HEIDELBERG24-Umfrage

AstraZeneca-Impfung: Geimpfte über Nebenwirkungen – „Meinen Körper noch nie so erlebt“

Der AstraZeneca-Impfstoff ist sehr umstritten. Drei Geimpfte berichten nun über ihre Nebenwirkungen und Eindrücke nach der Spritze:

AstraZeneca ist neben dem Vakzin Johnson & Johnson der meistdiskutierte Corona-Impfstoff. Zuerst wurde die Wirksamkeit des Vakzins kritisiert, danach folgten Meldungen über zahlreiche Nebenwirkungen. Als der erste Todesfall einer Krankenschwester in Österreich gemeldet wurde, fing die Diskussion um den Corona-Impfstoff erst richtig an. Der Grund für ihren Tod war eine Hirnvenen-Thrombose, die durch den AstraZeneca-Impfstoff verursacht wurde. Nachdem auch Menschen in Deutschland kurz nach der Coronavirus-Impfung gestorben sind, wurde ein AstraZeneca-Stopp ausgerufen, der jedoch nur von kurzer Dauer war.

Kurz darauf ruderte die Ständige Impfkommission (Stiko) zurück – der Wirkstoff wird nun nur noch für Personen über 60 Jahren empfohlen. Grund: Von den 31 bekannten Thrombose-Erkrankten sind die meisten unter 60 Jahre alt. Die EMA argumentierte hingegen, dass der Vorteil der Corona-Impfung den Risiken einer sehr seltenen Thrombose-Erkrankung überwiege. In Deutschland wird die Empfehlung der Stiko aber trotzdem beibehalten.

UnternehmenAstraZeneca
HauptsitzCambridge, Vereinigtes Königreich
Corona-ImpfstoffVaxzevria

Corona-Impfstoff: AstraZeneca hat die meisten Nebenwirkungen

Neben den Thrombose-Fällen gibt es noch weitere Nebenwirkungen, die durch eine AstraZeneca-Impfung ausgelöst werden können. Wie das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Frankfurt am Main Anfang April berichtete, haben von rund 2,9 Millionen AstraZeneca-Geimpften 17.170 Nebenwirkungen zu beklagen, 1.375 davon leiden an schweren Reaktionen. Das sind 0,58 Prozent der Geimpften.

Zum Vergleich: Mit dem Impfstoff von BioNTech und Pfizer sind im gleichen Zeitraum über 10 Millionen Menschen geimpft worden und 12.409 hatten Nebenwirkungen. Das entspricht 0,12 Prozent. Bei Moderna liegt der Wert bei 0,16. Laut PEI zählen zu den häufigsten Nebenwirkungen nach einer AstraZeneca-Impfung grippeähnliche Symptome, Schüttelfrost, Fieber, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Impfstelle und Gliederschmerzen.

Corona-Impfstoff: Wie schlimm sind die Nebenwirkungen nach AstraZeneca-Impfung? Geimpfte berichten

Doch wie schlimm sind die Nebenwirkungen nach einer Impfung mit AstraZeneca? HEIDELBERG24 hat mit drei Bewohnern der Metropolregion Rhein-Neckar über ihre Impfung mit dem Wirkstoff des britisch-schwedischen Pharmaunternehmens gesprochen. Alle haben eine Erstimpfung mit AstraZeneca erhalten, für die Zweitimpfung erhalten sie ein anderes Vakzin.

Umfrage: AstraZeneca-Impfstoff – Angst der Menschen nachvollziehbar?

Jennifer (34) macht sich trotz der negativen Schlagzeilen um AstraZeneca wenig Sorgen vor der Impfung. „Ich male nicht den Teufel an die Wand und sehe das sehr gelassen“, sagt sie. Die Erzieherin könne aber verstehen, warum so viele Menschen besorgt sind und Angst vor dem AstraZeneca-Impfstoff haben. Es würde zu viel Negatives darüber berichtet werden. Jennifer leidet nach der Impfung an mehreren Nebenwirkungen. So hat sie Glieder- und Kopfschmerzen, ist abgeschlagen und müde. Nichtsdestotrotz würde sie sich wieder impfen lassen. Wenn sie aber die Wahl hätte, dann lieber mit BioNTech.

Umfrage: AstraZeneca-Impfstoff – „Leute sollten mehr Angst vor dem Problem als vor der Lösung haben“

Oscar (29) macht keine schlechten Erfahrungen mit AstraZeneca. Er leidet lediglich an einem „leicht verkaterten Oberarm“, wie er im Interview mit HEIDELBERG24 beschreibt. Er würde sich auf jeden Fall wieder impfen lassen – auch mit AstraZeneca. Der 29-Jährige kann das ganze Wirrwarr um den Impfstoff nicht wirklich nachvollziehen: „Zwei bestätigte Fälle sind kein Beinbruch“, vergleicht Oscar die schweren Krankheitsfälle mit den Vorteilen einer Impfung. „Die Leute sollten mehr Angst vor dem Problem als vor der Lösung haben“, erklärt er. Übrigens: Alle Befragten geben zu, dass sie einen Corona-Test als unangenehmer empfinden als eine Impfung.

Umfrage: AstraZeneca-Impfstoff – „So habe ich meinen Körper noch nie erlebt“

Lisa-Marie ist 26 Jahre alt. Die Jüngste unter den Befragten leidet an den heftigsten Nebenwirkungen nach der AstraZeneca-Spritze. Rund fünf Stunden nach der Impfungen setzen die Symptome ein. Zunächst bekommt die Erzieherin Schüttelfrost. „Ich war schon oft krank und auch mal schwerer, aber so habe ich meinen Körper noch nie erlebt“, gibt Lisa-Marie zu. „Der Schüttelfrost hat einige Stunden angehalten, dabei war mir total warm und danach wieder eiskalt. Ich habe im Stirn Bereich zwei Tage lang Kopfschmerzen gehabt“, sagt sie weiter. „Ein Tag nach der Impfung fühlte mich schlapp, bekam den ganzen Tag Gänsehaut, das Fieber stieg und sank immer wieder und meine Nieren taten leicht weh. Außerdem hatte ich immer wieder Schweißausbrüche. Die Einstichstelle tat minimal weh und der Arm war ein wenig schwer.“

Schon am nächsten Tag verschwinden die Nebenwirkungen. Allerdings halten die Kopfschmerzen noch an und die Einstichstelle tut insgesamt zwei Wochen weh. „Obwohl die Impfung jetzt schon so lange her ist, habe ich manchmal das Gefühl, dass die Einstichstelle am Arm zieht, und sobald ich darauf liege und drankomme, ein Druckgefühl auslöst. Aber das ist selten und tritt willkürlich auf“, so die 26-Jährige weiter.

Die Ludwigshafenerin war zunächst nicht begeistert davon, dass Erzieher in Rheinland-Pfalz nur den AstraZeneca-Impfstoff erhalten. Nach der Erstimpfung würde sie gerne aber bei diesem Impfstoff bleiben, „da ich kein Versuchskaninchen bin und keinen anderen möchte. Ich weiß nicht, wie mein Körper darauf reagiert“, gibt sie ehrlich zu.

Umfrage: Corona-Impfstoff – „Gefühl von Hoffnung gespürt“

Lisa-Marie ist trotzdem davon überzeugt, dass der Nutzen der Corona-Impfung überwiege. „Laut Ärzte-Blättern sind schlimmere Komplikationen nach jeglichen Impfungen möglich“, vergleicht sie. Die 26-Jährige kann zwar die Ängste vieler Noch-Nicht-Geimpften verstehen, aber sie empfiehlt auf jeden Fall eine Corona-Impfung – um dem Ende der Pandemie näherzukommen. „Trotz des ganzen Hin und Hers und Negativ-Schlagzeilen über Astra habe ich während meiner Impfung ein Gefühl von Hoffnung gespürt. Dass wir vielleicht dieses Jahr an Weihnachten wieder alle zusammensitzen können, ohne begrenzte Personen Zahl, ohne Abstand und ohne Maske. Ich hoffe wirklich, dass dies umzusetzen ist und appelliere an die anderen: Lasst euch impfen, besprecht es vorher mit eurem Arzt, wenn ihr Zweifel habt. Aber lasst uns zusammen diese Pandemie bezwingen um endlich wieder normal leben zu können!“ (jol) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare