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Bruchsal: Mit dem Flugtaxi nach Paris – Unternehmen will das möglich machen

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Von: Marten Kopf

Bruchsal - Autonome Flugtaxen sind längst keine Utopie mehr. Geforscht wird seit Jahren, auch in Deutschland. In Bruchsal will eine Firma schon 2024 per Flugtaxi zu Olympia nach Paris.

Flugtaxi-Projekte rund um den Globus sind zahlreich, die Schätzungen von Experten schwanken zwischen 100 und 120. Viele Unternehmen engagieren sich in dem Segment – wie etwa Airbus, Daimler oder Volkswagen. Als die CSU-Politikerin Dorothee Bär kurz nach ihrer Ernennung zur Staatsministerin für Digitalisierung im März 2018 davon spricht, dass in Zukunft möglicherweise Flugtaxen von A nach B fliegen können, erntet sie viel Häme sie für diesen Satz. Doch die Idee autonom fliegender Fluggeräte, die den Verkehr entlasten könnten, treibt eben doch längst viele Firmen um.

Die Bruchsaler Firma „Volocopter“ etwa beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit dem Thema Flugtaxen. „Wir sind die Pioniere in diesem Gebiet, da macht uns so schnell keiner etwas vor“, sagt Geschäftsführer Florian Reuter. Volocopter wolle rechtzeitig zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris kommerzielle Verbindungen anbieten. Wenn denn die Behörden dort mitspielen. „Es sind noch einige nationale Bestätigungen nötig.“ Bis Ende 2023 will Volocopter die letzte Hürde nehmen, danach in den Probebetrieb – „dann wollen wir in der Lage sein, vom Flughafen aus einige olympische Orte anzufliegen“.

Autonomes Fliegen: Ängste und Befürchtungen herrschen vor

„Es gibt bereits viele technisch weit ausgereifte Prototypen, aber es fehlen noch „reality checks“, sagt Michael Decker vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) in Karlsruhe. Denn viele Fragen seien ungeklärt: „Etwa wo dürften die starten und landen, wie sieht es angesichts ohnehin sehr strenger deutscher Richtwerte mit Lärm tagsüber oder nachts aus.“

Auch an Akzeptanz in der Bevölkerung hapert es noch, wie Forscher des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) bei einer Nutzerbefragung in Deutschland, den USA und Südkorea herausfanden. In Deutschland würden demnach knapp 40 Prozent der Befragten kein autonomes Flugtaxi besteigen, gut 28 Prozent fänden es zumindest eher unwahrscheinlich. Stattdessen herrschten Ängste und Befürchtungen vor, und zwar bei allen Altersgruppen. Fazit der im Februar diesen Jahres veröffentlichten Studie: Autonome Flugtaxen zum Transport von Menschen in Städten seien bisher „noch eher als Hype-Thema zu betrachten“.

„Wir kennen die kritischen Akzeptanzstudien“, so Volocopter-Geschäftsführer Reuter – und tritt dem entgegen. Eine Studie der Hochschule für Technik Stuttgart aus dem Jahr 2019 zeige, dass die Akzeptanz weit höher liegt, sobald Befragte selber die Gelegenheit hatten, ein Flugtaxi fliegen zu sehen. Im Dezember 2019 war in Stuttgart ein Volocopter-Flugtaxi erstmals vor Publikum in einer europäischen Stadt geflogen. Hinterher wurden etwa 1.200 der rund 12.000 Zuschauer befragt worden – 67 Prozent hatten den Angaben nach dabei die Nutzung eines Flugtaxis als wahrscheinlich bis sehr wahrscheinlich bezeichnet.

Flugtaxi: Ohne Pilot bei Gewitter oder Sturm – „Das wird schnell ungemütlich“

Bedenken gegenüber autonomen Taxen will Reuter aber ernst nehmen: „Wir fliegen zunächst mit Pilot, da muss man erst mal das Eis brechen“, sagt er. Auch die Behörden, die den Luftraum regeln müssen, fühlten sich wohler, wenn ein Pilot an Bord sei, „denn noch gibt es die rechtlichen Rahmenbedingungen für den voll-autonomen Betrieb nicht“.

Es sei grundsätzlich eine große Frage, ob die Fluggeräte einen Piloten an Bord haben oder nicht: „Wenn das Gerät komplett autonom fliegt, dann kommen schon einige Akzeptanzfragen ins Spiel“, so Michael Decker vom ITAS . An einem sonnigen und windstillen Tag mag sich das gut anfühlen, aber im Gewitter oder Sturm dürfte es dem einen oder anderen schnell ungemütlich werden.“ An vielen entscheidende Voraussetzungen für kommerzielle Flüge fehlt es aber nach Einschätzung Deckers noch: Weder gibt es bisher genügend Start- und Landeplätze, noch ein effektives Luftraummanagement, das irgendwann in der Zukunft Tausende oder gar Zehntausende Flugtaxen über Städte navigieren könnte. (dpa/mko)

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