„Will nicht wie ein Idiot aussehen“

Verrückte Präsidentschaftswahl in der Ukraine: Führt bald dieser Komiker das Land an?

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Wladimir Selenski gilt als aussichtsreichster Kandidat auf das Präsidentenamt in der Ukraine.

In der Ukraine wählt die Bevölkerung am Sonntag einen neuen Präsidenten. Komiker Woldomir Selenski hat die besten Chancen, Petro Poroschenko abzulösen.

Update vom 31. März: Wladimir Selenski hat offenbar tatsächlich beste Chancen Präsident der Ukraine zu werden. Aus den Wahlen am Sonntag ging er als Sieger hervor - muss allerdings in eine Stichwahl mit Amtsinhaber Petro Poroschenko.

Kiew - In der Ukraine findet am Sonntag die Präsidentschaftswahl statt. Laut den letzten Umfragen deutet vieles darauf hin, dass Wladimir Selenski die Wahl um das Amt gewinnen wird. Das hätte einen Machtwechsel zur Folge, denn seit 2014 bekleidet Petro Poroschenko das Amt. Komiker Selenski führte die letzten Umfragen am Donnerstag mit einer deutlichen Mehrheit an. Amtsinhaber Poroschenko und Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko machen demnach untereinander aus, wer es neben Selenski in die Stichwahl schafft. Sie findet im April statt, falls sich kein Kandidat im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent der Stimmen sichert. Das ist sehr wahrscheinlich.

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Selenski, der in einer populären Fernsehserie bereits den ukrainischen Präsidenten spielt, kann sich gute Chancen ausrechnen, das Amt bald tatsächlich inne zu haben. Vor der Wahl am Sonntag sehen ihn mehrere Umfragen übereinstimmend bei mehr als 25 Prozent. Bei Amtsinhaber Poroschenko und seiner früheren Verbündeten Timoschenko ist die Lage weniger eindeutig: Eine Umfrage sieht beide bei etwa 17 Prozent, in einer anderen liegt Poroschenko deutlich vor der Ex-Regierungschefin.

Präsidentschaftswahl in der Ukraine: Poroschenko versprach westliche Ausrichtung

Der 53-jährige Poroschenko regiert die Ukraine seit der Maidan-Revolution im Jahr 2014. Nach dem Sturz seines kremltreuen Vorgängers Viktor Janukowitsch hatte Poroschenko versprochen, die Ukraine stärker am Westen auszurichten, gegen die weit verbreitete Korruption vorzugehen und den bewaffneten Konflikt mit den prorussischen Rebellen im Osten des Landes zu beenden. Dort sind in den vergangenen Jahren rund 13.000 Menschen getötet worden, auch heute noch sterben regelmäßig Menschen bei den Kämpfen.

Im Kampf um seine Wiederwahl versucht Poroschenko, sich als der einzige Kandidat zu präsentieren, der dem mächtigen Nachbarn Russland die Stirn bieten kann: "Mein Verbündeter ist das ukrainische Volk, mein Gegner ist Putin", sagte der Präsident bei einem Fernsehauftritt.

Selenski spielt in der beliebten Fernsehserie "Diener des Volkes" einen Lehrer, der unverhofft zum Präsidenten wird. Kritiker werfen dem 41-Jährigen vor, auch im echten Leben fehle ihm die politische Erfahrung. Der Komiker und Schauspieler, der vor allem bei jungen Wählern beliebt ist, räumt Defizite durchaus ein.

Präsidentschaftswahl in der Ukraine: Poroschenko versprach westliche Ausrichtung

Er habe "keine Erfahrung", sagte Selenski in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP. Er lerne aber bereits für seine mögliche neue Aufgabe: "Schließlich will ich nicht wie ein Idiot aussehen." Während seine Unterstützer auf frischen Wind an der Staatsspitze hoffen, halten seine Gegner Selenskis politische Ideen für wenig konkret.

Timoschenko konzentrierte sich in ihrem Wahlkampf auf das Thema Lebensqualität. Sie wirbt mit einer Senkung der Gaspreise und hofft, mit Plänen für eine Rentenerhöhung vor allem ältere Wähler zu überzeugen.

Trotz Selenskis Spitzenposition in den Umfragen halten Experten die Wahl noch nicht für entschieden. "Wenn man sich seine Zahlen ansieht, hat man das Gefühl, dass Selenski seinen Spitzenwert bereits erreicht hat", sagt der Politikexperte Mikola Dawidjuk. Außerdem gingen junge Menschen seltener zur Wahl als ältere.

Präsidentschaftswahl in der Ukraine: Journlisten sollen frei berichten dürfen

Reporter ohne Grenzen rief unterdessen die ukrainischen Behörden auf, die freie Berichterstattung über die Präsidentschaftswahl sicherzustellen. Einem Journalisten des italienischen Senders RAI war zuvor die Einreise verwehrt worden - nach Angaben der Organisation mit Verweis auf seine "anti-ukrainische Rhetorik".

Der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr, sagte, die ukrainischen Behörden sollten zur Wahlberichterstattung auch Reporter einreisen lassen, "die in ihren Berichten nicht der Regierungslinie folgen".

Die Situation in der Ukraine ist lange nicht mehr so stark in der Öffentlichkeit wie zur Zeit der Proteste auf dem Maidan. Doch der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine existiert weiterhin. Kürzlich ordnete ein ARD-Journalist die Lage in den Tagesthemen ein. In unserem Ticker halten wir Sie stets über die neuesten Ereignisse rund um den Konflikt in der Ukraine auf dem Laufenden.

AFP

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