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Baukosten 2018 weiter gestiegen: Lohnt sich das Eigenheim noch?

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Einfamilienhaus im Rohbau

Die Kosten für den Wohnungsbau in Deutschland steigen seit vielen Jahren stetig an. Da kommt die Frage auf, ob es sich noch lohnt, ein eigenes Haus zu bauen.

Die Wohnkosten hierzulande steigen über die Jahre hin konstant. Nicht nur beim Wohnen zur Miete geht es immer teurer zur Sache, insbesondere in den letzten paar Jahren sind die Preise für den Bau von Immobilien nochmal enorm gestiegen. Lohnt sich der Traum vom selbst gebauten Eigenheim noch?

Baukosten in Deutschland

Die durchschnittlichen Kosten für den Bau von Immobilien sind hierzulande deutlich teurer, als im Ausland. Besonders durch hohe Baunebenkosten, unter anderem durch Verpflichtungen wie der Eintragung ins Grundbuch katalysiert, werden die Gesamtkosten höher als in Nachbarländern.

Die Preise für Immobilien kennen nur eine Richtung, aufwärts. Im Jahr 2018 sind die Kosten für einen Neubau in der Kategorie Privatwohnsitz nochmals um 4,8 Prozent gestiegen. Das hat einen Effekt sowohl auf große Immobilien-Investoren, als auch auf Privatleute, die ein Eigenheim bauen wollen.

Insgesamt sind die durchschnittlichen Baukosten in den letzten 20 Jahren um fast ein Drittel gestiegen. Dennoch befinden wir uns in einer regelrechten Boom-Phase, was den Immobilienbau angeht, die gesamte Baubranche ist stark ausgelastet. Wohnungsbau ist in Deutschland ein großes Thema, für das der Staat viel Geld in Projekte wie die Wohnraumförderung investiert.

Auch die groß angelegte, staatliche KfW-Förderung soll dabei helfen, den Bestand an modernen Privatimmobilien in Deutschland zu erhöhen. Doch genügen derartige Förderprogramme, um die grundlegend höheren Baukosten auszugleichen, oder ist Wohnen zur Miete die bessere Alternative?

Wo kommen die Kostensteigerungen her?

Die steigenden Preise im Bau und Kauf von Immobilien sind auffallend groß. Vor allem die Baukosten, die noch deutlich stärker als etwa Mietpreise angestiegen sind, können heutzutage abschrecken. Doch wodurch werden die höheren Baukosten begründet? Es gibt mehrere Faktoren, die zusammenkommen, um diese Entwicklung zu erklären.

  • Arbeitskosten: Die Kosten für Baufirmen und Fachkräfte im Handwerk sind enorm gestiegen. Erst 2018 konnten die Gewerkschaften eine erneute Erhöhung des Tariflohns um über 5 Prozent durchsetzen. Während dies natürlich erfreulich für die Handwerker ist, so hat dies spürbare Auswirkungen auf Baupreise. 
  • Ein Bau-Boom: Nicht zuletzt dank der Investitionen des Bundes in Bauvorhaben sind Bauunternehmen stark ausgelastet. Dadurch können sie höhere Preise ansetzen. 
  • Hohe Grundstückspreise: Diese sind ebenso stark angestiegen. Nicht nur erhöht ein teureres Grundstück per se schon den Endpreis. ein teureres Grundstück macht den Bau einer günstigen Immobilie unwahrscheinlicher, da das Verhältnis nicht stimmt. Vor allem in Städten, wo freie Grundstücke extreme Mangelware sind, ist der Durchschnittspreis exorbitant hoch. 
  • Rohstoffpreise: Ein großer Kostenpunkt beim Hausbau sind natürlich die Materialien. Die Preise für Rohstoffe wie Stahl und Beton sind in den letzten Jahren deutlich angestiegen. 
  • Gesetzliche Auflagen: Durch Vorgaben wie die EnEV und andere Klimaschutz-Vorschriften, die zur Installation moderner Anlagen wie Wärmepumpen zwingen oder Auflagen zur Barrierefreiheit werden die Bauvorhaben komplexer und somit teurer. 
  • Grunderwerbssteuer: In fast allen Bundesländern wurde die Grunderwerbssteuer in den Jahren 2017 bis 2017 spürbar erhöht, teilweise mehrmals

Haus bauen: Zu teuer? 

Die durchschnittlichen Kosten werden also durch unzählige verschiedene Faktoren erhöht, was am Ende zu deutlich teureren Immobilien führt, als noch vor nur zehn Jahren. Damit der Vergleich einmal spürbar wird: Im Vergleich zu 2010 Jahren kostete der Hausbau eines kleinen Einfamilienhauses im Jahr 2018 etwa 13,7 Prozent mehr Geld. In konkreten Zahlen: Hätte man vor neun Jahren noch 183.800 Euro angesetzt, so hätten sich die Gesamtkosten für eine vergleichbare Immobilie letztes Jahr auf 209.000 Euro belaufen. Die Unterschiede sind also schon innerhalb eines Jahrzehnts mehr als deutlich spürbar. 

Bedeutet das jedoch, dass der Selbstbau nicht mehr rentabel ist? In Deutschland haben wir im internationalen Vergleich ohnehin schon hohe Baukosten, die nicht zuletzt durch höhere Nebenkosten entstehen.

Wann lohnt sich ein Eigenbau noch? 

Grundsätzlich gibt es auf diese Frage keine pauschale Antwort. Da der Hausbau bis heute ein besonderer individueller Traum vieler ist, hängen damit mehr Faktoren zusammen, als nur das Finanzielle, obwohl es üblicherweise die größte finanzielle Entscheidung ist, die die meisten Menschen in ihrem Leben treffen. 

Es gibt viele Faktoren, die auch heute noch für einen Bau sprechen: 

  • Moderne Niedrigenergie-Standards: Da diese bei Neubauten schon selbstverständlich sind, sparen die auf Dauer natürlich viel Geld. Außerdem kosten auch Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen ebenso wie der Neubau mehr, als noch vor ein paar Jahren. Wer Bestandsgebäude kauft kommt daher nicht unbedingt um die hohen Kosten diesbezüglich herum. 
  • Niedriger Leitzins: Geld aus Krediten ist aktuell sehr günstig zu haben. Das ist natürlich ein großer Anreiz für eine lohnenswerte Baufinanzierung, die sich nach der Tilgung bezahlt machen kann. 
  • Investition in die Zukunft: Eine abbezahlte Immobilie lohnt sich außerdem als Altersvorsorge oder grundlegend als Investition, wenn der Kredit abbezahlt ist, hat man eine Wertanlage. 
  • Individualität: Eigenbau ist eine ganz eigene Art von Selbstverwirklichung, die man nur so bekommt. Freiheiten und Sicherheit sind insbesondere bei Familien unvergleichlich wichtig. 
  • Steigende Mieten: Die durchschnittlichen Kosten für Mietwohnungen sind ebenfalls spürbar gestiegen. Die Preissteigerungen sind zwar außerhalb beliebter Metropolen weniger extrem, dennoch handelt es sich um hohe monatliche Ausgaben, die letztendlich keinen dauerhaften Gegenwert schaffen.

Was sind die Alternativen?

Wenn der traditionelle Wohnungsbau nun immer teurer wird, stellt sich natürlich die Frage, ob es gute Alternativen gibt, um den Preis im Rahmen des Möglichen zu drücken und so auch heute noch zu einem bezahlbaren Eigenheim zu kommen.

Da ein Großteil der gesamten Baukosten vom Bauvorgang selbst stammt, sind alternative Bauformen eine gute Möglichkeit, um die Preise möglichst einzugrenzen. Welche Möglichkeiten gibt es, um die Kosten zu verringern?

  • Fertighäuser: Sie verzeichnen zurecht einen stetig steigenden Marktanteil. Durch die schnellere Bauzeit hat man verringerte Arbeitskosten. Gleichzeitig spart man durch die verkürzte Bauphase auch Wohnkosten, da kein Zweitwohnsitz für viele Monate benötigt wird, bis das Haus bezugsfertig ist. Da das Marktsegment stark wächst, hat man mittlerweile für ein Fertighaus eine große Auswahl an Ausführungen. Man muss sich also im Vergleich zu Architektenhäusern kaum einschränken. Ebenso sind Baumängel seltener und die Bausätze ab Werk gut auf moderne Energieverordnungen abgestimmt.
Je einfacher die Geometrie des Hauses, desto günstiger der Bau.
  • Sparsamere Baustile: In Deutschland sind zwar massive, unterkellerte Häuser der Standard, was sicher seine eigenen Vorteile hat, jedoch kommt dies auch mit hohen Kosten daher. Nach amerikanischem Vorbild in einer leichten Holzrahmenbauweise gestaltete Häuser mit gipsverkleideten Wänden lässt sich viel Geld sparen. Ebenso spart ein Haus ohne Keller einen großen Teil der Baukosten. Aber Achtung: Hierzulande erfreuen sich ausgebaute Keller großer Beliebtheit. Dadurch kann es zu Nachteilen beim Verkauf kommen. 
  • Bausatz- und Ausbauhaus: Ähnlich wie das Fertighaus, nur werden diese eben nicht schlüsselfertig übergeben. Mit einem weitaus größeren Maß an Eigenleistung werden viele Kosten gespart. Schlüsselfertige Häuser benötigen eine Vielfalt an Handwerkern, die jedes Detail fertigstellen. Diese Arbeitszeit muss natürlich auch bezahlt werden. 
  • Strohballenbau: Eine völlig ungewöhnliche Bauweise. Die Strohballen werden dabei üblicherweise in ein Holzständerwerk zum Wandaufbau Strohballen eingesetzt. Diese werden dann dicht versiegelt, beispielsweise durch einen Lehmputz. Das Stroh hat enorm gute Dämmwerte, es gibt sogar Passivhäuser in dieser Bauweise. Außerdem hat diese Bauweise noch die Vorteile, dank der verwendeten Werkstoffe sehr nachhaltig zu sein und viel Eigenleistung zu ermöglichen. Das spart natürlich viel Geld, auch durch die günstigeren Rohstoffe. 
  • Kleinere Bau- und Wohnfläche: Familien werden tendenziellen im Schnitt kleiner. Beim typischen Ein- und Zweifamilienhaus der Nachkriegszeit, wie sie bei uns einen großen Teil der Bestandsgebäude ausmachen, waren die Gebäude noch für mehr Personen ausgelegt. Für viele heutige Familien wären diese Häuser unnötig groß. Mit einem gut geplanten Raumkonzept kann man auch mit einer geringeren Grundfläche komfortabel leben.

Quelle: Mannheim24

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