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Akw-Direktor wird nicht nach Saporischschja zurückkehren

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Von: Christian Weihrauch, Lucas Maier

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Im Ukraine-Krieg gerät das AKW in Saporischschja wieder in den Fokus. Denn vom Direktor des Atomkraftwerks fehlte jede Spur. Mittlerweile ist es wieder aufgetaucht. 

Update vom Dienstag, 4. Oktober, 20.45 Uhr: Wie die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) am Dienstag (4. Oktober) mitteilt, wird der freigelassene Generaldirektor des AKW Saporischschja seinen Dienst nicht wieder antreten. In einer Verlautbarung der internationalen Behörde heißt es: „Die IAEA geht davon aus, dass sich Herr Murashov jetzt mit seiner Familie in einem von der Ukraine kontrollierten Gebiet aufhält und seine Aufgaben im AKW Saporischschja nicht fortsetzen wird.“

Weiter schreibt die IAEA, dass die Nachfolge bisher noch nicht geklärt sei. In der Mitteilung wird außerdem darauf hingewiesen, dass die letzten Schäden vom Beschuss am 20. September nun behoben seien. Seit 1. Oktober wurde kein Beschuss des Kraftwerkes mehr gemeldet. In dieser Woche wird Generaldirektor Grossi noch nach Kiew und Moskau reisen, um seine Beratungen fortzusetzen, heißt es in der Mitteilung

Ein bewaffneter russischer Soldat auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja. (Archivfoto)
Ein bewaffneter russischer Soldat auf dem Gelände des Kernkraftwerks Saporischschja. (Archivfoto) © IMAGO/Konstantin Mihalchevskiy

Akw-Direktor von Saporischschja wieder freigelassen

Update vom Montag, 3. Oktober, 17.59 Uhr:  Ihor Muraschow, der Chef des unter russischer Kontrolle stehenden ukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja , ist wieder auf freien Fuß. Das berichtet die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA). Er habe die Bestätigung erhalten, dass Ihor Muraschow „wohlauf nach Hause zurückgekehrt“ sei, erklärte IAEA-Chef Rafael Grossi am Montag auf Twitter. Die IAEA hat mehrere Experten vor Ort. Muraschow war nach ukrainischen Angaben am Freitag von einer russischen Patrouille festgenommen worden. 

Er soll dem Weg vom Akw in die Stadt Enerhodar von der Patrouille gestoppt und mitgenommen worden. Muraschow ist laut des staatlichen ukrainischen Atomkraftwerkbetreibers Energoatom auf seinem Posten für die nukleare Sicherheit der Anlage in Saporischschja verantwortlich.

Erstmeldung vom Sonntag, 2. Oktober, 20.02 Uhr: Enerhodar – Seit der Annexion der vier ukrainischen Gebiete, scheint ein zumindest „taktischer“ Atomschlag durch Russland für viele immer wahrscheinlicher. Nicht nur Wladimir Putin selbst droht immer direkter mit Atomwaffen, auch der tschetschenische Diktator Kadyrow forderte zuletzt deren Einsatz.

Die aktuelle Atomwaffen-Debatte verdrängt jedoch eine ganz andere atomare Gefahr aus dem Licht der Öffentlichkeit: Das AKW Saporischschja. Hier gibt es noch lange keine Entwarnung, wie die ukrainische Atombehörde Energoatom zuletzt mitteilte.

News zum Ukraine-Krieg: Russland hält größtes Atomkraftwerk in Europa besetzt

Das Atomkraftwerk im Süden der Ukraine wurde bereits kurz nach Kriegsbeginn von russischen Truppen besetzt. Immer wieder wurde gemeldet, dass das Atomkraftwerk beschossen worden sei. Zuletzt wurde es allerdings ruhiger um das Kraftwerk. Anfang September wurde das AKW endgültig heruntergefahren. Neben den russischen Besatzern, befinden sich auch Mitarbeitende der ukrainischen Atombehörde Energoatom in dem Kraftwerk, um die Nukleare- und Strahlungssicherheit zu gewährleisten. Doch nun gibt es neue, besorgniserregende Nachrichten.

News zum Ukraine-Krieg: Generaldirektor des AKW Saporischschja offenbar von russischen Truppen festgenommen

Am Freitag (30. September) soll der Generaldirektor, Ihor Murashov, von russischen Truppen gefangen genommen worden sein, wie Energoatom mitteilt. Gegen 16 Uhr Ortszeit, sei Murashov auf dem Weg in die nahegelegene Stadt Enerhodar festgenommen worden. Dabei soll er mit verbundenen Augen aus dem Fahrzeug geholt und anschließend an einen unbekannten Ort gebracht worden sein, wie Petro Kotin, der Chef von Energoatom mitteilt.

„Der Generaldirektor des AKW Saporischschja Ihor Murashov trägt die Haupt- und Alleinverantwortung für die nukleare und Strahlungssicherheit des AKW Saporischschja“, heißt es im Statement von Kotin. Weiter sprach er von einem „nuklearen Terrorakt“ der russischen Streitkräfte und forderte die internationale Atombehörde zum Handeln auf. „Es gibt keine Erkenntnisse zu seinem Schicksal“, teilte Kotin zuletzt mit.

Ukraine-Krieg: Vorgehen von Russland wird international verurteilt

Die russische Seite bestätigte unterdessen die Inhaftierung des AKW-Chefs. Am Samstag (1. Oktober) informierten die Behörden die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet. Bei der Aktion soll es sich um eine vorübergehende Festnahme handeln, erklärte ein IAEA-Sprecher in Wien.

Ziel sei laut Russland die Beantwortung verschiedener Fragen, durch den Chef des AKWs. International wurde die Festnahme des Generaldirektors kritisiert. Der französische Präsident Emmanuel Macron etwa verurteilte die Festnahme und betonte, dass ein Austausch des ukrainischen Personals ermöglicht werden müsse, um die Sicherheit zu gewährleisten.

AKW Saporischschja und der Ukraine-Krieg: Grossi äußert schwere Bedenken bezüglich der Sicherheit

Der Außenminister der Ukraine, Dmytro Kuleba, hat mittlerweile auch mit dem Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde Rafael Grossi über den Vorfall gesprochen, wie er auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mitteilte. In dem Gespräch versicherte Grossi, dass die IAEA „keine Mühen scheue, um die Freilassung des von Russland entführten Direktors des AKW Saporischschja sicherzustellen“.

„Eine solche Inhaftierung eines Mitarbeiters der Anlage wäre an sich schon sehr besorgniserregend, aber auch wegen der psychologischen Auswirkungen und des Drucks auf das übrige Personal, was der nuklearen Sicherheit abträglich ist“, ordnete der Generaldirektor der IAEA das russische Vorgehen ein. Die Verhaftung habe mindesten auf zwei der sieben Sicherheitssäulen für nukleare Sicherheit, einen negativen Effekt. (Lucas Maier/Christian Weihrauch)

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