„Lage wird sich entspannen“

Corona: Schock bei Impf-Ranking – so mies schneidet Baden-Württemberg ab

Baden-Württemberg liegt im Impf-Ranking bundesweit ganz hinten. Bislang haben sich über 100.000 Bürger gegen Corona impfen lassen. Allerdings hindern Lieferengpässe die weiteren Impfungen:

  • Am 27. Dezember wurde erstmals in Baden-Württemberg eine Person gegen das Coronavirus geimpft.
  • Seither haben sich 100.163 Menschen im Bundesland impfen lassen (Stand 16. Januar).
  • Baden-Württemberg hinkt deutschlandweit mit den Impfungen hinterher.

Am 27. Dezember 2020 haben sich in Deutschland die ersten Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen. Damit begann man die ersten Schritte auf einem langen Weg zurück zur Normalität. Denn nur mit einer flächendeckenden Impfung kann die Corona-Pandemie beendet werden. Bislang steht der Impfstoff von BionTech und Pfizer der Bevölkerung zur Verfügung, weitere Firmen werden aber im Laufe der Zeit noch folgen. Während sich allerdings überall in Deutschland die Menschen impfen lassen, kommt Baden-Württemberg als einziges Bundesland nur langsam voran.

Coronavirus in Baden-Württemberg: Bundesland ist Schlusslicht im Impf-Ranking

Das Robert-Koch-Institut veröffentlicht regelmäßig den aktuellen Stand der Corona-Impfungen in Deutschland und listet hierfür die einzelnen Bundesländer auf. Seit Impfstart haben sich über eine Million Menschen bundesweit gegen Covid-19 geimpft. Was dabei auffällt: Baden-Württemberg schneidet dabei am schlechtesten ab.

Am Freitag (16. Januar) lag die Impfquote der durchgeführten Corona-Impfungen pro 1.000 Bewohner bei nur 9,0. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Quote im Schnitt bei 12,6. In Mecklenburg-Vorpommern befindet sich der Wert sogar bei über 23.

Laut Robert-Koch-Institut wurden in Baden-Württemberg bislang nur 100.163 Menschen gegen Corona geimpft – dabei hat das Bundesland die drittgrößte Bevölkerung mit rund 11 Millionen Einwohnern. Doch warum ist das so?

Corona-Impfung in Baden-Württemberg: Lieferengpässe bei Impfdosen von BioNTech und Pfizer

Der Rückstand der Corona-Impfungen in Baden-Württemberg könnte unter anderem an den Lieferengpässen von Pfizer und BioNtech liegen. Die Unternehmen teilten mit, dass wegen Umbauten die Liefermenge für die nächsten drei bis vier Wochen nicht eingehalten werden kann. Deshalb fehlt es nun überall an Impfstoff.

Baden-Württemberg hat sich bewusst dazu entschieden, die Hälfte der Lieferungen für die Zweitimpfung zurückzuhalten. Unser Ziel ist es, dass jeder, der einen Termin vereinbart, auch wirklich die notwendige Erst- und Zweitimpfung erhält, obwohl unsere Impf-Infrastruktur deutlich mehr zulässt. Baden-Württemberg setzt auf Sicherheit und Zuverlässigkeit“, sagt Gesundheitsminister Manne Lucha dazu. Die nächste Lieferung des Corona-Impfstoffes soll voraussichtlich am 21. Januar in Baden-Württemberg ankommen.

Je mehr Impfstoff wir zur Verfügung haben, desto mehr Menschen erhalten Termine. Wir in Baden-Württemberg stehen bereit. Die Infrastruktur ist da, tausende Ärzte, medizinische Fachangestellte und Freiwillige stehen bereit, um diese wirklich historische Aufgabe zu stemmen – eine ganze Bevölkerung zu impfen. Die Impfung bleibt freiwillig! Momentan ist die Nachfrage aber viel größer als das Angebot. Ich verstehe die Enttäuschung all jener, die jetzt noch nicht zum Zug kommen, weil die Termine so schnell vergriffen sind. Bitte haben Sie noch etwas Geduld, die Lage wird sich entspannen. Bis dahin müssen wir alle achtsam miteinander sein und die strengen Corona-Regeln einhalten. Und seien Sie versichert: Jeder Impfstoff, der hier in Baden-Württemberg ankommt, wird sofort vergeben“, appelliert Lucha in Stuttgart.

Manne Lucha erklärt, dass es keine Impfpflicht geben wird. (Archivfoto)

Corona-Impfung in Baden-Württemberg: Wer wird zuerst geimpft?

In Baden-Württemberg können täglich rund 6.500 Menschen geimpft werden. Neben den Impfzentren in Städten gehen ab dem 22. Januar auch Kreisimpfzentren an den Start. Zunächst werden Bürger im Alter von über 80 Jahren sowie ärztliches und pflegerisches Personal gegen Corona geimpft. „Allein diese Personengruppe macht bei uns im Land rund 1 Million Menschen aus, die derzeit impfberechtigt sind“, erklärt der baden-württembergische Gesundheitsminister und fügt hinzu: „selbstverständlich würden wir gerne allen Bürgerinnen und Bürgern ein sofortiges Impfangebot machen, doch die Menge an verfügbarem Impfstoff reicht leider dafür noch nicht aus. Ich bin optimistisch, dass mit den neuen Zulassungen von Moderna und in Kürze wohl auch von Astrazeneca und Johnson & Johnson etwas Entspannung eintritt.“

Wer wird zuerst geimpft – alle Personengruppen auf einen Blick

  • Gruppe 1: Personengruppen mit höchster Priorität
  • Personen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege älterer oder pflegebedürftiger Menschen behandelt, betreut oder gepflegt werden oder tätig sind.
  • Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig ältere oder pflegebedürftige Menschen behandeln, betreuen oder pflegen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem sehr hohen Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus tätig sind.
  • Personen, die in medizinischen Einrichtungen regelmäßig Personen behandeln, betreuen oder pflegen, bei denen ein sehr hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht.
  • Gruppe 2: Personen mit hoher Priorität:
  • Personen, die das 70. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, bei denen ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht: Personen mit Trisomie 21, Personen mit einer Demenz oder mit einer geistigen Behinderung, Personen nach Organtransplantation.
  • eine enge Kontaktperson von pflegebedürftigen oder von schwangeren Personen.
  • Personen, die in stationären Einrichtungen zur Behandlung, Betreuung oder Pflege geistig behinderter Menschen tätig sind oder im Rahmen ambulanter Pflegedienste regelmäßig geistig behinderte Menschen behandeln, betreuen oder pflegen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit einem hohen oder erhöhten Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus tätig sind.
  • Polizei- und Ordnungskräfte, die in Ausübung ihrer Tätigkeit zur Sicherstellung öffentlicher Ordnung, insbesondere bei Demonstrationen, einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.
  • Personen, die im öffentlichen Gesundheitsdienst oder in besonders relevanter Position zur Aufrechterhaltung der Krankenhausinfrastruktur tätig sind.
  • Personen, die in Einrichtungen nach § 36 Absatz 1 Nummer 3 oder 4 des Infektionsschutzgesetzes untergebracht oder tätig sind.
  • Gruppe 3: Personen mit erhöhter Priorität
  • Personen, die das 60. Lebensjahr vollendet haben.
  • Personen, bei denen ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht: Personen mit Adipositas (Personen mit Body-Mass-Index über 30).
  • Personen mit chronischer Nierenerkrankung.
  • Personen mit chronischer Lebererkrankung.
  • Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion.
  • Personen mit Diabetes mellitus, Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arterieller Hypertension.
  • Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen oder Apoplex.
  • Personen mit Krebserkrankungen.
  • Personen mit COPD oder Asthma bronchiale.
  • Personen mit Autoimmunerkrankungen oder rheumatischen Erkrankungen.
  • Personen, die in besonders relevanter Position in staatlichen Einrichtungen tätig sind, insbesondere in den Verfassungsorganen.
  • In den Regierungen und Verwaltungen, bei den Streitkräften, bei der Polizei, beim Zoll, bei der Feuerwehr, beim Katastrophenschutz einschließlich Technisches Hilfswerk und in der Justiz.
  • Personen, die in besonders relevanter Position in weiteren Einrichtungen und Unternehmen der kritischen Infrastruktur tätig sind, insbesondere im Apothekenwesen, in der Pharmawirtschaft, in der Ernährungswirtschaft, in der Wasser- und Energieversorgung, in der Abwasserentsorgung und Abfallwirtschaft, im Transport- und Verkehrswesen sowie in der Informationstechnik und im Telekommunikationswesen.
  • Personen, die in Bereichen medizinischer Einrichtungen mit niedrigem Expositionsrisiko in Bezug auf das Coronavirus SARS-CoV-2 tätig sind, insbesondere in Laboren, und Personal, welches keine Patientinnen oder Patienten mit Verdacht auf Infektionskrankheiten betreut.
  • Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind.
  • Personen, die als Erzieher oder Lehrer tätig sind.
  • Personen, mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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