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Bildungspolitik in Zeiten von Corona: eine Bankrotterklärung

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Von: Volker Pfau

Metropolregion - Nun haben wir es also offiziell: Der Lockdown in Baden-Württemberg geht weiter, medizinische Masken in Bus, Bahn und Supermärkten, mehr Home Office, Geschäfte und Schulen bleiben geschlossen. Ein Kommentar.

Die Landesregierung Baden-Württemberg hat am Dienstagabend nicht nur Beschlüsse gefasst – sie hat auch ihr totales Versagen für Gesundheit und Bildung von rund 1,5 Millionen Kindern dokumentiert.

Beginnen wir im Frühjahr 2020. Alle Schulen dicht. Von „Fernunterricht“ schwadroniert Baden-Württembergs Kultusministerin Eisenmann in zahllosen Interviews. Schulleiter erhalten freitags aus dem Kultusministerium Anweisungen, wie es am Montag weiter gehen soll. In den allermeisten Schulen, insbesondere in den Grundschulen des Landes, scheitert der „Fernunterricht“ grandios. Eltern sind verzweifelt.

Allenthalben wird über die nicht existente technische Infrastruktur für digitalen Unterricht geklagt und die Landesregierung verspricht Besserung. Vorschläge von Bildungsexperten, die Rekrutierung von Lehramtsstudenten und die Aktivierung von alternativen Klassenräumen schnell zu beginnen, verhallen ungehört. 

Corona in Baden-Württemberg: Digital am Fernunterricht sind meist nur die E-Mails

Der Sommer kommt. Schulklassen werden kurz vor den Sommerferien geteilt; eine Woche sind die Kinder in der Schule, eine Woche haben sie „Fernunterricht“ - meist weiterhin Arbeitsblätter für eine Woche. Digital daran ist bestenfalls, dass die Arbeitsblätter manchmal per E-Mail zugeschickt werden.

Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerpräsident von Baden-Württemberg, schaut während der Landtagssitzung zu Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).
Waren sich beim Themenkomplex rund um die Schulöffnung nur selten eins: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (l.) und Kultusministerin Susanne Eisenmann. © Sebastian Gollnow/dpa

Der Sommer ist da, die Inzidenzzahl sinkt. Die Schulen können Endgeräte für benachteiligte Kinder ordern. Die digitalen Lernplattformen werden aufgerüstet. Erste Mahnungen tauchen auf, eine zweite Welle drohe im Herbst. Die Landesregierung verweist auf AHA und … „Lüften“, genauer gesagt: „Stoßlüften“. Unbeachtet bleiben Studien der Universität der Bundeswehr München und US-Studien, dass Luftreiniger die Belastung durch Aerosole zusätzlich drastisch senken können. „Stoßlüften“ reiche vollkommen aus und ist auch billiger. Sonstige Pläne? Fehlanzeige. 

Der Herbst ist da, die Infektionszahlen steigen. In Senioren- und insbesondere in Pflegeheimen infizieren sich viele Menschen. Die Inzidenzzahlen schnellen in ungeahnte Höhen. AHA und „Stoßlüften“ sind offenbar weiterhin die einzige Antwort. Schnelltests, FFP2-Masken für alle Lehrer und Erzieher (und alle Besucher von Heimen), Unterstützung von Lehramtsstudenten, alternative Klassenräume etc. etc. - alles Fehlanzeige. Nada. Nichts.

Der Winter ist da. Der 2. Lockdown auch. „Light“ nennen diesen Lockdown manche. Für Schüler und Studenten (und viele Eltern) ist es ein Total-Lockdown. Psychische Gesundheit und das Grundrecht auf Bildung fallen für 1,5 Millionen Schüler in Baden-Württemberg unter den Tisch. Man muss da halt durch. Ministerpräsident Kretschmann fällt am 14. Januar auf, dass Grundschüler nicht im ÖPNV unterwegs seien; da könne man was tun. Aber jetzt ist es so, dass man leider, leider die Schulen geschlossen halten müsse. Kulturministerin Eisenmann betont, sie wolle die Schulen schnellstens wieder öffnen. Fünf Tage später weiterhin die Aussage, man wolle eine „Öffnungsperspektive erarbeiten“ - wenn es die Zahlen den zulassen. Konkretes: nichts. Wie lautet das Credo von Ministerin Eisenmann: „Wir sind dran!

Corona in Baden-Württemberg: Bildungspolitik wird zum Totalversagen – Verlierer sind die Kinder

Schnelltests für Lehrer und Erzieher, Unterstützung durch Lehramtsstudenten, zusätzliche alternative Klassenräume, Luftreiniger, gestaffelte Startzeiten für Schüler, die Aktivierung der privaten Busunternehmen und noch viele andere Einzelmaßnahmen, um die Schulen am Laufen zu halten, sind weiterhin nicht genutzt – nicht mal diskutiert. Nach rund zehn Monaten sind wenigstens die Verordnungen verständlich formuliert. Aber das ist schon alles. Das kann nicht anders als ein Totalversagen in der Bildungspolitik des Landes bezeichnet werden. Am 14. März folgt die Quittung.  

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