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Mordfall Ayleen (†14): Wie sich der mutmaßliche Täter aus der Überwachung klagte

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Von: Daniel Hagen

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Nach dem Mord an Ayleen A. ermittelt die Polizei gegen einen Mann, der zehn Jahre lang in der Psychiatrie untergebracht war. Ein Gericht verrät, warum er nicht mehr überwacht wurde.

Wie konnte es nur so weit kommen, dass die 14-jährige Ayleen A. aus Gottenheim auf so tragische Weise getötet worden ist? Diese Frage stellen sich nicht nur die Ermittler von Polizei und Staatsanwaltschaft, sondern auch zahlreiche Menschen im ganzen Land. Vor allem, seit bei einer Pressekonferenz die Lebensumstände des mutmaßlichen Mörders ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wurden, wächst die Kritik.

Ayleen in Hessen ermordet: Massive Kritik an hessischer Justiz

So erklären Polizei und Staatsanwaltschaft kurz nach dem Fund von Ayleens Leiche, dass der Tatverdächtige – ein 29-Jähriger aus Hessen – insgesamt zehn Jahre seines Lebens in einer Psychiatrie untergebracht war. Er soll im Alter von 14 versucht haben, eine Elfjährige zu vergewaltigen. Jetzt wird ihm vorgeworfen, Ayleen A. am Donnerstag (21. Juli) ermordet zu haben.

Ob die Jugendliche freiwillig mit dem Mann mitgefahren ist und ob es zu einem sexuellen Übergriff gekommen ist, ist derzeit noch unklar. Laut der Polizei schweige der Verdächtige zu den Vorwürfen. Es gibt allerdings weitere schwere Vorwürfe, dass der 29-Jährige bereits im April eine andere Jugendliche belästigt haben soll.

Mutmaßlicher Mörder von Ayleen stand unter Führungsaufsicht

Nach allem, was bislang über Ayleens mutmaßlichen Mörder bekannt geworden ist, erntet die hessische Justiz viel Kritik. Wie konnte eine solche Person nach zehn Jahren in der Psychiatrie einfach so frei herumlaufen? Dazu hat sich am Donnerstag (4. August) das Landgericht Limburg geäußert.

So sei der 29-Jährige nach seiner Entlassung im Jahr 2017 noch mehrere Jahre lang unter Führungsaufsicht gestanden. Das bedeutet, dass er auch weiterhin von Bewährungshelfern kontrolliert und überwacht wurde. Ziel dieses Vorgehens ist laut dem Justizministerium Hessen die „Wiedereingliederung straffällig gewordener Personen“.

Mordfall Ayleen: Mutmaßlicher Täter klagte gegen lebenslange Überwachung

Nach der Haftentlassung 2017 hat das Amtsgericht Frankenberg (Eder) die Dauer der Führungsaufsicht auf drei Jahre festgelegt. Das Amtsgericht Wetzlar verlängert die Aufsicht im Januar 2020 sogar auf unbegrenzte Zeit! Weil Ayleens mutmaßlicher Mörder dagegen aber Beschwerde einlegt, wird die Dauer der Aufsicht nur von drei auf fünf Jahre verlängert.

„Die sehr strengen Anforderungen an eine unbefristete - also auf lebenslange Dauer angelegte - Führungsaufsicht wurden zum damaligen Zeitpunkt der Entscheidung nicht als gegeben angenommen, die Führungsaufsicht wurde aber auch nicht beendet“, erklärt ein Sprecher des Landgerichts Limburg. Laut Paragraf 68c des Strafgesetzbuches (StGB) ist eine solche Verlängerung über fünf Jahre hinaus nur dann angebracht, wenn eine Gefährdung der Allgemeinheit durch weitere Verbrechen zu befürchten wäre.

Vermisste 14-Jährige aus Baden-Württemberg ist tot
Nach dem Mord an Ayleen werden Blumen in Ottenheim niedergelegt. © Philipp von Ditfurth/dpa

Ayleens mutmaßlicher Mörder seit Januar 2022 ohne Führungsaufsicht

Die zuständige Kammer habe aber als milderes Mittel die Führungsaufsicht auf die laut Paragraf 68c des StGB möglichen „höchstens fünf Jahre“ angehoben, da der heute 29-Jährige weiter unter Aufsicht stehen sollte. Anschließend sei die Kammer nicht mehr mit dem Fall befasst gewesen. Der Frage, ob das Verhalten des Mannes eine unbefristete Führungsaufsicht rechtfertigt, ist man also nicht mehr nachgegangen!

Da also niemand der Aufhebung der Führungsaufsicht widersprochen habe, ist der mutmaßliche Mörder ab dem 25. Januar 2022 nicht mehr überwacht worden. Für eine Entfristung habe es laut dem Sprecher des Landgerichts Limburg keinen Anlass gegeben. Der 29-Jährige sei in der Zeit seiner Überwachung zwar wegen Diebstahls und Verkehrsdelikten aufgefallen, nicht aber wegen Sexualdelikten. (dh mit dpa)

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