Wahlen in Sachsen und Brandenburg

Das Wahlergebnis nach Gruppen: Frauen und Männer kreuzten ganz unterschiedlich an

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Bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg 2019 haben die Altersgruppen ganz unterschiedlich abgestimmt.

Sachsen und Brandenburg haben gewählt. Die Ergebnisse fallen in beiden Ländern denkbar knapp aus. Anders verhält es sich, wenn man die einzelnen Wählergruppen nach Alter, Beruf und Bildung betrachtet.

Dresden/Potsdam - Die gute Nachricht dieser Wahlen: Deutlich mehr Bürger haben gewählt. In Sachsen ist die Wahlbeteiligung von 49,1 Prozent auf 66,0 Prozent gestiegen, in Brandenburg 47,9 auf 61,3 Prozent. Wenn die Männer nicht gewählt hätten, sähe das Ergebnis ganz anders aus und auch sonst variieren die Präferenzen zwischen den Wählergruppen stark.

Laut Focus zeigten Umfragen auch, dass die meisten bisherigen Nichtwähler die AfD mobilisiert hat. In Brandenburg wählten demnach 88.000 Ex-Nichtwähler die AfD, in Sachsen sogar 226.000. In Sachsen konnte nur die CDU annähernd viele Nichtwähler mobilisieren: 126.000.

Wahlen in Sachsen und Brandenburg: Vor allem Männer wählten die AfD

Besonders bei den Männern hat die AfD laut der Forschungsgruppe Wahlen viele Stimmen gewonnen. In Brandenburg haben 30% der Männer die AfD gewählt, in Sachsen sogar 33%. Frauen wählten in Brandenburg mit 28% vor allem die SPD, 18% der Frauen wählten die AfD. In Sachsen wählten die meisten Frauen (35%) die CDU, 22% wählten die AfD.

In Brandenburg wählten die Frauen zu 16% die CDU, zu 10% die Linke und zu 12% die Grünen, zu 6% die Freien Wähler und zu 4% die FDP.

Die Männer wählten in Brandenburg zu 24% die SPD, 15% wählten die CDU, je 10% die Linke und die Grünen, 5% die Freien Wähler und 4% die FDP.

Von den Frauen in Sachsen wählten je 10% die Linke und die Grünen, 8% die SPD und 5% die FDP. Die Männer in Sachsen wählten zu 30% die CDU, zu 10% die Linke, zu 7% die SPD, zu 8% die Grünen und zu 4% die FDP.

Wahlergebnisse in Sachsen nach Alter

Die AfD und die SPD haben in Sachsen laut der Ergebnisse der Forschungsgruppe Wahlen, die das Zdf präsentierte, Stimmen quer durch alle Altersgruppen geholt. Die SPD eher wenige, die AfD ihrem Wahlergebnis entsprechend. Am meisten Stimmen erzielte sie bei den 30-59 Jährigen. In dieser Gruppe wählte sie etwa jeder Dritte. In der Gruppe der 18-29 Jährigen liegt die AfD gleichauf mit den Grünen. Jeweils rund 20 Prozent wählten eine der beiden Parteien. Für die Grünen gilt: Je jünger die Wählergruppe, desto mehr Zustimmung.

Die Grünen punkteten bei den Landtagswahlen in Sachsen vor allem bei jungen Wählern.

Orientiert man sich an den Ergebnissen der Forschungsgruppe Wahlen, muss sich die CDU in Sachsen künftig noch mehr Sorgen um ihre Stimmanteile machen. Sie konnte vor allem bei den Wählern ab 60 Jahren punkten, mehr als 40 Prozent der Alten wählte die CDU. Nach unten hin nimmt die Beliebtheit der Partei stetig ab, bei den jüngsten Wählern findet sie nur noch zu 17% Zustimmung.

Die FDP hätte es nur bei den unter 30-Jährigen in den Landtag geschafft.

Wenn die CDU in Sachsen nicht aufpasst, werden ihre Wähler in Zukunft einfach aussterben.

Sachsen: Wähler nach Berufsgruppen

Die Forschungsgruppe Wahlen hat die Berufstätigen in Arbeiter, Angestellte, Beamte und Selbstständige unterteilt. Die CDU wählten in jeder Gruppe etwa 30 Prozent. Die Linke holte bei Angestellten und Beamten zwölf und zehn Prozent. Die SPD blieb in allen Gruppen im einstelligen Bereich. Am wenigsten Stimmen holte sie mit fünf Prozent bei den Selbstständigen.

Die AfD fand mit 35% und 30% besonders viel Zustimmung bei Arbeitern und Selbstständigen, bei den Angestellten und Beamten lag sie mit 22% und 24% unter ihrem Gesamtergebnis. Dort holten dagegen die Grünen ihre Höchstwerte: 10% der Angestellten und Selbstständigen wählten sie, 13% der Beamten - dagegen nur 5% der Arbeiter.

Die FDP wäre nur bei den Selbstständigen mit 9% in den Landtag eingezogen.

Sachsen: Wahlergebnis nach Bildungsgrad

Die CDU fand laut der Forschungsgruppe Wahlen bei den Wählern mit Hauptschulabschluss 42%, bei jenen mit mittlerer Reife 31%, mit Abitur 28% und bei Hochschulabsolventen 35% Zustimmung. Weit über ihrem Gesamtergebnis lag die AfD bei den Hauptschul- und Mittelschulabsolventen: Dort holte sie 31% und 37% der Stimmen. Bei Hochschulabsolventen lag sie nur bei 13 Prozent.

Die Linke, SPD und die Grünen bevorzugten vor allem Wähler mit höheren Bildungsabschlüssen: 10% der Wähler mit Abitur, 13% der Wähler mit Hochschulabschluss stimmten für die Linke. Die SPD fand noch am ehesten Wähler im Kreis der Hochschulabsolventen: 10% stimmten für sie. Die Grünen erzielten in diesen beiden Gruppen 13% und 16% der Stimmen. Wäre es nach Haupt- und Mittelschulabsolventen gegangen, hätten es die Grünen nicht in den Landtag geschafft.

Sachsen: AfD gewinnt Nichtwähler und CDU-Wähler

Die meisten Wähler konnte die AfD unter den bisherigen Nichtwählern und CDU-Wählern motivieren. 135.000 Nichtwähler machten sich auf, um für die Rechtskonservativen zu stimmen. Genauso viele wandten sich von der CDU ab. Von der SPD gewann sie 25.000 Wähler. Am wenigsten Deckungsgleichheit finden sich zwischen AfD und Grünen, sollten von den Grünen Wähler hinüber gewandert sein, sind es so wenige, dass sie unter „Sonstige“ gezählt werden.

Die AfD hat vor allem Nichtwähler und CDU-Wähler für sich gewonnen.

Brandenburg: Wahlergebnisse nach Alter

Je älter die Wähler, auf desto mehr Zustimmung kann die SPD in Brandenburg bauen. Nur 13% der Unter-30-Jährigen gaben bei der Forschungsgruppe Wahlen an, die Partei gewählt zu haben, das steigert sich durch die Altersgruppen bis hin zu den treuen Über-60-Jährigen, von denen 37% ihr Kreuz bei der SPD setzten. Bei den Grünen ist der Trend gegenläufig: Je jünger, desto mehr Zustimmung findet die Partei, 24% bei den Unter-30-Jährigen.

Die Grünen in Brandenburg bei den Landtagswahlen: Bei den Jungen beliebt, bei den Alten verpönt.

Ein großer Abstand findet sich bei den Altersgruppen der CDU-Wähler. Bei den Unter-30-Jährigen stimmten nur 9% für die CDU, in den übrigen Altersgruppen hält sie sich konstant. Die Linke wurde dagegen vor allem von den Jungen und den Alten gewählt und konnte in diesen Gruppen 11% und 14% erzielen.

Die AfD wählten besonders die mittleren Altersklassen der 30- bis 59-Jährigen, knapp ein Drittel stimmten für die Rechtskonservativen. Die FDP hielt ihren Durchschnitt in jeder Altersklasse etwa ähnlich ein.

Brandenburg: Wähler nach Berufsgruppen

Ähnlich viele Wähler fand die SPD mit ihrem Programm in Brandenburg laut der Forschungsgruppe Wahlen bei Arbeitern, Angestellten und Beamten mit 25% bis 27%. Von den Selbstständigen wählten sie nur 21%. Die CDU ist mit 21% beliebter bei den Beamten und Selbstständigen, bei Arbeitern und Angestellten erzielte sie jeweils knapp 15%. 

Überdurchschnittlich viele Stimmen erzielte die AfD bei den Arbeitern mit 34%, am wenigsten Wähler fand sie bei den Beamten mit 16%. Die Grünen liegen in nahezu allen Berufsklassen stabil, lediglich bei der Gruppe der Arbeiter wäre sie mit sechs Prozent gerade so in den Landtag geschrammt. Die FDP hätte es nur bei den Beamten und Selbstständigen mit sechs und acht Prozent in den Landtag geschafft. 

Brandenburg: Wähler nach Bildungsgrad

Die SPD als Partei der Arbeiter und Idealisten bildet sich in Brandenburg nach den Ergebnissen der Forschungsgruppe Wahlen mit Blick auf die Bildungsgruppen noch ab: Mit 34% und 27% holte sie besonders viele Stimmen bei Wählern mit Hauptschul- oder mit Hochschulabschluss.

Die Linke erzielte tendenziell mehr Stimmen bei Wählern mit Abitur (11%) und Hochschulabschluss (12%). Die AfD lag bei Absolventen der Haupt- und Mittelschulen über ihrem Durchschnitt mit 27% und 31%. 22% der Abiturabsolventen wählten die AfD.

Die Grünen hätten es bei Hauptschulabsolventen mit drei Prozent nicht in den Landtag geschafft. Ihre Stimmen holen sie sich vor allem bei den Abiturienten und Hochschulabsolventen, 16% und 19% wählten sie in diesen Gruppen. Die FDP konnte überhaupt nur in der Gruppe der Hochschulabsolventen fünf Prozent holen.

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Bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg stieg die Wahlbeteiligung an, doch die Nichtwähler bilden immer noch einen beträchtlichen Anteil. Hier sehen sie das „ehrliche Wahlergebnis“.

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