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Corona-Impfstoff: Entwicklung, Verbreitung und Mythen

Die ganze Welt wartet auf den Impfstoff gegen das Coronavirus. Doch welche Länder und Unternehmen arbeiten daran? Und welche Prozesse müssen vor der Zulassung durchlaufen werden? Alle Antworten darauf:

  • Im Dezember 2019 wird der erste Fall des Coronavirus im chinesichen Wuhan entdeckt.
  • Anschließend breitet sich das Virus auf der ganzen Welt aus – Covid19 (SARS-CoV-2) wird zur Pandemie erklärt.
  • Die ganze Welt wartet auf einen Corona-Impfstoff – zahlreiche Unternehmen arbeiten daran.

Das Coronavirus hat die Welt, wie wir sie kennen, komplett verändert. Maskenpflicht, geschlossene kulturelle und gastronomische Betriebe und einen dauerhaften Mindestabstand von 1,5 Metern bestimmen seit Ausbruch im Dezember 2019 in sukzessive den Alltag. Nach dem Ausbruch in der chinesischen Stadt Wuhan verbreitet sich das Virus um den Erdball und wird nur wenige Monate danach zur Pandemie erklärt. Nach den offiziellen Zahlen der WHO sind aktuell weltweit 50.266.033 mit dem Virus infiziert gewesen – 1.254.567 verlieren im Zusammenhang mit Covid-19 ihr Leben (Stand: 10. November 2020). Nun wartet die ganze Welt gespannt auf einen Impfstoff gegen das Coronavirus, damit das Leben endlich wieder normal weitergehen kann.

Coronavirus-Impfstoff: Wie viele Stoffe sind in der Entwicklung?

Nach Informationen der WHO vom 3. November gibt es derzeit 47 Impfstoffkandidaten, die sich in der klinischen Bewertung befinden. Zudem sind noch 155 Kandidaten in der vorklinischen Bewertung. In Deutschland arbeiten die Unternehmen BioNTech aus Mainz, CureVac aus Tübingen sowie das Uniklinikum Tübingen und die Ludwig-Maximilians-Universität in München an einem Corona-Impfstoff. Doch auch in China, Japan, Großbritannien, den USA, Israel, Russland, Kuba und vielen weiteren Ländern wird mit Hochdruck geforscht. Eine Übersicht dazu findest Du hier.

Glücklicherweise müssen die Forscher nicht bei Null anfangen. Denn die Auswertung anderer Coronaviren, wie das „Middle East Respiratory Syndrome“ (MERS) und das „Schwere Akute Respiratorische Syndrom“ (SARS), haben bereits vor Jahren erste Erkenntnisse gebracht, auf denen nun aufgebaut werden kann.

Coronavirus-Impfstoff: So läuft die Forschung

Normalerweise kann die Entwicklung eines neuen Impfstoffes eine Zeitspanne von acht bis 17 Jahren einnehmen. Zuerst muss das passende Antigen gefunden werden, mit dessen Hilfe dann ein Impfstoff hergestellt wird. Anschließend geht der Stoff in die vorklinische Phase, bevor er in der klinischen Phase auf Sicherheit, Immunogenität (Auslösung einer Reaktion im Körper) und Wirksamkeit getestet wird. Sind alle diese Phasen abgeschlossen und lückenlos dokumentiert, kann eine Zulassung in Angriff genommen werden. Im Fall des Coronavirus kann die Menschheit aber nicht bis zu 17 Jahre lang auf einen Impfstoff warten.

Von der Bestimmung des Antigens bis zur Zulassung.

Trotzdem müssen die drei Phasen einer Entwicklung eingehalten werden, damit keine Impfschäden entstehen. Doch wie soll das funktionieren? „Die Beschleunigung der Impfstoffentwicklung ist zum einen damit zu erklären, dass für sie viel Geld investiert wird und damit Studien ohne Zeitverzögerung im großen Stil durchgeführt werden können. Zum anderen überwachen und prüfen die Zulassungsbehörden die Impfstoffentwicklung so schnell es geht“, schreibt die Bundesregierung dazu. Außerdem nutzen die Forscher eine „rollende Zulassung“. Das bedeutet, dass die Erkenntnisse nicht erst über Jahre hinweg gesammelt werden müssen, sondern, dass sie Stück für Stück abgegeben werden können.

Coronavirus-Impfstoff: Vorurteile über RNA sind falsch

Um eine Impfung zu erschaffen, muss es normalerweise erst vermehrt und dann zerstört werden, um die Reste dem Körper zu verabreichen. Bis die Viren allerdings in ausreichender Zahl gezüchtet worden sind, können Monate vergehen. Daher nutzen die Forscher für das Coronavirus eine sogenannte virale messenger RNA (mRNA). Dabei handelt es sich um Viruserbgut, das die Bestandteile des echten Virus in sich trägt – aber völlig harmlos ist.

Ein mittlerweile weit verbreiteter Mythos über die mRNA bezieht sich auf die menschliche DNA. So heißt es, dass die mRNA in das Erbgut des Geimpften eindringen und sie verändern würde. Das stimmt allerdings nicht. Die mRNA gelangt stattdessen in die Zellen, wird dort abgelesen und dann wieder abgebaut. Diese Vorurteile werden oft von Impfgegner oder Verschwörungsideologen verbreitet. Ebenfalls hält sich der Verschwörungsmythos, dass Bill Gates mit den Impfstoffen Mikrochips in die Menschen einpfalzen möchte – was natürlich auch nicht der Wahrheit entspricht.

Coronavirus-Impfstoff: Das ist der aktuelle Stand

Seit Monaten arbeiten Unternehmen wie BioNTech oder CureVac mit Hochdruck an einem Corona-Impfstoff. Laut WHO befinden sich derzeit gleich zehn Stoffe in Phase 3, werden also an tausenden Menschen im Land getestet. Ist der Test erfolgreich, kann eine Zulassung erfolgen. Das Unternehmen BioNTech hat bekannt gegeben, dass sie bereits Mitte November eine Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA und wohl auch bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA beantragen werden.

Dann kommt allerdings der nächste kritische Teil. Denn der Corona-Impfstoff kann zu Beginn nicht in so großen Mengen hergestellt werden, dass er für alle 83 Millionen Bürger Deutschlands genutzt werden kann. Aus diesem Grund haben Vertreter des Deutschen Ethikrates, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der ständigen Impfkommission in Berlin ihren Masterplan vorgestellt. Dieser soll Regeln, wer zuerst geimpft werden soll. Bundesforschungsministerin Anja Karliczek geht davon aus, dass bis Mitte des Jahres 2021 alle Bundesbürger gegen das Coronavirus immun sein sollten.

Coronavirus-Impfstoff: Werden bereits Impfungen verabreicht?

Während die meisten Länder der Welt noch auf den erlösenden Impfstoff warten, sind andere bereits fleißig am Verabreichen. So gibt es in Russland schon seit dem 11. August den Impfstoff „Sputnik V“ und seit Mitte Oktober einen zweiten unter dem Namen „EpiVacCorona“. Doch die Impfungen sind sehr umstritten. Denn Russland hat die 3. Phase der klinischen Studien einfach übersprungen und testet nun an etwa 40.000 Menschen – vor allem Klinikpersonal und Lehrern. Ein drittes Serum sei laut Präsident Wladrimir Putin bereits in der Mache.

Auch in China wird seit ein paar Tagen der Impfstoff des Unternehmens „Sinvac“ verabreicht. Dieser hat eine Notfallzulassung erhalten und wird auch in anderen Ländern getestet. In Brasilien ist der Test allerdings gerade gestoppt worden. Die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa hat bekannt gegeben, dass bereits seit 29. Oktober wegen „schwerwiegenden Nebenwirkungen“ das Serum nicht mehr verabreicht wird. Worum es sich dabei genau handelt, ist bislang unklar.

Coronavirus-Impfstoff: Wird es eine Impfpflicht geben?

Es wird zu einer freiwilligen Impfung kommen. Wir sind sehr, sehr zuversichtlich, dass wir das Ziel einer ausreichend hohen Impfquote freiwillig erreichen - mit einer hohen Akzeptanz für Impfungen“, betont Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bereits am 15. September. Auch Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, hat sich am 9. November gegen eine solche Pflicht ausgesprochen. Es sei wichtiger Vertrauen für das Mittel aufzubauen und Impfängste ernst zu nehmen.

Nach einer Erhebung von Statista befürworten insgesamt 54 Prozent der Befragten eine Impfpflicht, während 25 Prozent sie ablehnen. Einer Studie der Universität Heidelberg zufolge würden sich 55 Prozent der 1.353 Teilnehmer freiwillig impfen lassen. Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Gerald Haug, betont vor kurzem, dass mindestens 70 Prozent der Bevölkerung impfen lassen müssten, damit eine Herdenimmunität entsteht.

Coronavirus-Impfstoff: Wird das Serum Nebenwirkungen haben?

Auch etablierte Impfstoffe haben Nebenwirkungen. Wichtig ist, diese genau zu kennen. Denn nur dann ist eine sichere Entscheidung möglich, für wen der Impfstoff unbedenklich ist und wer mehr Nutzen als Risiken durch eine Impfung hat“, heißt es auf der Seite der Bundesregierung. Aus diesem Grund soll ein zentrales Impfregister angelegt werden, um mögliche Nebenwirkungen besser erkennen zu können.

Sobald ein Corona-Impfstoff zugelassen wird, wird er dennoch weiter beobachtet. Manchmal lassen sich sehr seltene Nebenwirkungen erst nach der Zulassung erfassen. Hier gibt es allerdings noch Bedenken über den Datenschutz. Auch unklar ist derzeit noch, wie oft und in welchen Intervallen die Impfung verabreicht werden muss.

Coronavirus-Impfstoff: Wer bekommt das Serum zuerst?

Auf einer Pressekonferenz der Vertreter des Deutschen Ethikrates, der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina und der ständigen Impfkommission wird der Masterplan vorgestellt. Demnach sollen erst die Menschen das Serum erhalten, die durch Krankheit oder ihre Arbeit ein hohes Risiko haben. Dazu zählen Bewohner von Pflegeheimen, Pflegekräfte, Feuerwehrleute, Polizisten, Lehrer, Erzieher und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes. Der Rest der Bevölkerung wird anschließend folgen.

Gerald Haug, Alena Buyx und Thomas Mertens erklären, wie der Impfstoff verteilt werden soll.

Deutschland hat zudem mit Frankreich, Italien und den Niederlanden eine Impfallianz gebildet, mit der Impfdosen für alle Mitgliedsstaaten der EU gesichert sind. Die Europäische Kommission hat derweil einen Vertrag über den BioNTech-Impfstoff beschlossen. Dieser soll nach Informationen der Bild-Zeitung bereits am Mittwoch (11. November) unterschrieben werden. Durch den Deal können etwa 200 Millionen Impfdosen hergestellt werden – mindestens die Hälfte davon geht wohl nach Deutschland.

Coronavirus-Impfstoff: Wo kann man sich impfen lassen?

Anders als eine Immunisierung gegen Masern oder Tetanus wird es die Corona-Impfung nur in bestimmten Zentren geben. Davon soll es etwa 60 Stück in ganz Deutschland geben. Das hat zwei Gründe: Zum einen muss das Serum aufwendig gekühlt werden, was eine genaue Logistik erfordert. Zum anderen soll Hausärzten nicht die Pflicht auferlegt werden, zu entscheiden, wer den zu Beginn seltenen Impfstoff als erstes erhalten darf.

Neben den Zentren werden zudem mobile Impfteams losgeschickt, die in Pflegeheimen zum Einsatz kommen. Einen genauen Plan, wer ab wann geimpft wird und wo die Zentren errichtet werden, gibt es bislang aber noch nicht. Eines ist jedoch sicher: bis alle geimpft sind, werden wir uns noch weiterhin an die Maskenpflicht und die Kontaktbeschränkungen halten müssen.(dh)

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

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