Staatsanwaltschaft sieht Wiederholungsgefahr

Bestie von Bühl: 14 Jahre sexuelle Gewalt – eine Stadt ist erschüttert

Bühl - Am Mittwoch wird ein 63-Jähriger festgenommen. Ihm werden 180 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch vorgeworfen. Er streitet die Taten ab – die Staatsanwaltschaft sieht Wiederholungsgefahr.

  • Am 8. Juli 2020 wird in Bühl (Kreis Rastatt) ein Mann festgenommen.
  • Dem 63-Jährigen werden 180 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs zur Last gelegt.
  • Die Staatsanwaltschaft schätzt, dass bei dem Beschuldigten Wiederholungsgefahr besteht.

Bühl im Kreis Rastatt. Eine Stadt mit knapp 30.000 Einwohnern 60 Autominuten entfernt von Heidelberg. Eingebettet in herrliche Weinberge und die tannenbewaldeten Höhen des Schwarzwalds. „Eine Stadt zum Wohlfühlen“, heißt es im Stadtporträt. Eine Stadt wie tausend andere. Doch in dieser Stadt sollen Dinge passiert sein, die nirgendwo passieren sollten.

Das jüngste Opfer war fünf Jahre alt. (Symbolfoto)

Missbrauch in Bühl: Teilweise schwerer sexueller Kindesmissbrauch

Am 8. Juli 2020 wird in Bühl ein Mann festgenommen. Er wird für Dinge beschuldigt, die fast unaussprechlich sind. Es soll im Jahr 2005 begonnen haben. Der Beschuldigte ist damals Ende 40. Dem heute 63-Jährigen wird schreckliches zur Last gelegt: 180 Fälle sexuellen Kindesmissbrauchs. Seine Opfer wählt er aus seinem nähsten Umfeld. Es sind ein Nachbarsmädchen – und fünf Freundinnen seiner Enkelkinder. Die Mädchen waren zum Zeitpunkt der Taten zwischen 5 und 11 Jahre alt. An ihnen soll er sich von 2005 bis August 2019 sexuell vergangen zu haben.

Der 63-Jährige wird „wegen des dringenden Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern in 165 Fällen, des versuchten sexuellen Missbrauchs von Kindern in einem Fall und des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 14 Fällen in Untersuchungshaft genommen.“ So die Staatsanwaltschaft Baden-Baden in einer Pressemitteilung am Donnerstag (9. Juli). Teilweise soll es bei den Taten zum Eindringen in den Körper der Geschädigten gekommen sein, was als schwerer sexueller Missbrauch von Kindern bewertet wird. Der Beschuldigte bestreitet die Taten.

Die Ermittlungsrichterin beim Amtsgericht Baden-Baden folgt der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass bei dem Beschuldigten Wiederholungsgefahr besteht.

Missbrauch in Bühl: Erst im Januar 2020 werden die Taten des 63-Jährigen aus Bühl bekannt

Erst seit Januar des Jahres 2020 sind die Taten des 63-Jährigen aus Bühl bekannt, so die Staatsanwaltschaft Baden-Baden. Zu diesem Zeitpunkt meldete sich eines der Opfer bei der Polizei, wie der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, Erster Staatsanwalt Michael Klose, auf Anfrage der „Badische Neueste Nachrichten“ sagt. Opfer zeigen sexuellen Missbrauch inzwischen häufiger an als früher, so Klose. Zurückzuführen sei dies zum einen auf die Tatsache, dass die Öffentlichkeit sich mehr mit dem Thema auseinandersetze. Zum anderen steige auch der Mut der Opfer, die Straftaten anzuzeigen, je mehr in den Publikationen über entsprechende Fälle berichtet werde. „Sie merken, dass sie nicht allein sind“, so Klose.

Im Fall von schwerem Missbrauch im Kreis Rastatt sind sich Staatsanwaltschaft Baden-Baden und Amtsgericht einig: „[...] Bei dem Beschuldigten [besteht] Wiederholungsgefahr [...], also die Gefahr, dass er vor rechtskräftiger Aburteilung weitere erhebliche Straftaten gleicher Art begehen [wird], sodass zur Abwendung dieser drohenden Gefahr die Anordnung der Untersuchungshaft geboten war“, heißt es in einer Pressemitteilung. (lpb)

Rubriklistenbild: © Uwe Zucchi/dpa

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