Kritik für Vorschlag

Corona in Baden-Württemberg: Trotz Lockdown – Eisenmann fordert Präsenzunterricht

Baden-Württemberg - Kultusministerin Susanne Eisenmann fordert Präsenzunterricht an Schulen – auch dann, wenn der Lockdown weitergehen sollte. Das stößt auf viel Kritik.

Im ersten Lockdown im März sind Schulen und Kitas sofort geschlossen worden. Im zweiten Lockdown bleiben sie erst geöffnet, bis die Zahlen so sehr steigen, dass alle Schüler früher in die Ferien oder den Fernunterricht geschickt werden. Doch wie soll es im Jahr 2021 weitergehen? Diese Frage spaltet gerade Schüler, Lehrer, Eltern und die Politik. Wie geht man richtig mit dem Coronavirus um und sorgt trotzdem für den wichtigen Unterricht des Nachwuchses? Wenn es nach der baden-württembergischen Kultusministerin Susanne Eisenmann geht, sollen die Schüler bereits ab dem 11. Januar wieder in der Schule sitzen – auch, wenn der Lockdown verlängert werden sollte.

NameSusanne Eisenmann
Geboren28. November 1964, Stuttgart
Partei CDU
AmtMitglied des Bundesrates seit 2016
AusbildungUniversität Stuttgart

Corona in Baden-Württemberg: Eisenmann fordert Präsenzunterricht

Auch wenn der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird, sollten Kitas und Grundschulen wieder öffnen für Präsenzunterricht. In diesen Altersklassen ist es unerlässlich, dass Kinder in Kitas gehen und in Schulen lernen“, sagt Susanne Eisenmann der Bild-Zeitung. Man dürfe in der aktuellen Krise nicht nur auf Virologen hören, sondern auch auf Kinderärzte und Kinderpsychologen. Diese warnen schon seit mehreren Monaten vor den Langzeitfolgen von geschlossenen Schulen. Auch, weil die Zahlen häuslicher Gewalt in der Corona-Krise gestiegen sind. Das zeigen auch dramatische Zahlen der Gewaltambulanz am Uniklinikum Heidelberg.

Die Ministerin fällt während der Pandemie nicht zum ersten Mal mit einer unterschiedlichen Meinung auf. So bezeichnet die 56-Jährige Wechselunterricht als „existentiellen Fehler“ und kritisiert einen Beschluss, der die Weihnachtsferien vorzieht, damit Schüler sich vor den Feiertagen länger in Quarantäne begeben können. Damit stellt sich Eisenmann klar gegen die Beschlüsse von Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer Minister. In diesem Fall widerspricht sie auch ihrem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.

Corona in Baden-Württemberg: Kritik an Vorschlag von Susanne Eisenmann

Auch der aktuelle Vorschlag von Susanne Eisenmann sorgt für viel Kritik. So bewertet SPD-Chefin Saskia Esken in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe den Vorschlag der Kultusministerin als „geradezu unverantwortlich“. Ihre Partei hat unterdessen eine Karikatur über die CDU-Ministerin gepostet, wie BW24.de berichtet. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach spricht sich gegen einen normalen Schulbetrieb nach am 10. Januar aus. „Nach dem Lockdown darf es keine Rückkehr zum regulären Präsenzunterricht geben. Maske, Lüften plus 30 Kinder geht nicht, ansonsten droht wieder exponentielles Wachstum der Infektionszahlen“, mahnt der 57-Jährige.

Der Arzt mit Schwerpunkt Epidemiologie fordert stattdessen „bundesweit geteilte Klassen, zusätzliche Unterstützung für Lernschwächere, ausnahmslose Maskenpflicht in den Schulgebäuden und verkürzte Sommerferien zum Ausgleich der Defizite.“ Kürzere Sommerferien unterstützt auch der Deutsche Kinderschutzbund. Zudem sollen die Weihnachtsferien bis Ende Januar verlängert werden. Mittlerweile ist bereits beschlossen worden, dass die Vergabe der Halbjahres-Zeugnisse bis Ende Februar verschoben werden darf – statt wie sonst zu Beginn des Monats.

Corona in Baden-Württemberg: Gewerkschaft fordert Klarheit – und zwar schnell

Die Chefin der Bildungsgewerkschaft GEW, Marlies Tepe, fordert, dass schnell Klarheit geschaffen werde. Schließlich bräuchten Kitas, Schulen und Unis Zeit, um sich auf die Umstellung vorzubereiten. „Mit dem Gesundheitsschutz ließe sich in der
augenblicklichen Situation aber nur ein Wechselunterricht in kleinen Gruppen verbinden, das fordern wir genau wie auch das Robert Koch-Institut“, sagt Tepe gegenüber Rhein-Neckar-Zeitung. (dpa/dh). HEIDELBERG24.de und BW24.de sind Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

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