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2G in BW: Aktuelle Zahlen – Schock-Inzidenz unter Ungeimpften

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Von: Florian Römer

Baden-Württemberg - Die Infektionszahlen im Südwesten steigen ‒ die Corona-Pandemie spielt sich zunehmend unter Ungeimpften ab, zeigen aktuelle Inzidenz-Zahlen des Gesundheitsamts:  

Auch wenn die 7-Tage-Inzidenz in Baden-Württemberg laut RKI erstmals seit einigen Tagen wieder leicht rückgängig ist, geht der Trend bei den Neuinfektionen in den kommenden Wochen wohl weiter nach oben. Auch in den Intensivstationen macht sich der Anstieg bemerkbar: Vor 14 Tagen wurden 58 Menschen in den baden-württembergischen Krankenhäusern intensivmedizinisch behandelt. Diese Zahl hat sich mittlerweile mehr als verdoppelt: Nach Angaben des Divi-Intensivregisters liegen inzwischen 136 Erwachsene mit Covid-19 auf Intensivstationen (Stand: 3. September), 60 müssen invasiv beatmet werden. Auch diese Zahl dürfte künftig wieder steigen. In einer Woche könnten bereits 300 Corona-Patienten auf Intensivstationen behandelt werden, prognostizieren Berechnungen des Landesgesundheitsamts.

2G in Baden-Württemberg: Was bedeutet die Knallhart-Regel für Ungeimpfte?

Damit die Intensivstationen nicht mit Covid-Patienten „voll laufen“, will die Landesregierung die Corona-Maßnahmen an das 2G-Modell anpassen. In Hamburg gilt die 2G-Regel seit dem Wochenende ‒ Restaurants, Bars oder Veranstaltungen stehen nur noch Geimpften oder Genesenen offen, sofern sich der Betreiber nicht dagegen entscheidet. In Baden-Württemberg denkt man derweil über neue Corona-Einschränkungen für Ungeimpfte nach. Eine entsprechende Verordnung könne noch diese Woche in Kraft treten, heißt es. Abhängig von der Zahl der Corona-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung würden dann „Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene“ gelten, erklärt Uwe Lahl, Amtschef des Gesundheitsministeriums in Stuttgart. Erste Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte könnten demnach schon greifen, „wenn 200 bis 250 Intensivbetten belegt sind“.

BundeslandBaden-Württemberg
Einwohnerzahl11,07 Millionen (2019, Eurostat)
LandeshauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

2G in Baden-Württemberg für Gesundheitsminister Lucha „richtiger Schritt“

Als einen Grund für die Zunahme an Corona-Fällen durch die hochansteckende Delta-Variante sehen Experten die Zahl der Ungeimpften im Land. Deutschlandweit gelten über 50 Millionen Bürger (60,5 %) als voll geimpft (Stand: 30. August). 54,168 Millionen Bundesbürger haben zumindest eine Impfdosis erhalten. In Baden-Württemberg liegt die Quote der Vollgeimpften mit 59,5 Prozent unter dem Bundesschnitt. Ungeimpfte haben nicht nur ein höheres Risiko für eine Ansteckung, sondern auch für einen schwereren Krankheitsverlauf.

Deshalb sei die 2G-Regel der „richtige Schritt“, bekräftigt Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) am Dienstag (31. August) im Radiosender „SWR Aktuell“. Jeder der sich nicht impfen lasse, gefährde die medizinische Versorgung aller. Wenn die Intensivstationen wieder mit Covid-Patienten belegt wären, könnten Notfälle wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle möglicherweise wegen der Überlastung des Personals nicht mehr behandelt werden. „Wir haben es aufgebraucht, wir haben es „verbrannt“, um es mal drastisch zu sagen, nur weil manche zu bequem sind, zum Impfen zu gehen.

Vor einer Bar im Hamburger Stadtteil St. Georg steht ein Hinweisschild, welches auf den Einlass nach der 2G-Regel hinweist. Die in Hamburg eingeführte 2G-Regel besagt, dass nur noch Geimpfte und Genesene die jeweiligen Betriebe betreten dürfen. | Aktuell
In Hamburg gilt die 2G-Regel bereits. © Axel Heimken/picture alliance/dpa - Bildfunk

Zu Hochzeiten der zweiten und dritten Welle im Winter und Frühjahr war über ein Viertel der Intensivbetten im Ländle mit Corona-Patienten belegt. Damals lagen über 600 Covid-Patienten auf Intensivstationen. Um einer Überlastung des Gesundheitssystems vorzubeugen, sollen laut Experten aber maximal 300 Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut werden. „Die 600 waren unzumutbar und unerträglich“, betont Lahl.

2G in BW: „Pandemie der Ungeimpften“ ‒ Inzidenz fast 12 mal höher

Geht man nach den aktuellen Zahlen des Landesgesundheitsamts (LGA), spielen sich die Neuinfektionen tatsächlich zunehmend unter Ungeimpften ab: Laut Landesgesundheitsamt wurden am Montag (30. August) 604 neue Corona-Fälle registriert, die 7-Tage-Inzidenz liegt in Baden-Württemberg bei 77,9. Erstmals führt das LGA aber auch die Inzidenzen für Geimpfte und Ungeimpfte gesondert auf.

Und da zeigt sich, dass die Impfstoffe offensichtlich eine Schutzwirkung haben: Während die 7-Tage-Inzidenz für Corona-Infektionen bei „Vollgeimpften“ bei 14,8 beträgt, haben Ungeimpfte eine fast zwölf Mal höhere Inzidenz: Der Covid-19-Tagesbericht verzeichnet für „Ungeimpfte, nicht vollständig geimpfte COVID-19 Fälle und Fälle ohne Angaben zum Impfstatus“ eine 7-Tage-Inzidenz von 170,6! Inzwischen gebe es eine „Pandemie der Ungeimpften“, kommentiert Gesundheitsminister Lucha.

Ein Faktor in den steigenden Fallzahlen ist aber auch die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche bis 12 Jahre noch von der Impfung ausgeschlossen sind. Erst kürzlich empfahl die Stiko auch Impfungen für Jugendliche ab 12. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen (0-19 Jahre) unter den Neuinfektionen liegt in den vergangenen sieben Tagen bei 25 Prozent. Dennoch werden die Regeln für Schulen und Kitas von der Inzidenz entkoppelt. In der Altersgruppe über 60 Jahre liegt der Anteil der Infizierten derweil bei 7 Prozent. (rmx mit Material von dpa) Quellen: Divi-Intensivregister, Covid-19-Tagesbericht vom 30. August

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