Instagram-Video empört Netzgemeinde

Frau durfte nicht im Burkini schwimmen – Aquadrom äußert sich zu Rassismus-Vorwürfen

+
Eine junge Muslimin erhebt nach einem Besuch im Aquadrom in Hockenheim Rassismus-Vorwürfe gegen das Schwimmbad.

Hockenheim - Eine junge Frau erhebt Rassismus-Vorwürfe gegen das Aquadrom. Mitarbeiter sollen sie wegen ihres Burkinis nicht ins Schwimmbecken gelassen haben. 

„So was wünsche ich echt niemandem“, sagt eine junge Frau auf Instagram, nachdem sie ihre Geschichte erzählt hat. Das knapp 20-minütige Video zieht bereits weite Kreise auf der Social-Media-Plattform und handelt von einem Schwimmbad-Besuch der Muslimin im Aquadrom in Hockenheim. Wie die junge Frau erzählt, habe sie am 20. Juni mit einer Freundin und deren zwei Schwestern das Schwimmbad in Hockenheim besuchen wollen. Die Muslimin trägt aus religiösen Gründen ein Kopftuch – und somit im Schwimmbad auch einen Burkini. An der Kasse des Schwimmbads sei das Thema Burkini nicht zur Sprache gekommen, erzählt sie. Man hätte normal bezahlt und sei ins Schwimmbad gelaufen – bis zum Beckenrand.

Schwimmverbot mit Burkini? Junge Frau erhebt Vorwürfe gegen Aquadrom in Hockenheim

Ihre Freundinnen seien schon im Wasser gewesen, als zwei Mitarbeiter des Schwimmbads auf sie zugekommen wären, heißt es weiter im Instagram-Video. „Die Mitarbeiter meinten, ich könne dort nicht schwimmen“, erzählt sie. Begründet hätten sie es mit dem Reißverschluss an ihrem Burkini, der eine Verletzungsgefahr darstelle. „Mein Burkini ist ein beliebtes Modell, das man überall findet“, erklärt sie weiter. 

Die Mitarbeiter desAquadrom hätten ihr einen bedruckten Zettel gezeigt, auf dem ihr Burkini-Modell zu sehen gewesen sei. Mit einem Burkini-Modell ohne Reißverschluss dürfe sie ins Wasser, habe man ihr versichert. „Ein Zettel mit Modellen von Bikinis und Badehosen, für die eine Verletzungsgefahr gilt, gab es nicht“, empört sie sich. „Es ist schon eine Überwindung mit einem Burkini ins Schwimmbad zu gehen, weil man einfach angeschaut wird“, erzählt die junge Muslimin im Video über ihre Erfahrungen. Während der Diskussion am Beckenrand des Schwimmbads in Hockenheim sei sie zu allem Überfluss auch noch von anderen Badegästen angepöbelt worden. Das Video habe sie gedreht, um auf das Thema aufmerksam zu machen. „Ich habe doch einfach nur mehr Stoff am Körper – ich verstehe es nicht.“

Burkini-Vorwürfe in Hockenheimer Schwimmbad: Aquadrom nimmt Stellung

Die junge Frau, die die Burkini-Vorwürfe erhebt, erzählt in ihrem Video von einem Gespräch mit einer Schwimmbad-Verantwortlichen in Hockenheim, das sehr unhöflich verlaufen sei. „Wir sind dann in ein anderes Schwimmbad gegangen“, erzählt sie auf Instagram. Wie eine Sprecherin des Aquadrom in Hockenheim am Freitag auf Anfrage mitteilt, habe man am Tag des Vorfalls sowie am Donnerstag versucht, einen persönlichen Kontakt mit der jungen Frau im Video herzustellen – jedoch vergeblich. „Der Vorwurf macht uns sehr betroffen. Das Aquadrom distanziert sich klar von rassistischem Verhalten“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von Aquadrom, Stadtwerke Hockenheim und Stadt Hockenheim. Burkinis seien in dem Schwimmbad keine Seltenheit und grundsätzlich erlaubt. „Das Aquadrom ist ein buntes Bad, in dem jeder willkommen ist.“ 

Burkini-Reißverschluss als Sicherheitsrisiko? So erklärt das Aquadrom das Schwimmverbot

Beim Thema Schwimmen mit Burkinis würde sich das Aquadrom an der Vorgabe der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen orientieren, heißt es in der Stellungnahme weiter. Demnach gehöre auch ein Burkini zu der „üblichen Badekleidung“ ohne Taschen oder Reißverschlüsse. Darauf hätten die Aquadrom-Mitarbeiter die junge Frau aufmerksam gemacht. Weil es in dem Wellenbecken Hochleistungspumpen gäbe, bei denen starke Strömungen erzeugt würden, hätte für die junge Frau sogar eine größeres Risiko als in einem normalen Becken bestanden. „Sollte sich ein Reißverschluss, ein längeres Bändchen an der Badebekleidung oder lange Stoffbahnen darin verfangen, würde der Träger dauerhaft unter Wasser gezogen und es bestünde Lebensgefahr.“ 

Aquadrom in Hockenheim im Umgang mit Burkinis: Nicht der erste Vorwurf dieser Art  

Schon einmal – im Sommer 2018 – sah sich das Aquadrom in Hockenheim mit Burkini-Vorwürfen dieser Art konfrontiert: Eine junge Frau hatte öffentlich erzählt, wie sie von einem Bademeister des Schwimmbads wegen ihres Burkinis rausgeworfen wurde. Ein Sprecher des Aquadroms hatte sich damals klar von rassistischem Verhalten distanziert – die Mitarbeiter des Schwimmbades hätten Zweifel daran gehabt, dasss es sich um das Kleidungsstück der jungen Frau tatsächlich um einen Burkini gehandelt hätte. 

Die Debatte um den Burkini

Immer wieder gibt es Diskussionen über den Burkini – die Badeanzüge, die den ganzen Körper bedecken. Zuletzt hatte eine Muslimin in Koblenz wegen eines Burkini-Verbots für städtische Schwimmbäder geklagt. Das rheinland-pfälzische Oberverwaltungsgericht hatte daraufhin das Verbot gekippt. Die Badeordnung der Schwimmbäder in Koblenz, die das Burkini-Verbot beinhaltete, verstoße gegen das verfassungsrechtliche Gleichbehandlungsgebot.

Unterdessen präsentierte das Bademoden-Magazin „Sports Illustrated Swimsuit“ ein Burkini-Model auf dem Cover – und wurde dafür sowohl gefeiert, als auch kritisiert. 

Hockenheim steht unter Schockstarre - Oberbürgermeister Dieter Gummer schwer verletzt 

Am Montagabend (15. Juli) lockt ein Unbekannter den Oberbürgermeister von Hockenheim vor die Tür seines Hauses. Als dieser vor ihm steht, schlägt der Mann plötzlich zu!

kab

Quelle: Mannheim24

Das könnte Dich auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare