Ehepaar, Eltern und Forscher

BioNTech aus Mainz: Wie Uğur Şahin und Özlem Türeci der Welt Hoffnung geben

Mainz - Das Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci gibt der Welt Hoffnung. Ihr Unternehmen hat einen Corona-Impfstoff erschaffen. Doch wer sind die beiden Geschäftsführer überhaupt?

  • Im Dezember 2019 wird der erste Fall des Coronavirus im chinesichen Wuhan entdeckt.
  • Anschließend breitet sich das Virus auf der ganzen Welt aus – Covid19 (SARS-CoV-2) wird zur Pandemie erklärt.
  • Das Unternehmen BioNTech hat einen Impfstoff entwickelt. Uğur Şahin und Özlem Türeci sind die Gesichter hinter dem Erfolg.

Uğur Şahin und Özlem Türeci – zwei Namen, mit denen bis vor ein paar Tagen nur Insider der Biotechnologie oder Unternehmer etwas anfangen konnten. Doch mittlerweile sind sie auf der ganzen Welt bekannt. Denn das Ehepaar bringt den Menschen Hoffnung, dass die Corona-Krise bald hinter uns liegen könnte. Als Gründer des Unternehmens BioNTech hat das Paar dem Coronavirus den Kampf angesagt und steht kurz davor, einen Corona-Impfstoff auf den Markt zu bringen. Doch wer sind diese beiden Personen? Was haben sie bisher in ihrem Leben getan? Und warum könnten sie anderen sterbenskranken Menschen wieder Hoffnung geben? Hier findest Du mehr News zu BioNTech.

NameBioNTech SE
Gründung2008
CEOUğur Şahin
CMOÖzlem Türeci
HauptsitzMainz
Tochtergesellschaften BioNTech Innovative Manufacturing Services GmbH, BioNTech US Inc.

BioNTech: Die Lebenwege von Uğur Şahin und Özlem Türeci

Özlem Türeci wird im Jahr 1967 im niedersächsischen Lastrup geboren. Ihr Vater ist zuvor von Istanbul nach Deutschland gekommen und arbeitet als Chirurg. Später studiert sie selbst Medizin an der Universität des Saarlandes in Homburg. Uğur Şahin erblickt am 19. September 1965 im türkischen Iskenderun das Licht der Welt. Im Alter von vier Jahren zieht er mit seiner Mutter nach Deutschland, wo sein Vater bereits als Gastarbeiter in den Kölner Ford-Werken arbeitet. Doch anders als sein Vormund studiert der Sohn später Medizin an der Universität Köln.

Im Jahr 1999 habilitiert (höchstrangige Hochschulprüfung) Uğur Şahin am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg. Dort lernt er Özlem Türeci kennen, die gerade ihr letztes Studienjahr absolviert. Beide verlieben sich ineinander, heiraten im Jahr 2002 und bringen vier Jahre später eine Tochter zur Welt. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung aus dem Jahr 2009 erklärt Türeci, dass das Paar an ihrem Hochzeitstag direkt von der Arbeit zum Standesamt gefahren sind – und danach wieder zurück. Dass die beiden Forscher einen türkischen Migrationshintergrund haben, sorgt bei vielen Menschen für Freude. Widerspricht es doch allem, was rechte Kräfte und die AfD in den letzten Jahren als Fake-News über „Ausländer“ verbreiten.

BioNTech: Uğur Şahin und Özlem Türeci gründen Unternehmen

Doch Uğur Şahin und Özlem Türeci sind nicht nur zu Hause ein unzertrennliches Duo – auch ihre Arbeit verbindet die beiden. Bereits im Jahr 2001 gründet das Paar das Unternehmen GANYMED Pharmaceuticals AG und arbeitet an hoch tumorspezifischen Antikörperwirkstoffen. Damit sagen sie der Krankheit Krebs den Kampf an. Der Firmensitz befindet sich schon damals in der Straße „An der Goldgrube“ in Mainz. Im Jahr 2016 kauft die japanische Astella Pharma Inc. das Unternehmen komplett auf. Laut dem Fachmagazin „Healthcare Marketing“ zahlen die Japaner dafür 422 Millionen Euro.

Das Unternehmen BioNTech hat seinen Hauptsitz in Mainz.

Nach dem Erfolg mit GANYMED Pharmaceuticals AG hören Uğur Şahin und Özlem Türeci aber nicht auf. Im Jahr 2008 gründen sie die Firma BioNTech. Auch hier steht der Kampf gegen Krebs im Vordergrund. Die Schwerpunkte von BioNTech liegen in der Erforschung von Medikamenten auf mRNA-Basis. Dabei handelt es sich um Viruserbgut, das die Bestandteile des echten Virus in sich trägt – aber völlig harmlos ist. Das Unternehmen hat es zwischenzeitlich geschafft, individualisierte mRNA-basierte Krebsimmuntherapie in klinische Studien zu bringen.

BioNTech: Uğur Şahin und Özlem Türeci werden Milliardäre

Anfang 2020 ändert sich jedoch die Ausrichtung von BioNTech. Der Grund dafür ist das in China auftretende Coronavirus, dass sich innerhalb von Monaten zu einer globalen Pandemie entwickelt. Zusammen mit dem Pharmakonzern Pfizer aus den Vereinigten Staaten entwickeln Uğur Şahin und Özlem Türeci einen Corona-Impfstoff. Im November 2020 verkündet das Unternehmen, dass das Serum eine Wirksamkeit von über 90 Prozent aufweist. In Kürze soll der Stoff aus dem Projekt „Lightspeed“ bei der US-Arzneimittelbehörde FDA für eine Notfallzulassung angemeldet werden. „Dies ist ein Sieg für die Innovation, Wissenschaft und weltweite Zusammenarbeit“, betont Uğur Şahin.

Das Unternehmen, in dem Uğur Şahin als Chief Executive Officer (CEO) und Özlem Türeci als Chief Medical Officer (CMO) tätig sind, wird bereits im Januar 2019 in eine europäische Aktiengesellschaft umgewandelt. Im September folgt ein Zuschuss der Bill und Melinda Gates-Stifung zur Bekämpfung von HIV und Tuberkulose. Nur einen Monat später geht BioNTech an die New Yorker Aktienbörse. Laut einer Liste der „Welt am Sonntag“ gehören Uğur Şahin und Özlem Türeci mittlerweile zu den 1.000 reichsten Deutschen. Mit einem Vermögen von rund 2,4 Milliarden Euro belegt das Ehepaar Platz 92.

BioNTech: Arbeit ist Ehepaar wichtiger als Geld

Trotz ihres Reichtums führen Uğur Şahin und Özlem Türeci ihre Arbeit aber unbeirrt fort. Şahin ist seit 2006 Professor für experimentelle Onkologie an der III. Medizinischen Klinik der Universität Mainz und seit 2010 Direktor des Instituts TRON (Translationale Onkologie an der Universitätsmedizin der JGU Mainz gGmbH). Im Jahr 2019 erhält der 55-Jährige sowohl den iranischen „Mustafa-Preis“ als auch den „Deutschen Krebspreis“. Sollten die beiden Forscher dem Coronavirus Einhalt gebieten können, dürften in Zukunft weitere Preise folgen.

Türeci arbeitet als Privatdozentin an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, gehört zum Vorstand des Verbandes CIMT und ist die Vorsitzende des deutschen Forschungs-Spitzenclusters für individualisierte Immunintervention Ci3 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. „Unsere primäre Motivation ist sicherlich jetzt nicht, unsere finanzielle Situation zu optimieren, sondern Arzneimittel zu entwickeln“, erklärt Uğur Şahin in einem Interview mit dem WDR.

BioNTech: Uğur Şahin liest über Coronavirus – und ändert alles um

Die Idee des Forschers muss ans Krankenbett, sie muss zum Patienten kommen. Die Wissenschaft muss mit ihren Ideen bei den Menschen ankommen. Sie will nicht im Elfenbeinturm verharren. Ich möchte, dass sich hierfür Türen öffnen und Forschende Grenzgänger sein können“, sagt Özlem Türeci im Jahr 2011. Aus diesem Grund – und weil der Industrie die Ideen für die Krebsmedizin zu gewagt gewesen sei – gründen die 53-Jährige und ihr Mann ihr erstes eigenes Unternehmen.

Im Januar 2020 macht Uğur Şahin dann eine schreckliche Entdeckung. Er liest einen Bericht über das in Wuhan aufgetretene Coronavirus – und entschließt sich zu handeln. Gegenüber dem Wall Street Journal erklärt der Wissenschaftler, dass er am Montag darauf seinen Mitarbeitern verkündet habe, einen Impfstoff erschaffen zu wollen. Das US-Unternehmen Pfizer ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich dabei, einen Grippe-Impfstoff mit BioNTech zu entwickeln. Kurz darauf arbeiten auch sie am Projekt „Lightspeed“ mit. Nachdem US-Präsident Donald Trump einen möglichen Impfstoff des Konkurrenten CureVac für das eigene Land sichern will, zeigt Uğur Şahin zudem klare Kante. Das Serum sei eine internationale Kooperation, weshalb es „keine Diskussion darüber gibt, ob ein Impfstoff nur für China, Deutschland oder Amerika“ zur Verfügung stehe. (dh)

Rubriklistenbild: © Dominik Pietsch/Biontech/dpa

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