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AstraZeneca: Impfstopp für U60! STIKO dreht Altersgrenze um

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Von: Florian Römer

AstraZeneca-Impfstoff - Nach dem Impfstopp in zahlreichen Bundesländern schreitet nun auch die STIKO ein und setzt eine neue Altersgrenze:

Update vom 30. März: Die Ständige Impfkommission (STIKO) stoppt die AstraZeneca-Impfung für unter 60-Jährige, nachdem bereits erste Bundesländer die Verabreichung des Wirkstoffes unterbrochen haben. In einem Beschlusspapier heißt es, basierend auf der momentanen Datenlage empfehle die Stiko „im Regelfall“ die Impfung mit Astrazeneca „nur Menschen im Alter >60 Jahre“. Der Einsatz unterhalb dieser Altersgrenze „bleibt indes nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoakzeptanz nach sorgfältiger Aufklärung möglich“, heißt es in dem Beschlussentwurf weiter. Hintergrund sind die schweren Krankheitsfälle mit Thrombosen, die durch AstraZeneca verursacht wurden.

AstraZeneca: Wird morgen schon wieder geimpft? Ergebnisse erwartet

Update vom 17. März: Besteht ein Zusammenhang zwischen einer Impfung mit AstraZeneca und gefährlichen Hirnvenenthrombosen? Die Untersuchung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) dazu läuft auf Hochtouren, die Behörde will am Donnerstag (18. März) eine Empfehlung zum weiteren Umgang mit dem Impfstoff abgeben – inzwischen haben zahlreiche Länder einen Impfstoff veranlasst. Doch bis zum Ergebnis der laufenden Untersuchungen hält EMA-Chefin Emer Cooke den Nutzen des Vakzins von AstraZeneca für größer als die Gefahren. Beim Impfen von Millionen Menschen sei es unausweichlich, dass es anschließend zu seltenen oder ernsthaften Vorkommnissen von Erkrankungen komme.

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat offenbar keine Bedenken. Auf die Frage, ob sie sich den Impfstoff von AstraZeneca spritzen lassen würde, antwortete ihr Sprecher: „Natürlich.“ Vom Konkurrenten Biontech soll die EU kurzfristig weitere zehn Millionen Dosen Impfstoff bekommen. Damit seien allein von diesem Hersteller im zweiten Quartal insgesamt 200 Millionen Impfdosen für die 27 EU-Staaten zu erwarten, so von der Leyen mit.

Anfang dieser Woche hatte das Paul-Ehrlich-Institut den Impfstopp für AstraZeneca empfohlen, nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bislang in Deutschland acht Fälle mit Thrombosen der Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet – zuvor war zunächst von sieben fällen – davon drei mit tödlichem Ausgang - die Rede. Die Zahl der Fälle ist statistisch signifikant höher als in der ungeimpften Bevölkerung.

Impfung mit AstraZeneca: Experten warnen – womöglich „überdurchschnittliches Risiko“

Update vom 15. März: Deutschland stoppt nun doch vorsorglich die Corona-Impfungen mit dem Vakzin von Astrazeneca. Ein Sprecher der Bundesgesundheitsministeriums teilt am Montag mit, dass die Regierung damit einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts folge. Das Institut halte nach neuen Meldungen von Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung in Deutschland und Europa weitere Untersuchungen für notwendig. „Bis jetzt gibt es sieben berichtete Fälle, die im Zusammenhang mit einer solchen Hirnvenenthrombose stehen bei mittlerweile über 1,6 Millionen Impfungen in Deutschland. Es geht um ein sehr geringeres Risiko – aber falls es tatsächlich im Zusammenhang mit der Impfung stehen sollte, um ein überdurchschnittliches Risiko“, so Gesundheitsminister Jens Spahn am Montag in Berlin.

Laut dem zuständigen Paul-Ehrlich-Institut solle man sich in ärztliche Behandlung begeben, wenn man sich mehr als vier Tage nach der Impfung unwohl fühlen sollte, etwa mit starken oder anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen, sagt Spahn. Bis Sonntag waren laut Robert Koch-Institut 1,65 Millionen Dosen AstraZeneca-Impfstoff in Deutschland verabreicht worden. Bis auf wenige hundert Fälle betreffen alle diese Impfungen die erste von zwei für den Impfschutz nötige Impfungen. Die Aussetzung betreffe nun auch alle Folgeimpfungen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) muss das Vakzin jetzt neu bewerten. Falls der Impfstoff weiter zugelassen wird, werden auch die Impfungen wieder anlaufen.

Impfstoff AstraZeneca: Schwere allergische Reaktionen – Experten warnen vor heftiger Nebenwirkung

Update vom 13. März: Einst einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen die Corona-Pandemie rückt der Impfstoff von AstraZeneca schon wieder in die Schlagzeilen. Denn wie jetzt bekannt geworden ist, kann der Wirkstoff laut Einschätzung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) schwere allergische Reaktionen auslösen! Nach einigen Zwischenfällen in Großbritannien sollten Anaphylaxie und auch Überempfindlichkeitsreaktionen in die Liste der möglichen Nebenwirkungen des Impfstoffs aufgeführt werden, wie die EMA am Freitag (12. März) mitgeteilt hat. Anaphylaxie kann zu einem tödlichen Kreislaufversagen führen.

Bei bislang rund fünf Millionen geimpften Menschen in Großbritannien seien 41 mögliche Anaphylaxie-Fälle registriert worden, so die mächtige EU-Behörde mit Sitz in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam laut FAZ. Zumindest bei einigen dieser Anaphylaxie-Fälle halte das für die Impfstoff-Risikobewertung zuständige Komitee nach intensiver Datenanalyse einen Zusammenhang zwischen der allergischen Reaktion und der Impfung für wahrscheinlich.

AstraZeneca-Impfstoff: Nach Impfung mindestens 15 Minuten unter medizinischer Beobachtung bleiben

Bereits die jetzige Version des AstraZeneca-Beipackzettels rät dazu, dass Patienten nach einer Impfung immer mindestens 15 Minuten unter Beobachtung bleiben sollten, damit medizinisches Personal auf mögliche allergische Reaktionen reagieren kann. So verweist die EMA auch darauf hin, dass solch schwere allergische Reaktionen auch bei Impfungen gegen andere Krankheiten durchaus als seltene Nebenwirkung auftreten können.

Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens bereitet eine Dosis des AstraZeneca-Impfstoffs für die Verabreichung in einem Impfzentrum in Fiumicino, in der Nähe des internationalen Flughafens von Rom, vor. Trotz Berichten über Schwächen des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den weiteren Einsatz. | Aktuell
Eine Dosis des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca wird vorbereitet. © Alessandra Tarantino/dpa

Neben Dänemark und Norwegen haben inzwischen auch Island und Bulgarien die Impfung mit AstraZeneca zumindest vorläufig vorsorglich gestoppt. Noch tags zuvor hatte die EMA unter Berufung auf ihren Sicherheitsausschuss erklärt, „dass der Nutzen des Impfstoffs weiterhin die Risiken überwiegt und der Impfstoff weiterhin verabreicht werden kann, während die Untersuchung von Fällen thromboembolischer Ereignisse fortgesetzt wird“.

AstraZeneca-Impfstoff: Wie sicher ist das Vakzin? Das sagen der Pharmakonzern und die WHO

Und was sagt das Pharma-Riese AstraZeneca dazu? Der schwedisch-britische Konzern gab sich laut FAZ zunächst zurückhaltend. Eine umfassende Datenanalyse habe gezeigt, dass es infolge einer Impfung „keine Belege für ein erhöhtes Risiko für Lungenembolien oder tiefe Venenthrombosen“ gebe. Dies gelte für alle Altersgruppen, Geschlechter sowie Impfstoff-Chargen in jedem belieferten Land.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keinerlei Anlass, die Impfungen mit dem AstraZeneca-Vakzin auszusetzen. In keinem Fall sei bisher zweifelsfrei nachgewiesen, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einer Impfung und einem danach erfolgten Todesfall gibt. AstraZeneca sei – ebenso wie alle anderen eingesetzten Vakzine – ein hervorragender Impfstoff.

AstraZeneca-Impfstoff: Todesfall durch Blutgerinnsel – Dänemark und Norwegen stoppt Impfungen

Update vom 11. März: Könnte der Impfstoff von AstraZeneca doch schwerwiegendere Nebenwirkungen hervorrufen als bisher angenommen? Aufgrund von Berichten über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Personen, denen das Vakzin des britisch-schwedischen Unternehmens verabreicht wurde, wird in Dänemark für zwei Wochen niemand mehr mit dem Impfstoff vom AstraZeneca geimpft. Das teilte die dänische Gesundheitsverwaltung am Donnerstag. Unterdessen hat die europäische Arzneimittelbehörde eine Untersuchung des Impfstoffes eingeleitet – auch, weil sich ein Bericht auf einen Todesfall in Dänemark beziehen soll.

Aber: Dänemarks Gesundheitsminister Magnus Heunicke machte zeitgleich klar, dass man den Impfstoff von AstraZeneca nicht ablehne und es sich bei der Untersuchung um eine Vorsichtmaßnahme handle. Auf Twitter schreibt er, dass die Vorfälle grundlich untersucht werden müssen.

Der Impf-Stoff mit dem Vakzin von AstraZeneca ist zunächst auf 14 Tage beschränkt, danach werde laut Heunicke geschaut, wie es weitergehe. Es sei gut dokumentiert, dass das Mittel sowohl sicher als auch effektiv sei. Man müsse jedoch auf Berichte zu möglichen ernsthaften Nebenwirkungen reagieren.

Nur wenige Stunden, nachdem Dänemark über die Maßnahme informiert hatte, teilte das norwegische Gesundheitsinstitut FHI am
Donnerstag mit, dass man infolge des Berichts über den möglicherweise in Verbindung mit der Impfung stehenden Todesfall auch in Norwegen bis auf Weiteres auf das Verabreichen des AstraZeneca-Vakzins verzichte. Wie lange genau, ist bis lang unklar, man wolle zunächst das Ergebnis der Untersuchung abwarten, sagte der für den Infektionsschutz zuständige FHI-Direktor Geir Bukholm auf einer Pressekonferenz in Oslo. Diese Pause bedeute aber nicht, dass man von Impfungen mit dem Mittel von
Astrazeneca in Zukunft abrate.

AstraZeneca-Impfstoff: Jetzt auch für Menschen über 65 – Impfkommission ändert Empfehlung

Update vom 4. März: Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca ist auch für ältere Menschen ab 65 Jahren geeignet. Zu diesem Ergebnis kommt nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums die Ständige Impfkommission (Stiko). „Das ist eine gute Nachricht für alle Älteren, die auf eine Impfung warten. Sie können schneller geimpft werden“, so Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Donnerstag. Ein Statement der Stiko steht dazu noch aus.

Bislang empfahl das Gremium das Mittel nur für 18- bis 64-Jährige, da für Ältere zunächst nicht genügend Studien durchgeführt wurden. Beim Bund-Länder-Gipfel wurde festgehalten, dass der AstraZeneca-Impfstoff ausweislich von Studienergebnisse aus Großbritannien generell eine hohe Wirksamkeit aufweise. Dies sei auch in der älteren Bevölkerung der Fall. „Dazu erwarten Bund und Länder eine kurzfristige Entscheidung der Stiko über die Empfehlung des Impfstoffs für die Bevölkerungsgruppe über 65
Jahre, um die Impfterminvergabe entsprechend zügig anpassen zu können, damit der Impfstoff schnell und priorisierungsgerecht
verimpft werden kann“, so Spahn.

AstraZeneca: Verbessert längeres Intervall zwischen Impfungen die Wirkung?

Update vom 23. Februar: Eine Verlängerung des Intervalls zwischen den beiden Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff führt nicht zu einer Abschwächung der Schutzwirkung, wie das Ärzteblatt berichtet. Diese Vorgehensweise wird in Großbritannien praktiziert sowie in anderen Ländern diskutiert. In Großbritannien gibt es – anders als in Deutschland - keine Altersbeschränkung bei der Verimpfung von AstraZeneca.

Ganz im Gegenteil: Studien haben sogar ergeben, dass die Schutzwirkung nach der 1. Dosis bis zu einem Dosierungsintervall von drei Monaten langsam zunimmt. Nach der 2. Dosis kommt es zu einen weiteren Anstieg.

Immunologische Daten kommen zum Schluss: Geimpfte, bei denen die Auffrischung nach mehr als 12 Wochen erfolgte, hatten mehr als doppelt so hohe Antikörpertiter wie diejenigen, die die 2. Dosis innerhalb von sechs Wochen nach ihrer ersten Impfung erhalten haben.

Die Schutzwirkung hätte im Verlauf des Intervalls vor der 2. Dosis bei den Probanden, die bei der 1. Impfung die volle Dosis verabreicht bekommen haben, nicht­ nachgelassen. Vielmehr kam es sogar zu einem tendenziellen Anstieg der Impfstoffwirksamkeit von 55,1 Prozent (33,0 bis 69,9 Prozent) bei einem Intervall von weniger als sechs Wochen auf 81,3 Prozent (60,3 bis 91,2 Prozent) bei einem Intervall von 12 Wochen oder mehr. Aus diesem Grund hat die britische Impfkommission („Joint Committee on Vaccination and Immunisation“) entschieden, eine Verschiebung der 2. Dosis auf bis zu drei Monate zu erlauben, um mit der begrenzten Impfstoffmenge möglichst viele Personen impfen zu können.

Fazit: Das Astra-Zeneca-Vakzin sei ein hocheffektiver Impfstoff, der die Kliniken und Intensivstationen entlasten kann. Dort wo er eingesetzt wird, sollte die Zahl der schweren Erkrankungen zurückgehen.

AstraZeneca: „Geringere Wirksamkeit“? Experten appellieren an Bürger

Erstmeldung vom 20. Februar: Am 29. Januar wurde der vektorbasierte Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Pharmaunternehmens AstraZeneca in Deutschland zugelassen. Nach anfänglichen Produktionsschwierigkeiten und Lieferengpässen hat AstraZeneca mittlerweile 780.000 Dosen an die Bundesrepublik geliefert. Damit stehen neben den Präparaten von BioNTech und Moderna nun drei Impfstoffe zur Verfügung. Da das Vakzin zunächst für Personen unter 65 Jahren zugelassen ist, soll es vornehmlich Ärzten, Pflegepersonal und Rettungskräften verabreicht werden.

UnternehmenAstraZeneca
SitzCambridge, Vereinigtes Königreich
CEOPascal Soriot

Impfstoff von AstraZeneca in Baden-Württemberg fast nicht genutzt

Im Südwesten scheint es der neue Impfstoff von AstraZeneca aber besonders schwer zu haben: Aus dem digitalen „Impfquotenmonitoring“ des Robert-Koch-Instituts vom Mittwoch (17. Januar) geht hervor, dass das „Covid-19 Vaccine“ von AstraZeneca in Baden-Württemberg erst 1.086 Mal verabreicht wurde. Dabei hat das Bundesland nach Angaben des Sozialministeriums rund 100.000 Impfdosen erhalten, die fast ausnahmslos den Krankenhäusern im Land zur Verfügung gestellt wurden.

Noch in dieser Woche sollen dann auch die Impfzentren in Baden-Württemberg versorgt werden: „In den Kreisimpfzentren stehen diese Woche erstmals jeweils 400 Impfdosen zur Verfügung“, sagt ein Sprecher des Sozialministeriums auf Anfrage von HEIDELBERG24. Damit nach der Corona-Impfverordnung des Bundes zunächst „Personen der Prio 1“ geimpft werden: also „Mitarbeitende der Rettungsdienste, Ärzte der Prio 1, Zahnärzte der Prio 1 und Personen unter 65, die im Pflegebereich z.B. in der ambulanten Pflege, arbeiten.

AstraZeneca-Vakzin: Baden-Württemberg fast Impf-Schlusslicht

Ein Grund für die geringe Zahl an Corona-Impfungen mit AstraZeneca in Baden-Württemberg sei, dass die ersten Krankenhäuser den Impfstoff vergangene Woche erst vom 11. Februar an abholen konnten, so das Sozialministerium. „Die Kliniken, die aus der zweiten Lieferung Impfstoff erhalten haben, konnten diesen erst seit Montag dieser Woche in den Impfzentren abholen.“ Dieser könne erst nach und nach verabreicht werden.

Was das Impfen mit AstraZeneca anlangt, ist das Ländle damit im nationalen Vergleich fast Schlusslicht: Nur Brandenburg hat mit 891 weniger Dosen des schwedisch-britischen Hersteller verimpft. In Nordrhein-Westfalen wurde das Präparat bereits 18.634 Mal verabreicht, in Bayern 14.631 Mal.

AstraZeneca: Skepsis wegen „geringerer Wirksamkeit“?

Zuletzt hatte es vermehrt Medienberichte gegeben, dass Menschen in Deutschland Impftermine mit dem AstraZeneca-Vakzin nicht wahrgenommen haben. So seien beispielsweise im Rahmen einer „Sonderimpfung im medizinischen Bereich“ am Wochenende im Saarland über 50 Prozent der 200 angemeldeten Impflinge nicht gekommen, hatten den Termin aber auch nicht abgesagt. Eine mögliche Erklärung lieferte Saarlands Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU): Das Fernbleiben könne mit einer geringeren Wirksamkeit des Impfstoffs zusammenhängen. Während die beiden mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna eine Wirksamkeit von über 90 Prozent aufweisen, ist das Vakzin von AstraZeneca „nur“ zu 70 Prozent wirksam.

Sgt. Phil Morris, Regimental Aid Post vom 4. Battalion Royal Regiment of Scotland, hält ein Gläschen mit dem Astrazeneca-Impfstoff in der Hand, mit dem Menschen im Impfzentrum Elland Road geimpft werden. | Aktuell
Ein Arzt hält ein Fläschchen mit dem Impfstoff von AstraZeneca in der Hand. © Danny Lawson/dpa/PA Wire

Zuletzt hatte Frank Ulrich Montgomery, der Vorsitzende des Weltärztebundes, eine Kontroverse ausgelöst. Montgomery hatte Verständnis dafür gezeigt, wenn medizinisches Personal oder Pflegekräfte sich nicht mit dem Mittel des schwedisch-britischen Herstellers gegen Corona impfen lassen wollten: Die geringere Wirksamkeit lasse sich nicht wegdiskutieren. „Daher halte ich es für geboten, Menschen mit hohem Infektionsrisiko, zu denen medizinisches Personal oder Pflegekräfte gehören, mit besser wirksamen Vakzinen zu impfen“, so Montgomery. 

Vakzin von AstraZeneca: Impfstopp wegen Nebenwirkungen?

Zudem mehren sich Berichte über Nebenwirkungen nach der Impfung mit dem AstraZeneca-Präparat: An zwei Kliniken in Niedersachsen wurden die Impfungen nach Klagen von Angestellten sogar gestoppt. Am Herzogin-Elisabeth-Hospital in Braunschweig meldeten sich 37 von 88 geimpften Personen am Tag nach der Impfung krank. Daraufhin wurden die Impfungen ausgesetzt ‒ um den Krankenhausbetrieb nicht zu gefährden. Auch am Klinikum Emden kam es nach der Impfung zu Ausfällen des Personals.

Diese Schwierigkeiten sind auch in anderen Bundesländern bekannt. Klinik- oder Dienststellen-Schichten können nicht mehr besetzt werden, weil Geimpfte mit grippeähnlichen Symptomen im Bett liegen. Das sei allerdings normal, heißt es. Nebenwirkungen treten wie bei der Influenza-Impfung auch bei den Vakzinen von BioNTech und Moderna auf. Oft kommt es zu Schmerzen an der Einstichstelle oder eben grippeähnlichen Symptomen, die aber meist innerhalb eines Tages abklingen. AstraZeneca teilte mit, die gemeldeten Reaktionen lägen im Bereich dessen, was die Erkenntnisse der klinischen Studien haben erwarten lassen.

AstraZeneca: Ärzte und Immunologen werben für Impfstoff

Indes bemühen sich Mediziner und Politiker die Zweifel an der Wirksamkeit des AstraZeneca-Impfstoffs zu zerstreuen: Der Impfstoff sei gut und wirksam, betonten der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, und der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Mittwoch für den Impfstoff geworben. „Das Mittel von AstraZeneca ist ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind“, sagte Watzl der „Augsburger Allgemeinen“.

Spritzen und eine Packung mit dem Impfstoff von AstraZeneca liegen im vierten Impfzentrum in Berlin am Flughafen Tegel bereit. Hier werden zu Beginn vor allem Pflegekräfte und medizinisches Personal gegen das Coronavirus geimpft. | Aktuell
Spritzen und eine Impfpackung des Impfstoffs von AstraZeneca. © Kay Nietfeld/dpa

Durch den in Deutschland verlängerten Abstand zwischen erster und zweiter Dosis werde die Wirksamkeit von AstraZeneca mutmaßlich auf 80 Prozent erhöht. Der Impfstoff biete einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, der um ein Vielfaches besser sei als ohne Impfung. Zudem stellte Watzl eine spätere Nachimpfung mit einem mRNA-Vakzin in den Raum: „Man kann die Immunität, die man mit dem Astrazeneca-Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken.

AstraZeneca-Impfstoff: Alles nur ein Kommunikations-Problem?

Die Grünen warfen der Regierung im Zusammenhang mit dem AstraZeneca-Impfstoffmassive Kommunikationsversäumnisse“ vor. Es werde zu wenig erklärt, über die Wirksamkeit des Impfstoffes würden „Schauergeschichten“ erzählt. Dabei sei eine Wirksamkeit von 70 Prozent für Impfstoffe keine Seltenheit, sagte die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche der „Welt“. Der Linke-Gesundheitspolitiker Achim Kessler forderte in derselben Zeitung Freiheit bei der Wahl des Impfstoffs ‒ vorausgesetzt, es sei genug Impfstoff für alle vorhanden. Auch Weltärztebund-Chef Montgomery hatte eine Auswahlmöglichkeit gefordert, um die Impfbereitschaft hoch zu halten.

Indes rief Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, seine Kollegen dazu auf, sich mit dem AstraZeneca-Vakzin impfen zu lassen: „Sie schützen damit sich selbst und andere.“ Der Impfstoff schütze wie die Vakzine von Biontech und Moderna „nachweislich vor Ansteckung, und es verringert das Risiko schwerer und tödlicher Verläufe“, betonte der Ärztepräsident. Um das Vertrauen der Bürger in die Corona-Schutzimpfung zu stärken, sollten Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sich bald impfen lassen, schlug FDP-Fraktionsvize Michael Theurer gegenüber „Bild“ vor: „Es wäre sicherlich ein sehr positives Signal, wenn sich Bundeskanzlerin und Bundespräsident zeitnah öffentlich impfen lassen würden. Das wirkt vertrauensbildend.

Impfstoff von AstraZeneca: Gesundheitsminister Lucha gegen „Wunschkonzert“

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) bescheinigte dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca im SWR einen „hervorragenden Leumund“. Auch habe er gar kein Verständnis dafür, wenn sich Menschen damit nicht impfen lassen würden. Das Vakzin von AstraZeneca sei „absolut hochwertig“, habe einen hohen Wirkungsgrad und eine ausgesprochen gute Forschungs- und Zulassungslage.

Dass der Impfstoff als Vektor-Impfstoff Nebenwirkungen wie leichte grippale Infekte habe, dass sei bekannt. Zweifel aber an der Wirksamkeit und der Sinnhaftigkeit bestünden nicht. Auch sei AstraZeneca leichter einsetzbar und lagerbar. Insgesamt könnten wir froh sein, überhaupt so wirksame Impfstoffe zu haben, erklärte Lucha. Es gehe nicht darum, welches Wunschkonzert wir jetzt gerne hätten. (rmx mit dpa)

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