1. Heidelberg24
  2. Region

Baden-Württemberg: „Fahrlässig“! SPD-Kritik an schlechter Booster-Quote in Pflegeheimen

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Daniel Hagen

Kommentare

Baden-Württemberg - Für ältere Menschen und Heimbewohner wurde bereits eine zweite Booster-Impfung empfohlen – doch viele haben nicht einmal die erste Auffrischung:

Mit dem Impfstoff des Unternehmens Novavax gibt es derzeit gleich fünf zugelassene Vakzine gegen das Coronavirus, die teilweise sogar unterschiedlich hergestellt werden. Einer Impfung steht damit eigentlich nichts mehr im Weg. Nach mehreren teilweise tödlichen Corona-Ausbrüchen in Pflegeheimen ist es zudem besonders wichtig, dass die dortigen Bewohner und Mitarbeiter wie Pflegekräfte vollständig geimpft sind. Sieht man sich aber die landesweite Booster-Quote an, liegt diese am 25. Januar gerade einmal bei 77,5 Prozent für Bewohner sowie bei 51,4 Prozent für Angestellte von solchen Einrichtungen. Auch in Baden-Württemberg sieht es laut der Deutschen Presse Agentur nicht wirklich besser aus.

BundeslandBaden-Württemberg
Fläche35.751 km²
Bevölkerung11.103.043 (31. Dezember 2020)
HauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)

Baden-Württemberg: Niedrige Booster-Quote in Pflegeheimen

Die SPD hat vor kurzem eine Anfrage beim Gesundheitsministerium unter Minister Manne Lucha gestellt, in der es um den Status der Impfungen in den Heimen der einzelnen Stadt- und Landkreise geht. Mitte Februar haben die Sozialdemokraten eine Antwort für 33 Stadt- und Landkreise erhalten. Ergebnis: In den meisten Kreisen liegt die Booster-Quote der Heimbewohner zum Zeitpunkt der Erhebung noch unter 80 Prozent. Im Kreis Ravensburg, dem Wahlkreis von Lucha, ist sie mit 68 Prozent besonders niedrig, im Kreis Konstanz liegt sie gar nur bei 67 Prozent.

In einzelnen Heimen sieht die Lage sogar noch weit düsterer aus, wie die Antwort des Ministeriums ergibt. Denn für jeden Stadt- und Landkreis werden auch die fünf Pflegeheime mit den jeweils niedrigsten Quoten für die Auffrischungsimpfung erfragt. In Ravensburg gibt es demnach ein Heim, in dem nur 11 Prozent der Bewohner einen Booster erhalten haben. Im Kreis Karlsruhe liegt das „schlechteste“ Heim nur bei 7,7 Prozent, im Ortenaukreis und im Kreis Esslingen gibt es dem Ministerium zufolge sogar Einrichtungen, in denen kein einziger Bewohner geboostert ist. In Stuttgart führt die Negativliste ein Pflegeheim an, in dem nur 12,5 Prozent der Bewohner einen Booster erhalten haben.

Baden-Württemberg: SPD-Fraktionschef bezeichnet Booster-Quote als fahrlässig

„Dass immer noch durchschnittlich jeder vierte in Pflegeheimen Wohnende nicht geboostert ist, ist kein Erfolg, sondern fahrlässig“, sagt SPD-Fraktionschef Andreas Stoch. In einer Meldung des Landesgesundheitsamtes von Donnerstag (3. März) klingt das etwas anders. „Die Impfquoten sind sicher weiter ausbaufähig, aber die Richtung stimmt“, der Prof. Uwe Lahl, Amtschef Pandemiebewältigung im Sozialministerium. Sowohl für Bewohner als auch Angestellte lägen die Impfquoten über denen in den entsprechenden Altersgruppen der Allgemeinbevölkerung.

Manne Lucha im Landtag Stuttgart.
Manne Lucha wird wegen niedriger Booster-Quote kritisiert. (Symbolfoto) © Bernd Weissbrod/dpa

Doch auch in der Meldung zeigt sich, dass in Baden-Württemberg gerade einmal 60,2 Prozent der Beschäftigten sowie 81,0 Prozent der Betreuten eine Booster-Impfung haben. Dabei hat die STIKO vor kurzem sogar eine Empfehlung für eine zweite Auffrischungsimpfung für Beschäftigte in Heimen und der Bewohner ausgesprochen. Immerhin sind Stand März 93,1 Prozent der Betreuten und 88,4 Prozent der Heimangestellten doppelt geimpft.

Baden-Württemberg: Aus diesen Gründen lassen sich Heimbewohner nicht impfen

Wenn ab dem 16. März aber die einrichtungsbezogene Impfpflicht eingeführt wird, müssen sich mehr Angestellte immunisieren lassen – oder sie verlieren ihren Job. Besonders niedrig ist die Boosterquote unter den Pflege-Beschäftigten in den Heimen im Kreis Reutlingen mit 39 Prozent, in den Heilbronner Heimen liegt sie bei 41,4 Prozent. SPD-Gesundheitsexperte Florian Wahl forderte daher Manne Lucha auf, in den Pflegeheimen mehr für die Impfung zu werben. „Das reine Impfangebot von außen reicht nicht aus, um die noch zweifelnden Bewohnerinnen und Bewohner, ihre Angehörigen und gesetzlichen Beistände sowie die noch nicht geimpften Beschäftigten zum Impfen zu bewegen.“

Die Gründe, warum sich Heim-Bewohner nicht impfen lassen, sind unterschiedlicher Natur. Dazu gehören akute Erkrankungen verbunden mit langen Krankenhausaufenthalten, eine Verschlechterung des Allgemeinzustands oder eine generelle Ablehnung, die auch Skepsis gegenüber den Corona-Vakzinen beinhalten kann. In so manchem Fall ist es auch möglich, dass die Heimleitung selbst nicht von der Impfung überzeugt ist. (pm/dpa/dh)

Auch interessant

Kommentare