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BioNTech: Impfstoff soll abgezwackt werden – droht nun Chaos in Hausarztpraxen?

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Von: Eliran Kendi

Berlin/Stuttgart - Jens Spahn blickt positiv auf den Impfstart bei den Hausarztpraxen. Doch offenbar ist das nur die halbe Wahrheit: BioNTech-Lieferungen sollen umgeleitet werden.

In einem Pilotprojekt impfen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg bereits seit dem 8. März Menschen gegen das Coronavirus. Seit Ende der Ostertage können die Hausärzte flächendeckend den begehrten „Anti-Corona-Pieks“ in ihren Praxen verpassen – so soll die vor rund drei Monaten gestartete Impfkampagne in Deutschland beschleunigt werden. „Die Hausarztpraxen in Baden-Württemberg sind engagiert und motiviert, sie wollen ihren Beitrag zur Impfkampagne leisten und sie sind gut vorbereitet. Nun werden die Impfzentren des Landes und die Hausärztinnen und Hausärzte gemeinsam die Impfkampagne weiter vorantreiben“, freut sich Gesundheitsminister Manne Lucha am Freitag (2. April) in Stuttgart.

BundeslandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
Fläche35.751,46 km²
Einwohnerzahl11.100.394 (Stand: 31. Dezember 2019)
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

BioNTech: Bereits geringe Menge des Impfstoffs für Hausarztpraxen nochmals halbiert

Leider wird die Euphorie aufgrund des Impfstoffmangels getrübt. So erhalten die Praxen zunächst nur eine limitierte Anzahl an Dosen pro Woche. Nach einem Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz werden den Arztpraxen pro Woche etwa 20 Impfdosen pro Praxis zur Verfügung stehen. Eine Million Impfdosen müssen auf circa 50.000 Hausarztpraxen in Deutschland verteilt werden. In den ersten beiden Aprilwochen werden die Hausarztpraxen Impfstoff von BioNTech erhalten.

Das ist natürlich wenig“, kritisiert Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). Vor allem, weil Arztpraxen beim Impfen viel mehr machen könnten. Dafür, dass Impfzentren in Baden-Württemberg weiterhin bevorzugt beliefert werden, hat der KVBW-Sprecher kein Verständnis.

Für Impfwillige, die bereits einen langersehnten Termin beim Arzt ihres Vertrauens ergattert haben, kommt es jetzt noch viel schlimmer! Wie die „BILD“ berichtet „droht den Praxen in zwei Wochen das Chaos“. Dann nämlich kommen anders als zugesagt statt rund eine Million nur 463.000 BioNTech-Dosen in die Praxen. Der Rest soll, auf Bitten der Länder, vom Bundesgesundheitsministerium in die Impfzentren umgeleitet werden.

BioNTech: Macht Gesundheitsminister Spahn gute Miene zum bösen Spiel?

Trotz der Hiobsbotschaft für die Hausärzte und ihre Patienten feiert der Bundesgesundheitsminister den Einstieg der Hausarztpraxen in die Corona-Impfungen als Erfolg: „Beim Impfen sind wir auf einem guten Weg. In den vergangenen Tagen wurden so viele Menschen geimpft, wie nie zuvor“, so Jens Spahn am Freitag (9. April) in Berlin.

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage.
Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, spricht bei einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage. © Kay Nietfeld/dpa

Demnach habe es am Donnerstag (8. April) mit bundesweit 719.000 Impfungen an einem Tag einen weiteren Tagesrekord gegeben - Impfzentren und Hausarztpraxen zusammengenommen wohlgemerkt.

In den ersten zwei Wochen würden die Arztpraxen mit dem Impfstoff von BioNTech beliefert, bekräftigt Spahn. Ab Mitte April gebe es etwa zur Hälfte BioNTech und zur Hälfte Astrazeneca, später auch den Impfstoff von Johnson & Johnson. BioNTech liefere bisher sehr verlässlich und auf den Wochentag genau. Das habe man bei den anderen Herstellern noch nicht erreicht, hier sei teils nur die Lieferwoche bekannt, nicht aber der Tag.

Zu einer möglichen Kürzung der BioNTech-Rationen für die Hausärzte hat sich Spahn bisher nicht geäußert. (esk mit dpa)

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