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Merkels Ex-Berater nennt deutsche Raketen „Gamechanger“ und warnt vor zwei großen Gefahren

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Von: Marcus Giebel

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Die Ukraine soll sich mit deutschen Waffen gegen die russischen Invasoren verteidigen können. Geht es nach einem Ex-Berater von Merkel, steckt darin ein potenzieller Gamechanger.

München - Deutschland* verfolgt den Ukraine-Krieg* nicht tatenlos. Damit die Verteidiger den von Wladimir Putin* ins Land beorderten russischen Truppen Einhalt gebieten können, werden sie aus der Bundesrepublik mit militärischer Ausrüstung unterstützt. 1000 Panzerabwehrwaffen und 500 Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ wurden offiziell geliefert, 2700 Luftabwehrraketen vom Typ „Strela“ sollen folgen.

Zwar kamen hinsichtlich der letzteren bereits Meldungen auf, die in die Jahre gekommenen Waffen seien teilweise nicht mehr einsatzfähig. Ungeachtet dessen geht Erich Vad davon aus, dass die Lieferungen aus Deutschland einen großen Einfluss auf den Fortgang des Einmarschs haben können.

„Solche Panzerabwehrwaffen sind natürlich im Häuserkampf brandgefährlich für den Aggressor“, betonte der Brigadegeneral a.D. der Bundeswehr im RTL-Interview: „Gerade die Luftabwehrraketen können tatsächlich ein Gamechanger werden, wenn die ukrainischen Kämpfer, die mit hoher Kampfmoral unterwegs sind, über diese Mittel verfügen.“

Ukraine-Krieg: Russland machte mit „Stinger“-Raketen schon in Afghanistan schlechte Erfahrungen

Im Bezug auf die „Stinger“-Raketen erklärte der einstige militärische Berater von Kanzlerin Angela Merkel im Tagesspiegel: „Sie sind absolut tödlich.“ In den 1980er Jahren hätten die Mudschaheddin sie im Krieg in Afghanistan* erfolgreich gegen die Sowjetunion genutzt: „Damit konnten sie deren Hubschrauber vom Himmel holen. Das war ein ganz entscheidendes Waffensystem, das stark dazu beigetragen hat, dass die Russen abziehen mussten.“

Die „Strela“-Raketen waren derweil schon in der Nationalen Volksarmee der DDR gefragt. Sie sind flexibel einsetzbar, weil sie von der Schulter abgefeuert werden können. Positiv: Ihre Sprengköpfe beschädigen lediglich Tanks, Steuerelemente oder den Antrieb anstatt den Hubschrauber oder das Flugzeug komplett zu zerstören.

Erich Vad schaut in die Kamera
Sieht die deutschen Raketen im Ukraine-Krieg als möglichen Gamechanger: Brigadegeneral a.D. Erich Vad ordnet die Waffenlieferungen ein. © Jörg Carstensen/dpa

Putin-Truppen in der Ukraine: Ex-Merkel-Berater vermutet keinen Häuserkampf

Die vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj* herbeigesehnten Waffenlieferungen aus Deutschland könnten auch deshalb effektiv eingesetzt werden, weil die russischen Truppen laut Vad versuchen werden, „einen Orts- und Häuserkampf zu vermeiden, weil der verlustreich wäre und Zeit kosten würde. Sie müssen jetzt als Invasoren versuchen, die politische Leitung und die militärische Führung zu neutralisieren.“

Der 65-Jährige warnt jedoch zugleich: „Wir müssen aufpassen, nicht doch irgendwann in die Rolle als Kriegspartei hineinzurutschen.“ Nato-Truppen wurden wegen der Auseinandersetzungen in der Ukraine* bereits in den baltischen Mitgliedsstaaten zusammengezogen. Bundeskanzler Olaf Scholz schloss im ZDF-Talk von Maybrit Illner* eine militärische Einmischung des Bündnisses im aktuellen Kriegsgebiet jedoch aus.

Ukraine-Konflikt: Laut Brigadegeneral warten auch die Russen auf die Lieferungen aus dem Westen

Auf jeden Fall bleibt aber die Gefahr, dass die Lieferungen in die falschen Hände gelangen könnten. „Diese Waffen müssen die ukrainischen Kämpfer auch erreichen. Das heißt, der Nachschub muss gesichert sein“, stellt Vad klar: „Das haben die Russen natürlich erkannt. Sie sind mit ihren Spezialkräften in der Westukraine unterwegs, aus denen die Waffenlieferungen nur kommen können.“

Das Problem: Putins Truppen hätten die Luft- und Seewege bereits unter ihre Kontrolle gebracht. Es seien zwar genug Waffen in die Ukraine* unterwegs, „aber ob sie tatsächlich das Ziel erreichen, ist fraglich“.

Ein Bundeswehr-Soldat hält eine Stinger-Rakete auf eine Kamera gerichtet
Gamechanger im Ukraine-Krieg? Deutschland schickt unter anderem Boden-Luft-Raketen vom Typ „Stinger“ in die Ukraine. © IMAGO / photothek

Putins Kriegstaktik: Kreml-Chef will Kiew und Co. wohl austrocknen

Vad zufolge läuft im Süden alles nach dem Plan des Kreml-Chefs. Zudem sei Kiew davor eingenommen zu werden. Dass der enorm lange Militärkonvoi seit Tagen vor der Hauptstadt ausharre, sei „sehr irritierend“, könne aber auch auf die Strategie hindeuten, dass größere Städte ausgetrocknet werden sollten, bevor die Soldaten einmarschieren würden.

So würde Putin seine Untertanen wohl auch länger vor den aus Deutschland geschickten Raketen schützen. Die ukrainischen Kämpfer sollte der Machthaber aber auf keinen Fall unterschätzen. (mg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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