Staatsanwaltschaft ermittelt

Bodo Schiffmann: „Querdenker“-Arzt nach Afrika geflüchtet – „Meine Kinder sind stolz auf mich“

Polizei durchsucht Arztpraxis von ,,Querdenker-Doktor“ Bodo Schiffmann und stellt die Serverdaten sicher.
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Polizei durchsucht Arztpraxis von ,,Querdenker-Doktor“ Bodo Schiffmann und stellt die Serverdaten sicher.

Sinsheim/Heidelberg - Der umstrittene Arzt Bodo Schiffmann gehört zu den bekanntesten Gegnern der Corona-Maßnahmen. Während gegen ihn ermittelt wird, flieht er nach Afrika.

  • Polizei durchsucht Praxisräume von „Quedenker“-Arzt in Sinsheim (Baden-Württemberg)
  • Gängige Verschwörungsmythen im Faktencheck.
  • Gegen den umstrittenen Mediziner ermittelt die Staatsanwaltschaft Heidelberg.
  • Vorwurf im Zusammenhang mit Attesten zur Umgehung der Maßnahmen gegen das Coronavirus.
  • Bodo Schiffmann flieht nach Afrika – Staatsanwaltschaft ermittelt weiter.

Update vom 9. März: Die Staatsanwaltschaft Heidelberg ermittelt derzeit gegen den „Querdenker“ Bodo Schiffmann. Ihm wird vorgeworfen, Atteste unsachgemäß ausgestellt zu haben. Diese sollten offenbar Corona-Leugnern bestätigen, dass sie aus medizinischen Gründen keine Schutzmasken tragen könnten. Die Empfänger der Schiffmann-Atteste wohnen zum Teil mehrere hundert Kilometer von seiner Praxis in Sinsheim entfernt. Somit ist der Verdacht aufgekommen, dass der Arzt seine Patienten gar nicht persönlich untersucht hat.

Der Verschwörungsideologe hat sich offenbar mittlerweile ins Ausland abgesetzt – und zwar nach Afrika. Dorthin hat ihm das ARD-Politikmagazin „Report Mainz“ eine E-Mail mit Interview-Fragen geschickt. Darin geht es unter anderem um seinen genauen Standort, die Finanzierung seines Aufenthalts, und ob es sich in seinem Fall nicht etwa um eine Flucht vor den Ermittlungsbehörden handelt.

Bodo Schiffmann Deutscher Mediziner
Fachbereich Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Positionen U.a gegen Maskenpflicht
Verschwörungsmythen U.a. bestreitet die Mondlandung 1969, QAnon-Anhänger

Bodo Schiffmann: „Querdenker“-Arzt antwortet mit Verschwörungsmythen

Doch anstatt auf die Fragen zu antworten, geht Bodo Schiffmann direkt zum Angriff über. So ist der Arzt der Meinung, keinerlei Straftaten begangen zu haben. Stattdessen will er lieber über die „Verbrechen an der Menschlichkeit und dem Hochverrat durch die führenden Politiker“ sprechen. Zudem behauptet Schiffmann, dass die Corona-Impfungen tödlicher seien, als das Virus selbst – natürlich, ohne dafür Beweise zu liefern. Anschließend bezeichnet er den Redakteur als Mitarbeiter der „Staatspropagandamaschine“ und greift ihn persönlich an: „Meine Kinder sind stolz auf mich, Ihre werden Sie hassen.“

Die Frage ob Bodo Schiffmann nach Deutschland zurückkehrt, lässt er offen. Falls ja, werde er den Namen des ARD-Redakteurs nicht vergessen, fügt er drohend hinzu. Obwohl sich der Verschwörungsideologe nach Afrika abgesetzt hat, gehen die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Heidelberg weiter. „Auf das Ermittlungsverfahren hat dies derzeit keinen Einfluss“, so ein Sprecher auf HEIDELBERG24-Anfrage. Den Behörden sei zudem bereits bekannt gewesen, dass sich der Arzt ins Ausland abgesetzt hat.

Bodo Schiffmann: Falsche Atteste ausgestellt? Wieder Razzia bei ,,Querdenker-Arzt“

Erstmeldung vom 11. Februar: Die Staatsanwaltschaft Heidelberg ermittelt gegenwärtig gegen den HNO-Arzt Bodo Schiffmann. Dem sogenannten „Querdenker“ wird vorgeworfen Atteste unsachgemäß ausgestellt zu haben. Diese sollen offenbar Corona-Leugnern bestätigen, dass sie aus medizinischen Gründen keine Schutzmasken tragen können. Laut Angaben der Ermittler sollen die Empfänger der Schiffmann-Atteste zum Teil mehrere hundert Kilometer von seiner Praxis in Sinsheim entfernt wohnen. Daher drängt sich der Verdacht auf, Schiffmann habe die Personen nicht selbst untersucht. Vor diesem Hintergrund sind die Praxisräume bereits im Oktober vergangenen Jahres durchsucht worden. Jetzt hat die Polizei wieder zugeschlagen und den Server des „Querdenkers“ beschlagnahmt – nicht ohne Folgen:

Bodo Schiffmann: „Querdenker“ demonstrieren gegen Polizei-Aktion

Am Mittwoch (10. Februar) soll die Polizei die Praxis- und Privaträume von Bodo Schiffmann durchsucht und sein Handy beschlagnahmt haben. Nach Angaben des Mediziners will die Polizei die Razzia am Folgetag mit IT-Spezialisten weiterführen, um des Servers der Arzt-Praxis habhaft zu werden.

Nach der polizeilichen Durchsuchung macht der Vorfall schnell die Runde in den sozialen Medien. Ein Aufruf für eine Kundgebung vor der Praxis erreicht mehrere Zehntausende – einige folgen dem Sinsheimer.

Kurz vor acht Uhr Morgens bildet sich Donnerstag (11. Februar) eine größere Versammlung vor der Praxis Schiffmanns. Erwartungsgemäß wird „quergedacht“: ohne Maske und mit teilweise unterschrittenem Mindestabstand.

Demonstration ohne Mund-Nasen-Bedeckung vor der Klinik sorgt nun erneut für Polizeieinsatz.

Doch allen Bemühungen zum Trotz, wird das Beweismaterial von der Polizei sichergestellt: „Der Server ist weg“, gibt Bodo Schiffmann per Megafon bekannt. In Begleitung von etwa 50 gleichgesinnten „Querdenkern“ und flankiert von der Polizei macht der Mediziner seinen Unmut über die Beschlagnahmung Luft.

Bodo Schiffmann: Geschäftsführer der GRN-Klinik rechnet mit „Querdenker“-Arzt ab

Schiffmann selbst steht aktuell vor einer Räumungsklage seiner Praxisräume im Krankenhaus. Die GRN-Klinik hat den Mietvertrag zu den Praxisräumen bereits im November vergangenen Jahres gekündigt. Schiffmann habe die von ihm gemieteten Räume als Parteizentrale für seine politische Bewegung genutzt, sagt Geschäftsführer Rüdiger gegenüber dem SWR.

Zudem soll der „Querdenker“ und seine Mitarbeiter auf dem Klinikgelände ohne Maske unterwegs gewesen sein.

Schließlich habe es die Klinik besonders gestört, dass Schiffmann vor rund zwei Jahren seine Zulassung als Kassenarzt zurückgegeben habe. Die GRN-Kliniken wollen nicht, dass auf dem Klinikgelände nur noch Privatpatienten behandelt würden. Nach SWR-Informationen hat Schiffmann Widerspruch gegen die Kündigung eingelegt. (esk/ep24)

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