrer Heimat geflohen. Bei der Zahl seien noch nicht diejenigen berücksichtigt, die wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine das Land schon vorher verlassen hätten. Neben der Flucht ins Ausland seien auch viele Russen im eigenen Land untergetaucht, um der Einziehung in die Streitkräfte zu entgehen, so die Regierungsvertreter am Mittwoch im Gespräch mit Journalisten. Wenn man das addiere mit der Zahl der Menschen, die tatsächlich eingezogen wurden, sei der Rückgang der berufstätigen Bevölkerung „eine erhebliche zusätzliche Last für Russlands Wirtschaft und seine öffentlichen Finanzen“, erklärten sie weiter.

Ukraine-Krieg: Partisanen kämpfen gegen Russland in besetzten Gebieten

Erstmeldung vom 2. November: München — Im Zuge des Ukraine-Krieges kämpfen russische Soldaten nicht nur mit Problemen an der Front. Auch in bereits besetzten Gebieten bereiten ukrainische Partisanen den Truppen von Kreml-Chef Wladimir Putin Schwierigkeiten. Nach Angaben der US-Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) führen ukrainische Rebellen in besetzten ukrainischen Gebieten „effektive Angriffe“ durch.

Partisanenangriffe belasten russische Armee — Ukrainer sammeln ungestört Informationen

Diese Attacken würden den Kreml dazu zwingen, für die Frontlinien gedachte Ressourcen zur Sicherung der besetzten Regionen umzuleiten. Dies wiederum wirke sich negativ auf Russlands Fähigkeit aus, sich gegen ukrainische Gegenoffensiven verteidigen sowie selber offensive Operationen durchführen zu können. Die geringe operationelle Sicherheit des russischen Militärs ermögliche diese Angriffe, hieß es zudem vom ISW. So habe Moskau die Identität von pro-russischen Beamten in besetzten Gebieten nicht gut genug verhüllt.

Moskau habe den Partisanenangriffen bislang nichts widersetzen können und es sei auch unwahrscheinlich, dass dies in Zukunft der Fall sein werde, lautete eine weitere Einschätzung der US-Denkfabrik. Ukrainische Partisanen würden ungestört Informationen über das russische Militär sowie mögliche Ziele sammeln und diese Informationen sowohl weiteren Partisanen als auch der ukrainischen Armee schicken. Dabei würden russische Staatsmedien die Partisanenattacken ignorieren, während Militärblogger wie Alexander Kots pro-russische Behörden wegen mangelnder Sicherheit kritisieren würden. (bb)

Auch interessant

Kommentare