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„Erneut in Europa kämpfen“: Britischer Armee-Chef warnt Truppen wegen Ukraine - „Krieg an Land“

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Von: Bettina Menzel, Bedrettin Bölükbasi, Fabian Müller

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Selenskyj besucht die Fronten im Süden der Ukraine. In Sjewjerodonezk soll die Lage für Zivilisten extrem angespannt sein, russische Raketen zerstören indes ukrainische Öltanks bei Dnipro. Der News-Ticker.

Update vom 19. Juni, 19.30 Uhr: Das ukrainische Militär hat eigenen Angaben zufolge zwei russische Raketen über der Region Odessa abgeschossen. Russland versuche, „die Infrastruktur von Regionen, in denen keine militärischen Operationen stattfinden, so weit wie möglich zu zerstören“, sagte ein Militärsprecher gegenüber dem Portal Ukrainska Pravda. Die Raketen vom Typ Onyx seien in der Nacht zum Sonntag (19.06.2022) neutralisiert worden, hieß es. Bereits am Tag zuvor habe das ukrainische Militär solche Projektile vom Himmel geholt.

Update vom 19. Juni, 14.50 Uhr: Das russische Militär hat nach eigenen Angaben mit einem Raketenangriff einen Führungsgefechtsstand der ukrainischen Streitkräfte mit hochrangigen Offizieren zerstört. „Durch den Schlag wurden mehr als 50 Generäle und Offiziere der ukrainischen Streitkräfte vernichtet“, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

Laut Konaschenkow lag der ukrainische Führungsgefechtsstand im Gebiet Dnipropetrowsk nahe der Siedlung Schyroka Datscha, südlich der Großstadt Krywyj Rih und wurde von seebasierten Marschflugkörpern des Typs „Kalibr“ getroffen. Daneben seien durch die Raketen auch mehrere westliche Artilleriesysteme vom Typ M777 und bis zu 20 gepanzerten Fahrzeuge auf einem Werksgelände in Mykolajiw vernichtet worden. Andere Raketen hätten eine Eisenbahnstation im Gebiet Dnipropetrowsk getroffen, wo gerade ukrainisches Militär verladen wurde. Zudem sei auch im Gebiet Donezk eine größere ukrainische Einheit mit Raketen beschossen worden.

Konaschenkow bezifferte die ukrainischen Verluste in den beiden letztgenannten Fällen auf mehr als 300 Soldaten. Unabhängig können diese Angaben nicht überprüft werden. Der Armeesprecher verkündete zudem die vollständige Einnahme der Ortschaft Metjolkine durch russische Truppen. Der ukrainische Generalstab hatte zuvor einen russischen Teilerfolg bei den Kämpfen um den Vorort des Verwaltungszentrums Sjewjerodonezk eingeräumt. 

Ukraine-Krieg: Londons Armee-Chef warnt Truppen - „müssen uns auf Kampf in Europa vorbereiten“

Update vom 19. Juni, 13.35 Uhr: Der neue britische Generalstabschef General Sir Patrick Sanders hat betont, britische Truppen müssten sich angesichts des Ukraine-Krieges darauf vorbereiten, „erneut in Europa zu kämpfen“. Es gebe eine „brennende Notwendigkeit, eine Armee zu erschaffen, die an der Seite unserer Verbündeten kämpfen und Russland im Gefecht besiegen kann“, wurde Sanders vom britischen Sender Sky News zitiert.

„Wir sind die Generation, die sich darauf vorbereiten muss, ein weiteres Mal in Europa zu kämpfen“, stellte der britische General fest. Er fügte hinzu: „Russlands Invasion der Ukraine unterstreicht unseren zentralen Zweck, das Vereinigte Königreich zu verteidigen, in dem wir dazu bereit sind, an Land Kriege zu führen und zu gewinnen.“

Ukraine-Krieg: Russische Fortschritte im Donbass - ukrainische Abgeordnete berichtet von schwieriger Lage

Update vom 19. Juni, 11.45 Uhr: Nach Angaben der ukrainischen Abgeordneten Ivana Klimpusch-Tzintsadse verliert die Ukraine im Osten des Landes weitere Gebiete und hat Schwierigkeiten, verlorene Gebiete von den Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin zurückzuerobern.

Sie hoffe, dass sich die Situation auf dem Feld bald ändern werde, sagte sie gegenüber dem britischen Sender Sky News. „Doch leider hat Russland derzeit die gesamte militärische Kapazität im Osten des Landes konzentriert“, erklärte sie mit Blick auf die Lage im Donbass. Offenbar machen russische Truppen Fortschritte: „Wir verlieren manche Gebiete und sie bleiben in den Händen der Besatzer. Wir hoffen, dass es für uns ein Moment und die Möglichkeit geben wird, um diese Gebiete und die Menschen zurückzuerobern.“ Darüber hinaus forderte sie weitere Waffenlieferungen.

Ukraine-Krieg: Kiew meldet neue Zahlen zu russischen Verlusten - etwa 33.600 Soldaten

Update vom 19. Juni, 10.15 Uhr: Im Ukraine-Krieg meldete der ukrainische Generalstab auf ihrer Facebook-Seite neue Zahlen zu Verlusten des russischen Militärs. Die Angaben lassen sich jedoch nicht unabhängig bestätigen.

Update vom 19. Juni, 7.28 Uhr: In dem Werk Azot hätten 568 Zivilisten Schutz gesucht, darunter 38 Kinder, sagte Hajdaj. „Es gibt ständigen Kontakt zu ihnen. Man hat ihnen mehrfach eine Evakuierung angeboten, aber sie wollen nicht.“ Der Ort sei nicht mit dem Stahlwerk Azovstal in der Hafenstadt Mariupol zu vergleichen. „Das ist keine unterirdische Stadt. Das sind einzelne Notunterkünfte, die getrennt, nicht untereinander verbunden sind.“ In einem Bunkersystem unter dem Stahlwerk Azovstal hatten ukrainische Verteidiger und Zivilisten noch wochenlang ausgeharrt, als Mariupol schon längst von russischen Truppen erobert war.

Die russische Seite hatte für Mittwoch die Schaffung eines humanitären Korridors angekündigt, durch den Zivilpersonen aus dem Chemiewerk auf russisch kontrolliertes Gebiet fliehen sollten. Allerdings misstrauten die Ukrainer den russischen Zusagen. Die Russen wiederum warfen ukrainischen Soldaten vor, Zivilisten mit Gewalt an der Flucht zu hindern.

Ukraine-Krieg: Russland schickt Reserven in den Kampf - gescheiterte Sturmversuche“

Russland werfe alle seine Reserven in den Kampf, um Sjewjerodonezk und die Stadt Bachmut zu erobern, sagte Hajdaj zur militärischen Lage im Donbass. Auch nach Angaben des Generalstabs gehen die Kämpfe um Sjewjerodonezk unvermindert weiter. Demnach beschossen russische Truppen das Verwaltungszentrum des Gebiets Luhansk mit schwerer Artillerie. Ein versuchter Sturm der ukrainischen Stellungen im Industriegebiet der Stadt sei aber gescheitert. Auch in Syrotyne, einem Dorf westlich von Metjolkine, blieben die russischen Sturmversuche erfolglos.

Ukraine-Krieg: Russische Raketen zerstören Öltanks - „starkes Feuer“

Mit einem Raketenangriff zerstörten russische Truppen am Samstag Öltanks nahe der zentralukrainischen Stadt Dnipro. Die regionale Verwaltung berichtete von drei Raketen, die das Depot im Kreis Nowomoskowsk getroffen hätten. „Es gibt ein starkes Feuer“, teilte der Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, mit. Elf Menschen seien verletzt worden. In der Nähe der Stadt Isjum trafen russische Raketen eine Fabrik, die Gas verarbeitet. Auch dort gab es einen großen Brand.

Ukraine-Krieg: Selenskyj verspricht Rückeroberung des Südens

Update vom 19. Juni, 6.30 Uhr: Nach der Rückkehr von seiner Reise in den Süden Landes hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den bedrohten Regionen dort Schutz versprochen und die Rückeroberung der bereits von russischen Truppen besetzten Gebiete angekündigt. „Wir werden niemandem den Süden abgeben. Alles, was uns gehört, holen wir zurück“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache in der Nacht zum Sonntag. Die Ukraine werde dabei auch den sicheren Zugang zum Meer wiederherstellen, versicherte er.

In den Ukrainern stecke mehr Lebenswille als Russland Raketen habe, sagte Selenskyj. Die Ukraine werde alles tun, um die Lebensmittelexporte über die Häfen wieder aufzunehmen, sobald dies mit internationaler Hilfe sicher zu bewerkstelligen sei.

Russische Truppen haben bereits kurz nach Kriegsbeginn große Teile der Südukraine eingenommen. Beim Vormarsch eroberten sie die gesamte ukrainische Küste des Asowschen Meeres - wo in der Hafenstadt Mariupol noch bis Mai ukrainische Verteidiger ausharrten - und mit dem Gebiet Cherson Teile der ukrainischen Schwarzmeerküste. Die Halbinsel Krim hatte Russland bereits 2014 annektiert.

Selenskyj war am Samstag in die Frontregion Mykolajiw und anschließend in die Hafenstadt Odessa gereist. Beide Regionen liegen am Schwarzen Meer und gelten als strategische Ziele der russischen Invasion. Ein russischer Befehlshaber hatte im April erklärt, die gesamte Südukraine bis zur Konfliktregion Transnistrien im Nachbarland Moldau unter russische Kontrolle bringen zu wollen.

Ukraine-Krieg: Russland zerstört Öltanks nahe Dnipro - drei Menschen bei russischen Angriffen verletzt

Update vom 18. Juni, 21.11 Uhr: Russische Truppen haben offenbar am Samstag mit einem Raketenangriff Öltanks nahe der zentralukrainischen Stadt Dnipro zerstört. Die regionale Verwaltung berichtete von drei Raketen, die das Depot im Kreis Nowomokowsk trafen. „Es gibt ein starkes Feuer“, schrieb der Gouverneur des Gebiets Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko, auf Telegram. Drei Menschen seien mit Verbrennungen in Krankenhäuser gekommen.

In der Nähe der Stadt Isjum in der Ostukraine trafen russische Raketen eine Fabrik, die Gas verarbeitet. Auch dort gab es einen großen Brand, wie der Gouverneur des Gebietes Charkiw, Oleh Synjehubow, mitteilte. Außer der Fabrik seien auch Wohnhäuser getroffen worden. Angaben zu Opfern wurden in diesem Fall nicht gemacht.

Ukraine-Krieg: Russland soll Geländegewinne in der Nähe von Sjewjerodonezk erzielt haben

Update vom 18. Juni, 19.56 Uhr: Die russische Armee hat Geländegewinne in der Nähe des schwer umkämpften Verwaltungszentrums Sjewjerodonezk erzielt, die einstige Großstadt selbst aber weiterhin nicht einnehmen können. „Durch den Beschuss und Sturm hat der Feind in der Ortschaft Metjolkine einen Teilerfolg erzielt und versucht sich dort festzusetzen“, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Samstagabend mit. Metjolkine liegt südöstlich von Sjewjerodonezk.

Der tschetschenische Machthaber Ramsan Kadyrow hatte zuvor erklärt, die russischen Kräfte hätten die Ortschaft eingenommen. In der russischen Streitmacht in der Ukraine kämpfen Tausende Tschetschenen. Die Kämpfe um Sjewjerodonezk selbst halten nach ukrainischen Angaben weiter an. Demnach beschießen die russischen Truppen das Verwaltungszentrum des Gebiets Luhansk im Osten der Ukraine mit schwerer Artillerie. Ein versuchter Sturm der ukrainischen Stellungen im Industriegebiet der Stadt sei aber gescheitert. Auch in Syrotyne, einem Dorf westlich von Metjolkine, blieben die russischen Sturmversuche erfolglos.

Ukraine-Krieg: In Donezk wurden offenbar fünf Zivilisten getötet und zwölf weitere verletzt

Update vom 18. Juni, 17.25 Uhr: In der separatistischen Stadt Donezk in der Ostukraine sind nach Angaben der örtlichen Behörden durch ukrainische Angriffe Zivilisten getötet und verletzt worden. „Infolge der Bombardierung durch die ukrainischen Streitkräfte wurden in der Volksrepublik Donezk (DNR) fünf Menschen getötet und zwölf weitere verletzt“, erklärten die Behörden der Region am Samstag im Onlinedienst Telegram.

Donezk ist der Hauptort der selbsternannten Republik Donezk im ostukrainischen Donbass. Die Region wurde seit 2014 teilweise von pro-russischen Separatisten kontrolliert. Seit Beginn des russischen Militäreinsatzes in der Ukraine am 24. Februar ist sie Schauplatz erbitterter Kämpfe.

Ukraine-Krieg: Ukrainisches Streitkräfte haben eigenen Angaben zufolge russisches Flugzeug abgeschossen

Update vom 18. Juni, 17.14 Uhr: Die ukrainischen Streitkräfte haben offenbar ein russisches Flugzeug abgeschossen und einen Piloten im Gebiet Donezk gefangen genommen. Das geht aus Angaben des ukrainischen Militärs auf Facebook hervor, die zunächst von unabhängiger Seite nicht verifiziert werden konnten. Demnach habe die 72. Brigade der ukrainischen Streitkräfte ein russisches Su-25-Flugzeug mit einem Igla-Boden-Luft-Raketensystem abgeschossen.

Ukraine-Krieg: Trauerfeier für 24-jährigen Demokratie-Aktivisten Roman Ratuschny in Kiew

Update vom 18. Juni, 15.18 Uhr: Im Sankt-Michaels-Kloster in Kiew fand heute die Trauerfeier für den 24-jährigen Roman Ratuschny statt. Hunderte Menschen nahmen in der ukrainischen Hauptstadt Abschied von dem jungen Mann, der im Krieg sein Leben verlor. Ratuschny war Demokratie-Aktivist und hatte während der pro-europäischen Revolution von 2013 bis 2014 eine wichtige Rolle gespielt, so war er einer der ersten Demonstranten auf dem Maidan im Winter 2013 gewesen. Russische Soldaten töteten ihn am 9. Juni bei Kämpfen nahe der Stadt Isjum in der ostukrainischen Region Charkiw. Nun soll der 24-Jährige auf dem Baikowe-Friedhof in Kiew beigesetzt werden.

Sarg des verstorbenen Demokratie-Aktivisten Roman Ratuschny
Eine Frau trauert am Sarg des verstorbenen Demokratie-Aktivisten Roman Ratuschny. © AP/dpa/ Natacha Pisarenko

Ukraine-Krieg: Selenskyj auf Frontbesuch im Süden der Ukraine

Update vom 18. Juni, 13.17 Uhr: Während die Kämpfe in seinem Land schwelen, besucht der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit Mykolajiw eine weitere Frontregion im Süden der Ukraine. Auf einem Telegram-Video, veröffentlicht auf Selenskyjs Kanal, ist zu sehen, wie er die Ruinen der Stadt in Augenschein nimmt. „Wir haben den Zustand der Wirtschaft, die Wiederherstellung der Wasserversorgung und die Situation in der Landwirtschaft besprochen. Besonderes Augenmerk wurde auf Bedrohungen von Land und Meer gelegt“, heißt es in der Beschreibung des Videos. Mykolajiw liegt am Schwarzen Meer, etwa 80 Kilometer nordöstlich von Cherson.

Selenskyj auf Frontbesuch im südukrainischen Mykolajiw
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf Frontbesuch im südukrainischen Mykolajiw. © UKRAINIAN PRESIDENTIAL PRESS SERVICE

In dem Video ist außerdem zu sehen, wie Selenskyj Witali Kim, den Militärgouverneur des Gebiets, und den Bürgermeister Olexander Senkewitsch mit Orden auszeichnet. Kurz nach Kriegsbeginn schien es, als ob die Stadt mit ehemals etwa 480.000 Einwohnern, den russischen Truppen in die Hände fallen würde. Jedoch konnte der russische Vormarsch offenbar gestoppt und sogar teilweise zurückgedrängt werden. Derzeit laufen die Kämpfe entlang der Gebietsgrenzen zwischen Cherson und Mykolajiw.

Ukraine-Krieg: Kämpfe in Sjewjerodonezk verlagern sich auf Umgebung

Update vom 18. Juni, 12.32 Uhr: Serhij Hajdaj, Regionalgouverneur von Luhansk, berichtet, dass sich die Kämpfe um die ostukrainische Stadt Sjewjerodonezk mehr und mehr auf umliegende Dörfer verteile. „Die heftigsten Gefechte finden derzeit in der Nähe von Sjewjerodonezk statt“, berichtet Hajdaj auf Telegram. Die russischen Angreifer seien ihm zufolge aber noch nicht in der Lage gewesen, die Dörfer einzunehmen. „Unsere Verteidiger kämpfen in allen Richtungen gegen die Russen. Vor kurzem haben sie ein Flugzeug abgeschossen und Gefangene gemacht“, erklärt Hajdaj. Die Strategie der Straßenkämpfe beobachten auch Militärexperten.

Auch das Stadtgebiet von Sjewjerodonezk stehe weiterhin nicht vollständig unter russischer Kontrolle, wie Hajdaj betont. Hingegen wird die Lage im benachbarten Lyssytschansk immer brenzliger, auch für die Zivilisten. Da es den russischen Truppen dort nicht gelinge vorzurücken, „beschießen sie die Stadt einfach aus der Luft“, erklärt der Gouverneur.

Update vom 18. Juni, 12.15 Uhr: Im Ukraine-Krieg meldete das ukrainische Militär neue Zahlen zu Verlusten des russischen Militärs. Die Angaben lassen sich jedoch nicht unabhängig bestätigen.

Ukraine-Krieg: Kritische Lage in Sjewjerodonezk - Russland öffnet fragwürdigen Korridor

Update vom 18. Juni, 10.55 Uhr: Die Lage für die Zivilisten in den Bunkern unter dem Stahlwerk Azot in der ostukrainischen Stadt Sjewjerodonezk wird immer kritischer. Nach Einschätzung britischer Geheimdienstexperten müssen die Menschen dort schwierige Abwägungen treffen. Es gebe außer den von Russland und seinen Verbündeten einseitig ausgegebenen humanitären Korridoren kaum Wege, um aus der Stadt zu kommen. Brücken seien zerstört, die Lage sehr angespannt. Außerdem habe Moskau schon in früheren Fällen in der Ukraine solche Korridore als Mittel missbraucht, um sich Vorteile auf dem Schlachtfeld zu verschaffen und Menschen zwangsweise umzusiedeln.

Die von Russland angebotenen Korridore würden die Menschen in Richtung des Orts Swatowe, rund 70 Kilometer nördlich von Sjewjerodonezk, führen, also weiter in das von Russland besetzte Gebiet, so die britischen Experten. In einer Mitteilung des britischen Verteidigungsministeriums warnen die Experten: „Wenn eingeschlossene Zivilisten das Angebot ablehnen, durch einen Korridor hinauszugehen, wird Russland das wahrscheinlich als Rechtfertigung nehmen, um weniger Unterschied zwischen ihnen und irgendwelchen militärischen ukrainischen Zielen zu machen.“

Zuvor hatte Serhij Hajdaj, Gouverneur von Luhansk, bereits bestätigt, dass eine Rettung der Zivilisten aus dem Stahlwerk unmöglich sei (siehe Update von 6.54 Uhr).

Ukraine-Krieg: Ukrainische Truppen sollen russisches Schiff versenkt haben

Update vom 18. Juni, 8.17 Uhr: Offenbar ist es den ukrainischen Streitkräften gelungen einen Schlepper der russischen Schwarzmeerflotte vor Odessa zu versenken. Laut Behördenangaben von ukrainischer Seite sei der Schlepper „Wassili Bech“ zunächst von ukrainischen Harpoon-Raketen getroffen und beschädigt worden sein. „Später wurde bekannt, dass er gesunken ist“, sagt Maxym Martschenko, Militärgouverneur von Odessa. Eine Bestätigung von russischer oder unabhängiger Seite gibt es dafür bislang nicht.

Nach dem Raketenkreuzer „Moskwa“ und dem Landungsschiff „Saratow“, wäre die „Wassili Bech“ das dritte wichtige Schiff, welches die russische Armee verloren hätte. Der Schlepper war offenbar mit Militärgerät auf dem Weg zur strategisch wichtigen „Schlangeninsel“.

Russische Raketenkreuzer „Moskwa“
Der russische Raketenkreuzer „Moskwa“ wurde Anfang Mai von ukrainischen Truppen versenkt. © picture alliance/dpa/Can Merey

Ukraine-Krieg: Schwere Kämpfe in Sjewjerodonezk - Zivilisten können nicht gerettet werden

Update vom 18. Juni, 6.54 Uhr: Im Osten der Ukraine lieferten sich russische und ukrainische Truppen heftige Kämpfe, ohne dass sich an den Fronten viel änderte. In der östlichsten Stadt der Frontlinie, Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk, war nach Angaben des ukrainischen Generalstabs vom Freitagabend nach weiter jede Straße umkämpft. Die Stadt und ihre Umgebung liege unter schwerem Artilleriefeuer.

In Sjewjerodonezk würden viele russische Soldaten getötet, aber immer wieder durch neue ersetzt, sagte der Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj. Es sei unmöglich, die in Bunkern unter dem Stahlwerk Azot versteckten Zivilisten in Sicherheit zu bringen. Dagegen sei die Nachbarstadt Lyssytschansk noch unter ukrainischer Kontrolle. Die Straße nach dort liege aber unter dem Feuer russischer Artillerie.

Als Erfolg meldete der Generalstab die Rückeroberung eines Dorfes bei Isjum im Gebiet Charkiw. Im nordostukrainischen Gebiet Sumy verzeichnete die Regionalverwaltung vielfachen russischen Beschuss.

Ukraine-Krieg: Russische Medien präsentieren gefangen genommene US-Soldaten

Wladimir Putin rechtfertigte den seit fast vier Monaten andauernden Krieg gegen die Ukraine erneut als alternativlos. „In der aktuellen Situation, vor dem Hintergrund zunehmender Risiken und Bedrohungen für uns, war die Entscheidung Russlands, eine militärische Spezial-Operation durchzuführen, (...) erzwungen und notwendig“, sagte Russlands Präsident beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg. Der Westen habe die Ukraine zuvor „buchstäblich mit seinen Waffen und seinen Militärberatern aufgepumpt“.

Derweil präsentierten russische Medien zwei in der ukrainischen Armee kämpfende und von moskautreuen Truppen gefangen genommene US-Soldaten. Einer der Männer erklärte in dem nur auszugsweise gezeigten Interview, er sei der westlichen Propaganda aufgesessen, als er in den Krieg gezogen sei.

Ukraine-Krieg: Ukrainische Truppen erobern Dorf zurück

Update vom 17. Juni, 22.22 Uhr: Ukrainische Truppen haben nach Angaben ihrer Militärführung ein Dorf im umkämpften Osten des Landes von russischen Truppen zurückerobert. Der Generalstab nannte am Freitagabend das Dorf Dmytriwka bei Isjum im Gebiet Charkiw. Die Angaben waren nicht unabhängig überprüfbar.

Zunächst hatte der Vorstoß über die Stadt Isjum hinaus die russischen Angreifer bis weit in den Rückraum der ukrainischen Verteidiger des Donbass geführt. Westliche Quellen wie das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW) verzeichneten aber am Donnerstag für die Region Isjum erfolgreiche ukrainische Gegenangriffe.

In der östlichsten Stadt der Frontlinie, Sjewjerodonezk im Gebiet Luhansk, war den ukrainischen Angaben nach weiter jede Straße umkämpft. Die Stadt und ihre Umgebung liege unter schwerem Artilleriefeuer. In Bunkern unter dem Chemiewerk Azot in Sjewjerodonezk sollen sich Berichten zufolge noch mehrere Hundert Zivilisten aufhalten.

Großbritannien bietet „Trainingsprogramm“ für Ukraine-Soldaten an – „Gleichung des Krieges verändern“

Update vom 17. Juni, 21.10 Uhr: Beim zweiten Besuch von Boris Johnson in Kiew hat Großbritannien der Ukraine ein „umfangreiches Trainingsprogramm“ für deren Soldaten, das „die Gleichung des Krieges grundlegend verändern würde“, angeboten. Das teilte die Downing Street in einer Erklärung am Freitag am Rande des Treffens von Johnson mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit.

Johnson wird in der Erklärung mit folgenden Worten zitiert: „Wenn ukrainische Soldaten britische Raketen abfeuern, um die Souveränität Ihres Landes zu verteidigen, dann tun sie dies auch, um die Freiheiten zu verteidigen, die wir für selbstverständlich halten. Aus diesem Grund habe ich Präsident Selenskyj ein umfangreiches neues militärisches Ausbildungsprogramm angeboten, das die Gleichung dieses Krieges verändern könnte – indem es die mächtigste aller Kräfte, die ukrainische Entschlossenheit zum Sieg, nutzbar macht.“

Großbritanniens Premier Boris Johnson in Kiew nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Großbritanniens Premier Boris Johnson in Kiew nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. © Ukrainian Presidential Press Office/AP/dpa

Boris Johnson in Kiew: „Ukrainischer Mut, Entschlossenheit und Widerstandsfähigkeit stärker denn je“

Johnson fügte hinzu: „Zwei Monate nach meinem letzten Besuch ist der ukrainische Mut, die Entschlossenheit und die Widerstandsfähigkeit stärker denn je, und ich weiß, dass diese unzerbrechliche Entschlossenheit die eitlen Ambitionen von Präsident Putin lange überdauern wird.“

Laut Downing Street hat das Programm das Potenzial, alle 120 Tage bis zu 10.000 Soldaten auszubilden, wobei jeder Soldat drei Wochen außerhalb der Ukraine verbringen würde. Dort sollen die Soldaten für die Front ausgebildet werden, aber auch eine medizinische Grundausbildung, Trainings zur Cybersicherheit und Taktiken zur Sprengstoffabwehr erlernen. Die Ukraine hat das Angebot bislang noch nicht angenommen.

Ukraine-News: Zwei Tote und 20 verletzte Zivilisten nach Raketenangriff

Update vom 17. Juni, 13.45 Uhr: Bei einem russischen Raketenangriff auf die südukrainische Stadt Mikolajiw sind zwei Menschen ums Leben gekommen, wie die britische Zeitung The Guardian unter Berufung auf den regionalen Gouverneur, Witalij Kim, berichtete. Bei dem Angriff, in dem laut Kim vier mehrstöckige Häuser sowie ein Infrastruktur-Gebäude getroffen wurden, seien 20 weitere Menschen verletzt worden. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren.

Ukraine-Krieg: Humanitäre Lage im Donbass „extrem alarmierend“ - offenbar „enorme“ zivile Verluste

Update vom 17. Juni, 10.15 Uhr: Fast vier Monate nach Beginn des Ukraine-Krieges gestaltet sich die humanitäre Lage besonders im Osten des Landes nach Angaben der Vereinten Nationen „extrem alarmierend“. In einer Mitteilung auf ihrer offiziellen Website schrieb das Amt der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten: „Besonders in den Oblasts Luhansk und Donezk eskalieren die aktiven Auseinandersetzungen und führen zu enormen zivilen Verlusten, einschließlich Hilfsmitarbeitern.“

In und um Sjewjerodonezk sei die Lage besonders „besorgniserregend“, so die UN-Agentur. Der Zugang zu sauberem Wasser, Lebensmitteln, Sanitäranlagen und Elektrizität sei beeinträchtigt. In der gesamten Ukraine seien Wohngebiete und die zivile Infrastruktur von Krieg betroffen, was zu mehr Toten und Verletzten unter Zivilisten führe.

Ukraine-Krieg: Ukraine will russisches Schiff zerstört haben

Update vom 17. Juni, 9.40 Uhr: Die Ukraine behauptet die Zerstörung eines weiteren russischen Schiffes im Schwarzen Meer. Der Gouverneur der Region Odessa, Maksjim Martschenko, teilte auf Telegram mit, dass ukrainische Raketen den russischen Schlepper „Vasili Bekh” getroffen haben. Das Schiff habe Munition, Waffen, Truppen und das Luftverteidigungssystem „Tor” zur Schlangeninsel transportieren wollen, zitierte die britische Zeitung The Guardian den Gouverneur. Dazu kursiert im Netz ein Video, das von einer ukrainischen TB2-Drohne aufgenommen und den Moment des Abschusses zeigen soll. Die Angaben sowie das Video lassen sich allerdings nicht unabhängig bestätigen.

Ukraine-Krieg: Russischer Angriff auf Solote - Putins Truppen greifen Ostukraine weiter an

Update vom 17. Juni, 9.15 Uhr: Der ukrainische Generalstab und der Militärgouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Hajdaj, meldeten übereinstimmend die Abwehr eines Bodenangriffs auf Solote, einen Vorort der schwer umkämpften Stadt Sjewjerodonezk. Die russischen Truppen haben inzwischen alle Wohnviertel in Sjewjerodonezk eingenommen, die ukrainischen Verteidiger haben sich in der Industriezone rund um das Chemiewerk verschanzt. Evakuierungsversuche von Zivilisten, die ebenfalls in der Anlage ausharren sollen, sind bislang gescheitert.

Laut Generalstab ist eine russische Offensive weiter westlich auf ein weiteres strategisches Ziel, den Ballungsraum Slowjansk, vorerst gescheitert. Der Versuch der Russen, die Ortschaft Bohoroditschne 20 Kilometer nördlich von Slowjansk schon am diesseitigen Ufer des Flusses Siwerskyj Donez unter Kontrolle zu nehmen, sei zurückgeschlagen worden. Russische Luftangriffe gibt es in Richtung Awdijiwka im Gebiet Donezk, heftigen Artilleriebeschuss im Süden der Ukraine an der Grenze zwischen den Gebieten Cherson und Mykolajiw, während die Ukrainer dort eigenen Aussagen zufolge mehrere Lufangriffe auf russische Stellungen flogen. Unabhängig sind die Angaben nicht zu überprüfen. 

Ukraine-Krieg: Chemiefabrik in Sjewjerodonezk „fast vollständig zerstört“ - Ukraine meldet Beschuss

Update vom 17. Juni, 9.10 Uhr: Die Chemiefabrik Azot im schwer umkämpften Verwaltungszentrum Sjewjerodonezk ist nach ukrainischen Angaben durch den russischen Artillerie- und Raketenbeschuss fast vollständig zerstört. Zuletzt seien durch den Beschuss ein Gebäude und das Pförtnerhaus zerstört worden.

„Es gibt insgesamt auf dem Territorium des Chemiegiganten keine erhalten gebliebenen Verwaltungsgebäude mehr“, schrieb der Militärgouverneur der ostukrainischen Region Luhansk, Serhij Hajdaj, auf seinem Telegram-Kanal. Die Kämpfe um die Stadt würden aber weitergehen. Ähnliche Aussagen machte der Generalstab in seinem Lagebericht: „Die Kämpfe um die völlige Kontrolle über Sjewjerodonezk halten an“, heißt es da. Der Gegner verlege weitere Raketenartillerie in das Gebiet.

Ukraine-Krieg: Schwere Verluste bei Gefechten - London mit düsterer Aussicht für Russland

Erstmeldung vom 17. Juni: London/Moskau/Kiew — Im Ukraine-Konflikt liefern sich russische und ukrainische Truppen besonders im Osten des Landes heftige Gefechte um die Kontrolle von strategischen Zielen. Diese Karte zeigt, wo der Ukraine-Krieg wütet. Die schweren Kämpfe führen zu hohen Verlusten auf beiden Seiten. Moskau betont zwar immer wieder, dass die vom Kreml so bezeichnete „Spezialoperation“ in der Ukraine nach Plan verläuft.

Doch aus Großbritannien kommen andere Töne. Nach Einschätzung des britischen Generalstabschefs Tony Radakin wird Russland die Ukraine „niemals“ kontrollieren können und ist schon jetzt „strategisch“ erlegen. Mit seinem Angriffskrieg habe der russische Machthaber Wladimir Putin einen Fehler gemacht, sagte Radakin in einem Interview mit der nationalen Nachrichtenagentur Press Association (PA Media).

Ukraine-Krieg: Russische Niederlage laut London - Putin hat „strategisch verloren“

Laut Radakin hat Russland fast vier Monate nach dem Beginn des Angriffs auf die Ukraine „strategisch verloren“. Der Angriff auf das Nachbarland sei ein „entsetzlicher Fehler Russlands“ gewesen, so der britische Generalstabschef. Mit seinem Krieg gegen die Ukraine habe Russland die Nato gestärkt und Finnland und Schweden dazu gebracht, einen Aufnahmeantrag bei dem Militärbündnis zu stellen: „Die Nato ist stärker, Finnland und Schweden wollen beitreten.“

Es sei zwar möglich, dass Putin in den kommenden Wochen „taktische Erfolge“ in der Ukraine erzielen werde, führte Radakin an. Allerdings habe Putin ein Viertel der Stärke seiner Armee für „winzige“ Geländegewinne geopfert: „Die russische Maschinerie wird zerrieben und sie gewinnt dabei täglich ein paar - zwei, drei, fünf - Kilometer“ 50.000 russische Soldaten seien getötet oder verletzt worden. „Russland ist dabei zu scheitern“, unterstrich Radakin und fügte hinzu, dass Russland aus dem Krieg als eine „kleinere Macht“ heraustreten werde.

Ukraine-Krieg: Erhebliche Probleme bei Putins Armee - „Russland gehen Raketen und Truppen aus“

Nach der Darstellung Radakins kämpft Russland bei den Zusammenstößen mit Waffenproblemen. Russland habe „Schwachstellen“, da dem Land hochtechnologische Raketen ausgehen würden. Doch die russischen Streitkräfte sind laut Radakin auch mit einem Mangel an Truppen konfrontiert - eine Aussage, die ebenfalls in britischen Geheimdienstberichten auftaucht. So würden manche der russischen Bataillonskampfgruppen, die normalerweise 600 bis 800 Soldaten umfassen, nur noch aus 30 Soldaten bestehen, wie die britische Zeitung The Guardian unter Berufung auf die Dokumente berichtete.

Darüber hinaus sicherte der britische Generalstabschef Radakin der Ukraine die langfristige Unterstützung Großbritanniens im Kampf gegen die russischen Truppen zu. London liefere unter anderem Panzerabwehrwaffen an Kiew und werde dies weiter tun. Moskau hatte den Westen am Donnerstag (16. Juni) erneut vor der weiteren Unterstützung Kiews mit Waffen gewarnt. Dies sei „absolut nutzlos“ und würde der Ukraine nur „weiter schaden“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz sicherte bei seinem Besuch in der Ukraine neue Waffenlieferungen zu. (bb mit AFP)

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