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Baden-Württemberg: Dehoga klagt über zunehmende Gewalt – „Wir werden zum Prellbock“

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Von: Daniel Hagen

Lage im Gastgewerbe
Die Dehoga klagt über zunehmende Gewalt gegen Servicekräfte. (Symbolfoto) © Christoph Schmidt/Arne Dedert/dpa

Baden-Württemberg - Seit dem Tankstellen-Mord in Idar-Oberstein haben Drohungen von Maskenverweigerern zugenommen. Laut Dehoga belastet solches Verhalten das Servicepersonal sehr.

Schließungen, Schulden und Anfeindungen: Seit Beginn der Corona-Pandemie müssen sich Servicepersonal und Besitzer von Restaurant, Bars oder Hotels so einiges gefallen lassen. Über Monate hinweg dürfen sie keine Gäste aufnehmen oder bewirten, was zu finanziellen Belastungen führt. Seit kurzem dürfen zwar wieder Kunden versorgt werden, jedoch nur nach Abfrage des G-Status (Geimpft, Genesen, Getestet), mit Reservierungen und unter strengen Hygiene- und Coronamaßnahmen. Zwar kommt dadurch mittlerweile wieder Geld ins Haus, ein anderes Problem belastet Inhaber und Beschäftigte aber sehr – das Aufkommen von verbaler und physischer Gewalt!

NameDEHOGA Baden-Württemberg
AdresseAugustenstraße 6, 70178 Stuttgart
GeschäftsführerinMelanie von Görtz

Baden-Württemberg: Dehoga klagt über zunehmende Gewalt – „Wir werden zum Prellbock“

„Wir werden zum Prellbock der gesellschaftlichen Impfdiskussion in all ihren Auswüchsen“, erklärt Melanie von Görtz, Geschäftsführerin Dehoga Baden-Württemberg, auf HEIDELBERG24-Anfrage. Der Deutsche Hotel und Gaststättenverband (Dehoga) kümmert sich seit 1994 um die Interessen von Hotellerie und Gastronomie gegenüber Politik, Medien und Verwaltung. Zwar gebe es keine belastbaren Zahlen der Vorfälle, man habe aber einzelne Fälle von „mehr oder minder höflich“ vorgetragener Beschwerden erfasst. Seit einigen Wochen habe Melanie von Görtz aber den Eindruck einer Häufung. Für die Betroffenen sei das „sehr belastend“.

„Die Mehrheit der Gäste hat dafür Verständnis, und manche begrüßen die Abfrage, weil sie dadurch ein besseres Sicherheitsgefühl haben. Aber leider häufen sich bei unserem Verband Rückmeldungen über unerfreuliche Diskussionen mit Gästen, die kein Verständnis für die Abfrage ihres G-Status haben. Das führt zu teilweise sehr unerfreulichen Diskussionen und geht bis hin zu persönlichen Anfeindungen“, beschreibt die Geschäftsführerin die aktuelle Situation im Eingangsbereich von Gaststätten und Hotels. In einem besonders schweren Fall habe eine erboste – und zuvor abgelehnte – Kundin sogar „mit Mühe“ davon abgehalten werden müssen, einen Stein in Richtung des Ladens zu werfen.

Baden-Württemberg: Immer mehr „Trittbrettfahrer“ nach Mord in Idar-Oberstein

Doch seit dem 18. September gibt es in Deutschland eine neue Form der Gewalt gegen Servicekräfte und Betreiber, die über Beschimpfungen und fast geworfene Steine hinausgeht. In Idar-Oberstein wird an diesem Tag ein 20-jähriger Tankstellen-Angestellter ermordet. Der mutmaßliche Täter gesteht die Tat und gibt an, dass er ein „Zeichen“ setzen wollte, weil er sich von den Corona-Maßnahmen bedrängt gefühlt habe. Das Opfer hat den Mann mehrfach aufgefordert, seine Maske aufzusetzen.

Bewaffneter erschießt Angestellten einer Tankstelle
In Idar-Oberstein wird ein 20-Jähriger in einer Tankstelle ermordet. © Christian Schulz/dpa

Seitdem sind mehrere Fälle bekannt geworden, in denen Maskenverweigerer mit tödlicher Gewalt drohen, wenn sie auf ihre Maske angesprochen werden. In einem Zug bei Bad Kreuznach greift eine Frau ohne Mund-Nasen-Schutz sogar ohne jeden Grund eine Reisende mit den Worten „Sie gehören ebenfalls abgeknallt“ an! Weitere Vorfälle aus Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind ebenfalls bekannt geworden. Die Polizei will gegen solche „Trittbrettfahrer“ nun hart vorgehen.

Baden-Württemberg: Das rät Dehoga-Geschäftführerin

„Wenn’s Probleme gibt, sollte man deutlich machen, dass die Betriebe und Beschäftigten des Gastgewerbes der komplett falsche Adressat für Grundsatz-Kritik an den Anti-Corona-Maßnahmen sind. Die kommen von der Regierung, nicht von den Betrieben oder deren Beschäftigten – aber die sind eben rechtlich verpflichtet, sie umzusetzen! Die meisten Gäste – auch viele kritisch eingestellten – akzeptieren das“, sagt Melanie von Görtz auf die Frage, was sie Servicekräften und Inhabern für solch aufgeheizte Situation raten würde. (dh)

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