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„Spiel mit der Sicherheit“: Lehrer und Erzieher kritisieren neue Quarantäne-Regelungen für Schüler

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Von: Florian Naumann, Patrick Freiwah

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Corona und Schule
Ein Kit für einen Corona-Schnelltest liegt auf dem Federmäppchen eines Schülers. © Matthias Bein/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Bund und Länder haben beim Corona-Gipfel neue Quarantäne-Regelungen für Schülerinnen und Schüler beschlossen. Kritik kommt von Lehrern und Erziehern. Alle Infos im News-Ticker.

Update vom 7. Januar, 21.27 Uhr: Der Deutsche Lehrerverband kritisiert die geplante Neuregelung der Corona-Quarantäne für Schülerinnen und Schüler. „Wenn diese Aufweichung der Quarantäne-Regeln dazu führt, dass mehr Infizierte unerkannt in Schulen herumlaufen, wird der Schuss nach hinten losgehen“, sagte Heinz-Peter Meidinger, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbands, den Zeitungen der Funke Mediengruppe am Freitag. Das „Freitesten“ durch relativ unsichere Antigentests erscheine problematisch, vor allem weil diese Tests in den ersten Tagen einer Infektion nicht so aussagekräftig seien.

Auch die Erziehungsgewerkschaft GEW kritisierte den Beschluss. „Dadurch setzten wir alle, die sich an Schulen aufhalten, einer erhöhten Infektionsgefahr aus“, sagte der stellvertretende GEW-Vorsitzende Andreas Keller, den Funke-Zeitungen. „Für die Schulen besonders laxe Regeln anzuwenden, ist ein Spiel mit der Sicherheit von Schülerinnen, Schülern, Lehrkräften und Eltern“, sagte Keller. „Das ist eine Gefährdung des Gesundheitsschutzes, die problematisch ist.“

Update vom 7. Januar, 16.43 Uhr: In der Pressekonferenz nach dem Corona-Gipfel hat Kanzler Olaf Scholz (SPD) das Thema Schulen nur am Rande gestreift - eine konkrete Erleichterung haben Bund und Länder für Schüler aber beschlossen: Anders als andere Bevölkerungsgruppen können sich Schüler bereits nach fünf Tagen aus einer Corona-Quarantäne freitesten. Auf diesem Wege sollen offenbar Fehlzeiten im Präsenzunterricht vermindert werden.

Schulen beim Corona-Gipfel im Fokus: Nun schlagen sogar Studentenwerke Alarm - wegen „Vereinsamung“

Update vom 7. Januar, 9.50 Uhr: Wird der Corona-Gipfel am Freitag den Empfehlungen der Kultusminister folgen? Wenn ja, dann wird die Schließung von Schulen nur das letzte Mittel sein - und die Quarantäne für Lehrkräfte wird verkürzt werden. Schulen sollten in Sachen Quarantäne wie die kritische Infrastruktur behandelt werden, lautete die Forderung.

Alarm schlugen unterdessen sogar jene Einrichtungen, die sich um ein gutes Stück ältere Lernende kümmern: Die Studentenwerke. „Die psychosoziale Beratung der Studenten- und Studierendenwerke wird förmlich überrannt, die Wartezeiten werden länger“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, Matthias Anbuhl, der dpa. Bund und Länder müssten hier in einem Aktionsprogramm dringend die Ressourcen aufstocken.

Studierende litten unter fehlender Präsenzlehre. „Vereinsamung, digitale Isolation und depressive Verstimmung sind oftmals die Folge.“ Anbuhl forderte, dass Hochschulen so lange offen bleiben müssten, wie möglich. „Und das heißt im Zweifel auch: länger als Bars, Restaurants, Fußballstadien und andere Teile des öffentlichen Lebens.“

Corona-Gipfel am Freitag: Was hecken Bund und Länder für die Schulen aus?

Vorbericht: Berlin/München - Am 7. Januar steht der nächste Corona-Gipfel* an. Vor dem Hintergrund der erwarteten Omikron-Welle wird schließlich bundesweit mit einer Zunahme der Infektionszahlen gerechnet. 

Beim Bund-Länder-Treffen am Freitag spielt auch das Thema Schule eine bedeutsame Rolle. Vorab machten Vertreter mehrerer Bundesländer bereits deutlich, dass Schulschließungen im großen Stil nicht zur Debatte stehen würden.

Schulunterricht abseits der Corona-Pandemie: Wie sieht das weitere Vorgehen der Kultusministerien aus?
Schulunterricht abseits der Corona-Pandemie: Wie sieht das weitere Vorgehen der Kultusministerien aus? © Frank Hoermann / SVEN SIMON / Imago

Corona-Gipfel am Freitag: Änderungen bei Quarantäne in den Schulen bahnt sich an

Ein wichtiger Punkt sind hingegen vereinfachte Quarantäne-Regeln*. Hessens Kultusminister Alexander Lorz forderte mit Blick auf das anstehende Corona-Krisengespräch eine Verringerung der Quarantänezeiten: „Denn die Schulen zählen mit bundesweit elf Millionen Schülerinnen und Schülern sowie 800.000 Lehrkräften für mich zur kritischen Infrastruktur, die jetzt besonders geschützt werden muss“, so der CDU-Politiker gegenüber der dpa. Für einen sicheren Präsenzunterricht trotz Omikron-Variante sollten jetzt alle an einem Strang ziehen, so der Koordinator für die CDU-regierten Länder in der Kultusministerkonferenz (KMK).

Eine ähnliche Aussage kam von FDP-Bundeschef und Finanzminister Christian Lindner. Er hat sich mit für maßvolle Kontaktbeschränkungen ausgesprochen. Es müsse alles getan werden, um die Schließung von Schulen und Betrieben zu verhindern, sagte er der dpa am Rande der traditionellen Dreikönigskundgebung der Liberalen.

Die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Ria Schröder, hat ebenfalls gefordert, die Zusage für offene Schulen auch bei stark steigenden Corona-Zahlen durch Omikron einzuhalten. Die Virusvariante sei eine große Belastung, da sie sich schnell verbreite und die hohen Infektionszahlen vielen Menschen Angst machten, sagte Schröder der dpa. „Die Folgen von Schulschließungen sind jedoch ebenso dramatisch, nur sind psychische und physische Belastungen, häusliche Gewalt oder Lerndefizite zunächst unsichtbar“, betonte sie.

Am Freitag werden sich Bund und Länder per Videokonferenz über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten. Bereits zwei Tage zuvor - Mittwoch, 5. Januar - haben sich die Kultusminister der Länder über das weitere Vorgehen ausgetauscht.

Neue Corona-Schulregeln ab Januar 2022? Hamburg taugt als Paradebeispiel

Zur Wochenmitte läuft bereits in der Hälfte der Bundesländer nach der Weihnachtspause wieder der Unterricht. In Bayern und auch Hessen beginnt am Montag (10. Januar) wieder die Schule. In Hamburg hat die Schule mit etwas strengeren Infektionsschutz-Maßnahmen begonnen: Zu den neuen Corona-Schulregeln im Stadtstaat gehören in den ersten beiden Schulwochen nach Ferienende drei Tests pro Woche, danach wöchentlich zwei Tests. Darüber hinaus dürfen Beschäftigte Schulen nur betreten, wenn sie geimpft, genesen oder getestet sind. Außerdem gelte weiterhin in allen Schulgebäuden eine Maskenpflicht. Dazu müssen Klassenräume alle 20 Minuten gelüftet werden. Auch mobile Luftfilter spielen eine große Rolle.

Werden am Freitag verbindliche Beschlüsse für die Schulen gefasst? Rechtlich ist das nicht möglich, denn: Das Bildungssystem liegt komplett in der Hand der jeweiligen Bundesländer, das heißt, das Besprochene besitzt lediglich Appell-Charakter, eine Umsetzungspflicht kann es nicht geben. 

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) formuliert vor der Bund-Länder-Runde indes eine klare Forderung. Doch ein Kinderarzt kritisiert Bayerns neue Kita-Regel - und klärt über die Gefahr durch die Corona-Mutation Omikron* auf. (PF) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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