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Hartz und herzlich: Krasse Vorwürfe gegen RTLTWEI – „Elendstourismus“

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Von: Marten Kopf

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„Hartz und herzlich“ - Ein Journalist wirft den Machern der Sozialdoku „Elendstourismus“ vor. Die wollen das nicht auf sich sitzen lassen – die RTLZWEI-Chefredakteurin holt zum Gegenschlag aus.

Sicher, über die seit 2016 auf RTLZWEI ausgestrahlte Sozialdoku „Hartz und herzlich“* kann man geteilter Meinung sein. Die Sendung hat viele eingefleischte Fans, Einschaltquoten und ein Blick in die sozialen Medien aber, in denen sich eine Vielzahl von Fan-Gruppen und Diskussionsrunden findet, sprechen eine ziemlich deutliche Sprache. Trotzdem wird immer wieder Kritik laut, als voyeuristisch wird das Format nicht selten bezeichnet. Das Leben von Menschen am Rande der Gesellschaft werde zur Unterhaltungszwecken missbraucht, so ein gerne formulierter Vorwurf.

SendungHartz und herzlich - Tag für Tag Benz-Baracken
SenderRTLZWEI
DrehortBenz-Baracken, Mannheim

„Menschenzoo“ und „Elendstourismus vor laufender Kamera“ nennt es der Journalist Hans Hoff schon 2020 in einer Kolumne auf der Medienplattform dwdl.de, wie MANNHEIM24* berichtet. So ganz unwidersprochen wollen die „HuH“-Macher solche Unterstellungen freilich nicht stehen lassen. In einem Gastbeitrag mit dem Titel „Sozialdokus bei RTLZWEI: Deshalb wollen wir, dass ihr das seht!“ meldet sich daraufhin auf derselben Plattform mit Konstanze Beyer die Chefredakteurin des Senders zu Wort. „Eine Replik auf unsere Kritiker“ möchte sie damit geben.

Kritik an „Hartz und herzlich“: Zu wenig Raum für Menschen aus prekären Verhältnissen

„Nicht die Machart der Dokus ist das Problem, sondern die Weigerung der Kritiker, die harten Realitäten anzunehmen und armen Menschen einfach zuzuhören“, schreibt Beyer. „Gemessen daran, wie viele Menschen in Deutschland in prekären Verhältnissen leben, nehmen sie im TV-Programm insgesamt noch viel zu wenig Raum ein.“, so ihr Credo. Die Sendung sei ursprünglich als einmaliges Projekt mit Handlungsort Duisburg geplant gewesen. Überrascht und erschreckt habe sie aber, dass bei genauerem Hinsehen in nahezu allen Regionen Deutschlands Menschen in ähnlich prekären Situationen lebten.

„Wir zeigen also kein extremes oder randständiges Thema, sondern eine weit verbreitete soziale Realität, die aber nahezu keinerlei Berührungspunkte zur Mittelschicht hat (außer zu den Angestellten im Job-Center) und deshalb vielen scheinbar unbekannt ist.“ Weiter stellt Beyer fest, dass es offenbar völlig selbstverständlich sei, dass „Experten und Autoren“ über sozial schwächer gestellte Menschen bestimmten, Letztere selbst aber kein Gehör fänden: „Oft wird gesagt, Arme haben keine Stimme, keine Lobby, kommen nicht zu Wort. Wenn sie es selbst tun, wie bei uns, dann ist das anscheinend unerwünscht, weil peinlich oder nicht so geschliffen formuliert.“ Die Mitwirkenden in den Sozialreportagen würden eben gerade nicht vorgeführt und bloßgestellt.

„Hartz und herzlich“: Lebensgeschichten und Schicksalsschläge

Und dass „Hartz und herzlich“ nicht einfach voyeuristisch, sondern im Gegenteil sogar ausgesprochen empathisch daherkommt, dafür gibt es in der Tat zahllose Beispiele. Lebensgeschichten und Schicksalsschläge der Teilnehmer sind eines DER Themen*, werden aber eben nicht einfach nur gezeigt, sondern eingeordnet. Und die Fans leiden mit, nehmen Anteil, zuletzt etwa am Tod der Kult-Baracklerin Dagmar* – der „guten Seele der Benz Baracken“, wie man sie liebevoll nannte –, die Ende vergangenen Jahres überraschend im Alter von gerade mal 67 Jahren an den Folgen eines Hirnschlags verstarb. RTLZWEI ehrte sie seinerzeit sogar mit einer Sondersendung. (mko) *MANNHEIM24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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