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Querdenker: Bodo Schiffmann fordert Friedensnobelpreis ‒ Ginge das überhaupt?

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Von: Daniel Hagen

Demonstration gegen Corona-Beschränkungen
Bodo Schiffmann wünscht sich den Friedensnobelpreis für Querdenker. (Symbolfoto) © Jens Büttner/dpa/ Nobel Prize Outreach/Joy Asico

Bodo Schiffmann fordert seine Telegram-Follower dazu auf, „Querdenken“ für den Friedensnobelpreis zu nominieren. Der irre Plan scheitert allerdings schon im Ansatz – aus diesen Gründen:

Was haben die Europäische Union, Barack Obama, der Dalai Lama und Ärzte ohne Grenzen gemeinsam? Sie alle haben schon einmal den Friedensnobelpreis verliehen bekommen. Wenn es nach Bodo Schiffmann geht, soll auch bald die Querdenker-Szene zu den Preisträgern gehören. Aus seinem Exil in Tansania heraus fordert der Arzt seine Follower auf Telegram* dazu auf, ein paar Querdenker für den renommierten Preis zu nominieren. Ganz so einfach, wie der 53-Jährige sich das vorstellt, wird das aber nicht. Das musste auch der ehemlige US-Präsident Donald Trump bereits feststellen.

NameBodo Schiffmann
Geboren20. Januar 1968 in Bonn-Beuel
AusbildungRuprecht-Karls-Universität Heidelberg
BerufFacharzt für HNO

Bodo Schiffmann: Verschwörungsideologe fordert Friedensnobelpreis für Querdenker

Der Friedensnobelpreis wird seit 1901 jedes Jahr am 10. Dezember in Oslo verliehen. Dabei handelt es sich um den Todestag von Alfred Nobel, der den international anerkannten Friedenspreis ins Leben gerufen hat. Neben viel Ruhm und Publicity erhalten der oder die Gewinner auch noch ein Preisgeld von 10 Millionen Schwedischen Kronen. Der erste Friedensnobelpreis ging übrigens an den Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Henry Dunant, sowie an den Gründer der internationalen Friedensliga Frédéric Passy.

Wenn es nach dem Verschwörungsideologen Bodo Schiffmann geht, wird der nächste Preisträger ein Mitglied der Querdenker-Szene. „Mir würden da schon so ein paar Kandidaten einfallen, die man vorschlagen könnte“, sagt Schiffmann, der mittlerweile nach Tansania geflohen ist. Wen genau der 53-Jährige meint, erklärt er aber nicht. Vielleicht „Jana aus Kassel“, die sich in einer Demo-Rede mit Sophie Scholl verglichen hat, weil sie im „Widerstand“ arbeite? Oder für das kleine Mädchen, das sich auf einer anderen Demonstration mit Anne Frank verglichen hat, weil es ihren Geburtstag leise feiern musste?

Bodo Schiffmann kann sich mehrere Kandidaten für Friedensnobelpreis vorstellen

Viel wahrscheinlicher wäre aber, dass Schiffmann den Querdenken-Gründer Michael Ballweg meint, der nach Recherchen des ZDF viel Geld mit der Corona-Krise verdient und gleichzeitig mit rechtsextremen und Verschwörungsideologen auf Demos marschiert. „Querdenken ist die erfolgreichste Marke im Demonstrationsbusiness in diesem Jahr“, erklärt der Satiriker Jan Böhmermann in seiner Show zu dem Thema. Es gäbe allerdings noch viele andere Querdenker, mit denen Bodo Schiffmann seine krude Weltanschauung über die von der Regierung oder Bill Gates geplanten Pandemie teilt.

Ganz so einfach wird die Nominierung für den Friedensnobelpreis aber nicht werden. „Wenn ich da richtig informiert bin, kann dort jeder vorgeschlagen werden“, sagt Schiffmann. Damit hat er auf jeden Fall recht. Laut dem Gründer Alfred Nobel soll aber nur derjenige den Preis erhalten, der zur „Verbrüderung der Völker“ beiträgt und „der Menschheit den größten Nutzen erbracht“. Über beide Punkte kann man sich bei Querdenken ziemlich streiten.

Bodo Schiffmann: Gewalt und Spaltung auf Querdenken-Demos

So tragen die Anti-Corona-Demos der Querdenker eher zur Spaltung des Volkes bei. Viele Teilnehmer sprechen zudem von sich als die „Erwachten“ und von anderen Menschen als „Schlafschafe“, was nicht gerade nach „Verbrüderung“ klingt. Auch der Verschwörungsideologen Xavier Naidoo, der mittlerweile das Land in Richtung Spanien verlassen hat, nutzt diese Begriffe. Skeptisch macht zudem die Position vieler Demo-Teilnehmer gegen die Polizei und die sogenannte „Lügenpresse“ der „Mainstreammedien“.

Querdenker-Demonstrationen in Stuttgart
Auf Querdenker-Demos kommt es immer wieder zu Übergriffen auf die Presse. (Symbolfoto) © Christoph Schmidt(dpa

So hat es im vergangenen Jahr so viele Übergriffe auf Journalisten gegeben, dass Deutschland in der Rangliste der Pressefreiheit von „Gut“ auf „Zufriedenstellend“ herabgestuft worden ist. Teile der Querdenker-Bewegung werden sogar vom Verfassungsschutz beobachtet. Über den Nutzen für die Menschheit kann daher sehr stark diskutiert werden.

Bodo Schiffmann: Nominierung nicht so einfach möglich

Doch Bodo Schiffmann hat mit seiner irren Idee noch ein weiteres Problem. „Informiert euch doch mal und schlagt doch einfach mal ein paar Querdenker für den Friedensnobelpreis vor“, fordert der 53-Jährige seine Follower auf. Ganz so einfach geht das aber nicht. Denn Vorschläge können nur von aktuellen oder ehemaligen Mitgliedern des Komitees sowie den Beratern des Komitees, früheren Preisträgern, Vorständen von ausgezeichneten Organisationen alle Mitglieder der Regierung oder des Parlamentes sowie das Staatsoberhaupt eines souveränen Staates, die Richter des Internationalen Gerichtshofs und des ständigen Schiedshofs in Den Haag sowie Professoren der Fachrichtungen Sozialwissenschaft, Geschichte, Philosophie, Recht und Theologie, die Leiter von Universitäten und von Friedensforschungsinstituten und ähnlichen Organisationen eingereicht werden.

Bodo Schiffmann verbreitet Fake News für Nominierung

Um seinen Followern seinen Vorschlag noch schmackhafter zu machen, greift Bodo Schiffmann wie gewohnt wieder zu Fake News – die er selbst bei den „Mainstreammedien“ aufs Übelste verteufelt. So meint der 53-Jährige, dass doch nicht immer ein Politiker den Friedensnobelpreis gewinnen müsse. Schaut man sich die lange Liste der Gewinner an, fällt einem auf, dass sich darin gar nicht so viele Politiker befinden. Seit dem Jahr 2000 sind unter den 29 Gewinnern zehn Politiker. Bei den restlichen Siegern handelt es sich um Organisationen, Diplomaten und Menschenrechtsaktivisten. (dh)

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