Erstes Halbjahr 2019

Die Androhung reicht meistens aus: Bilanz der Taser-Einsätze in RLP

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Polizisten in Ludwigshafen erhalten sogenannte Distanz-Elektroimpulsgeräte (Symbolfoto)

Ludwigshafen - Seit 2018 nutzen Polizisten in Rheinland-Pfalz Taser-Waffen. Nun gibt es eine Bilanz des ersten Halbjahres 2019:

Update vom 16. Juni: Seit Januar muss die Polizei in Rheinland-Pfalz knapp 80 Mal zum „Distanz-Impulsgerät“, oder kurz Taser, greifen. Dabei habe, laut dem Innenministerium, in 76 Fällen schon alleine die Drohung der Anwendung ausgereicht, damit Kriminelle aufgeben.

Halbjahres-Bilanz der Taser-Einsätze in Rheinland-Pfalz 

Spitzenreiter der Einsätze ist Koblenz, wo die Beamten 27 Mal zur Elektroschockpistole greifen müssen. Danach folgen Kaiserslautern (20 Mal), Trier (15 Mal), Ludwigshafen (8 Mal) und Mainz (6 Mal). Bisher gibt es die Waffen nur in Oberzentren, bis 2021 sollen aber alle 72 Polizeiinspektionen mit ihnen ausgerüstet sein. 

Acht Mal ist der Distanzmodus im Gebrauch, bei dem Pfeile verschossen werden. Zehn Mal ist der Kontaktmodus verwendet worden, in dem das Gerät wie ein Elektroschocker eingesetzt wird. Zwei Mal sind beide Modi im Gebrauch. 

In den meisten Fällen wird der Taser gegen „gewaltbereite Störer“ oder „gewaltbereite Randalierer“ eingesetzt. Dabei erleiden vier Personen Hautverletzungen, einer verletzt sich beim Sturz. Der größte Negativpunkt, der auch zu einer großen Diskussion um die Waffen geführt hat, bleibt der Tod eines 56-Jährigen. Dieser verstirbt am 18. Januar in Pirmasens, nachdem ein Taser gegen ihn verwendet wird. Der Tod ist weiterhin ungeklärt und wird von der Staatsanwaltschaft Zweibrücken untersucht.

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Gute Ergebnisse nach Taser-Einsätzen in Rheinland-Pfalz

Update vom 22. Februar 2019: Der Einsatz von Elektroschockpistolen im Streifendienst hat nach Einschätzung von Innenminister Roger Lewentz (SPD) gute Ergebnisse gebracht. „In 38 der bislang erfassten Taser-Einsätze in den Monaten November bis Januar genügte in zwei von drei Fällen allein die Androhung des Taser-Einsatzes, um Übergriffe auf Dritte oder Einsatzkräfte der Polizei abzuwenden", meint der Minister am Donnerstag (21. Februar) in Mainz. 

Die Distanz-Impulsgeräte (DEIG) seien - auch aus Sicht von 90 Prozent der Polizisten - ein geeignetes Mittel, um von Gewalt und Aggression geprägte Einsatzlagen zu bewältigen, ohne dass es zu schweren Verletzungen komme. 

Polizei nutzt Elektroschocker: Die Taser-Einsätze im Überblick

Die meisten Einsätze - 18 von insgesamt 38 - gibt es im Gebiet des Polizeipräsidiums Koblenz. An zweiter Stelle steht das Präsidium Westpfalz in Kaiserslautern (11), gefolgt von Trier (4), Mainz (3) und Ludwigshafen (2)

Die Elektroschockpistolen sind zunächst in den Oberzentren eingeführt worden. Bis 2021 sollen alle 72 Polizeiinspektionen solche Geräte erhalten. In 15 Fällen seien Taser eingesetzt worden, weil Polizisten von gewaltbereiten Störern oder Randalierern bedroht worden seien. In acht Fällen seien Menschen von solchen Störern verletzt worden. In 24 Fällen haben diese vor der Androhung des DEIG-Einsatzes Widerstand gegen die Einsatzkräfte angekündigt und zudem unter dem Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten gestanden. Die Taser werden in zwölf Fällen im Distanzmodus oder im direkten Kontakt eingesetzt. Bis auf oberflächliche Hautrötungen seien danach keine Verletzungen bei den Betroffenen festgestellt worden. 

Der Taser-Einsatz in Pirmasens vom 18. Januar, bei dem ein 56-Jähriger wenig später in einem Krankenhaus starb, wird in der Erhebung mit Blick auf die noch laufenden Ermittlungen nicht berücksichtigt.

Ludwigshafener Polizisten werden mit Elektroschockern ausgerüstet

Erstmeldung vom 16. Oktober 2018: Wie die Polizei am Dienstag (16. Oktober) mitteilt, werden zunächst nur die Polizeiinspektionen 1 und 2 in Ludwigshafen mit jeweils vier Geräten ausgestattet. Die Elektroschocker werden ab sofort im Streifendienst von speziell geschulten Polizisten im Stadtgebiet mitgeführt.

Bislang seien rund 30 Einsatzkräfte im Umgang mit den Tasern geschult worden. Dabei hätten die Beamten hohe Erwartungen an die Geräte. „In zwei von drei Fällen zeigte bereits die Androhung des Einsatzes Wirkung. Rheinland-Pfalz ist das erste Bundesland, das die Geräte im Streifendienst einsetzt“, erklärte Innenminister Roger Lewentz im April 2018, nach einem ersten Testlauf bei der Polizei in Trier. Nach dem Test sollten die Elektroschocker nach und nach in weiteren Zentren von Rheinland-Pfalz eingesetzt werden. In den nächsten Wochen sollen erste Einsatzerfahrungen im Streifendienst in Ludwigshafen gesammelt werden.

Die Vorgaben für den Einsatz von Distanz-Elektroimpulsgeräte verbieten grundsätzlich eine Anwendung gegen Personen, die als herzkrank bekannt, erkennbar schwanger oder dem äußeren Eindruck nach noch nicht 14 Jahre alt sind.

pol/kab/dh/dpa

Quelle: Ludwigshafen24

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