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Putins „Dreieinigkeit“: Lukaschenko muss nun sogar Russland-Beitritt dementieren – „Wir sind nicht so dumm“

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Von: Florian Naumann

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Wladimir Putin träumt offenbar von alter russischer Größe. Belarus‘ Machthaber Alexander Lukaschenko lauscht am Dienstag still - und dementiert jetzt einen Beitritt zu Russland.

Wladiwostok - Wladimir Putin* hatte sich am Dienstagnachmittag zum Stand der Dinge im Ukraine-Krieg geäußert - und bei seinem Statement vermutlich auch in Belarus aufhorchen lassen: Dem ukrainischen Portal Nexta zufolge sprach der Kremlchef nicht nur von einer „dreieinigen“ Nation aus Russland, Belarus und der Ukraine. Sondern auch von einer weiteren „Integration“ zwischen Moskau und Minsk.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko* saß beim gemeinsamen Besuch im fernen Osten Russlands direkt neben Putin. Und sah sich am Mittwoch (13. April) dennoch zu einem verspäteten, aber expliziten Dementi genötigt: Pläne für einen Beitritt zu Russland gebe es nicht. Putin verweist gerne auf Größe und Stärke der einstigen Sowjetunion - und sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, er wolle das vor gut 30 Jahren zerfallene Riesenreich wieder errichten*.

Alexander Lukaschenko (r), Präsident von Weißrussland, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, sprechen bei einem Treffen in der weißrussischen Hauptstadt.
 (Archiv)
Alexander Lukaschenko (r), Präsident von Weißrussland, und Wladimir Putin, Präsident von Russland, sprechen bei einem Treffen in der weißrussischen Hauptstadt. (Archiv) © Sergey Bobylev/dpa

Russland-Beitritt von Belarus? Lukaschenko dementiert - „Sind nicht so dumm“

„Wir sind mit Putin nicht so dumm, dass wir mit den alten Methoden arbeiten. Wir, das sage ich, errichten eine solche Einheit zwischen zwei unabhängigen Staaten, dass man von uns lernen wird“, sagte er in Wladiwostok der staatlichen belarussischen Nachrichtenagentur Belta zufolge.

Auch viele Menschen in den beiden Ländern, die bereits einen Unionsstaat aufbauen, befürchten, dass Russland das von ihm wirtschaftlich komplett abhängige Belarus annektieren könnte.

Im Gegensatz zu Lukaschenko schätzen auch internationale Politikbeobachter die Möglichkeit eines Anschlusses von Belarus an Russland als durchaus real ein. Seit der umstrittenen Präsidentenwahl 2020, bei der sich Lukaschenko ohne Anerkennung im Westen zum Sieger erklärte, geriet Minsk zunehmend in Abhängigkeit von Moskau. Inzwischen ist Belarus international fast völlig isoliert und finanziell, aber auch militärisch auf Russland angewiesen.

Ukraine-Krieg: Wie verhält sich Belarus? Lukaschenko steckt wohl in der Zwickmühle

Mit Spannung und Sorge wird inner- und außerhalb der Ukraine aber auch Belarus‘ Rolle im blutigen Krieg Russlands beobachtet*. Russische Truppen waren im Zuge eines „Manövers“ auch in Belarus aufmarschiert. Trotz mehrmaliger Warnungen aus Kiew ist das Land bislang aber selbst nicht in den Konflikt eingetreten. Im Gegenteil: Es gibt Berichte über gezielte Sabotage-Aktionen der Bevölkerung in Belarus, etwa über die Unterbrechung von Nachschub-Verbindungen.

Lukaschenko könnte in einem Dilemma stecken: „Wenn Putin nachdrücklich verlangt, dass Belarus in den Krieg zieht, kann sich Lukaschenko kaum widersetzen“, sagte Vadim Moschejko vom Belarussischen Institut für Strategie-Forschung (BISS) im März dem Schweizerischen Rundfunk SRF. Gleichzeitig wolle Lukaschenko eine im eigenen Land unpopuläre Kriegsbeteiligung aber vermeiden. Unklar sei gar, wie das Militär auf eigenen Kriegsbefehl reagieren werde.

Putin schien Belarus am Dienstag subtil auf Kriegslinie einzuschwören. Das Land sei von Sanktionen des Westens nicht weniger getroffen als Russland. „Wir hatten niemals irgendwelche Zweifel, dass es, wenn uns jemand seine Schulter anbieten wird, Belarus sein wird“, erklärte der Kremlchef weiter. Lukaschenko rechtfertigte den russischen Angriff auf die Ukraine seinerseits - auch mit der von Putin wiederholt vorgebrachten These einer geplanten „Denazifizierung“ des Landes. (fn/dpa)

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