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Astrazeneca: Empfehlungs-Wirrwarr zu umstrittenem Corona-Impfstoff – Stiko-Chef klärt auf

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Von: Robin Eichelsheimer

Astrazeneca: Erst nur Ältere, dann nur Jüngere – und jetzt vermeintlich unterschiedliche Angaben von den Behörden? Jetzt äußerte sich Stiko-Chef Thomas Mertens zu angeblichen Widersprüchen:

Im Kampf gegen das Coronavirus sind die Impfungen gegen den gefährlichen SARS-CoV2-Erreger einer der Grundpfeiler für eine Rückkehr ins normale Leben. In Deutschland werden bislang die Wirkstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna, Johnson & Johnson und Astrazeneca verabreicht – doch gerade letzteres Vakzin sorgte aufgrund von sich immer wieder ändernden Empfehlungen und vermehrt auftretenden Fällen von Hirnvenenthrombosen bei jüngeren, meist weiblichen Impflingen für große Verunsicherung in der Bevölkerung.

Doch wie ist die Lage rund um den Impfstoff von Astrazeneca aus Expertensicht? Gibt es dazu wirklich Meinungsverschiedenheiten unter Virologen und Epidemiologen? In der Debatte hat Thomas Mertens, Vorsitzender der deutschen Ständigen Impfkommission (Stiko), klar der Wahrnehmung widersprochen, dass es diesbezüglich Meinungsverschiedenheiten unter den Experten gebe.

NameAstraZeneca / Vaxzevria
HauptsitzCambridge, Vereinigtes Königreich
CEOPascal Soriot
Gründung6. April 1999
TochtergesellschaftenMedImmune

Astrazeneca: Äußerungen von EMA und Stiko zu Corona-Impfstoff widersprüchlich?

Von Anfang an wurde die Wirksamkeit des Impfstoffs von Astrazeneca, der mittlerweile unter neuem Namen läuft, bemängelt, danach folgten Meldungen von schweren Nebenwirkungen. Im Anschluss verboten einige Länder die Verabreichung des Coronavirus-Impfstoffes, unter anderem stoppte auch Deutschland vorübergehend die Impfungen mit dem Wirkstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens.

Dann wurde durch die europäische Zulassungsbehörde EMA dieser Stopp Mitte März wieder aufgehoben. Doch schon wenige Tage später folgt der nächste Hammer: Das Vakzin von AstraZeneca wird ab sofort nur noch für Personen über 60 Jahren empfohlen. Grund: Meist jüngere Frauen sind nach der Corona-Impfung an Thrombose erkrankt, in wenigen Fällen führten Hirnvenenthrombosen sogar zum Tod.

Während die Stiko an ihrer Empfehlung für eine Impfung für über 60-Jährige festhält, gab die EU-Arzneimittelbehörde EMA am Mittwoch (7. April) grünes Licht für die Impfung aller Altersklassen und empfiehlt damit die uneingeschränkte Anwendung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca. Viele Impfwillige sehen hier widersprüchliche Angaben vonseiten der Behörden. Dieser Meinung tritt Stiko-Chef Thomas Mertens nun aber klar entgegen.

Astrazeneca: Verwirrung um Empfehlungen zu umstrittenem Corona-Impfstoff – Stiko-Chef klärt auf

Im RBB-Inforadio macht Stiko-Chef Mertens am Donnerstag (8. April) klar, dass es keinen Widerspruch zwischen den Einschätzungen der EU-Arzneimittelbehörde EMA, dem Paul-Ehrlich-Institut und der Stiko gebe. Dass der Astrazeneca-Impfstoff in seltenen Fällen zu schweren und auch lebensgefährlichen Nebenwirkungen wie Blutgerinnseln führen könne, bestreite niemand, so der Virologe (Hier findest Du übrigens alle Nebenwirkungen und Details zur Thrombose-Gefahr, die im Astrazeneca-Beipackzettel aufgeführt sind). Mertens betont vielmehr die unterschiedlichen Aufgaben und Blickwinkel der Institutionen.

Während die EMA für die grundsätzliche Zulassung zuständig sei, gehe es bei der Stiko darum, den Einsatz von Impfstoffen wie Astrazeneca und Co. zum besten Nutzen der Bevölkerung in Deutschland zu regeln. Beim Blick auf Europa habe die EMA mit ihrer Bewertung des Wirkstoffes sicher recht, so Mertens: „Denn es gibt viele Länder in Europa, die auch in ihrer Impfkampagne fast völlig von Astrazeneca abhängen.“ In Deutschland sei die Lage anders, vor allem auch, weil andere Präparate zur Verfügung stünden: „Wir haben die Möglichkeit, Impfstoffe in den Altersgruppen zu verschieben und dadurch das Risiko einer schweren Nebenwirkung zu reduzieren oder ganz auszuschließen.“

Hinsichtlich unterschiedlicher Altersbeschränkungen in den Ländern der Europäischen Union erklärt Stiko-Chef Mertens, dass jedes Land seine eigenen Daten betrachte. Die EU-Staaten hätten kaum miteinander vergleichbare Meldesysteme für Nebenwirkungen, eine Art europäische Stiko fehle: „Es gibt derzeit keine europäische Institution, die eine gemeinsame Empfehlung für alle europäischen Länder ausarbeiten und durchsetzen könnte.“

AstraZeneca: Stiko empfiehlt anderes Vakzin für Zweitimpfung

Nach den Beratungen von Jens Spahn mit den Gesundheitsministern der Länder, die am Mittwochabend ohne Entscheidung hinsichtlich der ausstehenden Zweitimpfungen für all jene Personen, die bei ihrer Erstimpfung den Wirkstoff von Astrazeneca erhielten, sprach sich die Stiko hier für eine Impfung mit einem anderen Vakzin aus: „Bis entsprechende Daten vorliegen empfiehlt die STIKO für Personen unter 60 Jahre anstelle der zweiten Vaxzevria-Impfdosis von AstraZeneca eine Dosis eines mRNA-Impfstoffs 12 Wochen nach der Erstimpfung zu verabreichen. Weiterhin empfiehlt die STIKO eine Studie, die immunologische Effekte nach dem heterologen Impfschema untersucht.“, heißt es vonnseiten der Kommission. (rob)

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