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Ausflugstipp Burg Dilsberg: Geheimgang, Bienensage und Panoramablick

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Von: Florian Römer

Der Treppenturm und die Ringmauer.
Der Treppenturm und die Ringmauer. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Neckargemünd-Dilsberg - Nach und nach erwachen kleine und große Monumente aus dem „Corona-Schlaf“. Auch die Burgfeste Dilsberg ist wieder geöffnet – und einen Ausflug wert:

Hoch über dem Neckar thront seit dem 12. Jahrhundert die „Burgfeste Dilsberg“. Wegen der Corona-Maßnahmen musste auch das beliebte Ausflugziel in der Nähe von Neckargemünd schließen. Seit dem 30. Mai ist die Burg aber wieder zugänglich und lockt mit dicken Mauern und einem herrlichen Panoramablick über das Neckartal und die Hügel des Odenwalds. Ab dem 27. Juni finden an Sonn- und Feiertagen auch wieder Führungen durch engen Gässchen innerhalb der Burgmauer und den Burggarten statt.

StadtNeckargemünd
OrstteilDilsberg
Einwohner2009 (Stand: 2018)
OrtsvorsteherKarlheinz Streib (FW)

Burg Dilsberg: Leben hinter Burgmauern

Auf der Kuppe eines vom Neckar umspülten Bergs liegt weithin sichtbar die Burgfeste Dilsberg. Wie zu jeder historischen Burg ranken sich auch um den Dilsberg zahlreiche belegte Geschichten und unbelegte Anekdoten: Dazu zählen die Tragödie um die „Rose von Dilsberg“, die „Sage um die Bienen“ und das Bienengärtlein oder was Mark Twain mit dem angeblichen Geheimgang nach Neckarsteinach und dem Brunnenstollen zu tun hat. Wanderfreunde kenne die Burg bestimmt: sie liegt am beliebten Wanderweg „Neckarsteig“. Burgenliebhaber dürfte unsere Serie „Die schönsten Burgen im Neckartal“ interessieren. 

Burg Dilsberg: Das Bienengärtchen und die Rose

Normalerweise beginnt die Erkundung der Feste Dilsberg mit dem Gang durch das Burgtor, in dem seit Jahrzehnten ein Teil der Jugendherberge untergebracht ist. Wer aber kurz vor dem Burgtor rechts abbiegt, gelangt entlang der Burgmauer über eine Treppe in den Burggarten. Hier erinnert ein Schild an die Bienen-Sage: Die Dilsberger warfen ihre Bienenkörbe über die Mauern und die ausschwärmenden Bienen schlugen so Angreifer in die Flucht. Seither wird ein Teil des Burggartens als „Bienengärtchen“ bezeichnet.

Am Zugang zum Burggarten erinnert ein Schild an die Bienen-Sage.
Am Zugang zum Burggarten erinnert ein Schild an die Bienen-Sage. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Der Garten ist in drei Ebenen angelegt und lädt zum Verweilen ein. Über die sanften Wellen des Gartens geht es an der evangelischen Kirche vorbei zum Eingang der Freilichtbühne, in der die „Burgbühne Dilsberg“ im Sommer „Die Rose von Dilsberg“ aufführt. Das Stück zeichnet die Geschichte der Tochter des Grafen Heinrich von Düren nach, der im 13. Jahrhundert über Burg und Ort herrschte. Zwei Ritter machten dem Fräulein den Hof: de Landschad von Steinach und ein Ritter Wolf von Hirschhorn. Der Landschad wohnte auf dem Schwalbennest auf der gegenüberliegenden Neckarseite in Neckarsteinach.

Als klar war, dass sich die Dame für Wolf von Hirschhorn entschieden hatte, erschlug der Landschad den Ritter hinterrücks. Die Braut erfuhr während der Hochzeitsvorbereitungen von der Tragödie und stürzte sich in ihrer Verzweiflung von der Burgmauer. An der Stelle, an der man ihre Leiche fand, wächst seitdem ein großer Rosenstrauch mit weißen Rosen. Wegen der Corona-Maßnahmen wird es 2021 leider keine Aufführungen der Laienschauspieler geben. Bei der Burgbühne hofft man, 2022 wieder vor Publikum auftreten zu können.

Burg Dilsberg: Führungen ab dem 27. Juni

Wenige Meter weiter geht es über eine Rampe in den inneren Teil, die Ruine der Hauptburg. Die Burg wurde zwischen 1150 und 1200 angelegt und in den 1330er Jahren umfangreich ausgebaut. Im Jahr 2015 erzählte Burg-Pächter Armin Erles im Gespräch mit HEIDELBERG24, wie sich das Besucherverhalten in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat: „Früher kamen im Sommer mehrere Busse mit Schulklassen und Tagestouristen hier an“, sagt Erles. „Die Parkplätze an der Steige (Zufahrtsstraße zur Burg, die Red.) waren an Wochenenden komplett belegt. Heute ist das Besucheraufkommen leider etwas zurück gegangen.

Wegen Corona war die Burg Dilsberg wie so viele andere Monumente in Baden-Württemberg lange geschlossen. Seit 30. Mai können Besucher aber wieder von Dienstag bis Sonntag die Ruine besichtigen. Ab 27. Juni werden dann auch unter Corona-Auflagen wieder Führungen angeboten. Diese finden an Sonn- und Feiertagen um 15 Uhr statt. Wer an der öffentlichen Führung teilnehmen möchte, meldet sich bis 12 Uhr am letzten Werktag vor der Führung unter info@tourismus-neckargemuend.de oder Telefon +49 (0)6223/3553 an. Die Führungen sind auf maximal zehn Personen begrenzt. Gruppen bis zu neuen Personen können auch frei wählbare Termine buchen. Mehr Infos unter: burgfeste-dilsberg.de.

Burg Dilsberg: Mark Twain und der Brunnenstollen

Im Zentrum des Hofs der Innenburg befindet sich der etwa 46 Meter tiefe Brunnen. Vom Wald östlich der Feste führt ein rund 80 Meter langer, unterirdischer Stollengang zum Brunnenschacht. „Im Brunnenstollen herrschen das ganze Jahr über zehn bis zwölf Grad“, verrät Burgpächter Erles – bei Temperaturen jenseits der 30 Grad im Hochsommer eine willkommene Abkühlung. Platzangst sollte man bei der gebückten Begehung des Brunnenstollens allerdings nicht haben. Leider ist der Brunnenstollen dieses Jahr corona-bedingt geschlossen, da die erforderlichen Abstände nicht eingehalten werden können.

Brunnenstollen unter der Burg Dilsberg.
Der Brunnenstollen unter der Burg Dilsberg. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Die Wiederentdeckung des Stollens verdanken die Dilsberger wohl niemand geringerem als Mark Twain. Eine Floßfahrt zwischen Heilbronn und Heidelberg führte den amerikanischen Schriftsteller 1878 auch am Dilsberg vorbei. Dabei schnappte er die Legende von einem Geheimgang auf, durch den die Feste mit einer Neckarsteinacher Burg auf der anderen Flussseite verbunden sein sollte. Die Legende verarbeitete Twain in seinem halb-fiktiven Reisebericht „Bummel durch Europa“. Was Twain sonst noch über die „Idioten-Fabrik“ zu sagen hat, erliest man sich am Besten selbst. Seine Erzählungen bewegten den Deutsch-Amerikaner Fritz von Briesen dazu, aus New York anzureisen und sich in den Brunnen abseilen zu lassen. Dort fand er tatsächlich den Stollen und ließ ihn 1926 mit einer Spende freilegen. Heute ist eine Straße im Neubaugebiet des 2.000-Seelen-Örtchens nach Fritz von Briesen benannt.

Burg Dilsberg: Kommandantenhaus, Fachwerk und enge Gassen

Der Rückweg vom Burgstollen führt in Richtung Norden zwischen bewaldetem Hang und alter Burgmauer. Durch das kleine Stadttor an der Nordseite gelangt man in den historischen Ortskern von Dislberg. Malerisch fügen sich die Fachwerkhäuser an die Burgmauer. Vorbei an der katholischen Kirche, Cafés und einer Chocolaterie schlendern wir über das Kopfsteinpflaster zum Stadttor herunter, in dem heute ein Teil der Jugendherberge untergebracht ist. Ein Landschulheim in einer Burg – bestimmt eine spannende Sache!

Das Kommandantenhaus, im Hintergrund Neckarsteinach.
Das Kommandantenhaus, im Hintergrund Neckarsteinach. © HEIDELBERG24/Florian Römer

Bis 1982 gingen Dilsberger Kinder übrigens in der Burg zur Schule: der Unterricht fand im Kommandantenhaus unterhalb des sechseckigen Bergfrieds statt. Heute wird das Kommandantenhaus zur Förderung von Kunst und Kultur genutzt. Die Burg selbst diente im 19. Jahrhundert als Staatsgefängnis, nachdem sie gemeinsam mit dem Ort am Ende der Kurpfalz 1803 an das Land Baden gegangen war. (rmx)

Burgfeste Dilsberg

Adresse: Burghofweg, 69151 Neckargemünd-Dilsberg

Öffnungszeiten Burg und Burghof: Di-So 10-17:30 Uhr

Eintritt: 2 Euro Erwachsene, 1 Euro ermäßigt, 5 Euro Familien

Führungen: Sonn- und Feiertage 15 Uhr (Preis: 3 Euro Erwachsene, 1 Euro Kinder (zzgl. Burgeintritt)

Anmeldung für Führung unter info@tourismus-neckargemuend.de oder Telefon +49(0)6223/3553.

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