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Corona in Baden-Württemberg: „Existenzieller Fehler“ – Ministerin Eisenmann wettert gegen Schul-Maßnahmen

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Von: Daniel Hagen

Baden-Württemberg - Die Bundesregierung beschließt die Corona-Maßnahmen für Dezember. Auch Schulen und Ferien sind davon betroffen. Kritik kommt von Ministerin Eisenmann.

Nach mehreren Stunden Sitzung zwischen Angela Merkel und ihren Ministern verkündet die Bundeskanzlerin, wie die Corona-Maßnahmen im Dezember fortgeführt werden sollen. Wenig überraschend wird der „Lockdown-Light“ noch bis ans Jahresende weitergeführt. Für die Feiertage Weihnachten und Silvester werden die Regeln etwas gelockert, um mit Freunden und der Familie feiern zu können. Feuerwerk zum Jahreswechsel wird es aber nicht geben. Außerdem sollen die Schulen weiter offen bleiben und die Weihnachtsferien verlängert werden. Diese Maßnahme und eine Aussage aus Berlin sorgen dafür, dass die baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann harsche Kritik äußert – auch gegenüber Parteikollegen.

NameBaden-Württemberg
HauptstadtStuttgart
Bevölkerung11,07 Millionen (2019)
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Die Grünen)
Hochschulen und UniversitätenDuale Hochschule Baden-Württemberg, Universität Stuttgart, Universität Heidelberg, Universität Mannheim

Corona in Baden-Württemberg: Ministerin Eisenmann kritisiert Beschlüsse

Schüler und Lehrer müssen aufgrund des Coronavirus aktuell viel ertragen. Maskenpflicht im Unterricht, alle 20 Minuten durchlüften und Unterricht im Home-Office kratzen bei einigen schon an den Nerven. Doch die Bundesregierung beschließt am Mittwoch (25. November) etwas, was bei den Schülern und Lehrern für Aufwind sorgen könnte. Die Weihnachtsferien beginnen im Jahr 2020 bereits am 19. Dezember statt wie geplant ab dem 23. Dezember. Dadurch soll den Schülern genug Zeit bleiben, um sich bis zum Weihnachtsfest selbst in Quarantäne zu begeben und dann mit der Familie zu feiern.

Bei Kultusministerin Susanne Eisenmann sorgt der Entschluss der Bundesregierung aber eher für Kopfschütteln. Zum einen, weil die Schüler in Baden-Württemberg sowieso schon mit dem Lehrstoff hinterherhinken und nun noch weniger Zeit dafür haben. Zum anderen, weil die Kinder zwar länger Ferien haben, die Eltern aber trotzdem noch arbeiten müssen. Damit wird eine Notbetreuung benötigt. „Deshalb glaube ich, dass die Maßnahme nicht wirklich greift, sondern Probleme macht“, erklärt die CDU-Politikerin gegenüber der dpa.

Corona in Baden-Württemberg: Verband warnt vor Scheinsicherheit

Anders als der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann plädiert Susanne Eisenmann eher für eine lokale Lösung. Statt einer landesweiten Regelung könnten einzelne Schulen die Weihnachtsferien dieses Jahr durch bewegliche Ferientage verlängern. In Baden-Württemberg hat jede Schule vier dieser Tage. Die CDU-Politikerin werde aber trotz Bedenken die Beschlüsse von Bund und Ländern umsetzen.

Kritik an den längeren Ferien kommt auch vom Philologenverband Baden-Württemberg. „Wenn die Scheinsicherheit durch
einen früheren Beginn der Weihnachtsferien bei vielen Familien dazu führt, Weihnachten in der gewohnten Form mit Großeltern und Freunden zu feiern, besteht die große Gefahr, dass die Feiertage zu einer großen Corona-Party werden“, sagt der Landesvorsitzende Ralf Scholl. Komplett anderer Meinung ist der Verband Bildung und Erziehung (VBE), der in den längeren Ferien ein Zeichen der Anerkennung für die außerordentliche Leistung der Lehrkräfte sieht.

Corona in Baden-Württemberg: Wechselunterricht – Kretschmann dafür, Eisenmann dagegen

Ein weiterer Streitpunkt zwischen der Bundesregierung und Susanne Eisenmann ist zudem der Wechselunterricht. Dieser sieht vor, dass Schüler teilweise zu Hause und teilweise in der Schule unterrichtet werden. Für die 55-Jährige sei das ein „existenzieller Fehler“. Es gebe auch keine guten Argumente für diese Form des Unterrichts. „Für den Wechselunterricht spricht gar nichts. Es gibt keine inhaltliche Begründung, weder Zahlen noch Fakten“, argumentiert Eisenmann. Bereits zwischen Pfingsten und den Sommerferien ist der Wechselunterricht ausprobiert worden – jedoch ohne Erfolg.

Kultusministerin Susanne Eisenmann
Kultusministerin Susanne Eisenmann kritisiert die Beschlüsse der Bundesregierung. © Christoph Schmidt/dpa

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie die SPD im Landtag sprechen sich jedoch für den Wechselunterricht aus. „Diese Option muss ihnen ermöglicht werden, wenn es das örtliche Infektionsgeschehen erfordert“, sagte SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. Auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann sieht im Wechselunterricht ein legitimes Mittel. So soll bei 200 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in einer Woche die Unterrichtsform angewendet werden. Bislang betroffen wären davon die Stadtkreise Heilbronn, Mannheim, Pforzheim und der Landkreis Tuttlingen.

Corona in Baden-Württemberg: Ministerin Eisenmann macht sich über Vorschlag lustig

Mit ihrer Kritik greift Susanne Eisenmann auch hochrangige Parteikollegen wie den Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier an. Der hat vor kurzem gefordert, dass der Unterricht auch in „Gemeindezentren, Kulturhäusern oder in den ungenutzten Räumen von Gaststätten und Hotels“ stattfinden könnte. So sollen die Schüler mehr Raum haben als in einem Klassenzimmer.

Die Vorschläge, die aus Berlin zu diesen Themen kommen, sind ja durchaus skurril zum Teil - Unterrichten in irgendwelchen Museen oder so etwas“, sagt Susanne Eisenmann zu dem Vorschlag ihres Parteikollegen. Es sei in ihren Augen schon richtig, dass die Bundesländer die Kompetenzen für ihre eigenen Schulen habe. (dpa/dh)

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